Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-12-29 · Heft 52 (29.12.1911) · p. Seite 623

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 52 (29.12.1911)
Date
1911-12-29
Page
Seite 623 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3228961-3229014--68057-3280308
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

jN .antisemitische Beleidiglin gcn ausgcartet waren, drehte essich bei denzur Ausgleichung der. Gegensätze -gepflogenen Verhandlungen nicht dorum, mir für eine Persönliche Beleidigung persönliche Genüge tnnng zu geben (die ich wiederholt als überflüssig -zurückwies), sondern darum, Garantien zu bieten,"^daß derartige Exzesse gegen liberale Mitglieder des Jugendbundcs wegen ihrer jüdisch-politischen Stellung in Zukunft unmöglich wären. Vicht um die Tilgung irgendeiner formalen Beleidigung handelte es sich, sondern um die . Tilgung der Tendenzen, aus denen jene Angriffe geboren und von der großen Mehrheit des Zugendbundes gebilligt waren. Dies wurde immer wieder bei den Verhandlungen von meinen . Freunden und mir betont. Dies bezeugt der gepflogene Schriftwechsel. - Da jene erforderlichen Garantien nicht gegeben erschienen, trat ich aus dem Jugendbund aus. Gleichzeitig mit mir odergenauergesagt, sogar schon vor mir schied-m alle drei nichtzionistischen Vorstandsmitglieder (die bereits früh Mnnial ihre Vorstandsämter niedergelegt hatten)- und unserem Austritt schloß sich noch eine Anzahl der wenigen liberalen Mitglieder des Jugendbundes an — alle. Herren, die mir bis dahin völlig unbekannt gewesen waren, und die meine Freunde nur im Sinne von Parteifreunden genannt werden können. Sieht so ein Austritt aus persönlichen Gründen aus? Sogar ein Herr, der keineswegs mein Parteifreund ist, der als Nichtzionist an Stelle der ausgetretenen Vorstandsmitglieder jetzt im Vorstand des Jugendbundes sitzt, erklärte nach dem stenographischen Bericht auf der Delegiertenversammlung des Verbandes der jüdischen Jugendbünde Deutschlands am 19 März 1911: „Ich kann feststellen, daß es lediglich prinzipielle Gründe gewesen find, die Herrn Tr. Wertheim zum Austritt veranlaßt haben." - Dies alles (und^noch manches andere) war Herrn Rechtsanwalt Dr. Apfel bei seiner Rede vom 13. September 1911 bekannt. Dies alles muß dem Vorstand des Jüdischen Jugendbundes Berlin bekannt sein, .und trotzdem findet er den schönen Mut, wo Herr Dr. Apfel schweigt, die als unwahr bezeichneten Behauptungen zu wiederholen. 2. In meinem Brief an Herrn Rechtsanwalt Dr. Apfel hatte ich — nur nebenbei — bemerkt, der Vorsitzende des Jüdischen Jugendbundes sei in der Freiheit seiner Stellungnahme durch die Einwirkungen zionistischer Parteiorganisationen gebunden gewesen. Beweis: Am 6. Juni 1910 erklärte mir der seinerzeitige Vorsitzende des Jüdischen Jugendbundes, er könne meinen Freunden und meinen Forderungen unmöglich mehr entgegenkommend da man in der zionistischen Vereinigung bereits sehr auf ihn erzürnt sei, weil er die Rechte der Zionisten nicht genügend gewahrt habe. Es werde bereits ein Antrag gestellt, ihn auszuschließen, der aber wohl abgelehnt würde. Dies wurde mir in Gegenwart zweier anderer Herren erklärt, die ebenso wie ich bereit sind, es zu bezeugen. An den Worten des seinerzeitigen Vorsitzenden zu zweifeln, liegt für mich kein Grund vor. Niemals hat der Herr mir. gegenüber bestritten, jene Äeußerungen getan zu haben. (Was Dritte, denen die Worte ihres zionistischen Parteifreundes unwillkommen waren, dazu sagen, istvöllig unerheblich.) In dem gelegentlich meines Austritts an den Herrn Vorsitzenden persönlich gerichteten Schreiben vom 11. Juni 1910 habe ich ausdrücklich darauf hingewiesen, „daß Sie .. . . durch die Einwirkung der Ihnen nahestehenden Organisation der zionistischen Partei in der Freiheit Ihrer Maßnahmen behindert sind". Niemals hat der Herr Adressat mir hierauf entgegnet. Es gehört wirklich ein-etwas eigenartiger Mut dazu, wenn die Herren des Jüdischen Jugendbundes sichjetzt erdreisten, nach diesem. Sachverhalt meine Bemerkung „als eine grobe leichtfertige Verbreitung unwahrer Tatsachen" zu bezeichnen, ein Mut, den man wohl grob, aber kaum noch, leichtfertig nennen kann, Auf die Rede des Herrn Rechtsanwalts Dr. Apfel vom 13, September 1911 habe ich an dieser Stelle mit einem Brief erwidert, der hoffentlich seinen in ihm ausgedrückten Zweck erreichen wird. Mit dem Jüdischen Jugendbund Berlin aber in eine Polemik über die Motive meiner Handlungen mich einzulassen, muß ich ablehnen. Ich | ube nicht, daß in der Beurteilung Urteilsfähiger ein Wortgefecht geeignet ist, die angeführten Tatsachen zu verändern. . j . Berlin, 10. November 1911. Dr. John Wertheim.. <^n Nr. 4 des Jahrganges 1911/12 der angesehenen Musik- Zeitschrift „Die Musik" liest man folgende Anzeige: j „Die Redaktion der „Musik" sucht einen jungen, musikalisch, literarisch gebildeten Gehilfen (unverheiratet und Christ),, am liebsten aus dem Musik-Verlag oder -Sortiment, mit Kenntnissen der französischen und besonders der englischen Spräche. Schriftstellerische Begabung erwünscht. Antritt am 1. Januar. Bewerbungen mit Photographie und Angabe der bisherigen Betätigung an die - Redaktion der „Musik", Berlin W. 57, Bülowstr. 107." Ich habe, lange darüber nachgedacht, inwiefern die Berufstätigkeit eines Redaktionsgehilfen an der „Musik" die Zugehörigkeit zum christlichen Bekenntnis erfordern mag,' bin aber nochzu keinem Ergebnis gekommen. Vielleicht ist einer Ihrer Leser imstande, die Frage zu beantworten. Am besten freilich wäre es. wenn die Redaktion der Zeitschrift selbst den Schleier dieses Geheimnisses lüsten' ' wollte. Mit vorzüglicher Hochachtung Felix Saul, Kantor an der jüdischen'Gemeinde zu Stockholm.-. ft Einer verehrlichen Redaktion j der „Allgemeinen Zeitung des Judentums", Berlin. 5n Nummer 48 Ihrer Zeitschrift behauptet Herr W. Simson, .der Jüdische Jugendbund Berlin sei zionistisch. Wir legen Wert - därauf, festzustellen, daß das weder formell noch praktisch zutrifft. Wir sind neutral in unserer Tendenz und. in unserer Betätigung. Die angeführten Äeußerungen einer zionistischen Zeitung beweisen njchts für den Zionismus des jüdischen Jugendbundes -(ebensowenig wie ein in einem liberalen Blatte ausgesprochener Wunsch, bie:. Jugend vereine möchten sich in liberalem Sinne entwickeln, für.liberale Tendenzen innerhalb unseres Vereins sprechen wurde). Herr Simson schreibt ferner (gekürzt): .Der Berliner Jüdische - Jugendbund aber pflegt in positiver Weise Religion, indem er einen früheren Antisemiten sprechen läßt." Der „frühere Antisemit" ist Herr v. Gerlach, der seit Jahren für die Gleichberechtigung der. Juden , mit Energie eintritt, Sein Vortrag behandelte die Stellung, der politischen Parteien zu den Juden, ein Thema, das für einen jüdischen Verein wohl geeignet sein dürfte. Aus welchem Grunde Herr Simson diesen belehrenden Vortrag mit dem Problem der Religiosität zu.kombinieren versucht, wollen wir hier-nicht erörtern Berlin, den 19. Dezember 19.11. - In vorzüglicher Hochachtung Jüdischer Jugendbünd Berlin, E. V. I. A.: M. Schönenberg. , An die Redaktion der „Allgemeinen Zeitung des Judentums". . . ^Skn dem in-Ihrer Zeitung Nr. 50 erschienenen Berichtüber die ^. öffentliche Versammlung des Vereins selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens beschäftigt sich Ihr geschätzter Korrespondent mit den von mir gemachten Ausführungen. - Die entstellende Art veranlaßt mich, Sie zu bitten, folgendes. richtigstellen zu wollen: ' Ich habe in meinen Ausführungen .nicht behauptet^ daß: die von - - mir gemachten Borschläge die alleinige Rettung des jüdischen Hand- - werks bedeuten, ich habe auch ausdrücklich darauf hingewiesen, daß man im Rahmen einer Diskussion alle die .technischen Dinge.nicht, eingehend erörtern kann, sondern dies von uns aus nur dann ge-- schehenwird, wenn wir in der bewußten Kommissionvertreteu sein werden. .. Wie weit meine Sachkenntnis reicht, wird wohl auch Ihr - - Korrespondent, nicht zu entscheiden imstande sein, da er in seinem ganzen Bericht den Aufwand von Pathos verwendet, den er anderen vorzuwerfen sich berechtigt glaubt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.