Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 52 (29.12.1911)
- Date
- 1911-12-29
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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75. Jahrgang Nr. 52 Berlin, 29. Dezember 1911 Vellage zur „Allgemeinen Leitung deß Judentums" Lorrelponden?m und Hsckrichten Deutschland. L2 Berlin, 27. Dezember/ Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums hat soeben ihren neunten Jahresbericht herausgegeben. Er beginnt mit einem Nachruf auf das im Berichtsjahr dahingeschiedene Mitglied des Ausschusses', Herrn Rabbiner Dr. Vogelstein-Stettin. Ter Mitgliederbestand ist abermals um nahezu hundert gewachsen, die Finanzen haben sich im ganzen günstig entwickelt. Der Bericht erwähnt sodann die kostenlose Verteilung mehrerer Werke an die Mitglieder der Gesellschaft und deren neueste Publikationen, von denen wir den II. Band der talmudischen Archäologie von Krauß und den III. Band der neuesten Geschichte des jüdischen Volkes von Philippson hervorheben; letzteres Werk ist mit diesem Band abgeschlossen. Die großen wissenschaftlichen Unternehmungen der Gesellschaft schreiten weiter fort; für bestimmte wissenschaftliche Aufgaben hat die Gesellschaft sich mit dem Gesamtarchiv der deutschen Juden zu gemeinsamer Arbeit vereinigt. Der Bericht erwähnt zum Schluß die reichen Erfolge, die von der Gesellschaft ausgehen, und die sich nicht nur in ihrem äußeren Erstarken und dem Anwachsen ihrer Mitgliederzahl, sondern auch in dem zunehmenden Verständnis für das Judentum und seine Wissenschaft, in jüdischen wie auch in christlichen Kreisen dokumentieren. — Der Bericht ist von dem Bureau der Gesellschaft, Berlin N., Große Hamburger Straße 29, kostenlos zu beziehen. — Die Mitgliederversammlung der Gesellschaft, welche dem Andenken Ludwig Philippsons aus Anlaß der hundertsten Wiederkehr seines Geburtstags gewidmet ist, findet in Berlin am 3. Januar 1912 statt; die Festrede hält das Mitglied des Ausschusses. Herr Dozent Dr. I. Elbogen. — Berlin, 27. Dezember. Auf dem alten Friedhof in der Schönhauser Allee wurde am 22. d. M. der Schriftsteller Hugo Lubliner bestattet. Der Sarg war, umgeben von einem Lorbeerhain und bedeckt von Kränzen und Blumen, in der Kapelle aufgebahrt, die zu klein war. um alU den Freunden Raum zu geben, die mit der Gattin und den Kindern Lubliners dem Verstorbenen die letzten Grüße spenden wollten. Wie Lubliner es gewünscht, wurde nur ein Gebet gesprochen, und nach dieser kurzen Trauersejer wurde unter Gesang der Sarg zu dem Erbbegräbnis getragen, wo er in die Erde gesenkt wurde. y. Berlin. 27. Dezember. Unter überaus, zahlreicher Beteiligung bettete man am vergangenen Montag auf dem Friedhof in Weißensee Herrn Jlia Ber zur ewigen Ruhe. Der Verblichene hat auf dem Gebiete sozial-jüdischen Wirkens viel Segensreiches für die jüdische Allgemeinheit geschaffen. So war er Mitbegründer des .Hilfsvereins für die jüdischen Taubstummen in Deutschland", Vorstandsvorsitzender der „Herberge des jüdischen Volks Vereins", er widmete seine Kraft dem Berliner Lokalkomitee bec„Alliance Isra61ite Universelle“, dem „Hilfsverein der Deutschen Juden" und anderen großen und kleinen Organisationen wie Vereinen. Besonders rege war das Interesse, das er als Mitglied der Unterstützungskommission der „Alliance Isra&ite Universelle“, Vertreter der Absertigungsstelle für jüdisch-russische Durchwanderer, solange noch Alliance und Hilfsverein an ihr beteiligt waren, betätigt hat. Mit der gewissenhaften Regelmäßigkeit eines Beamten erschien er dort einen jeden Tag und wirkte für diese'Armen unserer russischen Glaubensbrüder. Er war ein Mann von seltener Herzensgüte und Hilfsbereitsschast, ein Helfer der Armen und Bedrückten, der die rechten Männer und rechten Wege für seine sozial-jüdischen Bestrebungen zu gewinnen wußte. An seiner Bahre aus dem Friedhof in Weißensee hielt Rabbiner Dr. Weisse eine ergreifende Grabrede, die das bedeutsame Wirken dieses Mannes im Dienste der Armen und Unterdrückten schilderte, und ein Charakterbild des Verblichenen entwarf, das ihn als allzeit hilfsbereiten, in der Erfüllung übernommener Ehrenämter Peinlich gewissenhaften Mann und liebevollen Menschen und Familienvater kennzeichnete. Ehre seinem Andenken. 22 Beelitz, 20. Dezember. Zur Chanuka-Bescherung in der Israelitischen Erz i e h u n g s - A n st a 1 t s ür g ei st i g z u r ü ck g e b l i e bene Kinder Wilhelm-Auguste-Victoria-Stiftung in Beelitz hatten sich am letzten Sonntag Vertreter des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes und der Großloge U- O. B. B., die Eltern der Zöglinge und der als hervorragender Fachmann anerkannte Leiter der Städtischen Idiotenanstalt zu Dalldorf, Herr Piper aus Berlin eingefunden. Aus Beelitz waren Mitglieder der Jüdischen Gemeinde und zahlreiche.nichtjüdische Gönner und Freunde der Anstalt, darunter ein Vertreter des Bürgermeisters, die Damen des durch Berufsgeschäfte verhinderten Ortsschulinspektors, Superintendenten Friloff, die Familie des Anstaltsarztes erschienen. Chanuka-Lieder' und Deklamationen der begabteren Zöglinge leiteten die Feier ein. Herr Erziehungsinspektor Bein erläuterte dann die schwierigen und opfervollen Pflichten, die einer Anstalt für geistesschwache Kinder gestellt sind. In eindrucksvoller Rede wies namens des Kuratoriums das Mitglied der Großloge, Herr Siegmund Bergel, auf den Chanuka-Brauch hin. täglich ein neues Lichtlein zu entzünden, ohne daß wir auf den Glanz der an den früheren Tagen entzündeten Kerzen verzichten. Dies ist ein schönes Symbol der in diesem Hause geleisteten Erziehungsarbeit. Auch hier wird jeden Tag der Schatz der Kenntnisse um einen kleinen Zuwachs vermehrt, dabei aber gilt es die bereits erlangten Fertigkeiten durch Uebung zu erhalten und zu befestigen. Die gegenwärtige Feier sei ein Fest der Religion und Menschlichkeit zugleich, zu der sich die Anhänger verschiedener Bekenntnisse, durch das Band der Sympathie für die unglücklichen Kinder vereinigt, zusammengefunden hätten. In i der Turnhalle fand die Verteilung der von Eltern, dem Kuratorium und den Gönnern reich gespendeten Gaben statt. Alle Menschenfreunde konnten sich über das Entzücken der Kinder freuen und davon überzeugen, daß die Zöglinge nicht nur körperlich wohl gepflegt und guten Mutes, sondern daß nach dem maßgebenden Urteil des Herrn Er- ■ ziehungsinspektors Piper sie auch innerhalb der Grenzen ihrer Fähigi keit geistig und manuell, soweit es möglich ist, gefördert sind. Dies; Urteil konnte auch aus Grund der Ausstellung von Schülerarbeiten! ausgesprochen werden. Es handelt sich dabei nicht bloß um Leistungen; im Handfertigkeits-Unterricht, sondern um wirkliche Handwerksi Betätigung in Korbmacherei und Tischlerei. Die Unterweisung in diesem so wichtigen Unterrichtszweig wird durch Handwerksmeister aus Beelitz sowie durch den Pfleger, einen gelernten Tischler, gegeben. Die Feier hinterließ bei allen Teilnehmern einen durchaus befriedigten. . Eindruck. Breslau, 22. Dezember. Unter großer Teilnahme weiter.! Kreise ist am 18. d. M. Herr Justizrat Dr. I. Ollendorff aust : dem jüdischen Friedhofe in der Lohestraße beigesetzt worden.; Die Mitglieder des Magistrats, ihnen voran Oberbürgermeister; Dr. Bender und Bürgermeister Dr. Trentin, waren nahezu voü-; zäylig erschienen. Zu ihnen gesellte sich eine große Abordnung des Stadtverordneten-Kollegiums, mit dem stellvertretenden Vorsteher, Justizrat Dr. Peucker, an der Spitze. In der überaus großen Schar der Trauergäste waren ferner seine Kollegen aus der Rechtsanwaltschaft, Richter des Amtsgerichts und des. Landgerichts, , die Vorstände des Fortschrittsvereins und des Wählvereins der Fortschrittlichen Volkspartei, der Vorstand und die Repräsentantenverfammlung der Synagogengemeinde, der Oesterreichisch-ungarische Hilfsverein „Austria", die Gesellschaft der Brüder und die Vorstände mehrerer Wohltätigkeitsvereine stark vertreten. Der Sarg, ganz mit : Rosen, Chrysanthemen, Lorber und Schleifen verhüllt, wurde aus der ' Wohnung des Verewigten abgeholt und in der Friedhofshalle auf. gebahrt. Städtische Ausreuter, in der bekannten historischen Tracht, ^hielten die Ehrenwache. Gemeinderabbiner Dr. Guttmann hielt eine tief zu Herzen gehende Gedächtnisrede, in der er die Wesensart i des Heimgegangenen Freundes trefflich kennzeichnete. Er schilderte