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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-01-12 · Heft 2 (12.1.1912) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 2 (12.1.1912)
Date
1912-01-12
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Ippüf^ Keine Blüteperiode werden.* Nach diesem feierlichen'Akte erfolgte die Erledigung der übrigen Gegenstände der Tagesordnung. .Die beantragte Aenderung der Satzungen fürchie Synagogenvorstände wurde in erster und daran anschließend sogleich in zweiter Lesung angenommen. Die Aenderung besteht in. der Hauptsache in folgendem. Statt des bisherigen 8 20 a bestimmt ein neuer § 21: „Zur gesonderten Beratung über. Fragen des Gottesdienstes in den orgelfreien Synagogen einerseits und in den Synagogen mit Orgeln anderseits werden ans den vereinigten Synagogenvorständen zwei Unterabteilungen gebildet. Die eine Abteilung bilden die Verstände, der orgelfreien Synagogen, die andere die Vorstände der Synagogen mit Orgeln. Zn jeder der beiden Unterabteilungen haben je zwei von ihnen auf drei Jahre zu wählende Gemeinderabbiner beratende wie beschließende Stimme. Ferner bestimmt ein Zusatz'zu Artikel s, daß kein Synagogenvorsteher mehr als einem Synagogenvorstand angehören darf. Für alle den Kultus nicht betreffenden Angelegenheiten sollen die vereinigten Synagogenvorstände bestehen bleiben. Diesen Beschlüssen der Gemischten Deputation ist der Vorstand im großen und ganzen beigetreten und hat nur ein paar unwesentliche, die hier erwähnten Punkte nicht berührende Abänderungen getroffen, gegen die die-Versammlung nichts einzuwenden hatte. — Die vom Vorstand beantragte Ermächtigung zur Anstrengung einer Klage gegen die Testamentsvollstrecker des Marcus Mottekschen Nachlasses wegen Zahlung des der jüdischen Gemeinde testamentarisch ausgesetzten Legats von 2600 Mark wird von der Versammlung erteilt. — Von dem Kuratorium des zweiten Waisenhauses Pankow ist Ende Oktober vorigen Jahres eine Erhöhung der Frequenz von 60 auf 64 Zöglinge vorgenommen worden. Obwohl derartige Aenderungen im Läufe einer Etatsperiode, wie es in der Vorlage heißt, grundsätzlich nicht gutzuheißen seien, wird doch, da es sich in der Tat um Fälle von ganz besonderer Dringlichkeit handelte, die nachträgliche Genehmigung und die Bewilligung von 2000 Mark (für jede neue Stelle je 500 Mark) beantragt. Die Versammlung beschließt, diesen Anträgen zuzustimmen.— Nachdem die städtische Waisendeputation seit dem 2. April der Waisenkommission auch nichtschulpflichtige jüdische Waisenkinder in Pflege gegeben hat, hat die Kommission auch solche Kinder unter sechs Jahren übernommen, für welche die Stadt nicht einzutreten gewillt sein konnte. Dadurch ist für 14 solcher Kinder eine Ausgabe von 1475 Mark erwachsen, deren nachträgliche Bewilligung ausgesprochen wird. Zugleich werden für das zweite Halbjahr 1911/1912 zu gleichem Zwecke 2500 Mark bewilligt.— Für die Einrichtung des Röntgen-Kabinetts im Krankenhaus werden zu dem bereits früher bewilligten Betrage - von 7000 Mark weitere dazu erforderlich gewesene 1630.80 Mark nachbewilligt. Tie Versammlung beschloß ferner, zur Veranstaltung von Hauptgottesdiensten an den hohen Festtagen den großen Saal des . „Gesellschaftshauses des Westens* in Schöneberg zu mieten. Dabei machte Herr Oscar TieH darauf aufmerksam, daß auch das -neue Lo gengebäüde in der Kleiststraße) das seiner Vollendung entgegengehe, für den gleichen Zweck geeignete Säle enthalten werde. Dem „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Gla ubens* wird ein einmaliger Zuschuß von 500 Mark, insbesondere für die Herstellung eines Werkes über den „Anteil det Juden an den Befreiungskriegen* bewilligt, und der Antrag des Vorstandes, für die bei der „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums* zu>begründende „Ludwig-Philippson-Stiftung" zur Verbreitung ausklärender Schriften über Juden und Judentum 2000 Mark zu bewilligen, debattelos angenommen. Nachdem die Vorlage betreffend Genehmigung des Entwurfes einer Haftarah-Agende und Bewilligung einer Ausgabe zur Drucklegung der Agende vertagt worden war, wurden noch zur Einrichtung jüdischen Religionsunterrichtes in Schlachtensee für das Jahr 1911/12 300 Mark und für die Zeit vom 1. April 1912 bis zum Schluß der Etatsperiode jährlich 400 Mark bewilligt. Damit schloß die öffentliche Sitzung, an die sich eine geheime von ziemlich langer Dauer anschloß. 8. Berlin, 9. Januar. Gestern abend veranstaltete die „Lehranstalt füv die Wissenschaft des Judentums* eine Philippson-Gedenkfeier. Namens des Kuratoriums begrüßte Herr Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Geiger die zahlreich Erschienenen, unter denen sich auch zahlreiche Angehörige der Familie Philippson befanden. In seiner Rede,. in der -er Ludwig Philippsons Bedeutung - für die Pypulaxisierung der jüdischen Wissenschaft - besonders b/tonte, machte' Professor Geiger davon Mitteilung, daß Herr- Generalkonsul Philipp.son - in Brüssel aus diesem Anlaß eine Philippson-Profesfur an der Lehranstalt gestiftet habe- Die Festrede des Abends hatte Herr Dozent Dr. Elbogen übernommen, der zu Anfang, seines interessanten Vortrages Philippsons Stellung zur' Religion- und Wissenschaft des Judentums ausführlich darlegte. Sodann verbreitete der Redner sich über das Verhältnis Ludwig Philippsons zur Lehranstalt. Er zeigte, wie dieser Mann es gewesen, der den ersten praktischen Schritt zur Errichtung einer solchen Anstalt gemacht hat, und wie er als Mitglied des Kuratoriums bis zu seinem Tode unaufhörlich sich für die Lehranstalt interessierte und ihr Zeit und Arbeit opferte. Darauf betrat Herr Professor Dr. Martin Philippson das Podium, um im Namen seiner Familie dem Kuratorium^ für die Ehre zu danken, die man durch diese Feier Ludwig Philippson und seiner Familie erwiesen. Der Chor der „Neuen Synagoge" unter Leitung seines Dirigenten Herrn Kellermann, der die Feier durch ein Lied eingeleitet hatte, beschloß sie mit dem Liede Mendelssohns „Es strahlen hell die Gelehrten*. §2 Berlin, 9. Januar. Am 2. d. M. fand in den Räumen des Deutsch-Israelitischen Gemeindebuudes in Berlin eine zahlreich besuchte Versammlung der Vertreter unserer jüdischen Beamten- Hilss- und Pensionskassen in Deutschland statt. Herr Professor Dr. Philippson begrüßte die Versammlung namens des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes und erklärte, daß es dem Gemeindebunde als eine dringliche Pflicht erscheine, zur Verbesserung der Versorgungsverhältnisse unserer jüdischen Gemeindebeamten nach Kräften mitzuhelfen, und daß der Ausschuß darum gern alles getan habe und noch tun werde, was zur Verwirklichung des Planes, der Schaffung einer vorteilhaften Sonderkasse für die jüdischen Gemeindebeamten, beitragen könne. Das Referat über den Gegenstand hielt Herr Waisenhausdirektor Peritz-Königsberg. Die Ausführungen des Referenten wurden mit großem Beifall ausgenommen. Herr Professor Philippson dankte dem Vortragenden bei der Gelegenheit aufs neue für die außerordentliche Mühe, Hingebung und reiche sachverständige Förderung, die er der Verforgungssache der jüdischen Beamten seither geboten und hoffentlich noch weiter bieten werde, und durch die er sich den einmütigen und wärmsten Dank der gesamten jüdischen Beamten und auch der Gemeinden Deutschlands erworben habe. Aus Antrag des Herrn Justizrats Wolfes-Hannover wurde'beschlossen, das Referat des Herrn Direktor Peritz durch die Zeitungen vervielfältigen und allen Kasseninteressenten in Abdruck zugehen zu lassen. Es folgte eine äusführliche Debatte über Einzelheiten des Plans und über die notwendige Umgestaltung der bestehenden'Hilfskasfen zum Zwecke ihrer Zulassung als Ersatzkassen, für die Reichsversicherungskasse. Dabei wurde ausdrücklich betont, daß die Ansprüche der derzeitigen Kaffenpensionäre und derzeitigen Kassenmitglieder durch. die Neuorganisation in keiner Weife geschmälert, die gegenwärtigen Mitglieder der Hilfskassen sämtlich beibehalten werden,-die Selbständigkeit der einzelnen Hilsskassen und die Mittel derselben für ihre Sonderzwecke vollständig unberührt bleiben sollen. Die Versammlung erklärte einstimmig ihreprinzipielle Zustimmung zur Gründung eines Kassenverbandes unserer jüdischen Beamten-Hilfs- und Pensionskassen in Deutschland und zur Ausgestaltung der einzelnen Kassen nach den 'Bestimmungen für Ersatz?affen. Die Versicherungskommission des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes wurde gebeten, die Leitung ' der ganzen Angelegenheit weiter zu behalten und auch die Vorarbeiten für die einzelnen Hilfskassen zur möglichst einheitlichen Durchführung zu übernehmen. Erforderlichenfalls soll noch eine zweite gemeinsame Beratung der Hilfskassenvertreter stattfinden. Ihre Bereitwilligkeit zum Anschluß an die Ersatzkasseneinrichtung der jüdischen Gemeindebeamten haben in prinzipieller Form bisher erklärt: die Rheinländisch-Westfälische Pensionskasse, die Hannoverische Lehrer-Hilfskasse, die Bayerische Lehrerhilfskasse, die Pensionskasse der bayerischen Rabbiner, die Hilfskasse für Hessen-Nassau, die Penfionskasse „Jeschurun", die Pensionskasse der jüdischen Lehrer und Kantoren in Elsaß-Lothringen, die Schlesisch-Posensche Lehrer-Hilfskasse, die

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