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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-01-12 · Heft 2 (12.1.1912) · p. Seite 18

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 2 (12.1.1912)
Date
1912-01-12
Page
Seite 18 (sequence 6)
Language
German
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;-.r~ 18 in Konstantinopel besser als bisher für den Kampf ums Dasein auszurüsten und sie, aus dem Pariazustand heraus^ hebend, zu wirklich tüchtigen Menschen zu machen.' Allein/dieser Pariazustand, war er notwendig, war er unvermeidlich? Es ist das eine Frage, die wohl die größte und sorgfältigste. Aufmerksamkeit verdient und der im folgenden ' eine wenn auch zunächst nur kurze und flüchtige Betrachtung gewidmet sein mag. Dr. tzolea Isrodi. Oberrabbiner in Agram. Zu seinem 70. Geburtstage. ^sm 3. Januar 1912 feierte Herr Dr. Hosea Jacobi, Oberrabbiner der Ägramer israelitischen Kultusgemeinde, seinen 70. Geburtstag. ' Die Geschichte der kroatischen Judenheit, vorzüglich aber die der Agramer israelitischen Kultusgemeinde in den letzten vier Dezennien ist kaum denkbar ohne die Lebensgeschichte dieses seltenen Mannes. ' •' Aus der Metropole der westlich-deutschen Kultur, aus Berlin, die Vaterstadt des Jubilars, kam vor mehr denn vier Dezennien Herr Dr. Jacobi als junger Theologe, ausgestattet mit einem profunden theologischen und allgemeinen Wissen und mit einer bezwingenden Rhetorik nach Agram, »lilmoä ulte lamed“ üm „ju lernen und zu lehren". Es war kein leichtes Beginnen für den damals 27 jährigen jungen Theologen, das jüdische Leben und jüdische Denken in Kroatien, das von einem starken Jndisserentismus beherrscht war, zu einem neuen Leben zu wecken. Schon der selige Dr. Hildesheimer entließ den Jünger mit den Worten: „An den Grenzen, der Suva hört das Judentum auf". Doch wie ein zweiter Jochanan ben Sakkai stürzte sich Dr. Jacobi auf die idealen Aufgaben, die seiner hier harrten, um das jüdische Gemeindeleben und Empfinden, vorzüglich den jüdischen Religionsunterricht zu reorganisieren. Zu diesem Zwecke verfaßte er in der Landessprache „Die jüdische Geschichte" und den „Katechismus für den Religionsunterricht", gründete eine Talmud»Tora-Schule und den jüdisch-literarischen Verein zu Agram. Eine große Errungenschaft war auch die Errichtung eines großangelegten „Asyl für Arme und Sieche". Der Energie und dem ehrlichen jüdischen Wollen des Herrn Dr. Jacobi ist es zuzuschreiben, daß es heute ein geeintes und in seinem Streben fortschreitendes Judentum in Kroatien gibt. Die Reorganisation des kroatischen Rabbinerstandes, die Gründung eines Landes-Rabbinerverbandes sind auf Initiative des Agramer Oberrabbiners entstanden. Die hohen Verdienste des Herrn Dr. Jacobi auf kulturellem wie sozialem Gebiete fanden vor einigen Jahren die allerhöchste Auszeichnung Seiner Majestät König Franz Josefs I. Möge es dem Herrn Dr. Hosea Jacobi vergönnt sein, seine, geistigen Kräfte noch recht lange in den Dienst der kroatischen Judenheit und der Allgemeinheit zu stellen und möge sich auch an ihm bewahrheiten die Verheißung des Propheten Hosea: . .im kV Kirn o, n»“ii ns’w dj-'* ■ „Selbst des Alters Ueberfall — hat für seinen sprudelnden Geist keinen begrenzenden Wall." Dr. Benno.Heisz. Jüdisches von den Jübilsmnssusttellunsen in Nom. Von Romanus. . II. ■ ' die volkstümliche Bilderkunst der Italiener sehr reich an Karikaturen ist, so war natürlich unser Augenmerk darauf gerichtet zu entdecken, was der Volkswitz etwa den Juden angehängt hat. Und da kommen wir denn zu dem Ergebnis, welches mit sonstigen Beobachtungen vollkommen übereinstimmt, daß die Bewohner der Apenninenhalbinsel im Verhältnis zu anderen Völkern stets wenig antisemitische Tendenzen gehabt haben. Schon dem Leser der -Divina Commedia, welche im 14. Jahrhundert, das so reich an Judenverfolgungen war, geschrieben ist, fällt es auf, daß Dante Alighieri, der doch sonst mit seiner herben Kritik keinen seiner Zeitgenossen verschont und keinen Mißstand seiner Epoche ungerügt läßt, die Juden durchaus aus dem Spiele läßt. Sehr viel mag zu der verhältnismäßig geringen Ausbildung des Judenhaßes in Italien das seine Taktgefühl sowie die große Geschicklichkeit und Bescheidenheit beigetragen haben, welche von jeher die Israeliten Italiens vor denen'anderer Länder ausgezeichnet hat. So sind denn auch aus dieser Ausstellung die Karikaturen, welche Geldwechsler, Kaufleute, Wucherer darstellen, fast niemals als Juden gekennzeichnet. Auf einem 1873 in Florenz gedruckten Bilderbogen (Nr. 100) trägt allerdings der Wucherer die charakteristischen Gesichtszüge eines Juden, in der gereimten Unterschrift ist er aber nicht als solcher genannt. Nur in den Versen zu den Abbildungen von zwei Karnevalsmasken aus dem l8.Zahrhundert, einem Pulcinella und einem Della Cerra, ist dies der Fall. Bei ersterer Maske heißt es: „Mich quält nicht die Miete noch der Gedanke, daß der Ebreo mir das Bett vermietet..." Unter der letzteren steht geschrieben: „Hier ist der große Held Della Eerra, vorsichtig mit dem Hund und vom Ebreo unüberwindlich, dem er als letzte Liebestrophäe sein Kohlenbecken und seinen Strumpf schenkt." Wohltuend solcher Volksspötterei vergangener Zeiten gegenüber wirken mannigfache Beweise für die hervorragende Stellung, welche gegenwärtig Israeliten auf dem Gebiete des Handels, der Industrie und Philanthropie einnehmen. So zeigt uns z. B. der Pavillon, welcher der Fischzucht gewidmet ist, wie sich gegenwärtig der ergiebige Fischereibetrieb in den Posümpsen bei Comacchio in den Händen des Großindustriellen Giacomo.Bonfiglioli befindet, und, nachdem wir diese Ausstellung auf Piazza t/Armi verlassen und aufs linke Tiberufer zurückgekehrt sind, ein Blick in die kleine Sonderausstellung „Mostra dell Agro Homano", welche das Lebern die Sitten und die Gebräuche der armen Landarbeiter aus den Besitzungen der Großgrundbesitzer in der Campagna um Rom veranschaulichen soll, den Wohltütigkeitssinn der Familie des Bürgermeisters Nathan und anderer wohlhabender Glaubensgenossen: Zum überwiegenden Teil Juden, find es, die, obwohl keineswegs zu den genannten Großgrundbesitzern gehörig, aus ihren Mitteln den Kindern der armen Landarbeiter die Wohltaten des Schulunterrichts zuteil werden lassen!. Von dieser Stelle aus gehen wir wieder zur Via Flaminia zurück, überschreiten dieselbe und begeben uns auf das „Balle Giulia" benannte Gelände, das sowohl in seinem Prächtigen massiven Hauptgebäude wie in den Pavillons, welche die einzelnen Nationen den Erzeugnissen ihrer Kunst, mehr odex minder stilvoll errichtet haben, eine Fülle von Werken enthält, die jüdischem Geiste ihr Dasein verdanken. Und zwax

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