Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 51 (22.12.1911)
- Date
- 1911-12-22
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Arzt bekundete er schon -seit frühester Jugend das größte Interesse für die Gemeinde und ihre Institutionen^ Er war ein echter Jehudi, beseelt von inniger Liebe für die Religion seiner Väter; von wirklicher Frömmigkeit durchdrungen, war er ein eifriger Förderen des Thocasiudiums, dem er noch täglich oblag. In unserer. Gemeinde bekleidete er viele Ehrenämter, in vielen gemeinnützigen und Wohl- , tätigkeitsinstitutionen war er in der Verwaltung tätig. Der Deutsch- . Israelitische Synagogenverband betraute ihn mit dem Amt eines Vorsitzenden, und mit welcher Liebe, mit welchem Eifer und mit welcher Pflichttreuehat er dieses höchste Ehrenamt bekleidet. Der Verein zur Unterstützung schwacher Kinder und die Theresienstiftung zur Unterstützung kurdedürftiger Israeliten, zwei wichtige Gemeindeinstitutionen, verdanken ihm mit ihr Entstehen; in beiden Vereinen war er bis zu seinem Tode in der Verwaltung tätig. Eine große Lücke hinterläßt sein Hinscheiden auch im Schulwesen der Gemeinde; der Talmud-Thora-Realschule widmete er, der nur ein Alter von 67 Jahren erreichte, fast 43 Jahre seine Arbeitskraft, und wie. hat er an der Reorganisation der Schule mitgearbeitet. Die Einweihung des neuen Schulhauses, für dessen Errichtung er so eifrig gestrebt hatte, sollte er nicht mehr miterleben. Der Verblichene gehörte auch dem Lokalausschuß des Deutsch-Israelitischen Kinderheims in Diez an der Lahn an. Die Fürsorge der Kinder und der Heranwachsenden Jugend lag ihm besonders am Herzen. Der Synagogenverband beklagt den unersetzlichen Verlust seines verdien stvollen Präses und die Hamburger Gemeinde den eines ihrer geachtetsten und populärsten Mitglieder. Die Bestattung, die Montag nachmittag stattfand, gestaltete sich zu einer bedeutenden Trauerkundgebung. Im Sterbehause, Johns-Allee, waren unter anderem der Gemeindevorstand, die Mitglieder des Repräsentantenkollegiums mit Deputationen der einzelnen Gemeinde-Institutionen erschienen. Der Vorstand des Synagogenverbandes und das Delegiertenkollegium waren vollständig anwesend, der Vorstand der Talmud-Thora-Realschule und das Lehrerkollegium wohnten in corpore der Trauerfeier bei. Auch die - Nachbargemeinden waren durch ihre Rabbiner und Vorsteher vertretenvon auswärtigen Rabbinern bemerkten wir unter anderen auch die Herren Rabbiner Dr. N. A. Nobel-Frankfurt a. M., Dr. Carlebach-Lübeck. Dr. Bamberger-Wandsbek. Die Zahl der Leidtragenden, unter denen sich namentlich auch viele Berufskollegen befanden, war so groß, daß nur ein geringer Teil im Sterbehause Einlaß finden konnte. .Nachdem die Witwe und die Kinder .sich um den Sarg geschart hatten, hielt Herr Oberrabbiner Dr. B. Spitzer die Trauerrede. Der Redner gab in ergreifenden Worten ein getreues Lebensbild des ' Verblichenen, der durch seine echte rechte Frömmigkeit ein leuchtendes Vorbild gewesen. Durch seine uneigennützige Wirksamkeit als Arzt und auf den verschiedenen Gebieten der Wohltätigkeit habe er sich ein unvergängliches Denkmal gesetzt. Sein Andenken wird weit über die Hamburger Gemeinde hinaus ein gesegnetes sein. Mit Trostesworten an die Hinterbliebenen schloß, die wirksame, Rede. .Der Sarg wurde nun auf den Leichenwagen gehobenes folgten zuerst die.Schüler der Talmud-Thora-Realschule, die Rabbiner, Vorsteher, viele Hunderte von Leidtragenden und zahlreiche -Folgewagen. Die Beisetzung fand auf dem . Friedhof in Langenfelde statt. In der Friedhofskapelle widmete Herr Rabbiner Dr. N. A. Nobel»Frankfurt a. M. dem dahingeschiedenen Freund und Berater ein herzliches, tief ergreifendes Abschiedswort. Die Schatten der .Nacht senkten sich bereits, als wir uns trennten von der Stätte, wo einer der Besten der deutschen Judenheit ausruht von einem reichen, arbeitsvollen Leben. ---Bremen, 17. Dezember. Auf Anregung der Ki ewer Emigrationsgefellschast werden auf den Auswandererschiffen jüdische Bibliotheken eingerichtet. Die hiesige Filiale der Kiewer Gesellschaft hat in letzter Zeit mehrere hundert Bände jiddischer, deutscher, hebräischer und , russischer Bücher als Spenden für diese Schiffsbibliotheken erhalten. Die Leitung, der Kiewer Gesellschaft richtet nun an die jüdische Oeffentlichkeit die Bitte, diese wichtige Kultureinrichtung durch'Bücherspenden zu fördern und die zu spendenden Bücher an die Adresse des Hilfsvereins der. deutschen Juden in Bremen, Düsternstr. 7, zu senden. — Bruchsal, 15. Dezember. Die Konferenz der israelitischen Religionslehrer desRabbinatsbezirksBruchsal, dievon sämtlichen Lehrern des Bezirks und einer Vertretung des Synagogenrats Bruchsal besucht war, tagte am Sonntag den 19. November im Betsaal der Synägvge in Bruchsal. Die Versammlung wurde von Herrn Bezirks-Rabbiner ' Dr. Grzy m isch mit Begrüßungsworten eröffnet, auf welche dann Herr Stadlrat L. Marx als Vertreter des Synagogenrats erwiderte. Hierauf erhielt Lehrer Neuburge.r» Philippsburg das Wort zu seinem Vortrage: „Welches ist im Hebräischen die beste Uebersetzungsmethode". Das Korreferat zu diesem Thema hatte der Vorsitzende, Herr Bezirks-Rabbiner Dr. Grzymifch übernommen. Derselbe legte im einzelnen die Mängel der bisher geübten Uebersetzungsmethode dar und empfahl ein zweckmäßigeres Verfahren. Eine rege Erörterung schloß sich an diese Darlegungen an. Beide Vorträge fanden im allgemeinen Zustimmung. Es folgte ein Vortrag des Lehrers Bravmann- Bruchsal über „Die Stellung des jüdischen Lehrers auf dem Lande". Der Vorsitzende dankte dem Vortragenden für seine klaren Ausführungen, hie viel Zutreffendes enthielten. Während der Pause hatten sich die Lehrer mit ihrem Vorsitzenden noch gemütlich .zusammengefunden und schieden nunmehr mit dem einmütigen Gefühl, lehrreiche und erhebende Stunden verlebt zu haben. Schweiz. Zürich, 15. Dezember. Die .Neue Züricher - Nachrichten" schreiben: Wie der „Moments" berichtet, hat sich der Rabbiner Moses Netter, einer der hervorragendsten israelitischen Persönlichkeitenvon Paris, in einem Artikel einer Pariser Zeitung der von der französischen Regierung ausgewiesenen „Kleinen Schwestern," der Assomption angenommen und schreibt unter anderem: „Ein Land wie Frankreich hat anderes und besseres zu tun, als die frommen Frauen in ihrer fruchtbringenden Tätigkeit zu belästigen, die von der Notwendigkeit des Guten überzeugt sind und in der Nächstenliebe ihr Leben dahinbringen. Diese frommen. Frauen haben der Gesellschaft mit etwas anderem als mit schönen Reden und hochtönenden Phrasen gedient? In Paris zirkulieren Petitionen zugunsten" der Schwestern und überall werden Manifeste angeschlagen. In der ganzen Stadt und Umgebung werden Broschüren, die die Verdienste der Kleinen Schwestern hervorheben und die ministerielle Verfügung tadeln, unter das Publikum verteilt. - GesterrejchMngurn. K. Wien, 17. Dezember. Am 11. d. M. fand im Fostsaale des Niederösterreichischen Gewerbevereiys die Feier des 80. Geburtstages des Ehrenpräsidenten der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union", des ,Herrn Siegmund Mayer, statt. Zu derselben hatten sich eingefünden die Vertreter der Kultusgemeinde, der Chewru Kadischa, sowie aller Humanitären und kulturellen Vereine der hiesigen Gemeinde, außerdem eine Abordnung der liberalen Vertreter des Wiener Gemeinderates, dem der Jubilar eine Reihe von Jahren angehörte, Abgeordnete des Reichsrates und des Landtages und Vertreter einiger auswärtigen Kultusgemeinden. Abgeordneter Dr. Ofner feierte den Jubilar in einer Festrede, welche die Verdienste Siegmund Mayers ..auf mehrfachen Gebieten des öffentlichen Lebens, als nationalökonomischer Schriftsteller, als freisinniger. Gemeinderat und als Vorkämpfer für Freiheit und Gleichberechtigung rühmte. Namens der „Union" begrüßte Präsident Dr. Samuely den Jubilar und wies auf die unvergänglichen Verdienste hin, die dieser sich um die „Union" und das österreichische, insbesondere um das Wiener Judentum erworben hat. Es sprachen noch Dr. Skrein im Namen der politischen Freunde Mayers und viele andere. Ties ergriffen dankte der Gefeierte für die ihm dargebrachten Ovationen, die er in seiner großen Bescheidenheit als nicht verdient bezeichnete. Zahlreich sind die. schriftlichen Glückwünsche, die dem Jubilar aus allen Teilen der Monarchie, namentlich der israelitischen Kultusgemeinden und deren Vereine zukamen. Auch wir wünschen dem greisen Jubilar aä multos annos. Schweden. 2. Stockholm, 15. Dezember.' Den Nobel-Friedenspreis für dieses Jahr erhielten Schriftsteller Alfred H. Fried in Wien und Staatsminister Professor' A ss er im Haag. Alfred H. Fried wurde