Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 51 (22.12.1911)
- Date
- 1911-12-22
- Page
- Seite 612 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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„Nichts, Herr Rebbe," fuhr er auf LiweitzersErmünternng fort und neigte sich zu dessen Ohr, damit es keiner höre, „nichts, nur der Chuwer." ' i V Liweitzer sagte ihm, daß er sich nichtin den Wirkungskreis des. hiesigen Rabbis Hineinmengen könne,. doch würde ep> in Ores Interesse mit ihm sprechen., . . . .. Um die Mitternächtszeit gingen Hie.Käste,auseinander. „Ich möchte Sie etwas fragen," sagte der Rabbi heim, Abschiednehmen. Mas ist aus den anderen geworden?"; Liweitzer wußtewen er meinte und erzählte ihm,- daß Heimann Lehrer, Danzinger Kantor geworden sei und auch die anderen zwei schön fortkommen. „Gott sei Dank," seufzte der Rabbi, „daß sie nur Juden geblieben sind." Nach Mitternacht hatte sich auch der letzte Gast entfernt und die Eschkelesschen sich auch zur Ruhe begeben. Liweitzer zog sich auf sein Zimmer zurück, doch er hatte die Empfindung, als ob er mit seiner großen Glückseligkeit in diesem kleinen Zirnmer keinen Platz hätte. Draußen leuchteten die Sterne und lockten ihn hinaus.. Mit tiefen, durstigen Atemzügen sog er die kühle Nachtluft ein. Langsam schritt er die finsteren Gassen entlang und gedachte der Zeit, wo er diese Finsternis so empfand, als ob sie aus ihm selbst herausgeströmt wäre. Aus dem tiefen. Sinnen weckte ihn mit einem Male eine bekannte Melodie. Er blickte ringsherum, und da bemerkte erdaß er sich vor. Tante Breindls Wohnung befinde. Durch die mittels eiserner. Läden geschützten Fenster erklang in langgedehnten Tönen der frühere, wohlbekannte Singsang: „Frägt de Gemure .. ." Ein brennendes Verlangen kam über ihn, zu den lernenden Studenten hineinzugehen. Mit leisem Pochen rüttelte er an dem Fenster. Äer Gesang verstummte plötzlich. / „Web ist das?" fragte von drinnen Tante Breindls Stimme. „Ich bin es, Liweitzer." - . Tante Breindl warf ihre Kleider um und beeilte sich, dem Gaste die Tür zu . öffnen. „Berechobe! Berechobe!"/) begrüßte sie ihn mit hervorbrechender Freude. Liweitzer blieb ergriffen auf der Türschwelle stehen; aus dem Nebenzimmer drang der sanfte, gelbe Schein des Oellämpchens. Am Tische saßen vier bleichwangige Studenten über die Bücher gebeugt, welche allem eher ähnlich sahen, - als dem Talmud. Und, als sie den späten Gast erblickten, warfen sie erschrocken ihre Bücher unter den Tisch, bohrten ihre Blicke in die Tischplatte hinein, als ob diese, ein geöffnetes Buch wäre ^unb sangen verzweifelt: „Frägt de Gemure ..." Der eine aber unterbrach plötzlich den Singsang. Er schaute eine. Weile Liweitzer mit großgeöffneten Augen an, dann, sprang er auf und lief ihm entgegen: '? „Gedalje!" - - Liweitzer umarmte ihn^ / „Also Ihr lernt?" fragte er lächelnd. „Wir lernen," antwortete Srole Posbenak. „Mein Herz," sagte jetzt Tante Breindl, „ich sag" Ihnen,. diese Jungen erwerben mir. Pas Himmelreich. Sie lernen, mein Herz, ebenso, wie Sie gelernt haben, bevor-Sie doktori-r. siert worden sind." Bis zum frühen Morgen blieb Liweitzer unter den Stu-'^ denken. ') Grüß Gott! c. .Mio Du nimmst mick wirklick mit Dir?" fraate Srole Posbenak beim Scheiden.;>Ja> ich nehme Dich mit mir. In vier Wochen ist meine Drauung und dann gehen wir nach Berlin." „Ich weiß, .der Tante Breindl wird es um mich leid tun," sagW SroD^guttnsttig^ „Tante Breindl," tröstete. Liweitzer, „wird einen anderen , Bocher bekommen. Immer wird es solche geben, die sich nach dem Lämpchen sehnen, und immer.solche, die sich davon wegsehnen werden." Literarilchr Mittrilungen. — Joseph Feiner: Ludwig Philippson. Sein Leben und sein Werk. Ein Buch für jung und alt. Mit einem Bildnis Dr. Ludwig Philippsons. Berlin 1912. Verlag von Louis Lamm. Die volkstümliche Biographie eines in derartigen Arbeiten gewiegten Mannes kommt gerade zur rechten Zeit. Es ist keine grundlegende wissenschaftliche Arbeit, aber eine lesbare Skizze, die die vielseitige Bedeutung des Gefeierten darlegt und auch die Lebensverhältnisse schlicht auseinandersetzt. Philippsons Tätigkeit als Rabbiner, Kanzelredner, als Publizist, als Kämpfer für die Emanzipation, als bewährter Rufer im Streit, wo es galt die Ehre des Judentums nach außen zu verteidigen, wird häufig mit den eigenen Worten Philippsons dargelegt, denn viele feiner gedruckten Schriften, auch einzelne bisher ungedruckte Briefe an Julie Wolffstein werden fleißig benutzt. Das Büchlein ist, wie es einer FeffsHrrst geziemt, warm geschrieben und;von lebhafter Anerkennung für den Mann erfüllt, dem . in diesen Tagen mit Recht so vielfach gehuldigt wird. L. G. Löcheremlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. K. C.-Blätter. Monatsschrift der im Kartell-Convent vereinigten Korporationen.. 2. Jahrgang. Nr. 2. 1. November 1911.! Ido Jewish quarterly Review. New Kerles edited by Cyrus Adler , and 8. Schechter. Vol. 2, No. 1, July 1911. The Jewish quarterly Review. New Series edited by Cyrus Adler and 8. Schechter. Vol. 2 No. 2, Oktober 1911. The Jewish Review edited by Norman Bentwich and Dr. Joseph Hochman. Vol. 2. No. 10, Nov. 1911. London: Geo Routledge & Sons ltd. Mitteilungen des Gesamtarchivs der deutschen Juden. Herausgegeben von Dr. Eugen Täubler. 3. Jahrgang. 1. Heft. Leipzig. . Buchhandlung von Gustav Fock G. m. b. H., 1911. Catalpgue Rehrew Ilnion College..Cincinnati. 1911,12.Series A, No.4. Gemüsebau und Gewächse in Palästina zur Zeit der Mischnah, Bon Dr. Martin Sälomonski, Rahbiner in Frankfurt a. O. Berlin. M. Poppelauer, 1911. Preis 2,ö0 Mark. . ,'Vnhe.rsuchungen.'.über. die Peschitta zur gesamten hebräischen Bibel. Zugleich ein Beistrag zur Erkenntnis der alten Bibelübersetzungen. Bon Dr. Ch. Hester. Teil I.Perlin, M. Poppelauer, 1911. Preis 2,50 Mark. Martin Buber: Drei Reden, über das Judentum. Literarische Anstalt Rüsten ch Leoning, Frankfurta. Pt., 1911< / . Thesaurus Totius Rehraitatis . et veteris et recentioris auctore Elieser ben^Jehuda;Hierosolymitano. S. 584—1169. Schoenebergi apud Berolinum .in aedibus Prof.. G. jLangenscheidti. . - Im Deutschen Reich. Zeitschrift. des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. 17. Jahrgang. Nr. 11. Berlin, November 1911.