Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-12-22 · Heft 51 (22.12.1911) · p. Seite 609

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 51 (22.12.1911)
Date
1911-12-22
Page
Seite 609 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3228961-3229013--68036-3280286
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

6Ö9 zweiten wird in sehr lebhafter Weise dargetan, dast die Juden boll und ganz Deutsche seien, z. V. in.einer Polemikgegen Herrn p. es-wird vor einem jüdischen Staatsbewußtsein gewarnt, aber die Notwendigkeit verlangtden-spezifischen Charakter des Judentums ..$u, paaren /.-mit, spiner..-stxLey Entwicklung uyd seinem geschichtlichen Bewußtsein, In dem Abschnitt „Religion" werden nicht etwa kleine Streitfragen über Gesetze, Kultus- oder Synagogenfragen berührt, sondern allgemeine Angelegenheiten werden behandelt/ in denen die Berechtigung des jüdischen Standpunktes nachgewiesen wird. Statt vieler Worte wird es zur Orientierung der Leser am besten sein, die Titel der zehn Abhandlungen hier aufzuzählen, teilweise Leitartikel, teilweise umfängliche Studien, die eine von 125 Druckseiten. Die Titel der Abhandlungen lauten: Die Phantasie in der Religion; Ueber religiöses Denken und Wissen; Vergleichende Skizzen über Judentum , und Christentum; Philo, Strauß und Renan und das Urchristentum; Die Lehre des Judentums von der göttlichen Vergeltung; Der Teufelsgläube; Die Symbolik des mosaischen Heiligtums; Die Seele nach der Bibel; Die Einheit der Idee nach der heiligen Schrift; Josephus und die Tradition. Die Rezensionen endlich besprechen Werke von großem bleibendem Werte, in. denen aber über Judentum nicht immer richtig geurteilt wurde. Die Autoren dieser Werke sind Theodor Mommsen, Eduard v. Hartmann, E. Renan, D. F. Strauß, F. v. Hellwald. Der letzte Aufsatz, der oft Gesagtes mit jugendlicher Kraft und immer neuen Wendungen verficht, gibt auf die Frage: „Wer ist der Richter?" eine Frage, die sich natürlich auf den Bestand des Judentums, bezieht, die Antwort: „Die Weltgeschichte" und faßt die Gedanken des Verfassers in folgenden Schlußworten zusammen: „Die Weltgeschichte hat ihren Richterspruch gefällt. Sie stützt ihr entscheidendes Erkenntnis auf jene drei Gründe: ein Stamm, dessen geistiges Produkt zu einer Hauptbasis aller Zivilisation geworden und der dieses durch alle Zeiten und in allen Lagen aufrecht gehalten und ihm treu geblieben; ein Stamm, der durch mehr als drei Jahrtausende seine Lebenskraft sich bewährt und immer wieder verjüngt hat; ein Stamm, dessen Geschick stets mit der Entfaltung des Rechts und der Humanität aufs engste verbunden und verquickt ist — ein solcher Stamm ist gerechtfertigt, das Recht steht ihm zur Seite, er ist notwendig, segensreich. So mögen unsere Feinde und Gegner weiter schmähen und anklagen, wühlen und hetzen, alte Märchen aus dem Staube auflesen, neue erdichten: diese Sentenz der Weltgeschichte, in welcher sich göttliches und menschliches Recht vereinigen, hält, was auch fernerhin geschehe, über uns seinen schützenden und leuchtenden Schild." Man kann diese zwei stattlichen Bände (mehr, als 800 Seiten), die doch nur einen kleinen Auszug aus den zahllosen Abhandlungen des vielgewandten.Mannes darstellen, nicht ohne tiefe Bewegung aus der Hand legen. Ein reiches Leben spiegelt sich ihnen ah, die Kenntnis eiyes: gewaltigen literarischen Materials verrät sich darin ebenso wie die große Geschicklichkeit es zu verwenden. Der glühende Eifer für die angestammte Religion zeigt sich immer von neuem, zugleich mit der bewundernswerten Fähigkeit, häufig .vorgetragene Wahrheiten in immer neuen Wendungen stark und eindringlich den Lesern einzuprägen. Auch für. hie geschickte Art der Auswahl muß man dem Herausgeber dankbar sein; die verschiedenen Abteilungen sind sehr wohl. imstandedas vielseitige Wirken des unermüdlich tätigen Mannes,zu beleuchten. . - Einen besonderen Schmuck erhält das Werk durch eine am Schluß des zweiten Bandes als Anhang abgedruckte Abhandlung Hermann Eobens '»Ueber die Bedeutung Mnev philosophischen JugeMchriftLudwig Philippsvns". ' Der - Aufsatz behandelt in der bekannte^ licht- und gedankenvollen Weise des Marburger Philosophen 'Öfe 1831 in lateinischer Sprache erschienene Dissertation Philippsvns mit dem besonderen Titel ^HehPr>dje^Ä^>Mung ^es WHes zur/Keschichte destMystof idgischen^ Anthropologie in der griechischen Philosophie". Wir'können'dieser schönen Wurdigung^dieden Gang der Arbeit rin einzelnen . verfoltzt und^ besonders ausführlich die sachlichen Verdienste beleuchtet, die,der jugendliche Autor (noch nicht 2^7Zähre.Fll)-äwHezug.^ aü^ das engere Gebiet der Philosophie sicherworben hat, nicht im / einzelnen folgen. Wohl aber ist hervorzuheben, daß der berühmte jetzt lebende Philosoph die philosophische ' Begabung und' Bedeutung des Verfassers jener MssertWouÄngemeiü' hoch'stellt. Wir glauben jedoch den Lesern unseres Blattes einen Dienst zu erweisen, wenn'wrst'Hnen ein MD, aus devgehaltyollen Ein-1 leitung Cohens Mitteilen. Die in dieser Stelle,; yusgeführte I allgemeine Würdigung des Begründers unserer Zeitung lautet | folgendermaßen: r - . f ' „Der Name Ludwig Philippson war mehr als ein halbes Jahrhundert wohl der populärste von denen aller jüdischen Gelehrten; wie sollte er nicht im Gedächtnis aller derer lebendig geblieben sein, denen die Sache des Judentums in verschiedenem Eifer zwar, doch immerhin als eine Herzensangelegenheit gilt. Bom zweiten Drittel des vorigen Jahrhunderts ab konnte keine Bewegung, kein Ereignis, keine Sorge und keineHoffnung, weder von außen noch von innen heraus, das Judentum berühren, ohne daß man überall zuerst auf eine Kundgebung von diesem Manne gewartet hätte. Und man hat niemals vergeblich gewartet. Sein Wort stellte sich immer ohne Verzug ein, und es war immer mannhaft, mutig, klar und unzweideutig. Und es war zugleich praktisch im besten Sinne des Wortes. Denn nicht etwa Opportunität war der Leitgedanke seiner. Praxis, sondern vielmehr immer ein geschichtlicher Zusammenhang von Praxis und Theorie. Und dieser Zusammenhang war durchgängig und allgemein; wie er denn auch unter dem Banner des Begriffes „allgemein" seine Zeitung begründete und über fünfzig Jahre lang, bis zu seinem Tode, fortsührte. Er . setzte die Fragen der Praxis! immer in einen .doppelten Zusammenhang mit der Theorie: erstlich nämlich mit der' .religiöstn., Theorie- .des Judentums, deren Einheit er festhielt und hochhielt, sodann aber auch mit der allgemeinen Theorie der'.Kultur, und insonderheit mit der Geschichte und Politik. So wurde er in einem idealen 1 Sinne, das darf man wohl sagen, der Publizist des Judentums." | In "bem Schluß er Abhandlung wird, nachdem ausgeführt worden, daß der Dank zweier FäkultÄen dem jugendlichen Verfasser^ für seine Arbeit, zuteil^wurde, die Frage erörtert, ob Philippson recht getan, sich, von der Erforschung des klassischen Altertums abzuwenden und zum Publizisten des Judentums zu werden, und die weitere Frage, ob m dieser Handlungsweise ein vorbildlicher Smn und. eine Mahnung für Me Kommenden liege/ . Nachdem bei der. Be- -aNtwyrtüng'-biDr^'FrätzeN'OMyAnistreud' für Juden''und Christen gefordert worden ist, heißt es : Mus dresev WMr''Mäiö'senWbe^eugung folgst die/unumgängliche Konsequenz für alle unsere Arbeit in der'Kultur und an der Kultur: Wir müssen durchaus Zeit und Kraft, Sammlung und Muße- Interesse und Eifer, Liebe und.. Be-s geifterüNg bei aller unserer'Kulturarbeit auch für die Arbeit; an unserem Judentum immerdar gewinnen und festhalten. Diese Teilung der Arbeit gibt unserern Gemüts erst die wahrhafte Einheit, und wahrlich auch unserem Geiste die natürliche «

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.