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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-12-22 · Heft 51 (22.12.1911) · p. Seite 608

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 51 (22.12.1911)
Date
1911-12-22
Page
Seite 608 (sequence 8)
Language
German
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unterstützen. Wir drücken diesen über die Ferne die Hand uüd sprechen den Wunsch aus/ daß wir noch viele Jahre mitsammen das gemeinsame Ziel verfolgen mögen. 'SS; Lum Schluß des 50. Ishrgsags. icht durch des Schwertes scharf gewetzte Klinge, So hart sie schlage und so tief sie dringe, Wird der Gedänke, der den Geist beseelt. Zum Tod getroffen und zu Staub vernichtet — Im schweren Kampfe wird er nur gestählt. Und was noch dunkel um ihn. wird gelichtet. Nicht durch die Fessel, die den Arm umwunden. Wird das Gefühl im Herzensgrund gebunden;. Und nicht das Joch, dem Nacken aüferlegt, , - jfamt des-Empfindens starke Fluten dämmen: Sie schwellest an und reißen, wild erregt, Die Schränken nieder, alle, die sie hemmen. Denn Eines ist dem Erdensohn gegeben, > Das ihm den Sieg verbürgt, die Kraft, das Leben, Es ist das Wort, das durch die Zeiten zieht. Und durch des Raumes ungemessne Bahnen, Von Mund zu Mund mit Windeseile flieht. Von Geist zu Geist, zu Enkeln und zu Ahnen. Das ist der Schild gen scharf gewetzte Klinge, DaS bricht mit Macht der Fesseln eh'rne Ringe! Du glaubst zu knechten — und das Wort macht frei Von dunkler Zeiten düst'ren Wahngebilden — Du wähnst erstickt: Horch, sein Triumphgeschrei Auf Bergeshöh'n, in grünenden Gefilden! Drum sä' es aus, nur mutig, unverdrossen, --s Wie langsam auch, die zarten Keime sprossen, Es kommt die Zeit, warm fällt der Sonne Strahl, Es blitzt der Tau, vom Himmel rauscht der Regen — Iät aus das Unkraut mit der Sichel Stahl — Empor, empört Wie sich die Wipfel regen! Und wieder stürmt es, denn die alten Mächte Wehn wieder her die Dünste ihrer Nächte — Seid unverzagt: Das Wort durchbraust den Sturm, Das Wort für Wahrheit, Recht und Gotteslehre — Steht fest, Ihr Brüder — gleich dem Felsenturm Im Wogendrang wird's Euch zur Leucht' und Wehre! ■ ' L. Ph. ■ ■ Lin mukkslilcher lSritrsg?u Ludwig Khilipplons l Ml. Geburtstag. Vom; Königlichen Musikdirektor A. Fried mann, Berlin. r. Ludwig Philippfon hat. es sich als, Begründer und Herausgeber der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" zur Aufgabe gemacht, seine Leser auch für die Musik . im Gottesdienst zu interessieren. Besonders legte Philippfon auf den Gemeindegesang großen -Wert. Daher wünschte er, daß die Melodien für die Gemeinde leicht faßlich sein sollten, und daß verschiedene Partien der Gebete, besonders die Psalmen, vom Vorsänger und von der Gemeinde abwechselnd vorzutragen seien. Es ist hochinteressant zu, er-1 fahren, wie durch Philippsons Anregung der Gcureindegesang« in Magdeburg entstanden ist. Man wählte als Text das « große LMed, Hallel, weil die Psalmen, wie Philippfon sagt,! „ihrer Natur nach schöne rhythmische Anlage haben". Alsf dann wurden zehn Mitglieder der Gemeinde mit der Melodie, nach welcher im Hamburger Tempel die Hallelpsalmen gesungen werden) vertraut gemacht. Danach wurde in der - Synagoge eine-Versammlung von, 40 Männern veranstaltet, denen ' die ersten zehn die- Melodie mehreremal vorsangen, bis auch jene einstimmen konnten. Die Gemeinde hörte nun am ersten Festtage stillschweigend zu, un^ am zweiten Festtage sang schon die ganze Gemeinde im kräftigsten Unisono. Die Hallelmelodie aus Magdeburg hat Lewandowski später in seinen Kol Rinna ausgenommen und läßt auch mit dieser Melodie L’chu n’rann’no singen. Der Versuch mit dem Gemeindegesang in der Magdeburger Synagoge gelang vorzüglich, und nach kurzer Zeit ^wurden auch andere Gebetstücke, wie Aschre nach dem Thoralesen und die Kauscha, in ähnlicher Weise eingesührt. Auch ein „Israelitisches Gesangbuch", enthaltend deutsche Lieder und Melodien zu den hohen Festen, zur Totenfeier, Konfirmation, Trauung, Synagogenweihe und zu vaterländischen Festen wurde auf Anregung Philippsons in der Magdeburger Gemeinde eingesührt. Von diesem Büchlein schreibt Philippfon in der Vorrede folgendes: „Bei vielfachem Suchen nach dem Rechten und Angemessenen haben sich rhythmische Lieder am besten bewährt. Sie sind leichteren, faßlicheren Stils, ohne dem Charakter zu entsagen. Verbindet sich mit solchen Melodien ein warmer und populärer Ton in den Texten, der gleichweit von nüchterner Dürre wie von überschwenglichem Pathos ist, so greifen sie tief in das Herz des Juden ein, und das deutsche Lied vor und nach der Predigt lebt sich leicht dem hebräischen Teil des Gottesdienstes ein. Möchten auch diese Lieder, wie sie einem begeisterten Herzen entsprangen, in recht vielen Herzen zünden und ihnen eine religiöse Freude und Erhebung schaffen." Die Texte dieser Lieder sind von Philippfon verfaßt, die £ Melodien hat er in Gemeinschaft mit gesangskundigen Männern j ausgesucht. * Schon durch die vielen Kompositionen, die Philippfon in seiner Zeitschrift (1838) sowohl für Gemeindegesang als auch für Chor und Vorsänger brachte, ist er auch als Wegweiser für die Ausgestaltung des musikalischen Teils des jüdischen Gottesdienstes anzusehen. Ohilipplons grlammeltr Abhandlungen. ie zwei stattlichen, sauber ausgestatteten Bände stellen die schönste-literarische Feier deS Jubiläums dar, das wir in der heutigen Nummer feiern. In vier Abschnitten, und zwar: 1. Allgemein Menschliches; 2. Staatliches; 3, Religion; 4. Bücherbesprechungen, werden im ganzen 23 Abhandlungen, davon 12 aus der „Allgemeinen Zeitung des Judentums", 11 aus den „Weltbewegenden Fragen" zum Wiederabdruck gebracht. Dazu kommen zehn Rezensionen, sämtlich aus dieser Zeitung entnommen) In einem fünften Abschnitt wird der letzte Aufsatz Philippsons, gleichfalls aus dieser Zeitung stammend, wiederholt) Die geschickt getroffene Auswahl gewährt Men Einblick in Philippsons Gesinnung und Darstellungskunst. Der erste Abschnitt entwickelt seinen unentwegten Optimismus. In dem ^Gesammelte Abhandlungen von Ludwig Philippfon. 2 Bände. Leipzig, Buchhandlung Gustav Fock G. m.'b. H^, 1911. VII, 391 und 486: S.; , '

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