Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1912)
- Date
- 1912-01-05
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 WZ WU Paul Rei'chmann,Stadtverordneter Louis^Sachs»Kommerzienrat Gerson Simon, Prof. Dr. M. Sobernheim, Geh. Justizrat Timendorfer, Professor "Dr. Otto Wartburg, Rabbiner Dr. M. Warschauer. 22 Berlin, 2. Januar. Die jü dische Bli n d e n a n st a l t - z u Steglitz beging am 17. Dezember zum zweitenmal ihr Chanukafest unter überaus zahlreicher Beteiligung und im Beisein von Vorstandsmitgliedern, Freunden und Gönnern. Die freundlichen und behaglichen Wohn- und Empfangsräume, wie der Betsaal, waren strahlend erleuchtet und gastlich hergerichtet; froh und erwartungsvoll empfingen die Blinden, besonders die Kleinen, ihre Gäste. Seitdem der Eintritt in die Anstalt auch den Erwachsenen eröffnet worden ist, sind die zu Gebote stehenden Räume fast völlig, besetzt. Das Fest begann mit dem üblichen Gebete unter Entzündung der Chanukalichte seitens des Vorstandsmitgliedes Herrn Conrad Schätzer. In einer Ansprache wendete sich der Vorstandsvorsitzende Herr Universitätsprofessor Dr. H. RosiN an die Anwesenden. Dann begaben sich die Blinden und die Gäste unter Assistenz der Vorstandsmitglieder Herren William Neumann, Geheimrat Potsdammer, Justizrat Louis Cohn und Sanitätsrat Plotke in die angrenzenden Räume, wo, von Inspektor Friedberger trefflich eingeübt, musi- . kalische Vorträge aller Art, von den Blinden zum Teil in künstlerischer Weise zun: besten gegeben, Ohr und Herz erfreuten. Das Damenkomitee, unter'Führung von Frau Magnus Alsleben und Frau William Neumann, hatte für alle Insassen an langer Tafel die Gaben aufgestellt, die jedem einzelnen überreicht wurden. Im Anschluß hieran fand eine Ausstellung von Blindenarbeiten statt, auf die Herr Schätzer und Herr Inspektor Friedberger mit einigen Worten aufmerksam machten. Die Gäste nahmen mit großem Interesse die Gegenstände des Handfertigkeitsunterrichts in Augenschein. Alle Arbeiten, wie Papp- und Perlarbeiten, Stickereien und Häkeleien, Bürstenfabrikate, von jüngeren und älteren Zöglingen angefertigt, ließen Fleiß und Geschicklichkeit erkennen. Die in der Anstalt von erwachsenen Blinden hergestellten Bürstenwaren fanden besonders guten Absatz. So hinterließ die würdige Feier bei allen Anwesenden einen nachhaltigen, und erfreulichen Eindruck. .Im. kommenden Jahre dürste es nötig sein, einen. Erweiterungsbau an der Anstalt vorzunehmen. 22 Berlin, 2. Januar. Das verflossene Geschäftsjahr des F amilienvereins „Achdus" kann als außerordentlich günstig bezeichnet werden. Er hatte einen Zuwachs von sieben Mitgliedern, so daß die Gesamtmitgliederzahl nunmehr 116 beträgt. Das Vereinsvermögen hat sich von 24 953 Mark auf 29 347 Mark vermehrt, was hauptsächlich darauf zurückzusühren ist, daß ihm in reichem Maße Geschenke zuflossen. Insbesondere ist zu vermerken, daß der Familienverein „Achdus" seinen Vorsitzenden, Herrn Caspar Lichtenstein, zum 75.Geburtstage dadurch ehren wollte, daß ihm ein Betrag von 1000 Mark, der von den Mitgliedern durch Sammlung aufgebracht wurde, überreicht worden ist. Diese Summe fügte der Vorsitzende dem Alterversorgüngsfonds zu und vergrößerte, denselben noch außerdem durch die hochherzige Spende von 1500 Mark. Ferner stifteten Herr Julius Salinger und Frau, Dresden, anläßlich ihrer Silberhochzeit den statutenmäßig festgelegten Betrag von 600 Mark, wodurch beide Mitglieder mit Zustimmung des Vorstandes die immerwährende Mitgliedschaft erworben haben. Auch in, diesem Jahre hatte der Verein Gelegenheit, mehrmals helfend einzugreifen und einige durch die Ungunst der Zeit geschwächte Existenzen wieder aufzurichten. Der Familienverein ,-Achdus" wurde am 13. März 1892 von den Herren: Caspar Lichtenstein, Jsaac Cohn, Louis Salinger, Jlia Ber, s. Ä. Julius Ehrenberg, Nathan Guttseld und Julius Sandmann gegründet. W. Ans der Provinz Posen, i. Januar. Posen. Zu Mitgliedern der Handelskammer wurden gewählt: Kaufleute Hugo Brodnitz, Heinrich Dobriner, Israel Friedländer, Stadtrat Hermann Elkeles, Fabrikdirektor Dr. Franz Kantorowicz; aus den Kreisen des Regierungsbezirks Posen: Kaufmann! Isidor Brandt - Pleschen, Bankier Georg Hermann Loewy - Rawitsch, Kaufmann Alexander Baum-Schroda. — Kolmar i.P. Ein Original unserer Stadt, das alte Fräulein. Lewin, die. unter dem Namen »Plumpenleibs Eile" weit und breit bekannt war, wurde in diesen Tagen in ihrer Wohnung tot aufgefuuden. Sie hatte sich mehrere Tage-nicht mehr blicken lassen, und als ihre Wohnung auf Ver? anlassung der Polizei äusgebrochen wurde, .fand man sie entseelt am Ofen. Es konnte sofort festgestellt werden, daß sie eines natürlichen ' Todes gestorben war. . Das alte Fräulein, das sehr mildtätig war, wurde von - der Jugend stets mit großer Freude begrüßt.— Zempelburg. Das .Fest der goldenen Hochzeit beging das Moses Schrammsche Ehepaar. Die Gemeinde und auch die Stadt bewiesen rege Teilnahme an der seltenen Festesfeier. Das Jubelpaar ist körperlich und geistig, noch sehr rüstig. — Koschmin. Der Rentier Abraham Hoppner feierte in diesen.Tagen seinen 75. Geburtstag. Ein großer Verwandtenkreis sowie die Bürger der Stadt nahmen an der. Festlichkeit teil. Der Gefeierte bekleidete in früheren Jahren viele Ehrenämter in der städtischen und Gemeindeverwaltung. — Krotoschin. Nach der diesjährigen Personenstandsaufnahme hat die. jüdische Gemeinde einen Abgang von 9 Personen gegen daS Vorjahr zu verzeichnen. M. Hamburg, 1. Januar. Der Verein selbständiger jüdischer Handwerker und Gewerbetreibender hielt . im Logenheim, Hartungstraße, eine Versammlung unter Vorsitz , des Herrn B. Heinemann ab. Nach der Aufnahme von neun neuen Mitgliedern, erstattete Herr Nissensohn den Bericht der Kommission zur Abänderung des Verfahrens bei der Vergebung von Gemeindearbeiten Der Referent teilte mit, daß die Kommission in ihrer letzten Sitzung beschlossen habe, den Gemeindebehörden und den Verwaltungen der israelitischen Stiftungen und anderer. Institutionen ein Zirkular zu übersenden, in welchem die Verwaltungen ersucht werden, bei der Vergebung von Arbeiten mehr als bisher die Vereinsmitglieder zu berücksichtigen. In dem Zirkular soll ausdrücklich darauf hingewiesen werden, daß die jüdischen Handwerker durchaus keine Extravergünstigung für sich beanspruchen, sondern es. nur als ihr gutes Recht ansehen, daß sie bei gleicher Konkurrenzfähigkeit von ihren Glaubensgenossen in erster Linie berücksichtigt werden, namentlich wenn es sich um die Vergebung von Arbeiten bei jüdischen Gemeindeinstitutionen -und öffentlichen Anstalten handele. Daß auch in Hamburg die jüdischen Handwerker konkurrenzfähig seien, beweise am besten der Neubau der Talmud-Thora-Nealschule, wo meistens nur jüdische Handwerker und insbesondere die Vereinsmitglieder berücksichtigt wurden. Die dort ausgeführten Arbeiten hätten die volle Anerkennung der Bauleitung gesunden und sei demnach gar kein Grund vorhanden zur Nichtberücksichtigung der jüdischen Handwerker. Die Versammlung erklärte sich mit der Absendung des Zirkulars in der vorgelegten Form einverstanden und beauftragte den Vorstand mit den weiteren Schritten. Eine sehr lange und teilweise erregte Debatte rief die Besprechung der bevorstehenden Verbandsversammlung hervor. Der Vorsitzende betonte, daß voraussichtlich Ende Januar 1912 der diesmalige Verbandstag wahrscheinlich in Hamburg stattfinden werde. Es werde sich bei dieser Gelegenheit die schon lang ersehnte Zeit bieten, um eine gründliche Aussprache zwischen dem Verbandsvorstand und den einzelnen.Vereinen herbeizuführen. Jedenfalls werde wohl nun endlich die schon lange gewünschte Geschäftsordnung für den Verbandsvorstand zur Beratung vorgelegt werden, und auch der bereits früher von Hamburg gestellte Antrag auf Schaffung eines Ausschusses als Revisionsinstanz gegenüber den Beschlüssen des Verbandsvorstandes müsse wieder ausgenommen werden. In der bis 1 Uhr nachts dauernden Debatte wurde allgemein das bisherige Verhalten des Verbandsvorstandes sehr scharf kritisiert. Der Antrag ans Einberufung einer Extraversammlung zur Beratung über einen etwaigen Austritt aus dem Zentralverband wurde abgelehnt. Die Wahl der Delegierten zum Verbandstag soll in der nächsten Versammlung erfolgen. n. Magdeburg, 1. Januar. Am Sonnabend den 30. Dezember hat die Synagogengemeinde Magdeburg,' in welcherLudwig Philippson gelebt und gewirkt hat, den 100. Geburtstag ihres größten Rabbiners in einer, so würdigen und weihevollen Weise begangen, daß sie allen Teilnehmern für immer unvergeßlich bleiben wird... Schon am Vorabend, an dem eine Reihe auswärtiger Gäste am Gottesdienst teilnahm, zeigte das Gotteshaus festliches Gepräge. Abends vereinigte dann ein kleines Festmahl, das der erste Vorsitzende der,.Synagogengenleinde den Ehrengästen gab, diese mit dem Vorstand. und den I*