Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 2 (12.1.1912)
- Date
- 1912-01-12
- Page
- Seite 20 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Gemälde, das einen schmalbackigen, vom Hintergründe mit hebräischer/ Inschrift plastisch sich, abhebenden Rabbinatskandidaten in Pelzmütze darstellt, ein bekanntes Kabinettsstück der Modernen Galerie in Wien. Tinau Blau führt uns in stumpfer, sehr zweckentsprechender Mälweise die Werktätigkeit der kleinen Werst in Dordrecht vor Augenwährend Nikolaus Schattenstein mit einem ausdrucksvollen Porträt vertreten ist. Das schöne Bild, welches den Wiener Universitätsproseffor Pal in aufgeknöpftem. Pelz, mit Hüt und Handschuhen in der Rechten darstellt, ist von Leopold Horovitz.. Die bedeutendste Leistung eines österreichischen Juden auf dieser Ausstellung ist wohl aber im Nachbarsaal, Nr. IV>- ein Damenporträt Jehudo Epsteins. Das Problem, starke Farbenkontraste:, grünen Ueberwurf, lila Kleid und Hut, rote Backen, braune Haare zu einem Ganzen harmonisch, vereinigt zu haben, ist vorzüglich gelöst. Bon israelitischen Persönlichkeiten, die im Bilde dargestellt sind, sei noch der bekannte in Rom lebende Archäologe kaiserlich österreichische Rat Ludwig Pollak, dem die Wissenschaft unter anderem einen wichtigen Fund zur richtigen Ergänzung der Laokoongruppe verdankt, hervorgehoben: Plaketten des. tschechischen Bildhauers Stino Paukert geben Porträts von ihm und seiner Gemahlin. Uebrigens stellte ein Namensvetter des genannten Archäologen, Ludwig Pollak in Wien, die. geschmackvollen Möbel aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts, welche den österreichischen Pavillon schmücken, zur Verfügung, wie auch mehrere der ausgestellten Gemälde aus jüdischem Besitz hergegeben wurden. Wird diese Opferwilligkeit israelitischer Bürger für die Gesamtinteressen der Nation in Oesterreich und manchem anderen Land wohl stets mit gleicher Münze vergolten? Wie so manches künftbegabte Talent aus dem Osten durch die Not der Verhältnisse gezwungen, nach Frankreich geht und dort festen Fuß faßt, zeigt uns das Beispiel des in Sebastopol geborenen Jacques Kaplan. Von ihm ist im französischen Pavillon das seiner Schwester Nunia bereits im Jahre 1890 gewidmete Bild eines jungen Mädchens in Trauer, das von einem Buch aufblickt, ausgestellt. Von Raoul-Henri Drehfus ist ein Pastell auf gekörntem Untergrund: Zwei junge Mädchen, das eine am Pianoforte,. das andere mit einer Gitarre. Impressionistisch ist die. Straßendemonstration für Ferrer in Paris im Jahre 1909 von Jules Adler. Ein noch dunkbareres Motiv für den Impressionismus sind von demselben Künstler die feurig auflohenden Hochöfen von Charleroi bei Nacht. Im Vordergrund eine arme Arbeiterfrau mit ihrem Sohn Zeugen eines übertriebenen Impressionismus und daher nicht jedermanns Sache sind die beiden Oelbilder Lücien Simons, von denen das eine eine Kirchenprozesston von Kindern, welche grüne Zweige tragen, das andere zwei Frauen und einen Mann darstellt, welche im Begriff sind ins Freibad zu steigen. Halb von der Sonne beleuchtet und deshalb von guter Farbenwirkung ist in der Architekturabteilung die Studie der Eingangstür zu der Kirche S. Maria Novella in Florenz, welche Emmanuel Pontremoli geliefert Hat. Aber mehr als dieses interessieren uns die Motive, die von Alphonse Levy für seine vier Originallithographien gewählt wurden. Sie gehören zu den wenigen Arbeiten dieser internationalen Kunstausstellung, auf denen sich hebräische Buchstaben hervorwagen. Dargestellt sind betende und studierende Glaubensgenoffen sowie eine jüdische Garköchin. (Fortsetzung folgt.) Mir man Sckutzjude wurde. Dokumente aus dem Jahre'1798. Nachstehende Zeilen sind Abschriften aus Originalakten, sie bedürfen keines/Kommentars. Jedenfalls sind sie-sehr interesjant schon allein dadurch, daß man die altpreußische Bureaukratie und deren Ansicht über das Bedürfnis, Schutzjuden „anzusetzen", kennen lernt. Selbstverständlich war die Erlangung des Schutzes mit großen Schwierigkeiten und noch größeren Opfern an Gebühren — nicht nur offiziellen — verknüpft. Carl Boß, Neustettin. Acta wegen des von dem hiesigen Schutzjuden-Sohn Jacob Behr nachgesuchten Privilegs und Conzession zur Trauung, eingetragen den 15. Januar Anno Do. 1798. An den Herrn Kr. Steuerrat Scherenberg. er Magistrat zu N. überreicht gehorsamst das Gesuch des hiesigen Schutzjuden-Sohn Jacob Behr wegen des allergnädigst zu erteilenden Privilegii als Schutzjude sich hier anzusetzen und den Concens hier zur Trauung. Nach dem beiliegenden Original Protokoll und den darauf sich beziehenden Attesten hat der bei seiner Mutter sich aufhaltende Schutzjuden-Sohn Jacob Behr gehorsamst um zu erhaltendes Privilegium als zweites Kind den Schutz seines Vaters und auch die Trauung mit der Schutzjuden-Tochter des Jacob Salomon zu Bublitz Namens Rebeca angetragen, welches wir zur höheren Verständigung hiermit gehorsamst überreichen. Unseres geringen Dafürhaltens würde dem Ansuchen, insofern der Behr Jacob das Erforderliche wegen des Vermögens, woran wir auch nicht zweifeln, annoch leistet, können, entsprochen werden. Was das in dem Schluß des Protokolls zugestempelte Gesuch wegen einer Conzession auf den Tuchhandel anbelangt, so haben wir unserseits selbigem nichts entgegenzusetzen, vielmehr wurde es einem ehrbaren Stadt-Publikum und auch für Ratzebuhr gut seyn, wenn dem Behr Jacob die allergnädigste Verwilligung auf den Tuchhandel höchsten Orts wird gegeben werden, indem er einiges Vermögen von seinem, Vater * geerbt und seine Mutter ein gutes Warenlager führt. Actum N., 15. Januar 1798. 2. In Gegenwart des Magistrats. Der von Person wohl bekannte Schutzjuden-Sohn Jacob Behr, dessen Väter und Voreltern hier .viele Jahre als Schutzjuden gewohnt und ersterer im Jahre 1791 nachdem er zuvor eine gerichtliche Disposition unterm 23. Mai errichtet, mit Hinterlassung einer Witwe und fünf Kindern verstorben und wovon Comparent der älteste und nach dem beigebrachten Beschneidungsatteste d. d. Jastrow den 16. Oktober 1797 die Großjährigkeit bis auf einige Tage erreicht hat-, erschien und trug dem Magistrat zur Bewirkung des nachgesuchten allergnädigst zu erteilenden Privilegii als Schutzjude und zwar als zweites Kind Hierselbst und Verehelichung der Schutzjuden- Tochter Jacob Salomon zu Bublitz namens Rebeca folgendes vor: Der im Jahre 1791 verstorbene Vater Behr Jacob hatte in seinem errichteten Testamente unter anderem auch dieses verabredet, daß die zurückgebliebene Witwe Erbin des gesamten Vermögens und sie die Handlung mit den Kindern fortzusetzen gehalten sein solle. Er habe auch zugleich dieses dekoriert, daß er, Comparent, da der zweite Sohn erster Ehe, Hirsch Behr, des Privilegei als Schutzjude wegen seiner groben Ausschweifungen nicht würdig und' jetzo in der Welt herumgehe, das Privilegium als zweiter . Sohn höchsten Orts nachsuchen möge. Dieses habe er, Comparent, bei Erlangung seiner Großjährigkeit und da seine