Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 2 (12.1.1912)
- Date
- 1912-01-12
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Hilfskaffe für Westpreußen und Pommern und die Ostpreußische Peusionskaffe. Die Witwen- und WaisenkaM der Rabbiner Deutschlands. die Pensionskasse des Lehrerverbandes und die Kantoren- Hilfskafse, die wahrscheinlich aus . äußeren Gründen die Umwandlung in eine Pensionsersatzkasse nicht werden vornehmen können, haben durch ihre Vertreter den engen Anschluß an die Gesamtorganisation der Hilfskassen und die weitgehendste Förderung dieser Bestrebungen in Aussicht gestellt. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund hat schon zu Beginn des Unternehmens seine Unterstützung für die allgemeine Kasse zugesagt. Berlin, 9. Januar. Wie seit Jahrzehnten, veranstaltet auch in diesem Jahre die Lehranstalt für die Wissenschaft.des Judentums eine Reihe von Vorlesungen zum Besten ihres Stipendienfonds. Auch in diesem Jahre weist die Liste der Vortragenden die glänzendsten Namen , auf. Am 22. Januar'spricht Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Eduard Sachau über „Aus den Papieren der jüdischen Militärkolonie in Elephantine", am 12. Februar Professor Dr. Goldstein aus Darmstadt über „Die Schöpfungsidee und die Philosophie der Gegenwart", am 19. Februar Geheimer Medizinalrat Professor Dr. A. v. Wassermann „lieber das Wesen der in Palästina endemischen Infektionskrankheiten und die Möglichkeit ihrer Bekämpfung" (mit Vorführungen am Projektionsapparat), am 26. Februar Rabbiner Dr. Bäck aus Düsseldorf über „Paulus", am 4. März Privatdozent Dr. Caro aus Zürich über „Die Juden und das Wirtschaftsleben", am 11. März Dozent Tr. I. Freund über „Zur Emanzipation der preußischen Juden". — Die Vorlesungen finden in der Aula der Lehranstalt, Artillerieftraße 14, Montags abends 8 Uhr statt. Einlaßkarten zu 5 Mark für den ganzen Zyklus, 1 Mark für eine Vorlesung, sind zu haben beim Hofjuwelier Herrn Eugen Markus, Unter den Linden 31, beim Sekretariat derLehranstalt und am Eingang in den Saal. L2 Berlin, 9. Januar. Der Frauenverein der Berliner Bnei Brith Logen „zur Pflege armer jüdischer Wöchnerinnen" veranstaltete am Sonnabend den 6. d. M. im neuen Marmorsaal und in den anschließenden eleganten Gesellschaftsräumen desZoologischen Gartens ein großes Elitekonzert mit darauffolgendem Ball zugunsten eines neu zu gründenden jüdischen Mütter- und Kinder- Heims. Das von etwa 2300 Personen besuchte Fest nahm einen glänzenden Verlauf. In dem Konzert, das sich eines allgemeinen, großen Beifalls erfreute, wirkten mit die Damen: Margarete Ober, Claire Dux von der Kgl. Hofoper, die Herren Dr. Jean Nadolowicz von der Kurfürsten-Oper. Dr. Waldemar Staegemann vom Kgl. Schauspielhaus und Herr Kgl. Professor Jssay BarmaS. Der Erfolg des Abends war in künstlerischer wie in materieller Hinsicht ein gleich befriedigender. Dem Fonds für den Bau eines jüdischen Mütter- und Kinderheims konnte ein barer Ueberschuß von etwa 5500 Mark zugeführt werden. J. R. Gleiwitz, 7. Januar. 50jähriges Bestehen der Synagoge 1861—1911. Zu einer erhabenen Feier gestaltete sich der hier heute Sonntag nachmittag abgehaltene.'Festgottesdienst in der neu Hergerichtelen Synagoge am Wilhelmsplatz, die in ihrem neuen Gewände einen imposanten Eindruck macht. Nach den üblichen Ge-, beten und Einweihungsgesängen — der Vorstand hat den Mitgliedern ein Textbuch gewidmet — bestieg Herr Rabbiner Dr. Münz die Kanzel, um in beredten Worten auf die Bedeutung des Tages für die hiesige Gemeinde, hinzuweisen und die Anwesenden zu ermahnen, sestzuhalten an jüdischen Idealen, die da heißenBruderliebe^ Gerechtigkeit und Wohltun. Den Schluß der ernsten Feier bildeten Gesänge, die von Herrn Oberkantor Davidsohn in Verbindung mit dem Synagogenchor stimmungsvoll zu Gehör gebracht wurden. — Das Gleiwitzer: Gotteshaus — 1000 Sitzplätze fassend — und mit einem Kostenaufwand von 70 600 Mark renoviert, repräsentiert sich in feiner heutigen Gestalt als ein Bauwerk, daS weit über Schlesiens Grenzen hinaus als eine Sehenswürdigkeit gelten wird. Der Synagogenvorstand hat durch die Uebertragung der notwendigen Arbeiten an den Architekten Dr. Karpele8-Wien und den .hiesigen Baumeister Draup ein Verständnis an den Tag gelegt, für das ihm kommende Geschlechter noch danken werden. ■ r LL Chemnitz, 7. Januar. Derv Israelitische Krankenpflege- U'nterstützungs- und Bestattungs-Verein E. V. in Chemnitz (Chebrah Keöosch ah) versendet soeben den Jahresbericht für 1911. Wie aus demselben hervorgeht, hat die Mitgliederzahl des Vereiils im abgelaufenen Geschäftsjahr einen erheblichen Zuwachs erfahren. Sie beträgt 308, gegen 280 im Vorjahre. 42 neue Mitglieder traten im Laufe dieses Jahres dem Verein bei, während 14 wegen Fortzug von hier und durch Ableben ausschieden. Der Kassenbericht veranschaulicht die Tätigkeit des Vereins in seinen mehrfachen Aufgaben; in Unterstützungsfällen ist der Verein denselben zu wiederholten Malen in Gemeinschaft mit dem Israelitischen Hilfsverein und dem Israelitischen Frauenverein nachgekommen. Die Erwartungen, welche an die Schaffung der Deutschen Zentralstelle, für jüdische Wanderarmensürsorge und den Anschluß an dessen Zweigstelle, die Landeskasse Sachsen, geknüpft wurden,- haben zunächst in wesentlich verminderter Inanspruchnahme der Armenkasse durch jüdische Wanderarme Ausdruck gefunden.. Die Ausgaben für diesen Zweig der Vereiustätigkeit bleiben allerdings konstant, da der Verein-den größten Teil seiner bisherigen Aufwendungen hierfür an die Landeskasse, resp. durch diese an die Zentralstelle, abzuführen hat. Unter Mitwirkung des Vereins haben, auf unserem Friedhofe 12 Beerdigungen stattgesunden. Außerdem hat er mitgewirkt : bei der Bestattung dreier Verstorbener, die 'eingeäschert, aber nicht auf unserem Friedhof beerdigt worden sind. Insgesamt" starben in unserer Gemeinde 15 Personen (gegen 22 im Jahre 1910). Hiervon waren 11 Erwachsene (7 Männer) 4 Frauen) und 4 Kinder; unter den Männern waren 4 Vereinsmitglieder. - Bei allen Verstorbenen hat die rituelle Tahara stattgefunden; einmal in Frankenberg. Der Verein besitzt ein Vermögen von 15 133.89 Mark gegen 14103.36 Mark am 6. Dezember 1910. L2 Hannover, 7. Januar. Vom Verein zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands wird ein Jahresbericht versandt, in dem darüber geklagt wird, daß die von ihm zur Landwirtschaft ausgebildeten Zöglinge kaum eine Stellung bekommen, was den Verfasser des Berichtes zu pessimistischen Betrachtungen veranlaßt. Demgegenüber sei ausdrücklich festgestellt, daß mehr als 200 von der israelitischen Erziehungsanstalt Ahlem und von der Simonschen Stiftung ausgebildete junge Leute bisher stets mit Leichtigkeit Stellungen gesunden haben, und zwar gerade auch bei christlichen Arbeitgebern.' Es ist eben einfach die Frage, was' die jungen Leute leisten. So falsch es wäre, den sozialen und-geschäftlichen Antisemitismus zu unterschätzen, so falsch ist es anderseits auch, ihm alle Schuld für mangelnde Erfolge-zuzuschieben. ' Die Simonsche Stiftung zu Hannover ist gern bereit, fachlich tüchtigen israelitischen Landwirten und Gärtnern Stellungen zu vermitteln. In ihrer umfangreichen Tätigkeit auf diesem Gebiet hat die Simonsche Stiftung bisher stets die Erfahrung gemacht, daß ihr mehr offene Stellen zur Verfügung standen als geeignete- Bewerber. Das war mit ein Grund zur Schaffung des Lehrgutes Steinhorft. In Steinhorst machen die jungen Leute eine dreijährige praktische Lehrzeit durch, die sich auf alle wichtigen Zweige des Betriebes erstreckt; die praktische Tätigkeit wird durch fachlichen Fortbildungsunterricht ergänzt., So wird Steinhorft bald in der Lage-sein,'alljährlich eine hübsche Zahl fertig ausgebildeter, junger, jüdischer Landwirte entlassen zukönnen. Derbeste Beweis, wie gern die Steinhorster jungen Leute von christlichen Landwirten angestellt werden, ist z. B. dies, daß schon verschiedentlich versucht wurde, diese jungen Leute „wegzuengagieren". Es gehört nur einiges Umsehen in der Praxis dazu, um die leider noch recht geringe Zahl:jüdischer Landwirte stets befriedigend „unterzubringen". Handelt es sich um Erleichterung der Seßhastmachung tüchtiger jüdischer Landwirte, so dürften die dazu notwendigen Voraussetzungen und Mittel nicht allzu schwer von der Simonschen Stiftung zu beschaffen seim Gesterrrtch-Nngarn. K. Wien, 5. Januar. Alm letzten Freitag wurde hier der bekannte Philanthrop kaiserlicher Rat Bernhard Pollak . Edler von Parriaü zu Grabe getragen. Der Verblichene, eine markante Persönlichkeit der österreichischen Metropole, hat ein Alter von 65. Jahren erreicht und' erfreute sich in kommerziellen Kreisen der größten Wextschätzung. Herr von Pollak entfaltete insbesondere auf humanitärem Gebiete eine überaus segensreiche Tätigkeit, wozu er nicht nur das nötige Kapital, sondern vor allem