Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 2 (12.1.1912)
- Date
- 1912-01-12
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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76. Jahrgang Nr. 2 TIfikiV»» Berlin, 12. Janoar 1912 WV v.vMlVUWVMMU'* Beilage zur „Allgemeinen Leitung deF Judentums" korrrlpkmdkn?m und Sschrichtm. Deutschland. ^.Berlin, 8. Januar. Die gestrige Sitzung der Repräsentanten- Versammlung, die erste .im neuen Jahre, wurde wie üblich mit der Neuwahl der Vorsitzenden und der Schriftführer eröffnet. Das Ergebnis der Wahlen war das folgende: zum 1. Vorsitzenden wurde Herr Louis Sachs mit 15 Stimmen (ein Zettel war unbeschrieben abgegeben worden), zum 1. stellvertretenden Vorsitzenden Herr Dr. Minden mit 15 von 16 abgegebenen Stimmen wiedergewählt, eine Stimme fiel auf Herrn Geh. Sanitätsrat Dr. Blumenthal. Zum 2. stellvertretenden Vorsitzenden wurde Herr Professor Dr. Blaschke wiedergewählt. Abgegeben waren 18 Stimmen, von denen drei ungültig waren und drei auf Herrn Geh. Sanitätsrat Dr. Blumenthal fielen, so daß Herr Blaschke mit 12 Stimmen gewählt wurde. Die Wahl des ersten Schriftführers ergab die einstimmige Wiederwahl des Herrn Justizrat Dr. Jgn. Cohn, der 18 Stimmen auf sich vereinigte, zum 2. Schriftführer wählte die Versammlung mit sämtlichen 16 abgegeben gültigen Stimmen wieder Herrn Willibald Loewenthal. Nach Verlesung des Protokolls machte Herr Louis Sachs einige geschäftliche Mitteilungen.. Ter Gemeindevorstand ist dem Beschlüsse der Repräsentantenversammlung wegen Errichtung einer zweiten Blumenhalle auf dem Friedhof in Weißensee beigetreten, desgleichen teilt der Vorstand seine Zustimmung zu dem Beschlüsse mit, die im Saale vorhandenen Büsten nicht auf Postamente, sondern auf Konsole aufzustellen. Sodann wurde widerspruchslos über die Sitzungstage der Versammlung bestimmt daß die Repräsentantensitzungen in der Regel am 1. und 3. Sonntag jedes Monats stattfinden und im Sommer um 10 Uhr, im Winter um 11 Uhr beginnen sollen. — Das Vermächtnis des am 20. Februar 1911 verstorbenen Rentiers Jacob Appel bäum in Höhe von 7000 Mark, dessen Zinsen teils zur Erhaltung des Erbbegräbnisses des Testators, zum Teil für jüdische Arme Verwendung finden sollen, wird angenommen. — Frau Jenny Oppenheim und Frau Dr. Tony Abel-Oppenheim haben zur Erweiterung der Louis-Oppenheim- Stiftung bei der Waisenkommission je weitere 300 Mark gespendet. Die Versammlung beschließt deren Annahme. — Zur Beratung des Antrages auf Einrichtung von Zweigbureaus .in den Außenbezirken,., der in der letzten Sitzung zu lebhaften Debatten führte, sollte eine gemischte Deputation eingesetzt werden. Qex, ' ist dem Beschlüsse der Repräsentanten beigetreten und schlägt die Besetzung der Deputation mit neun Mitgliedern vor.. Davon entsendet der Vorstand die Herren Netter, Dr. Feilchenseld und Justizrat Breslauer. Die Repräsentanten'' Versammlung wählte die Herren Professor Blaschke, Willibald Loewenthal, S. Kuznitzky, Dr. Minden, Justizrat Jgn. Cohn und Stadtrat Dr. Weigert. Es folgte-dann eine Reihe von Wahlen, die längere Zeit in Anspruch nahmen. Mittags 12 Uhr wurde dann die Sitzung unterbrochen und die Einführung und Verpflichtung der wiedergewählten Vorstandsmitglieder und Stellvertretervorgenommen. Von den wiedergewählten Herren waren die Herren -Sanitätsrat Dr. Stern. Sanitätsrat Dr. Feilchenseld und Geheimer Baurat Landsberg erschienen, während die Einführung der beiden weiteren wiedergewählten Herren Netter und Bad.t, in der nächsten Sitzung stattfinden soll. Herr Louis Sachs begleitete die Verpflichtung durch Handschlag mit einer Ansprache, in der er etwa folgendes ausführte: „Nach Ablauf Ihrer Amtszeit sind.Sie in der Sitzung vom 29. Oktober einstimmig wiedergewählt worden.. Die Bestätigung durch den Herrn Polizeipräsidenten -ist am 24. November gleichfalls erfolgt.. Ich habe nun die Pflicht, Sie von neuem für Ihr Amt zu verpflichten. Sie sind zum Teil schon lange Zeit Mitglied unseres Gemeindevorstandes. Sie. Herr Sanitätsrat Dr. Stern', haben seit 1900 acht Jahre hindurch im Vorstand der Talmud-Thora gewirkt und dann die Waisenverwaltung übernommen, die Sie in großzügiger Weise geleitet und zur Entwicklung gebracht haben. Sie, Herr Sanitätsrat Feilchenseld, haben die große und schwere Last der Verwaltung der Armenfürsorge- und Durchreisekommisfion in aufopfernder Weise auf sich genommen. Wahrlich ein großes und wichtiges Gebiet, das sich immer weiter dehnt und wächst und große Mittel erforderlich macht. Bereitwilligst hat die Repräsentantenversammlung diese Mittel stets bewilligt, weil wir uns der sozialen Pflichten immer bewußt find. Ihnen, Herr Geheimrat Landsberg, gebührt unser Dank, daß-Sie die große.und stetig wachsende Bauverwaltung übernommen und Ihr reiches Wissen und Ihre großen Kenntnisse zum Segen unserer Gemeinde in deren Dienst gestellt haben und nun weiter stellen wollen. Viel Arbeit steht unserer Gemeinde noch bevor; immer neue Aufgaben, besonders auch sozialer und sozialpolitischer Art, treten an uns heran; als erste Gemeinde des Reiches dürfen wir uns diesen Aufgaben nicht entziehen und müssen uns beteiligen an Institutionen und Gründungen nicht nur hier, sondern überall, wo es sich um Großes für die Allgemeinheit handelt. Sie haben schwere Arbeit übernommen, die ganze Arbeit ist nur auf wenige Köpfe verteilt, denn das Gesetz läßt einstweilen eine Vermehrung der Vorstandsmitglieder nicht zu. Hoffen wir jedoch, daß in absehbarer Zeit die Möglichkeit einer Erweiterung des Vorstandes doch gegeben sein wird. Bis dahin aber müssen Sie die schwere Last tragen, wofür Ihnen gewiß alle Gemeindemitglieder Dank wissen. Wir aber bitten Sie, in gleicher Weise wie bisher mit uns weiter zu arbeiten." Hierauf entgegnete Herr Sanitätsrat Dr. Stern etwa folgendes: „Es ist mir ein aufrichtiges Bedürfnis, für die ebenso wohlwollenden wie wohltuenden Worte, die an uns gerichtet worden sind, bestens zu danken. Die Tatsache, .daß die Wiederwahl einstimmig erfolgte, hat bei mir die Empfindung der Dankbarkeit wie der Freude ausgelöst. Liegt doch in dieser Einstimmigkeit der Ausdruck einer Anerkennung von Ihrer Seite, die Sie zu allererst berufen find, unsere Tätigkeit zu beurteilen und liegt darin doch auch zugleich der Ausdruck Ihres Einverständnisses mit der Art, wie wir das uns übertragene Amt verwaltet haben. Wenn daher auch von außen im tobenden Kampfe der Parteien und Meinungen Angriffe gegen unsere Verwaltung erfolgt sind und es an solchen auch heute nicht fehlt, so soll uns das nicht anfechten, uns nicht von dem als richtig erkannten Wege ablenken. Auch bisher haben wir schon immer alle berechtigten Wünsche zu erfüllen gesucht, und wir werden das auch ferner tun, aber wir dürfen uns nicht beirren lassen, wir werden auch fernerhin nur .nach bestem Wissen und Gewissen handeln, keiner Partei zu Liebe und keiner Partei zu Leide. Vor sechs Jahren habe einmal an dieser Stelle Justizrat Lachmann darauf hingewiesen, daß wir in eine Periode erhöhter Bautätigkeit eintreten. Inzwischen sind einige Bauten bereits fertiggestellt, so die Schulen; die Synagoge Fasanenstraße haben wir unter Dach und Fach, zu einem neuen jüdischen Krankenhause ist der-Grundstein eben gelegt worden, und aus der Asche des alten Waisenhauses in Pankow werde hoffentlich in absehbarer Zeit ein neues, besseres erstehen. Auch dem inneren Ausbau unserer Gemeindeverwaltung.haben wir unser erfolgreiches Interesse zugewandt. Die Gehälter unserer Beamten sind in feste. Normen gebracht, dem Religionsunterricht wird dauernd die intensivste Aufmerksamkeit und Fürsorge zugewandt. Wir begnügen. uns nicht damit, für guten Unterricht nur in unseren eigenenReligionsschulen zu sorgen, sondern wir verfolgen auch mit zäher Energie, das Ziel, den jüdischen Religionsunterricht in den Profanschulen als obligatorischen Ünterrichtsgegenstand eingeführt zu sehen. Ebenso , ist viel auf dem Gebiete der Armen-.und.Waisenfürsorge geschehen,, wie in der Altersversorgung. Trotzdem gibt es noch Arbeit in Hülle und Fülle, es bedürfe der Anspannung aller Kräfte zur Lösung immer neuer : Aufgaben. Aber wenn wir auch ferner bei Ihnen Vertrauen und Verständnis wie bisher finden, dann wird es unserer Zielbewußtheit gelingen, alle die neuen Aufgaben glücklich zu; lösen, dann werde für unsere Gemeinde, das hoffe und wünsche er, die neue Periode