Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1912)
- Date
- 1912-01-19
- Page
- Seite 31 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3229015-3229019--68121-3280364- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
von Humor durchtränkte, mit scharfer Satire gewürzte Rede zu hören und den mächtigen Eindruck zu konstatieren, den diese flammende Ansprache auf alle Anwesenden übte, der muß bekennen, welch eminente Kraft damit den Juden geraubt worden ist, und wird den großen schmerzlichen Verlust, der durch seinen Tod der Gesamtheit zugefügt ist, aus tiefem Herzen bedauern. L. G. Wdilches non den LubilsumsmisttelllilMli in ton. . Von Romanus. III. 3n zweifacher Weise zeichnet sich die Abteilung der Vereinigten Staaten von Nordamerika aus: durch Porträts und durch Schwarzweiß-Sachen. Und aus beiden Gebieten fehlt es nicht an israelitischen Künstlern. Ernest L. Blumenschein ist in beiden vertreten. Nähert sich sein Oelbild eines ungenannten deutschen Tragöden beinahe der Karikatur, so ist das Gegenteil der Fall bei der Zeichnung eines jungen Mädchens, das sich verzweifelt den Kopf hält. Die Größe ihres Schmerzes komint zu rührendem Ausdruck. Treffend ist auch feine Darstellung eines Bildhauerateliers. Im übrigen ist, wenn wir von Hugo Ballin absehen, dessen „Sappho" betiteltes Oelbild uns keine sehr glückliche Nachahmung Böcklins zu sein scheint, die Malerei amerikanischer Israeliten hauptsächlich durch drei Namen vertreten: Louis Loeb, den in England geborenen Albert Sterner und Elihu Vedder, den wir gegen Schluß unserer Wanderung noch einmal in einem der internationalen Säle des Hauptgebäudes antreffen werden. Während das Motiv für Loebs Zeichnung „80 Gilbert First met the Queen“ wegen der zeremoniellen Steifheit der Personen wenig dankbar ist, zeigt sich in der Moses Gzekiel „Allegro" betitelten seine darstellende Kraft bei drei Gesichtern. Von ausgestellten Zeichnungen Albert Sterners „The Companions", . „She sat broading" „Consumation" mag letztere .hervorgehoben werden: Ein vergrämter, im Kämmerchen bei Kerzenschein sitzender Mann wird von einer hereintretenden Dame in Trauer zum Handkuß zugelassen. Unter den Kreidezeichnungen Vedders ist wohl die getötete Medusa die hervorragendste. Bei den Schwarzweiß-Arbeiten fällt noch, ein fesches, keck lachendes Mädchen von William Levy auf. Diese kurze Uebersicht zeigt wohl aufs neue, daß im Gegensatz zu Europa die Vereinigten Staaten von Nordamerika ein weites Feld für zeichnerische Tätigkeit bieten. Was die Bildhauerkunst der Israeliten Amerikas betrifft, so genügt ein Name: Moses Ezekiel. Er hat — sehr zeitgemäß — gelegentlich des hundertjährigen Geburtstages Franz Liszts dessen sprechend ähnliche Büste, von der wir i eine Abbildung geben, ausgestellt. Als intimer Freund des 1 Kardinals, eines Bruders des Reichskanzlers Hohenlohe, hatte Ezekiel Gelegenheit, den berühmten.Tonsetzer.in der Ville d-Este zu Tivoli, welche der Kardinal Gewohnte,' nach^ dem Leben zu modellieren. Hierbei mag bemerkt sein, daß der Bildhauer unter den gegenwärtig, in Rom .lebenden Künstlern wohl der bekannteste ist, ebenso wie sein früheres und sein jetziges Atelier. Ein Vierteljahrhundert hatte er es, zweifellos das originellste der ewigen Stadt, in den oben erwähnten Diokletiansthermen, bis er es vor wenigen Jahren, als diese zur archäologischen Ausstellung benutzt, wurden, mit dem Turme des Belisar, welcher nicht weit von der Porta Pinciana in die vom Kaiser Aurelian .errichtete Stadtmauer eingebaut ist, vertauschte. , Daß im Königreich Ungarn,, welches, sich so stolz mit seiner großen Freiheit zu brüsten pflegt, nur getaufte Juden zu den allerhöchsten Ehren gelangen können, lehrt uns ein Blick in sein Ausstellungsgebäude: Michael Lieb, bekannter unter dem angenommenen Namen Munkacsy und Philipp Laszlo. Beide mit zahlreichen . hervorragenden Werken vertreten, wurden erst dann ' mit Aufträgen , und Ehrungen überhäuft, als sie den Glauben ihrer Väter abgeschworen hatten, um sich in den Schoß der allein selig machenden Kirche aufnehmen zu lassen! Erst dann — es scheint wie durch ein heiliges Wunder — vermochte ihr, Talent sich Bahn zu brechen. Doch viele andere bedeutende Kräfte sind dem Judentum erhalten geblieben. Man brauch^ nur Gustav Magyar Mannheimer zu nennen, welcher mit einem v Dutzend mehr oder minder guter Bilder vertreten ist. Mag er Landschaften seiner Heimat vor und nach... dem Gewitter, mag er eine schneebedeckte Straße, einen Hühnerhos darstellen, oder südliche Landschaften vom Quarnero und Capri: ein schwungvoller Zug ist ihnen allen eigen. Sind schon die beiden bäuerlichen Interieurs von Max Bruck gut in ihren Farben, so hat Isaak Perlmutter seine Farbentechnik ganz eigenartig. ausgebildet: Ein schimmernder Schmelz liegt über allen seinen Arbeiten. Die Interieurs , bei kleinen Leuten gelingen ihm am besten. Auszusetzen wäre an. ihnen nur die Ueberfülle von Gegenständen, mit denen gewöhn-, lich der Raum, angefüllt ist. Abweichend von derartigen Motiven hat er den Marktplatz des ungarischen Städtchens Beszterczebanya behandelt. ein Werk, das sich im Staatsbesitz befindet.. Von Leopold, Horovitz, dessen Portrütierkunst wir bereits jn Castel S. Angela und, der österreichischen Abteilung bewunderten, finden wir. nun im Pavillon seines Heimatlandes das aus dem vorigen Jahre stammende Selbstbildnis, welches uns seine scharf geschnittenen Züge im Profil, auf dunklem.Hintergrund,. in Herr Hand die Palette, auf dem Kopfe das Barett vor Augen führt. Unter den zahlreichen israelitischen Architekten,welche in Ungarn arbeiten, - .feien David und Sigmund Jonas, mit ihren Entwurf zu dem .Palaste hes Ackerbauministeriums in Budapest hervorgehoben. .; v .. Franz Liszt.