Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-12-29 · Heft 52 (29.12.1911) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 52 (29.12.1911)
Date
1911-12-29
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228961-3229014--68060-3280311
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

' das vielseitige Wirken Justizrat Ollendorffs und zeigte/ wie dieser bei > jeder Art von Tätigkeit seine volle Kraft einsetzte und sich als 'ganzer Mann bewährte; er zeichnete ihn als ein.en Sachwalter des Rechts, der im besten und. edelsten Sinne des. Wortes seine Pflicht erfüllte, und dem . ein unbestechliches Gerechtigkeitsgefühl eigen war. Sowohl in seinem juristischen Berufe als auch in seinem Schaffen für das Äööhl' der Allgemeinheit' sei er unterstützt worden durch die Meisterschaft, mit der er die Sprache in Wort und Schrift beherrschte Er ^sei ein treuer und fester Kämpfer für Wahrheit; Recht und Freiheit, für alle die heiligsten Güter' der Volksseele gewesen, und mit ihm sei ein Volksmann der besten Art und ein wahrhafter Patriot dahingeschieden. Daß ein Mann von einem solchen Adel der Gesinnung, von solchen Vorzügen des Charakters, von solcher Ueberzeugungstreue, von solcher Begeisterung für die Förderung des Gesamtwohls ungewöhnlich viele Freundschaft erworben habe und auch die Hochachtung der Gegner genoß, sei leicht erklärlich. Jeder, der ihn gekannt, wisse ja, daß ihm die Treuherzigkeit, die Güte, das ' Wohlwollen, aber auch die Festigkeit des Charakters aus den Augen leuchtete. Geheimer Justizrat Dr. Wollstein sprach eindrucksvolle 'Worte im Namen des Vorstandes und der Repräsentantenversammlung der Synagogengemeinde, und Justizrat Dr. Heilberg sprach im Aufträge derer, die dem Verblichenen freundschaftlich nahegestanden. Auch er entwarf ein anschauliches und fesselndes ' Seelenbild, und er betonte, wie sicher gefeit Justizrat Ollendorff durch seinen Charakter gegen' alle Versuchungen war, die anjeden herantreten, der im öffentlichen Leben wirkt. Er sei auch den Freunden immer ein leuchtendes Vorbild in der Arbeit, in der Ärbeitstüchtigkeit und in der Arbeitsfreudigkeit gewesen. „Wir. danken Dir/ Du lieber Freund" — schloß der Redner -—„für das, was Du uns gewesen und was Du uns gegeben. Wir vergessen e§; nicht, und wir wahren Dirdie Treue durch unser ganzes Leben!" . . . Als der Sarg in die Gruft gebettet war, sprach noch ein Vertreter des Vorstandes der Lessing-Loge herzliche Worte'über das Grab des in die Ewigkeit eingegangenen Bruders. öl Hamburg, 26. Dezember. Die Einweihungsfeier desn e u e n S ch u l h a u s e s, d er Ta linud -Tho'ra-Realschule, fand am^ 20. d. M. in der Aula der Schule in Gegenwart bon Vertretern des Senats und der Bürgerschaft statt. Als Vertreter des Senats war der Präses der Oberschulbehörde, Herr Senator Dr. v. Melle als Vertreter der Bürgerschaft Herr Präsident Engel erschienen. Ihnen schlossen sich als weitere Mitglieder der Oberschulbehörde die Herren Schulräte Professor Dr. Brütt, Dr. Dilling und Dr. Heskel sowie Schulinspektor Dr. Schobert an. Unter den zahlreichen Ehrengästen befanden sich äußer den Mitgliedern des Gemeindevorstandes, des Repräsentantenkollegiums und vieler anderer Gemeinde-Institutionen auch die Rabbiner und Vorsteher der Nachbargemeinden Altona und Wandsbek; auch viele Direktoren unserer Staatsschulen hätten der Einladung des Vorstandes Folge geleiste' , Eingeleitet^wurde die Feier durch den vom Schülerchor vorgetragem i Gesang: ,In deinen Mauern weile Frieden, in deinen Hallen still Gedeihen" '(Psalm 122). Hieraus hielt Herr Oberrabbiner Dr. S. Sp itzer die Begrüßungsansprache und Weiherede.; Der Redner sprach zunächst in einem Segensspruch Lob und Preis dem Schöpfer aus, der dieses Werk vollenden ließ. Dank einem hohen Senat und der Bürgerschaft für das Entgegenkommen bei der Ueberlassung dieses herrlichen Bauplatzes. Dank der Oberschulbehörde; die auch bei dieser Gelegenheit wie stets der Talmud-Thora-Realschule das größte Entgegenkommen gezeigt. Dank all den Männern, die durch ihre Wirksamkeit den Bau und die innere Einrichtung in so reichem Maße ermöglicht haben. Die Einweihung dieses herrlichen Schulhauses bedeute einen Freudentag für die Hamburger Gemeinde. In diese Freude mischt sich aber ein Wermutstropfen, denn der edle Mann, durch dessen hochherzige Spende in Gemeinschaft mit seinen Kindern der Grundstock zu diesem Bau gelegt wurde, der langjährige Vorsitzende des Schulvorstandes,' Herr M oritz^Warburg, dessen Bildnis uns hier.'grüßt, weilt nicht; mehr in unserer Mittel In tiefer Wehmut gedenken wir auch des allverehrten Oberrabbiners Markus Hirsch sowie des erst kürzlich verstorbenen zweiten Vorsitzenden Herrn Dr. B. Levy, die so eifrige' Förderer des neuen Schulhauses waren. Das^ Andenkenbxefcr1 . edlen Männer wird, stets in den Annalen dieser 'Anstaltutt-- vergessen -bleiben. Redner verbreitete sich dann über die Ziele Und Zwecke der jüdischen Schule, die neben den profanen Wissen schäften auch die Pflege der Religion.zü ihren Hauptaufgaben machen muß. Möge dieses Haus zu allen^'Zeiten^-fMet^Mstzckbetv^NAcht werden, möge es dem großen Vaterlande treue Söhne, der ÄZaterstadt güte Bürger und unseren Religionsgemeinschaft ' Lb'eWuAngs volle Anhänger erziehen. In' diesem Sinne weihe ich dieses Haus seinen Zwecken, stelle es unter den Schutz des Allmächtigen und übergebe es Ihnen, werter Herr Direktor, im, Namen des Schulvorstandes. Möge diese Anstalt blühen, gedeihen und wachsen. Das walte Gott! Amen! Nach einem Festgesang des Schülerchors hielt Herr Direktor Dr. I. Goldschmidt die Festrede, in der er einleitend darauf hinwies, daß das Werk vollbracht und mit dem heutigen Tage ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen sei. Der Festredner verbreitete sich dann eingehend über die Geschichte der Schule, über die Aufgaben des modernen Unterrichts, und schloß mit einer Mahnung an die Schüler, sich der Ziele bewußt zu sein und vor allen Dingen Vaterlandsliebe und. Bürger treue zu üben. Möge das neue Schnlhaus der Vaterstadt zur Zierde, der Gemeinde zum Segen gereichen. Mit dem Gesang: „Holder Fr' süße Eintracht!", schloß die wirkungsvolle Feier. Krefeld, 25. Dezember. Die Chebra Machne Jeliuda, eine der ältesten Vereinigungen unserer Gemeinde, vollendete in den Chanukatagen ihr 75 jähriges Bestehen. — An der festlichen Würdigung dieses Ereignisses am 17. d. M. beteiligten sich sämtliche Vereinsmitglieder, und auch aus der Gemeinde erschienen zahl reiche Gäste. Im Jahre 1836, ein Jahr nach dem Tode des Oberrabbiners Jehuda Löb Carlburg, des ersten Krefelder Konsistorial-Oberrabbiners, ist .die Chebra Machne Jeliuda begeunbet worden Sie sollte den Namen dieses bedeutenden Mannes in Erinnerunghalten. Um die von dem Verstorbenen in Krefelds Gemeinde ausgestreute Saat an echtem Judentum, an echt jüdischer Wohltätigfett weiter in dieser Chebra fortgedeihen zu lassen, hat in 23 jähriger opferwilliger Tätigkeit der Herr Benj. Cohen allabendlich durch scharf durchdachte Vorträge den Verein zu seiner' jetzigen Blüte gebracht. Die große Begeisterung für die emsige Tätigkeit des Herrn Cohen, für seine ideale Auffassung der Tendenz der Chebra. brachte dem Vorsitzenden in der Festesftimmung wirkliche Anerkennung. Im Mittelpunkt der ganzen Feier stand der von Herrn Oberrabbiner Dr. Levi mit Bienenfleiß und großem Geschick zusammengestellte Festvortrag über das Leben und Wirken des. verstorbenen Oberrabbiners Carlburg. Der Vortrag fand in der meisterhaft zusammengesetzten Stoffbeschaffung großen Beifall und wird voraussichtlich als Beitrag zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Krefelds in Sonderabdruck erscheinen. Das wechselreiche Festprogramm nahm unter Vorträgen und humoristischen Darbietungen seinen lebhaften Fortgang. Alt und jung überbot sich, dem Ernst des Festes auch eine heitere Umrahmung zu geben, und als man sich in früher Morgenstunde trennte, nahm jeder das Bewußtsein heim: „Jehudas Lager ist die Stätte des Friedens und der Lehre.";/ L. H. Kassel, 22. Dezember. Das Fest der Lichter und der Freude brachte in diesem Jahre der Gemeinde Kassel ein besonderes Fest — sie feierte das 100jährige B estehen des Frauenvereins Nicht als Greis, gebeugt von der Fülle der Jahre, sondern wie ein Baum, saftig und markig,, dessen Wurzeln nie welken können, trat der FraUenverein in sein zweites Jahrhundert ein. '' Er ist als solcher wohl der erste und älteste innerhalb.der jüdischen Gemeinden Deutschlands. Gegründet zur Zeit der französischen Fremdherrschaft, die den Bewohnern Kurhessens die völlige bügerliche Gleichstellung brachte, erkannten damals zwei edle Frauen. Jeanette Wallory und Gutheil Benary, die Notwendigkeit einer geregelten Kranken-und Armenpflege an. Die Anregungen der beiden Frauen fielen auf fruchtbaren Boden'; es meldeten sich sofort74 Frauen, deren Enkel und Urenkel noch heute dem Verein angehören. Wie die Vereinigung sich entwickelt hat, wie viel Großes sie geleistet, wie ihr zu keiner Zeit die Mittel fehlten,' für Arme und Kranke zu sorgen darüber gibt Uns die von Frau Eugenie Wertheim herausgegebene ' Jubiläumsschrift Kunde/ sie bildet ein■' Ruhmesblatt für - den in hiesiger Gemeinde stärk pulsierenden echt jüdischen Sinn. Wir

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.