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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-01-19 · Heft 3 (19.1.1912) · p. Seite 28

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 3 (19.1.1912)
Date
1912-01-19
Page
Seite 28 (sequence 4)
Language
German
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Unbeu.gsaU setzten die Arbeiter ihren Kampf'fort. Auf Seite - der Unternehmer— Polizeihund Sireikbrsechtzr,^ den Arbeitern kamen zu Hilfe ihre' Klassen genossen 'im ganzen Tätigkeitsgebiet des jüdischen Arbeiterbunbes. und durch Vermittlung des Zentralkomitees des „Bund" auch die' russischen Gewerkschäftsverbände in Petersburg und Moskau. Auch das Auslandskomitee' des „Bund" organisierte ine Geldsamnllung zugunsten der Streikenden, und überall, wo Förderungsgruppen und Freunde des „Bund" vorhanden sind, wurde dem Nus ' des Komitees Folge geleistet. Die Hilfe kam rechtzeitig, und die Arbeiter siegten: der Achtstundentag ist überall wieder hergestellt. Die wirtlchsktliche Lage der Juden in Lonttsntiiwpel. Von Dr. Alphons I. III. Sußnitzki. (Nachdruck verboten.) onstantinopel ist unstreitig eine der schönstgelegenen Städte der Welt. In einem Moment besonders guter und gütiger Laune scheint die Natur dieses entzückende Fleckchen Erde hingezaubert zu haben. Und nur in tiefster Ergriffenheit und in einem Gefühl ^Höchster Dankbarkeit für den gnadenreichen Schöpfer vermag man sich in all die Schönheit und Herrlichkeit zu versenken, vermag man all die Wunder dieses azurblauen Himmels, dieser strahlenden Sonne, dieser leuchtenden Lust, dieser üppigen, farbensatten Landschaft, dieser weichlinigen Hügel, dieser in ihrer immer wachsenden Großartigkeit einzig dastehenden Szenerie des Bosporus auf sich einwirken zu lassen. ' „Das ist Konstantinopel, das unermeßliche, prachtvolle, erhabene Konstantinopel, die Glorie der Schöpfung und des' Menschen!' Fast scheint es Entweihung, mit Worten diese göttliche'Vision zu schildern", ruft Edmöndo de Amicis. „Und doch drängen sich Bilder und Worte im Gedächtnis und entströmen der Feder.... Vor mir wie ein weiter Fluß das Goldene Horn, an beiden Ufern zwei Hügelketten, auf. denen sich zwei Parallellinien von Städten erheben, welche in einer Ausdehnung von acht Meilen Höhen, kleine Täler, Meerbusen, Vorgebirge umfassen; hundert Amphitheater in Monumenten und Gärten; eine ungeheure, doppelte Terrasse von 'Häusern, Moscheen, Basars, Serails, Bädern, Kiosken, in zahlreichen wechselnden Farben schimmernd. Dazwischen streben viele tausend Minaretts mit erglänzenden Spitzen gleich riesigen Elfenbeinsäulen zum Himmel; überall .senken grüne Zypressenwäldchen sich in dunklen Streifen von .den. Höhen zur See und umkränzen die Ortschaften und Häfen mit Girlanden; überall drängt sich blühend die ^üppigste Vegetation durch, schmückt die Höhen, schlängelt sich an den Dächern hinauf, neigt sich über das Ufer zum Meer. Und dann weiter an beiden Seiten die vagen Umrisse von Städten und Vororten, Flotten und Wäldern, die allmählich so iw der' azurblauen Atmosphäre verschwinden, daß sie nicht mehr wirklich, sondern wie Täuschungen der Luft und des Lichts erscheinen. Wie soll ich die Einzelheiten dieses wunderbaren Bildes erfassen? Für eine Sekunde heftet sich der Mick, aus..die nahen User, aus ein türkisches Häuschen, einen vergoldeten Minarett, um gar bald wieder sich in jene leuchtenden Tiefen zu verlieren und zwischen all den phantastischen Städten und Orten umherzuirren, nur mühsam von dem geblendeten Geiste gefolgt. Eine unsagbar heitere Majestät liegt über dieser reichen Schönheit ausgegossen, ein ahnungsvoller Reiz der Jugend und Liebe, welcher tausend Erinnerungen an Feenmärchen und Frühlingsträüme erweckt, ein so duftiger, geheimnisvolles großer Zauber, daß er die Phantasie noch über die Wirklichkeit hinauslockt. Der Himmel; in den zartesten Farben des Opals spielend, zeichnet alle Konturen mit wunderbarer Klarheit ab, das Meer, im Glanze des Saphirs, spiegelt sanft zitternd die weißen Minaretts wieder, die Kuppeln glänzen, der Hauch des Morgens bewegt die reiche Vegetation, ein Windhauch vom Schwarzen Meer bringt die Düfte meilenweiter Gärten — und wendet man sich endlich, berauscht von diesem' Paradies, alles andere'vergessend, rückwärts, so schaut man mit einem neuen Gefühl der Verwunderung das asiatische Ufer, welches das Panorama mit der stolzen Schönheit Skutaris und dem schneeigen Gipfel des Olymp von Bitynien schließt. Dazu blaut das Marmarameer, mit Jnselchen übersät, mit glänzenden Segeln bedeckt, und der Bosporus windet sich durch zwei endlose Reihen von Kiosken, Palästen, Villen und vertiert sich geheimnisvoll inmitten der lachendsten Hügel des Orients. Ja! Dies ist das schönste Schauspiel .'der Erde! Wer das leugnet, ist undankbar gegen Gott und beschimpft seine Schöpfung; eine noch größere Schönheit könnten menschliche Sinne nicht ertragen"... Aber auch vom Standpu nkt rein ökonomischer Betrachtung werden wir nicht umhin können, die Lage Konstantinopels für eine außergewöhnlich günstige, ja geradezu unübertroffene zu erklären. Begegnet uns doch neben der Bezeichnung als „Goldenes Horn", unter Anspielung auf die liebreizende ochsenhornförmige Krümmung des Bosporgolfes, auch die Wendung des „Horns des Ueberflusses" als schmückende Benennung dieser Stadt, weil die Reichtümer dreier Kontinente in den Hafen von Byzanz zusammenzuströmen und wie aus einem Füllhorn sich über die dortige Bevölkerung zu ergießen Pflegen. Wo in der Tat läßt sich noch ein Landstrich finden,' der sich rühmen dürste, in wirtschaftlicher Hinsicht Konstantinopel an Gunst der geographischen Bedingungen gleichzukommen? Wie berühren sich hier. Gestade und Gegengestade und wie erscheint dabei die Brücke zwischen Orient und Okzident so ganz von selbst geschlagen! Die zusammenstoßenden Enden Asiens und Europas werden von der Stadt Konstantins des Großen umschlungen, als wenn sich die zwei Weltteile von. ihrer Residenz ausbreiteten. „Ein Vorzug, fast einzig auf unserer Erde", bemerkt Elisee Reclus, „ergibt sich für die thrazische Halbinsel aus der Nähe und dem Parallellaus der Küsten beider Kontinente. Europa und Asien gehen sich einander entgegen und bleiben nur durch einen Seestreifen getrennt, der das Schwarze Meer mit dem Aegäischen Meere verbindet. Zwei Achsen kreuzen sich so auf diesem Flecken der alten Welt: diejenige festländischer Gebietsmassen und die der Binnenmeere. Land- und Meerenge zugleich, dienen der Bosporus und die Dardanellen als Weg für die Handelsflotten nicht minder denn als Durchgangsstelle für die Völkerschaften aus ihrem Marsche von einem Weltteile zum anderen. 'Würde das Schwarze Meer sich weiter in das Landinnere erstrecken und mit dem Kaspischen und anderen Seen Asiens, wie ehemals, ein fortlaufendes Wasserbecken bilden, dann wäre Konstantinopel «notwendigerweise für die ganze alte Welt „die Stadt der Mitte" geworden. Es war dies bereits während eines Jahrtausends. Allein, dürfte es auch diesen Titel nie wiedergewinnen, so wird es doch nicht aufhören, für alle' Zeiten einen der Schwerpunkte zu bilden, um die sich die Geschicke der Völker drehen. Die Stadt könnte dem Erdboden gleichgemacht werden, sie würde auf der einen oder der'Mderen Seite der Meerenge sofort wieder auferftehen in dieser Gegend des Wechselverkehrs zwischen Europa und Asien:" Und so wurde aus Byzanz das Rom des Orients: „Rum" heißt die Stadt für die Hinterlandsbewohner bis weit hinein

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