Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 51 (22.12.1911)
- Date
- 1911-12-22
- Page
- Seite 606 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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der andere, ein Gedicht aus-Nr. ■ 52! des -50. Jahrganges (21. Dezember 1886) hier wiederholt werden.; i . ' l Es seigestattet, dem- Abdrucks dieser - zwei Jubiläums-' beitrügedie am Ende des 'dritten Vierteljahrhundertsdes %. Jahrgangs, einen -passenden Platzfinden,, ein - paar kurze Bemerkungen voranzuschicken. -Der Fleiß Philippsons als Redakteur ist erstaunlich-. Er schrieb fast für jede.-Nummer den Leitartikel, der häufig - genug drei bis vier ^Spalten umfaßte; er begleitete Korrespondenzen, die er oft selbst den verschiedenen Zeitungen entnahm und zurechtmachte, mit vielen eigenen Bemerkungen, er gab nicht selten literarische Nöthen>.und 'Beurteilungen..- Da in den ersten 30 Jachren der Zeitung Leitartikel und Korrespondenzen den bei weitern, größten Teil der Zeitung. einnahmen, so kann man däraüs den Schluß ziehen, daß bei dem größeren Teil dieser Bände der Hauptinhalt der Nummern aus seiner Feder stammt. In seinen Leitartikeln herrscht eine große Vielseitigkeit. Aktuelle Fragen, die der Beschneidung, Konfirmätion- Stellung der Juden in einzelnen Ländern werden behandelt. Nicht selten wird auf' allgemeine politische Angelegenheiten eingegängen- Das Theologische ist stark vertreten. Mahnungen an jüngere Kollegen über die Art des Predigens stehen neben. Auf- - forderungen, das Studium der klassischen Literatur nicht zu vernachlässigen. Die Stellung des Rabbiners in der jüdischen Gemeinde wird ausführlich .behandelt. Selbst- Fragen, die. scheinbar ganz.modern sind, werden erörtert, zum Beispiel die der Kolonisation Palästinas, in der maßvolle Ansichten ausgesprochen werden, oder über den Jugendgottesdienst, der sehr lebhaft befürwortet wird. Biblische Untersuchungen, zum' Beispiel ausführliche Aussätze über die Moral Kohelets, finden Ach ziemlich häufig. Das Auftreten, Anwachsen und Schwinden i -Ls'Antisemitismus wird eisrigst verfolgt. Im Jahre 1826. zum Beispiel die aufsehenerregende Schrift „La Francejuke^ auch TreitWes Deutsche Geschichte wird mit Rücksicht Müs ihr^! antisennnschen Aeußerungen in einer ganzen. RMe voy Artikeln beleuchtete Merkwürdig ist, daß im JahH^tzg 1886 S. 376 Rosegger gegen den Vorwurf des AntifemstWnM verteidigt wrr^wie ich dies ja auch in einem Artikel dieses Jahrganges zu tun versuchte. Seit dem 30. Jahrgang etwa gestaltet, sich der Inhalt etwas anders. Neben die Korrespondenzen und leitenden Artikel treten Feuilletons, die eine Zeitlang sogar in besonderen Beilagen gegeben wurden, allgemein belehrende Aufsätze und kritische Artikel. In den beiden ersten Rubriken war der Redakteur sein eifrigster. Mitarbeiter. Bei den 4 Kritiken kamen manche andere Gelehrte häufiger zum Worte. | In Kritiken und Korrespondenzen wurde nicht selten heftig polemisiert, z. B. gegen S. R. Hirsch, Steinschneider, Loew. Gedenktage, Hundertjahrfeiern würden beachtet; aus dein Jahrgang 1886 sei erwähnt, daß das Zenten arium Mendelssohns in äußerst zahlreichen Aufsätzen, über..seine Stellung zum Judentum, über seine Lebensereignisse, über seine literarische Bedeutung, dargelegt wird. Auch der hundertste Geburtstag Börnes, der in dasselbe'Jahr fällt, wird wenigstens, in zwei Abhandlungen gefeiert. Nicht minder wird in demselben Jahrgang Gustav Freytaa bei Gelegenheit seines 70. Geburtstages gut gewürdigt, freilich setzt die Redaktion hier eine Gegenbemerkung gegen die Art hinzu, in welcher der Verfasser des Artikels die Erwähnung des Jüdischen bei Freytag behandelt hat. Ueberblickt man die große Zahl von Bänden, von denen | ich genauer nur die Jubeljahrgänge 1861 und 1886 zum» Zwecke dieser kurzen Bemerkung durchgesehen habe, so staunt I man über die Vielseitigkeit und über dm "ungeheuren Fleiß fl des- Herausgebers Er wür wirklich die Seele seines Blattes. Sein^ Tätigkeit bestand nicht etwa darin, aus den ihm zugesandten Massen das Passende äuszuw'ählen, er schrieb -vielmehr das meiste' und fügte sehr häufig den Beiträgen anderer seine Gegenbemerkungen hinzu. Dies geschah ebenso bei wissenschaftlichen Abhandlungen, bei kritischen Beurteilungen, bei Korrespondenzen. , Er.ließ wohl, entsprechend dem Titel der Zeitungder. nie ein bloßer Name war, .andere Ansichtendie nicht,die-seinigen waren, vortragen, aber er verfehlte niemals, diesen Anschauungen die seinigen entgegenzusetzen. .. Philippson war kein Stürmer und Dränger: er huldigte einem gemäßigten Liberalismus, wav aber in der Verteidigung dieses seines Standpunktes.fest und ungebeugt, und ließ sich nichtdurch den zeitweise eintretenden scheinbaren, oder offenkundigem Sieg entgegengesetzter Meinungen beirren. . Das Amt.eines Herausgebers einer Zeitung hat er in vorbildlicher Weise aüsgeübt. Es ist unmöglich, durch zahlreiche 'Proben aus vielen Jahrgängen seine Art der Tätigkeit zu illustrieren, daher möge es genügen, um den gegenwärtigen Lesern. Anschauung und Ausdrucksweise des Mannes vorzuführen, der jahrzehntelang dieses Blatt geleitet hat,die schon oben erwähnten beiden Beiträge, den prosaischen nach Abschluß des ersten Vierteljahrhunderts, den. poetischen am Ende des 50. Jahrgangs, also der Feier eines halben Jahrhunderts, hier wieder abzudrucken. L. G. Lum Schluß drs 25. Isyrgsnss dielrr Leitung. Magdeburg, 16. Dezember. Wnsere Leser werden es natürlich finden, wenn wir den Schluß des Vierteljahrhunderts, welches* diese Zeitung nunmehr hinter. sich hat, nicht ohne einige Worte der : Erwähnung vorübergehen lassen. Es ist. uns in unserem Wirken niemals um. Ostentation, äußerliche Anerkennung und . Geräusch zu tun gewesen. Dies Zeugnis wird uns jeder, der unser Streben näher kennt, nicht verweigern; dieses Zeugnis können wir uns selbst erteilen. Wäre es anders, es hätte uns niemals an Mitteln gefehlt, die allgemeine Aufmerksamkeit viel mehr zu beschäftigen, als wir es getan, weil; es uns eben ganz eigentlich nur an tatkräftiger Wirksamkeit gelegen war, die durch ein besonnenes, stilles, aber energisches i Auftreten gewonnen wird. Diese Zeitung war. auf dem Gebiet, der'periodischen Presse die erste ihrer Art. Es bestanden zwar vordem bereits mehrere jüdische Zeitschristen, aber durch ihr regelmäßiges Erscheinen und durch das Umfassen aller das Judentum berührenden ' Interessen charakterisierte sie sich als etwas ganz Neues. Gleich mit ihrem Beginne gewann sie sich daher ein sehr ausgedehntes Feld, das zwar unter dem Wechsel der Zeitverhältnisse, namentlich unter den politischen Stürmen, die über die zivilisierte Welt ergingen, sich bald verkleinerte, bgld vergrößerte, bald hie und da einschränkte, bald erweiterte, dennoch im grdßen ganzen dasselbe blieb. Unsere Leser finden sich von der Küste eines Ozeans bis zu den Ufern des anderen, und, wenn sie auch noch bei weitem^zahlreicher sein könnten uttd-sollten, da bekanntlich unsere Glaubensgenoffen in der Jetztzeit nicht allzuviel, und namentlich nicht was im Interesse ihres Glaubens -und Stammes erscheint, lesen, so hat doch eine gleiche Gunst und ein gleicher Einstuß diese Zeitschrift bis heute begleitet. Allerdings war es uns niemals darum zu tun, bloß zu redigieren und dem Publikum ein ftftrSg s.. .31 - I•&-