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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-12-29 · Heft 52 (29.12.1911) · p. Seite 615

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 52 (29.12.1911)
Date
1911-12-29
Page
Seite 615 (sequence 3)
Language
German
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: Der Wahlkampf in Deutschland tobt eifrig. - Nicht drei > Wochen mehr liegen vor uns bis zu dem Resultat. Die . Stellung der Juden iftin der vorigen Wochenschau genaupräzisiert. Daß die entschieden liberalen Parteienstets für die Juden eintreten werden, ist selbstverständlich; erfreulich ist, daß auch ...die Nationalliberalen entschiedener als bisher/ihre Stellungnahme bekunden. Wenigstens hat in Breslau ein nationalliberaler Kandidat Dr. B. Grund sich also aüs- . gesprochen: Ich habe es immer als 'selbstverständlich angesehen, daß ein Mann, der für eine liberale Partei kandidiert, die absolute Gleichberechtigung aller Staatsbürger ohne Rücksicht auf die Konfession zu vertreten bereit ist; und ich glaube kaum, daß weitere Kreise meiner jüdischen Mitbürger, insbesondere alle, die mich persönlich kennen, den geringsten Zweifel über meine Stellungnahme zu diesen Fragen hegen. Daß ich Mitglied des.Vereins zur Abwehr des Antisemitismus bin, darf ich vielleicht nebenbei erwähnen. Ich ergreife aber gern die Gelegenheit, ausdrücklich zu konstatieren, daß ich im Falle meiner Wahl es als meine selbstverständliche Pflicht erachten werde, für die politische Gleichberechtigung meiner jüdischen Mitbürger'überall da mit Entschiedenheit einzutreten, wo dieselbe in Zweifel gezogen worden soll." <$ Ueber die Jahresv ersammlung der jüdischen Farmer Amerikas berichtet die „Neue Jüdische Korrespondenz" folgendes: In den letzten Tagen des November fand die - dritte Konvention (Jahresversammlung) der Organisation der jüdischen Farmer in Amerika statt. Fünfzig Delegierte aus allen Teilen der Union hatten sich zu den Beratungen eingefunden. Nach der Eröffnungsrede des Vorsitzenden erstattete der Sekretär Mr. F W. Pinkus den f Jahresbericht, der von der stetigen Entwicklung der Farmerorganisation in erfreulicher Weise Zeugnis ablegt. Im Berichtsjahre haben sich dem Verbände 13 neue Zweigvereine angeschlossen. Damit ist die Zahl, der Vereine auf- 41 gestiegen, von denen sich 12 im Staate New Hork, 11 in New Jersey, 10 in Connecticut,^ 13 in Nord- Dacota, 2 in Massachusetts, 1 in Washington, 1 in Pennshlvanien und 1 in Kanada befindet. Die Organisation unterhält ein Zentralbüreau, das unter anderem landwirtschaftliche Geräte und Maschinen im großen einkauft und den Mitgliedern zum Selbstkostenpreis äbgibt. Der Umsatz' des Zentralbureaus -belief sich im verflossenen Jahre auf 30 000 Dollar. Vor kurzem wurden innerhalb des Verbandes auch vier Leihgenossenschaften ins'Leben gerufen, die von , großem Nutzen für die jüdischen Farmer und die Entwicklung ihrer Besitzungen sind. Die von den einzelnen Delegierten erstatteten Berichte, boten ein interessantes, überaus erfreuliches Bild von dem Aufschwung und den Entwicklungsmöglichkeiten der jüdischen Landwirtschaft in Manfred j)rager: > Gegen Abend. , Amerika. Die Farmer beklagen sich nur über die Schwierigkeiten, .ihren Kinderneine gute jüdische Erziehung an gedeihen zu lassen. Die jüdischen Farmen sind in der Regel weit voneinander -und von . jeder jüdischen Gemeinde entsernt, und die Farmer haben, daher nicht die Möglichkeit, gemeinsame jüdische Schulen einzurichten oder in sonstiger Weise für. den jüdischen Religionsunterricht ihrer Kinder Sorge, zu tragen. Man hat den Versuch unternommen, durch - Herausgabe von Unterrichtsbriefen und ähnlichen Hilfsmitteln, durch die den Eltern die Möglichkeit geboten werden soll, ihre Kinder i selbst zu unterweisendiesem Uebel abzuhelfen, doch erscheintder Erfolg dieser Bemühungen sehr zweifelhaft. Es wurde darum in der .Jahresversammlung der Farmer von verschiedenen Seiten der Wunsch ausgesprochen, der Verband sollte bestrebt sein, durch Zukauf ' von Grundstücken in der Nähe . schon bestehender Farmen und durch Ansiedlung neuer jüdischer Landwirte allmählich eine größere Konzentration der jüdischen Siedlungen herbeizuühren. dfa ■ Ausstellung des Berliner LünstlrrlillnÄrs. Von Erich Grand, er Berliner Künstterbund (Potsdamerstraße 38), dessen Mitglieder in der Mehrzahl unserem Glauben angehören, hat es sich zur Aufgabe gestellt, den weiteren Schichten des kunstfreundlichen Publikums den Erwerb künstlerischer Originale durch kleine Preise zu erleichtern. Ein Vorhaben, das im Vergleich zu anderen derartigen Vereinigungen im. Interesse der Kunstverbreitung so lobens- . wert ist, daß wir dem ernst-schlichten Unternehmen, das auch sonst von gesundem - Realismus genährt ist, gern unsere Sympathien entgegenbringen. Beim Eintritt fällt einem zuerst Manfred Prägers Porträt , des jüngst verstorbenen Rechtsanwalts Dr. Schachtel auf, der sich um das Gelingen der Ausstellung mit die größten Verdienste erworben hat. Im ersten Nebensaal links Hängt das hier wiedergegebene Bild „Gegen Abend". In 'feinen, blassen Färben hat Prager hier die Freitagabendstimmung zu einem Andacht und Weihe ausströmenden Edelwerk, gestaltet, dem ich einen Ehrenplatz im jüdischen Hause wünsche. Von gleich stärker Kunst sprechen von demselben Meister. „Die beiden Alten" und „Das Bildnis des Violinisten D". / - Frau M. Bernstein-Landsberg zeigt verschiedene ihrer überall stets gern gesehenen drolligen Bilder „Unsere Lieblinge auf der Straße". Besonders reizvoll finde ich in dieser Art ^Sonnige Straße" und „Panne".. Bruno Bielefeld macht uns wieder in drei prächtigen Motiven mit den Schönheiten dds leider so gering geachteten Alt-Berlin vertraut. Namentlich Her nächtliche, zauberwirkende Durchblick in die Köllnische

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