Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 2 (12.1.1912)
- Date
- 1912-01-12
- Page
- Seite 21 (sequence 9)
- Language
- German
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Mutter der Handlung wegen ihrer.zunehmenden Jahre nickt vorstehen könnet alleruntertänigst nachzusuchen gemeinet und habe sich deshalb auch schon bei dem Judenältesten I. Lewy. Cöslin nach dem Attest sub B nicht allein gemeldet, sondern auch nach der sub 6 erteilten Quittung die erforderlichen Gelder an die Schützjudenkafse erleget. Hiernächst überreicht Comparent auch sub D ein Attest, daß er wirklich ein Jude sein und sub E F G die Ehestiftung in beglaubigter Abschrift und den daraus sich beziehenden Magistratsattest, wie auch das von dem pommerschen Provinzialrabbiner, daß die intendierte Verheiratung nach den mosaischen Gesetzen erlaubt und die Verwandtschaft nicht zu nahe sei. Wenn nun Comparent nach den übergebenen Attesten das vorläufige Erforderliche nachgesucht, so bemerke er ferner, daß seinem verstorbenen Vater auf das allergnädigst erhaltene Privilegium ein Sohn erster Ehe namens Äbraham Behr bereits allhier angesetzt und darüber unterm 7. August 1788 die Conzession allergnädigst erteilet. Was das erforderliche Quantum ä 2000 Thlr. änbetreffe, worauf er die Conzession als zweites Kind nur allergnädigst erhalten könne, so würde er dieses Quantum an einem anberaumten Termin gehörig und gewissenhaft anzeigen. Schließlich frägt Comparent auch dahin an, daß, da in' hiesiger Stadt ein Christenkaufmann, der mit Tuch handle und damit die hiesige Stadt und die benachbarten Dörfer in vorkommenden Fällen versehe, nicht vorhanden, ihm allergnädigst den Tuchhandel zu führen nachgegeben werde und würde dieses ihm zu verwilligende Ansuchen dem Tuchmacher zu Ratzebuhr, welches zwei Meilen von hier entfernt ist, von großem Vorteil sein, wenn er ihm die rohen Tücher gegen gleich bare Zahlung abnähme und dieser nicht erst die rohen Tücher auf die Jahrmärkte herumsühren müßte. Da Comparent zu feinem Anträge ein Mehreres nicht anzuführen hätte, genehmigt er den Inhalt des Protokolls und hat sich eigenhändig unterschrieben. 3. Attest. Auf Ansuchen des Schutzjuden-Sohn Jacob Vehr wird demselben hiermit pflichtgemäß attestiert: selbiger ist der Sohn eines verstorbenen Schutzjuden Behr Jacob, in hiesiger Stadt geboren und erzogen und hat sich stets folg- und sittsam betragen auch feinem Vorgesetzten stets den gehörigen Respekt erwiesen und nie Anlaß zu Beschwerden und Klagen gegeben, so daß wir seiner sittlichen Aufführung nichts entgegen zu setzen haben. Vorstehendes Attest ist unter des Magistrates Unterschrift und Gerichtssiegel ausgefertiget. N>, den 11. Juli 1798. Bürgermeister und Rat. Der Schutzbrief, welcher sich leider nicht bei den Akten befand, wurde dem Petenten nach kurzer Zeit erteilt. Das bezügliche Schreiben des Magistrats lautet: 4. An den Schutzjuden-Sohn Behr Jacob, Hierselbst. Der Herr Kammer-Sekretär Dietrich hat uns mittelst eingegangenen Schreibens aufgetragen, von dem Schutzjuden- Sohn Behr Jacob, die Kosten wegen der Conzession und der Trauung mit 178 Thlr. 14 Gr., worunter 60 Thlr.. Friedrichsdor sein sollen, einzuziehen und frei zu übersenden. Es wird ihm nun hiermit aufgegeben, gedachtes Quantum innerhalb drei Tagen, und zwar in Courant und Gold ä 60 Thlr. innerhalb drei Tagen zu bezahlen, damit selbige, hiernächst abgeführt werden können. N., den 22. Oktober 1798. Bürgermeister und Magistrat. At.'J.' Lin Dilemma. (Nach einer wahren Begebenheit erzählt.) Von Ludwig Klausner-Dawoö. II. ^^ber die Patrouillen fanden sie nicht, weil sie gar nicht <4\< auf den Gedanken kamen, daß die polnischen Gäste, sobald sie durch ihre ausgestellten Wachtposten vor dem Herannahen der Gefahr gewarnt wurden, auf die Bäüme kletterten und in den Zweigen hockten, bis die,Patrouille sich wieder entfernt hatte. Das praktische Ergebnis der Dislozierung des Regiments war nur, daß die Aufständischen ihre Tätigkeit ganz und gar auf die Nächte beschränkten. In der Stille der Nacht wurde Proviant und Munition eingekauft und wurden Liebesgaben gesammelt und über die Grenze geschmuggelt. Es mochten etwa drei Wochen seit dem Einmarsch der Soldaten vergangen sein, als der Oberst Herrn Silberstein bitten ließ, im Laufe des Tages, wenn es seine Zeit erlaube, zu ihm zu kommen. „Nehmen Sie Platz, Herr Silberstein", sagte der Oberst, als Silberstein eintrat, „sehr angenehm, daß Sie so bald gekommen. Bei der Gelegenheit kann ich Ihnen gleich sagen, daß ich mit dem Quartier durchaus zufrieden und Ihnen sehr zu Dank verpflichtet bin. Ich habe mich wirklich gefreüt, in Ihnen auch eine so ganz andere Art von Juden kennen gelernt zu haben, als ich sie, zumal in jüngeren Jahren, gekannt habe. Silberstein verbeugte sich und machte eine abwehrende Bewegung. „Na ja, Herr Silberstein, als junger Offizier lernt man eine böse Sorte Juden kennen, das können Sie glauben." „Das sind Juden", bemerkte Silberstein, „die die jungen . Offiziere, wohl wissend, was sie find, aufsuchen. Aber man sollte doch, meine ich, ebensowenig von diesen Bekanntschaften auf die Juden schließen, wie man von gewissen Damenbekanntschaften, die die jungen Herren Offiziere machen, auf alle Frauen schließen darf." „Da haben Sie allerdings recht", lachte der Oberst. „Aber als junger Offizier braucht man bisweilen Geld, und da. wendet man sich natürlich an die, von denen man weiß, daß sie es gern geben, allerdings nicht umsonst, nein, ganz und. gar nicht umsonst." „Das können die Herren Offiziere auch unmöglich verlangen. Sie erwarten auch sicher nicht, daß ihnen ein unbekannter, gewöhnlich minderwertiger Mann umsonst seine Er-, sparnisse hergeben werde." „Aber ein gut Teil billiger könnten die Kerls es schon machen." ' . „Dann sollten die Herren Offiziere sich solche Leute aussuchen, die es billiger machen. Es gibt ja leider Wucherer genug, und zwar nicht bloß jüdische. Aber gestatten Herr. Oberst, daß ich auf diese Frage, über die ich als Kaufmann anders denke wie ein Offizier, nicht weiter eingehe.". „Na, wenn auch nicht heute, so doch ein andermal. Man' erweitert ja gern seinen Horizont.. Heute habe ich Sie aus. einem ganz besonderen Grunde zu mir bitten lassen. Ich habe Ihnen schon gesagt, daß ich mich sehr gefreut habe, m- Jhnen eine andere Art von Juden kennen gelernt zu haben, als wir sie uns gewöhnlich vorstellen."