Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1912)
- Date
- 1912-01-05
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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zum letzten Chänuküfest habe ich etwa ein Dutzend poetischer Ergüsse erhalten'/ von denen ich schließlich nur .einen aufnehmen konnte. Aber geeignete Mitarbeiter. Ich lasse es, wie ich wohl versichern darf, nicht an mir fehlen. Ich wende mich häufig genug an tüchtige Publizisten und Schriftsteller, aber es kommt oft genug vor, daß ich keine oder eine ausweichende Antwort erhalte. Es gibt andere, die viel versprechen und wenig oder nichts halten; nicht selten läuft der Artikel, auf den man sicher gerechnet hatte, verspätet ein, und der Moment ist verpaßt, in welchem man ihn bringen konnte. anderen Bewerbern und somit zur Aufnahme minderwertiger Elemente in das Offizierkorps führt. Im Interesse des Heeresdienstes selbst wird'Zdaher auch im Bereich der preußischen Heeresverwaltung mit der bisherigen, mit der Verfassung schwer zu vereinbarenden Uebung zu brechen sein. Die mir wiederholt entgegengehaltene Befürchtung einer Üeberflütung des Offizierkorps mit Juden teile ich nicht. Bei strenger Prüfung der individuellen Eignung werden sich ungeeignete Elemente unschwer fernhalten lassen. Was nach sorgsamer Scheidung der Spreu von dem Weizen übrigbleibt, kann dem Heeresdienst nur zum Vorteil gereichen." * Dir Woche. Berlin, den 2. Januar 1912. ^^^ir haben das alte Jahr mit einem Rückblick geschlossen; wir treten in das neue Jahr mit einem hoffnungsvollen Ausblick. Liegt auch kein besonderer Grund zur Freude vor, so regt jeder neue größere Abschnitt den geschichtskundigen Menschen, der an eine Fortentwicklung der Zeiten und an einen endlichen Sieg des Fortschritts glaubt, zu freudigem Mut an. Zwar weiß keiner, was ihm persönlich bestimmt ist, kein Volk kann in der Zukunft lesem Ueberraschungen werden der Welt täglich bereitet, so am Schluß des Jahres 1911 durch die Proklamierung eines besonderen Staates, der Mongolei; aber dem redlichen guten Streben bleibt der Erfolg nicht aus, und so. wollen auch wir die Hoffnung und Zuversicht nicht ausgeben für bessere Gestaltung der Verhältnisse im kommenden Jahr. In Frankfurt am Main wurde am 28. Dezember 1911 das Jubiläum der von dem Großherzog Dalberg ein Jahrhundert vorher eingeführten Deklaration zugunsten der Juden gefeiert. Durch diese waren die Juden, freilich nach Zahlung eines großen Ablösungsgeldes von 440 000 Gulden, in die, vermöge des Organisationspatentes konstitutionsmäßig verordnete Gleichheit eingetreten. In den ersten Wochen des Jahres 1812 wurden 645 Juden in das Frankfurter Bürgerbuch eingetragen. Es war, wie ein Frankfurter Jurist bemerkt, „ein großartiger und erhebender Gedanke, einer Masse viel bedrückter Menschen durch Wegräumung aller früheren Hindernisse, gleiche Rechte mit bisher bevorzugten Klassen von Staatsbürgern in einem Zuge eingeräumt zu haben". (Ich entnehme diese sehr lehrreichen Notizen einem Aufsatze von I. Krakauer vom 21. Dezember 1911. Der nationalliberale Kandidat in Witten äußerte sich über die Judensrage einem unserer Korrespondenten gegenüber in folgender Weise: „Selbstverständlich würde ich im Falle meiner Wahl keiner gesetzlichen Maßnahme zustimmen, durch welche die Parität der Konfessionen verletzt würde. Oberstes Gesetz ist die Gleichheit aller Staatsbürger. Nicht die Konfession soll bei der Besetzung von Staatsstellen maßgebend 'sein, sondern die Tüchtigkeit der anzustellenden Person. So will es das deutsche Rechtsgefü hh und auch die deutschen Juden sollen hiervon nicht ausgeschlossen sein." Am 17. Dezember 1911 fand in Paris die Generalversammlung der Alliance israelite universelle statt, die außerordentlich stark besucht war. Der Vizepräsident Netter rühmte die Verdienste des durch Krankheit am Erscheinen verhinderten Präsidenten Leven. Dann erstattete Herr Bigart den Jahresbericht, besonders über die jüdischen Schulen in Marokko und Palästina. Herr Machiels gab den Kassenbericht. Danach betrugen die Einnahmen für 1910 1 610 097 Frank, die Ausgaben 1 632 708 Frank; die Einnahmen der israelitischen orientalischen Normalschule 114 531 Frank, die Ausgaben 119 441 Frank. Darauf warf Großrabbiner Alfred Levy einen Rückblick auf die Anfänge der Alliance und nahm Gelegenheit, die Verdienste des Präsidenten Narzisse Leven, der seit dem Beginne der Gemeinschaft, d. h. seit 1860, der gute Genius der Alliance gewesen war, in Helles Licht zu setzen; die übrigen Begründer waren: Karl Netter, Emile Aristide Astrucy, Isidor Cahen, Eugen Manuel. Im Anschluß an diese Reminiszenz verteidigte Rabbiner Israel Levy in einem Bericht über seine mit Dr. Porges nach Palästina unternommene Reise die dortigen jüdischen Schulen, rechtfertigte die Wahl der französischen Sprache als notwendig für den Unterricht und rühmte die ungemein günstige Entwicklung des dortigen Schulwesens. £ Im „Tag" hat sich Freiherr von Zedlitz und Neukirch mit der Frage der jüdischen Offiziere befaßt und schreibt darüber folgendes: „Eine der größten Schwierigkeiten für die volle Ausnutzung unserer steigenden Bevölkerungszahl für den Heeresdienst bildet die entsprechende Verstärkung des Offizierkorps, und zwar sowohl der Berufswie der Reserveoffiziere. Unter diesem Gesichtspunkte erscheint es als ein schwerer Fehler, daß abweichend von Bayern im Bereich des preußischen Kriegsministeriums die Juden tatsächlich nicht nur von der Offizierslaufbahn, sondern sogar von dem Referveosfizierkorps so gut wie ausgeschlossen find. Die österreichischen'Erfahrungen lassen darüber, keinen Zweifel, daß dadurch unserem HZercsdisnst und namentlich dem Reserveoffizierkorps eine nicht unerhebliche Anzahl tüchtiger Kräfte entgehen. Auch ist die Befürchtung, nicht abzuweisen. daß der Ausschluß der Juden zu einer laxeren Prüfung der individuellen Eignung für den Heeresdienst bei den Zum Schlüsse. der Verhandlung setzte Eugene See die Notwendigkeit des uns so verhängnisvoll scheinenden Antrags auseinander, daß das Zentralkomitee nicht durch Wahlen, sondern durch Kooptation ergänzt werden solle; darüber heißt es (in dem wahrscheinlich offiziösen Berichte des Univers israelite): „Der Berichterstatter zeigte, daß das Wahlsystem in einer über die ganze Welt verbreiteten Organisation nie richtig habe funktionieren können. Die Mitglieder kennen nicht einmal die vorgeschlagenen Kandidaten und haben daher immer die vom Zentralkomitee vorgeschlagenen Listen angenommen, die Wahl war also nichts als eine Art von Kooptation, von 30 000 Mitgliedern haben höchstens 3000 ihr Wahlrecht aüsgeübt. In Deutschland hatte man gar kein Interesse an der Wahl: 1902 beteiligten sich 689, 1905 nur 621 Mitglieder. 1911 war es anders. Man gab vor, gegen Herrn Sal. Reinach I zu agitieren, von dem wir uys nach 26jähriger aufopfernder