Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 52 (29.12.1911)
- Date
- 1911-12-29
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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*etfalE)i?en - ferner, mie bet -^raueiibcrciiv fte(§ ben veränderten Zeiten hin sichtlich > der: Ar tuen- und. Krankenpflege Rechnrur g getragen hat, wie auf seine Anregung ein Altersheim für jüdische Frauen gegründet wurde und noch eine Anzahl Institutionen ins Leben trat, . die allseitig, als - vorbildlich anerkannt wurden. —7 Daher konnte es nicht fehlen, daß das Jubelfest von der ganzen Gemeinde gefeiert wurde. Die Festlichkeit fand im Saal des Zentral-Hotels statt.! Eine außerordentlich zahlreiche Versammlung füllte den Raum bis auf den letzten Platz. Regiernngspräsident Gras Bernstorsf, Polizeipräsident Freiherr v. Dallwigk, der landesherrliche Kommissar, Negierungsras. Schütze, Bürgermeister Jochmus waren erschienen und mit ihnen die Vorstände der meisten wohltätigen Vereine Kassels. -Ein stimmungsvoller Gesang, des Herrn Oberkantor Witepski («Gott deine Güte reicht so weit") eröffncte die Feier. Dann nahm die 1. Vorsitzende, Frau Dr. Prager das Wort, um in warmen Worten die Gäste, zu begrüßen. -In großen Zügen führte sie die Entwicklung des - Vereins vor und widmete dessen Gründerinnen ehrende Worte des Gedenkens. Ihre warmherzigen, tief eindrucksvollen Wortefanden den lauten Beifall der Versammlung. In hinreißender Weise feierte darauf Herr Landrabiner Dr. Do clor die Nächstenliebe, als religiöses Grundgebot Er wies in feinpsychologischer Weise auf den Vorzug weiblicher Liebestätigkeit vor der männlichen hin und zeigte unter Zitierung der Bibel und des jüdischen Schrifttums, welch hohe Bedeutung die jüdische Religion asien Zweigen werktätiger Nächstenliebe beimißt. Nach den erhebenden und außerordentlich wirkungsvollen Ausführungen des Landrabbiners nahm Herr Regierungspräsident Graf Bernstorff das Wort, um vor allen: seinen Dank für die Einladung auszu^prechen, der er gern gefolgt sei. Zur Zeit der Fremdherrschaft erstanden, die den Israeliten größere Freiheit gebracht, , sei der Israelitische Frauenverein zur Zeit größter Not, als. größte Hilfe-not tat, gegründet worden. Sein Wunsch gehe dahin, daß der Verein in aller Zukunft weiter blühen und cs seiner segensreichen Tätigkeit niemals an hilfsbereiter Unterstützung fehlen möge. Herr Bürgermeister Jochmns überbrachte die herzlichsten Glückwünsche der Stadt Kassel. Tie Festschrift entrolleein interessantes Bild davon, wie edle Fxauen sich selbstlos in den Dienst -edelster Menschenliebe gestellt. Er wisse aus seinen langjährigen Erfahrungen .an der. Spitze der städtischen Armenverw.altung, wie vorzüglich der Israelitische Frauenverein arbeite, denn nur in außerordentlich seltenen Fällen werde diese städtische Armenpflege von Israelitinnen in Anspruch genommen. Diese würden in ausreichender Weise vom Frauenverein unterstützt. Aber auch über den Rahmender Elaubensgenreinde hinaus beweise der Israelitische Frauenverein tatkräftiges Interesse für gemeinnützige Angelegenheiten. Das habe sich auch beim Zusammenschluß zu einem weiblichen Arbeitsnachweis gezeigt. Auch dieser Redner schließt mit -warmen Glück- und Segenswünschen. Frau Eugenie Wertheim sprach sodann über „Tie Armut und deren Bekämpfung". Sie gab einen historischen Ueberblick über die Entwicklung der Armenpflege seit den ältesten Zeiten und forderte am Schluß zu warmer Anteilnahme an allen Bestre-. bungen und Vereinen auf, die sich, die Linderung der Not in jeder Gestalt zur Aufgabe gemacht. Mit den weihevollen Klängen des Harmoniums schloß hieraus die Feier. Abends fand, im Zentral- Hotel ein Festbankett statt, an dem sich mehrere hundert Personen beteiligten. Möge es dem Verein nie an Gönnern fehlen, . denn, die Armut wird ja nie schwinden. ^2 Mainz» 22. Dezember. Das am 19. d. M. stattgehabte Leichenbegängnis des am Sonntag hier verstorbenen Justizrats Dr. Max Löb gestaltete sich zu einer überaus imposanten Trauerkundgebung, wie sie auf dem jüdischen Friedhofe zu Mainz nur selten gesehen ward. Kaum war die große Leichenhalle imstande, alle die Leidtragenden zu fassen. Rabbiner Tr. Salfeld schilderte den.Heimgegangenen als. Menschen, als Anwalt des Rechts,, als Gatte, Vater und nicht zuletzt als. treuen Bekenner seines Glaubens, der namentlich bei jeder sich darbietenden Gelegenheit energisch.Front machte gegen diejenigen; die um irdischer Güter willen den Glauben der Väter schnöde verlassen, um ohne innere Notwendigkeit einen fremden Glauben zu beschwören.. Landgerichtspräsident Dr. Hangen legte im Namen des Landgerichts Rheinhessen einen Kranz an der Bahre nieder. Der Dahingesdhiedene sei stark in der Tat und mild .in der Ar ^gewesen, int Kampfe-für .das. Gute..immer.siegr,eich,--.eiu^echter^ . Diener der Wahrheit. — Justizrat Dr. Cause widmete seinen Kranz im . Namen der hessischen Anwaltskammer. Dr.Löb wäre berufen gewesen, in' .Staat und. Kommune an erster Stelle zu stehen, er aber wollte nicht . abhängig sein, weder nach oben noch nach unten. Justizrat . Dr. So ldan sprach im Namen der Freisinnigen Volkspartei. Der . Vorsitzende der Israelitischen Gemeinde Mainz, Stadtverordneter , Kommerzienrat Bernhard Albert Meyer> schildert die Tüchtigkeit des - Verstorbenen auf dem Gebiete der Verwaltung; der besten und klügsten , einer, werde sein Andenken in den Annalen der Mainzer jüdischen Geschichte stets an hervorragender Stelle verzeichnet bleiben. . Dr. Jeselsohn-Mannheim sprach-im Auftrag der Berliner Groß- Loge. Rechtsanwalt Dr. Mattes dankte im Auftrag der Rhenus- - Loge Mainz dem Scheidenden für seine jahrelange segensreiche Tätigkeit als Vorsitzender dieser Loge. Tiesergreifend drangen die Abschiedsworte des Justizrats Dr. Blau-Frankfurt a. M. in die Herzen der . Trauerversammlung. Löbs höchstes Ideal sei die Durchdringung von Judentum und Deutschtum gewesen, und unvergessen feien noch seine dahingehenden Ausführungen auf dem Deutschen Judentage, der vor einigen Jahren in Frankfurt a M. stattfand; hier habe Löb gezeigt, ein wie großes Gut von Intelligenz und Opferfähigkeit das Vaterland brach liegen lasse, indem es dem Judentum nicht den ihm gebührenden Raum zuweise. In dem Verbände der Deutschen Juden - hinterlasse der Entschlafene eine tiefe Lücke. Zum Schluß, sprach Herr Dr. Felix Kauffmann-Frankfurt a. M. im Aufträge der süddeutschen Logen Frankfurt, Darmstadt, Mann heim,Heidelberg usw. Nach einem kurzen Gebet des Rabbiners schied man, als der Hügel ./ sich wölbte, von dem, was sterblich war an Justizrat Löb. tzhre seinem Andenken! £2 Speyer, 22. Dezember. Auf das vom Israelitischen Kreis-Asyl-Verein für die Pfalz E. V. (Sitz in Speyer) ergangene.Preisausschreiben zur Erlangung von. Projektskizzen für; bte in Neustadt a. H. zu erbauende Heimstätte für alte oder alleinstehende Israeliten sind 58 Entwürfe eingegangen. Bei der am - 17. d. M. durch das Preisgericht unter dem Vorsitz des Herrn Geb. . Oberbaurates Prof-Hofmann-Darmstadt stattgehabten Prüfung wurde . der zur Verfügung, gestellte Betrag bon 2200 Mark aus einen ersten Preis (1000 Mark) und zwei zweite Preise (je 600 Mark) in folgender Weise verteilt: 1. Motto: „Haus und Garten^ (Verfasser Herr Architekt H. Senf-Frankfurt a. M.), 2 Motto: „Abendsonne" (Verfasser . Herr Architekt F. Roeckle-Frankfurt a. M.), 3. Motto : „Astern" (Ver-? fasser Herr Architekt C. Lennartz-Franksurt a. M.). Es besteht die Absicht, mit der Bauausführung schon im kommenden Frühjahr zu beginnen, . wenn es gelingt, bis dahin die noch fehlenden Mittel und.namentlich auch .die sogenannten.Zimmerstiftungen zu beschaffen. Mögen alle, und insbesondere die aus der Pfalz stammenden Glaubensgenossen nach Kräften dazu beitragen, daß dieses Werk der Nächstenliebe schon in Bälde an herrlich gelegener Stelle des Pfälzerwaldes erstehen kann- . Gesterretch-Angarn. 22 Prag, 22. Dezember. Hier ist kürzlich Eugen Ritter >. Kahler gestorben. Er war der feinsinnige und talentvolle Sohn 'des Präsidenten der Effektenbörse Herrn Max Ritter v. Kahler. Aus . per Höhe , seines künstlerischen Schaffens erlag der hochstrebende Maler ..dem Meister. Tod,, erst 30 Jahre alt. .Die Beerdigung fand am 15. d. M. statt und versammelte die ersten Kreise der Prager Gesellschaft um die Bahre des Tiefbetrauerten. In der überaus imposanten Trauer schar waren zu bemerken: die landesfürstlichen Kommissare der Effektenbörse, Hofräte Novotny und Lauermann, der Vizepräsident der Effektenbörse, Direktor Engländer, die Börsenräte Kommerzialrat 'Richard Elbogen- Baron Engen Kubinzkh, die Vörsensekretäre . kaiserlicher Rat Dr. Leipen und kaiserlicher Rat Dr. Fischl, die Bankdirektoren der Anglobank, der Unionbank, des Wiener Bank- ..Vereins und der Kreditanstalt, die Universitätsprofessoren Dr. Rzach, Dr. Raubnitz und Dr. Kraus, die Universitätsdozenten . Dr. Hirsch und Dr: Ka f ka, Abgeordneter v. Sobitschka, Generalrat Oberfinanzrat Dr. Petschek, Oberfinanzrat Dr. Koserak, der .Direktor des Deutschen Landestheaters, der Präsident der Kultusgemeinde, der Präsident des Jndustriellenverbandes, der Präsident ' der Advokatenkammer, eine Abordnung . des Vereins Deutscher ’ Y“--rr¥i'tiiiWjffinlWiiii MMÜHM