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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-01-05 · Heft 1 (5.1.1912) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 1 (5.1.1912)
Date
1912-01-05
Page
– (sequence 13)
Language
German
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76- Jahrgang Nr. I Berlin, 5. Januar 1912 Beilage zur „Allgemeinen Leitung de§ Judentums". körrrlpondenHM und Machrichten. Deutschland. V Berlin, 2. Januar. Im letzten Jahr haben die Abteilungen der Berliner königlichen' Bibliothek, wie der nunmehr vorliegende Jahresbericht ausführt, manchen besonderer Erwähnung würdigen Zuwachs erfahren. So besonders die Handschriftenabteilung, die ihren Besitz an deutschen und lateinischen ebenso wie an orientalischen Handschriften bereicherte. Ausder Hinterlassenschaft von Professor Wilhelm Ahlwardt in Greifswald, dem hervorragenden Kenner der arabischen Sprache, erhielt sie 146 Bände mit Abschriften, Auszügen und Uebersetzungen aus arabischen Dichtern. Die Originale dieser Werke, zu denen Ahlwardts Beigaben zum Teil einen wertvollen Kommentar bilden, sind in den Bibliotheken von Berlin, Wien, Paris und Oxford zerstreut. Die Autographen- und Briefsammlung erhielt unter anderem als Ueberweisung von Professor Dr. Ludwig Darmstädter und der Medizinischen Gesellschaft ,Heimia" in Berlin die Tagebücher des berühmten Arztes Ernst Ludwig Heim aus den Jahren 1776 bis 1794. Geheimer Hofrat Heyse in Berlin schenkte den Briefwechsel zwischen Johann Christian August Hehse, dem verdienten Grammatiker ünd Groß-' Vater des Dichters, und seinem Bruder Johann Konrad aus den Jahren 1786 bis 1829. Der Briefwechsel Theodor Mommsens, dessen Pflege sich der Sohn des Historikers, Bankdirektor Karl Mommsen, dauernd angelegen sein läßt, wurde vermehrt durch mehrere, leihweise zur Verfügung gestellte Briefe Mommsens an H. Meusel. Felix Hettner und Karl Halm, durch einen Originalbrief Mommsens an Harnack. Die Druckschriftenabteilung erhielt in einem Sammelbande wertvoller kleiner Drucke aus dem 15. und 16. Jahrhundert' mehrere, bisher unbekannte niederdeutsche Inkunabeln, besonders aus dem 16. Jahrhundert. Seltene Stücke, wie die 1508 in Köln erschienene Schrift ,,vs Maies. eonk688ione" von dem Apostaten Pfefferkorn, gegen den Reuchlin seinen berechtigten Spott und Zorn richtete, und Luthers, „Unterrichtung, wie man die Kinder führen soll zum Worte Gottes", aus dem Jahre 1527. Die Musiksammlung vermehrte ihre Chopin- Autographen, und ihr fiel der Rest von Wilhelm Tauberts handschriftlichem Nachlaß als Ueberweisung der Töchter des Komponisten zu. Ferner erwarb die Sammlung Josef Joachims Ouvertüre zu Hermann Grimms „Demetrius". Besondere Hervorhebung verdient die Einverleibung der höchst wertvollen Musikalien des 16. Jahrhunderts aus der Celler Kirchenministerialbibliothek, unter denen die erlesensten Seltenheiten und einige Unika in vorzüglicher Erhaltung und prächtigen alten Einbänden sich befinden. ^. Berlin, 2. Januar. Anläßlich des 100. Geburtstages Ludwig Philippfons hatten Ausschuß und eine Anzahl von Delegierten des „D e u t sch - I sr a e l i t i s ch e n G e m e i n d eb u n d e s" einen Fonds zur Vermehrung der Mittel der Philippson-Stiftung, die bekanntlich zur Unterstützung hilfsbedürftiger Lehrer und L'ehrerwitwen dient, zusammengebracht. Es waren insgesamt bisher gegen 2700 Mark zu diesen Zwecken gezeichnet worden. Am Sonnabend der Vorwoche überreichte eine Abordnung des Gemeindebundausschusses dem verdienten Sohne Ludwig Philippsons, Herrn ProfessorMartin Philippson, in dessen Wohnung eine Adresse, in der die Verdienste seines Vaters um die Begründung des Gemeindebundes und um die deutsche Judenheit und die jüdische Wissenschaft gebührend herv orgehoben waren. Die Ueberreichung durch die Abordnung, die aus, den Herren Professor Blaschke, Emil Cohn, Siegfried Brünn, Generalsekretär Neu mann und Professor Türk bestand, war von einer Ansprache begleitet, in beider Hoffnung und der Erwartung Ausdruck geliehen wurde, daß es Herrn Professor Martin Philippson vergönnt sein möge, noch recht lange an der Spitze des von seinen» unvergeßlichen Vater mitbegründeten ,>Deutsch- Jsraelitischen Gemeindebund" zu wirken, worauf Herr Professor Philippson für die Ehrungen seines'Vaters und die guten Wünsche für ihn wärmstens dankte. — Auch die Berliner Gemeinde gedachte des 100. Geburtstages Ludwig Philippsons in einer Feier, die am vorletzten Sabbat in der Neuen Synagoge. Oranienburger Straße statkfand. Die Festvredigt, die ausschließlich dem Andenken -dieses großen Mannes gewidmet war, .hielt Herr Rabbiner Dr. Hochfeld, der in eindrucksvollen Worten die tiefe einschneidende Wirksamkeit des Gefeierten und dessen Persönlichkeit schilderte.. Dem Gottesdienste wohnte Professor Martin Philippson bei. *** Berlin, 2. Januar. Wir erhalten nachstehenden beachtenswerten Aufruf mit der Bitte um Veröffentlichung. Seit einigen Jahren ist die Aufmerksamkeit unserer Glaubensgenossen wiederum auf die Falaschas gelenkt, jenen versprengten jüdischen Stamm in Abessinien, der seit Jahrhunderten einen schweren Kampf für seinen Glauben zu bestehen hat, und der, um in diesem Kampfe nicht zu 'erliegen, uns' in dringender Weise um moralische Unterstützung und Kräftigung anfleht. Es ist eine Ehrenpflicht der gesamten Jüdenheit, gegenüber diesem Notschrei .Herz und Hand nicht zu verschließen. Wir müssen den Falaschas durch Verbreitung von Schriften, durch Erteilung von Unterricht so schnell wie möglich die erbetene Hilfe senden und so das Band fester knüpfen, das sie mit dem Judentum verbindet. Durch zwei lange Reisen durchs das unwegsame, von der Kultur noch wenig berührte Land hat Dr. I. Faitlowitsch aus Paris sich eine gründliche Kenntnis von Land und Leuten angeeignet, überall Verbindungen angeknüpft und sich das Vertrauen und die Achtung der nicht leicht zugänglichen Falaschas erworben. Die von ihm überbrachten eingehenden Nachrichten über die Falaschas, die von anderen Fachmännern und von Abessiniern, die sich in Europa aufgehalten haben, bestätigt werden, bilden eine in jeder Beziehung hinreichende Grundlage für die Eröffnung des praktischen Hilfswerkes. Es ist geplant, baldigst in . Erhträa. wo die italienische Negierung unentgeltlich ein Terrain^ herzugeben sich bereit erklärt hat, eine Schule zu errichten, an der begabte junge Falaschas zu Religionslehrern herangebildet werden sollen, damit sie in der Lage sind, ihre. Stammesgenossen im Glauben der Väter zu unterweisen und im Widerstand gegen die aufdringlichen Missionare zu stärken. Der Hilfsverein der Deutschen Juden hat einige junge Falaschas in sein Lehrerseminar in Jerusalem ausgenommen und damit der Bewegung einen sehr wertvollen Dienst geleistet. Damit jedoch dieses Unternehmen dauernd und nachdrücklich gefördert werden kann, ist es erforderlich, überall Interesse dafür zu erwecken und zu' erhalten. Um auch hier in Berlin für diese Bestrebungen Anhänger zu gewinnen, haben sich die Unterzeichneten zu einem Pro- Falascha-Komilee vereinigt. Wir beabsichtigen nicht, einen neuen Verein zu begründen, wir betrachten es vielmehr als unsere Aufgabe, der zu errichtenden Schule in den ersten drei Jahren einen Teil der notwendigen Mittel zuzuführen. Baldige Hilfe tut dringend not. Das Pro-Falascha-Kömitee': Justizrat I. Dzialoszynski, Vorsitzender, Eichhornstr. 5; Prof. Dr. Eugen Mittwoch, Schriftführer. Kirchstr. 23; Bankier Bruno Galewski. Schatzmeister. Kurfürstendamm 167; Geh. ' Regierungsrat Prof. Dr. Aron, Siegmund Bergel, Rabbiner Dr. L. Blumenthal, Justizrat Dr. Ignaz Cohn, Dozent Dr. I. El bogen, Fabrikbesitzer Eugen Fraenkel. Justizrat Max Fuchs, Dr. Isidor Ginsberg, Stadtrat G i m k i e w i c z. Fabrikbesitzer S a lo H ep p n e r, Rabbiner - Dr< M. Hildesheimer, Aron Hirsch, Justizrat I. Holz, Justizrat Maximilian Horwitz, Berthold Israel, Bankier E. G. Kaufmann, Georg,La chmann, Geh. Medizinalrot Prof. Dr. L. La nd au Handelsrichter Norbert : Levh, Direktor S. I. Le szinsky'. Dr. Max Lewinski/ Handelsrichter Willibald Loewenthal Fabrikbesitzer Jakob Mandelbaum, Geh. Sanitätsrat Dr. Ma.. retzki. Alois A. F. Marcus, Konsul M. Mugdan,' Sanitätsrat Dr. Albert Oliven- Direktor Oskar Oliven, Fabrikbesitzer'

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