Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 51 (22.12.1911)
- Date
- 1911-12-22
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Eine dritte ^Forderung betraf die Einführung des Berliner Gebetbuches in denjenigen Religionsschulen, die -überwiegend., von Kindern liberalgesinnter Eltern besucht werden. Diese Forderung, die schon vor 16 Jahren von Professor Maybaum ausgesprochen wurde, ist geboten, in Rücksicht auf den Gottesdienst, damit ,die Gemeinde mit diesem^Gebetbuch. recht .vertraut werde, ist aberauch zu erheben in Rücksicht auf die Kinder, und zwar aus denselben Gründen, welche zurzeit zu der Einführung des Neuen Gebetbuchs in den Gottesdienst geführt haben. ' Die Einführung des Neuen Gebetbuchs in den Religionsunterricht ' nach 'dem Beispiel der vierten Religionsschule ist keine prinzipielle Neuerung, da schön der Sabbat- Ägenda für den Jugendgottesdienst der Text des Neuen' Gebetbuchs zugrunde liegt. Wenn' es eine der wichtigsten Aufgaben der Religibnsschüle ist, in das Verständnis des Gottesdienstes einzüführen, dann'muß auch dem Machsor Zeit und unterrichtliche Behandlung gewidmet' werden. Die deutsche Uebersetzung im Machsor genügt nicht, um den vielen Tausenden, die nur an den Hohen Festtagen den Gottesdienst besuchen, ein ausreichendes Verständnis der Gebete zu vermitteln. Es soll deshalb der Machsor in der dem Gemeindegottesdienste zugrunde liegenden Ausgabe schon den Schülern dev Oberstufe in die Hand gegeben werden; sie sollen die Einrichtung desselben kennen ünd eine Reihe der wichtigsten Gebete übersetzen lernen. Schwierigere Gebeistücke sollen vermittels der deutschen Uebersetzung dem Verständnis erschlossen werden. Die für das Machsorübersetzen erforderliche Zeit soll, wie der Referent vorschlägt, dem Bibelübersetzen entzogen werden, das für die Beteiligung am Gottesdienste in den Orgelsynagogen nicht mehr unerläßlich ist, und das bei dem elementaren Uebersetzungsverfahren in unseren Religionsschulen weder zu einer ästhetischen Würdigung der Bibel verhilft, noch für die Aneignung ihrer ethischen und religiösen Weltanschauung erhebliche Dienste leistet. — Zum Schluß machte der Referent Vorschläge für ein Uebersetzungsbuch im Gebetunterricht der Mittelstufe.' L2 Berlin, 19. Dezember. Der Jüdisch-Liberale Jugendverein Berlin veranstaltet am nächsten Sonnabend den 23. Dezember abends 9.Uhr in den Prachtsälen der „Schlaraffia", Enkeplatz 4, sein diesjähriges Winterfest. Dem Ball geht ein Konzert unter gütiger' Mitwirkung des Chordirigenten der Neuen Synagoge Herrn Kapellmeister Kellermänn voran. Die 'Festrede hält Herr Schuldirigent Levy. Eintrittskarten sind bei Herrn Rechtsanwalt Dr. Abraham, Jägerstraße 10 oder 'Passauer Straße 14 und im Kaufhaus des Westens zu haben. : ~ 5 Berlin, 19. Dezember. Ter Mendelssohn-Chor (Jüdischer Gemischter Chor), Dirigent Jacob Behmel, hat sich zur Ausgabe gestellt, klassische und religiöse Musik zu pflegen. Neben der Pflege der Kunst ist seine Aufgabe, auch volksunterhaltend zu wirken. Aus diesem Grunde veranstaltet derselbe am 24. Dezember d. I. in den Sophiensälen, Sophienstraße 17/18 ein populäres Konzert. Ebendort übt der Verein jeden Dienstag von 9 bis 11 Uhr abends.' Um auch den weniger Bemittelten den Zutritt zu ermöglichen, ist ein Eintrittsgeld von 30 Pfennig festgesetzt. Erste Künstler haben ihre gütige Mitwirkung zngesagt, so daß ein reger Zuspruch zu erwarten ist. An den Uebungsabenden sind musikliebende Damen und Herren herzlichst willkommen. b,. Dirschau, 15. Dezember. Der Westpreußische Rabbinerverband hielt am 22. November in den Räumen der Stadthalle zu Dirschau eine außerordentliche Tagung ab, an welcher mit Ausnahme von Münz-Berent, welcher erkrankt war, sämtliche Rabbiner der Provinz teilnahmen. Der Vorsitzende Rosenberg-Thorn schlug auf'eineMchMrg hin vor, den einen Punkt der Tagesordnung, welcher das Privatbeamtenversicherungsgesetz betraf, an erster Stelle, und zwar in gemeinsamer Beratung mit dem westpreußischen Lehrerverbande zu erledigen, welcher ebenfalls an demselben Tage'in Dirschau eine Versammlung abhielt und über denselben Gegenstand verhandeln wollte. Dieses geschah denn auch im Gemeindehause, wo der Lehrerverband tagte. Das Resultat dieser gemeinsamen'Verhandlung war die einmütige Resolution des Rabbiner- und Lehrerverbandes, daß die schleunige Schaffung einer Ersatzkasse dringend wünschenswert wäre. In der darauf folgenden Sitzung des Rabbinerverbandes in der Stadthalle begrüßte der Vorsitzende die Erschienenen'und gedachte mit ehrenden Worten der im diesem Jahre Heimgegangenen Kollegen . N ö rdh ei m e r - Schwetz und. Sch i ck- Zempelbürg, worauf sich die Versammlung -von ihren Sitzen erhob. Dem Kollegen Eppenstein- Briesen,- welcher einem ehrenvollen Ruf an das^ Rabbinerseminar in Berlin gefolgt war, wurden herzliche Glückwünsche gewidmet. Dann .wurde nach Erstattung des. Jahresberichts^durch den Vorsitzenden, und des Kassenberichts durch Gutt mann-Culm in die weitere Verhandlung eingetreten. Es wurde hervorgehoben,, daß ' in den Provinzen, in welchen der Rabbiner nicht durch das Gesetz Mitglied der städtischen Schuldeputationgeworden, es nicht nur im Interesse des Rabbinerstandes, sondern weit mehr noch, im Jtttered" der Gemeinde - Wünschenswert sE daß -die Gemeindeorgane" ihren persönlichen Einfluß dahin geltend machen, daß der Rabbiner als gewöhnliches Gemeindemitglied — als technisches kann er nicht hineingewählt werden — in diese städtische Körperschaft hineingelange. Nach eingehender Besprechung einer anderen inneren Angelegenheit bringt der Vorsitzende ein Schreiben des Ausschusses des Westpreußischen Gemeindeverbande^ zur, Kenntnis, in welchem ein Antrag der Gemeinde Christburg zur Beratung und Ausführung empfohlen wird. In diesem Anträge wird die Bitte -ausgesprochendaß in den kleinen Gemeinden alle Vierteljahr von ^einem benachbarten Rabbiner - ein Predigtgottesdienst abgehalten werde. Die Rabbiner erklären sich einmütig dazu bereit, im Interesse des-Judentums den Wünschen der Gemeinden zu entsprechen,; doch möchte der Gemeindeverband die Kleingemeinden veranlassen. . sich dieserhalb an diejenigen Rabbiner zu wenden, welche ihre Schuleninspizieren. Unter Bezugnahme auf die in der Provinz erledigten Rabbinate soll im Anschluß an diese dem Gemeindeverbande zugehende Zuschrift, in' welcher die Bereitwilligkeit zur Uebernahme der Seelsorge in den Kleingemeinden ausgesprochen wird, darum ersucht werden, die Gemeinde Schwetz daraus aufmerksam zu machen, daß, falls von -der Neuanstellung eines . Rabbiners abgesehen würde, ein Anschluß an Culm sehr zu empfehlen wäre. W. der Provinz Posen, im Dezember. P o s e n. Durch den Tod des Kaufmanns Lotus Calvary hat, die hiesige israelitische . Gemeinde einen herben Verlust erlitten. Der Verstorbene stammle ..r aus einer frommen und angesehenen Familie.und zeichnete sich durch /große Wohltätigkeit aus. — Einen gleich großen Verlust erlitt die . Gemeinde durch den frühen Tod des Kaufmanns-Josef Voß. Der Dahingeschiedene war ganz besonders auf dem Gebiet des Armen- , . Wesens tätig und zeigte sich in seinem Amt als Armenrat vorbildlich und pflichttreu, als stellvertretender Vorsitzender war er seinen Kollegen stets vorbildlich und ein wohlwollender Berater und liebevoller Freund.— Zur Beschaffung eines Ratssilberschatzes für die hiesige Stadt hat der Größkaufmann und Fabrikbesitzer Rudolf j Petersdorff 2000 Mark gespendet. — Bromberg. Das 25jährige Jubiläum als Vorsitzende des israelitischen Frauenvereins beging Frau Hedwig Russak. Aus diesem Anlaß wurden ihr durch Abordnungen mehrerer Wohlfahrtsvereine Geschenke, Blumenspenden, sowie eine. Glückwunschadresse des genannten Vereins überreicht. — Stuhm. Die Repräsentanten der Synagogengemeinde wählten den Apothekenbesitzer A. Cohn zum Vorstandsmitglied der hiesigen Gemeinde. — Obornik. Die Synagogengemeinde wählte Herrn Lew y in Vandsburg zu ihrem Kantor. Der Antritt erfolgt am 1. Januar 1912. — Im Alter von 107 Jahren starb im Flecken Klobuck jenseits der Grenze der jüdische Einwohner Abraham Berg, der sich bis an sein Lebensende der besten Gesundheit erfreute. — Etzin. Nach der letzten Perfonenstandsaüfnahme zählt die hiesige Stadt 3704 Einwohner. - Davon sind 644 evangelisch, 2856 katholisch und 204 mosaisch. - ' : -■ r - Ll. Hamburg, 14. Dezember. Eine Trauerkunde durcheilte am letzten Sabbat unsere Stadt und erregte überall, wohin sie drang, tiefe, aufrichtige Trauer. Dr. B. Levy, der noch am Freitag abend % die Synagoge besucht hatte, war in der Rächt an den Folgen, eines Herzschlages' aus dem Leben geschieden.. Der Verblichene war eurer der bekanntesten Aerzte Hamburgs. Mehr als 40 Jahre hat er die ärztliche Praxis ausgeübt, er galt als eine Autorität in seinem Berufe und genoßin' weitesten Kreisen unserer Stadt hohe Achtung und Wertschätzung. - Trotz seiner anstrengenden Tätigkeit als begehrter c