Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 51 (22.12.1911)
- Date
- 1911-12-22
- Page
- Seite 603 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Rechte vom Religionsbekenntnis aus der Verfassungsurkunde) | M Fall zü' bringen! Der Verfasser der „Neuesten Geschichte! r des Judentums" (l. Band, Leipzig 1907), kein anderer'al^ der l Sohn'Ludwig Ph'ilippsons, durfte für dies» und zahlreiche ähnliche Verdienste dem eigenen 'Vater ' öer'eiis? 6en' 'Dank der Nachwelt votieren.' Ein erhebendes Schauspiel, das den Manen Mendelssohns nicht - vergönnt war!. Philippsons politischer Standpunkt war durch seine Gesamtanschauung vyrn Judentum gegeben: volle Einbürgerung mit Uebernahme aller Pstichtew ^entsprechendder iZuerkennung' der Rechte) in das Leben des Staates mit Gut und Blut und Herz; Separation, ja Solidarität aller Juden der Erde in rein jüdischen, - das ist - religiösen Fragen. Ziel auch dieser Separation kann nur die Förderung des Gemeinwohls und der Menschheit sein. Philippson bewies, daß jüdischeMrchenPolitik, die er mit so unvergleichlichem Erfolg übte/ auf der Basis jüdischer Kenntnisse und religiöser Gesinnung am besten verfolgt werden sollte; staatsbürgerliche Kenntnisse kommen erstin zweiter Linie in Betracht. Ohne besondere juristische Vorkenntnisse hob dieser klare Kopf und warmherzige Rabbiner. Staatsmänner wie Strecksuß, Staatsrat Hoffm'ann und. andere erlauchte Gegner regelrecht aus ' dem Sattel! r Imletzten Jahrzehnt seines Lebens erhob Pie Hydra des Judenhasses von neuem ihr scheußliches Haupt. Wie bei den meisten, einst so siegreichen Vorkämpfern bürgerlicher und sozialer Gleichstellung lähmten der Abscheu und der Schmerz auch unserem Philippson beinahe die Kraft. Die.Jahre 1879 bis 1889 waren Jahre allgemeiner Schwäche und Zerfahrenheit, denen auch Philippson nicht mehr steuern konnte. Aber am Grabe Philippsons gelobte sich gewissermaßen die Judenheit, seinen Geist wieder lebendig , werden zu lassen. Sie .hat Wort gehalten, und darum steht Philippson im 100. Jahre nach seiner Geburt wie ein Lebender und völlig Gegenwärtiger i unter uns. All sein Wirken beginnt ein zweites^ Dasein; ,es.ß hatte nicht nur Erfolg in seiner Zeit, sondern es trägt? hundertfältige Frucht. Wohin wir blicken im Bereiche des sich \ täglich verjüngenden, von neuem Geiste angewehten Judentums:? überall Fortsetzung Philippsonscher Arbeit: der Zentralverein deutscher Staatsbürger, der Verband der deutschen Juden, der Deutsch-Israelitische Gemeindebund und die Provinzialverbände (denen Philippson schon 1847 ihre Aufgaben in einer Ansprache zu Magdeburg zuwies), die Jügendvereine. Nicht minder die Vereine für jüdische Geschichte'und Literatür? der ' . Verein für Statistik, das. Komiteefür Jügendschristen^und wiederum die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschäft des Judentums. Selbst Alliance, Hilfsvereine, Russen? und Galizierkomitee dürfen in diesem Zusammenhänge genannt werden; denn Philippson war es, der 1854 in einer Artikelserie die orientalische Frage ausrollte und das Programm jenes Weltbundes entwarf, der die kulturelle und sittlichreligiöse Hebung aller in physischer oder geistiger Not lebenden Juden zur Ausgabe hat. - ' Die Erinnerung an einen Ludwig Philippsön ist so erhebend, weil wir glauben dürfen, daß er heute mit uns zufrieden sein, in so manchem Führer der Gegenwart sich selber wiedererkennen würde. Machen wir sein .großes Streben zu dem unsrigen, das gerichtet war auf die-Verherrlichung Gottes in Israel und in der Menschheit. Damit erkennen wir dem Manne, dev seine ZM. .so recht verstanden und ihr so treugedient hat, das Dichterwort zu: „wer Hai den Besten seiner Jett genug getan, ■.. Der hat gelebt für alle Jetten.^ : . Die Wache. - -r - . . .. ... .Berlin, den.19. Dezember. 191 nv* 1'2. d. M . hat in dem Berlin er Verein für jüdische Geschichte? u nd Literatur die erste der zahlreichen Feiern für Ludwig PHilippson stattgefunden, die von den' verschiedensten Organisationen 'veranstaltet werden. Unsere Zeitung bemüht sich' gleichfalls die Erinnerung' an die vor 10si Jahren erfolW Gebürt .HreS?^rd.reMvollEBetzr8ttöe'rS Do. :WyrzHntekangen' Setters würdig zu begehen. Und so soll auch in dieser Rubrik sein Name nicht fehlen. Ein Matt, das der Zeit dient, muß . sich , mit der Zeit ändern und wechselt auch seinen Charakter mit den Personen,- die an seiner Spitze stehen.; Unsere Zeitung kann sich diesem Gesetz nichtentziehen. Sie ist im Vergleiche mit früher entschiedener ln-dem Betonen der liberalen Gesinnung geworden, hebt stärker als dies ehemals geschah, das Wissenschaftliche und Literarische , hervor, aber sie wird' und soll wo es-nur', angeht, '-das/ 'B'eispW ihres Begründers nächähmen.und wie er es gewollt und erreicht, dem Judentum dienenseiner inneren Aufklärung, seiner äußeren. . Änexkennung. -' Siefo,ll- -,tziesäMämpfe. denn ohne, Kampf wird kein Siegespreis erreicht?— m der Art führen, wie der Begründer *8' getan: nränMiH, unabhängig, frei. , . Uns wird geschrieben: .. .. Die amtliche Bekanntgabe der Auflösung, bes Reichstages und des Termins der Neuwahlen ist am vergangenen^vnnabend erfolgt. Die, Wahlvorbereitungen, und die Wahlagitation aber haben längst eingesetzt, und der Aufmarsch der Parteien, hat sich längst vollzogen. Wie es die Aufgabe eines jeden Staatsbürgers ist, von dem ihm zustehenden höchsten Staatsbürgerrecht, dem WahlrechtGebrauch zu machen, sich nicht abseits zu stellen in der Entscheidungsstunde über die zu- Hnsiiger Gestaltung unseres innerpolitischen Lebens in seinen tausendfachem Verästelungen auf wirtschaftlichem, sozialem und dem RechtsgMete?so haben. .wir., deutschen Juden, die gleiche, ja. aus,verschiedenen Gründen. die, doppelte Pflicht? unsere ganze Kraft und unser lebhaftestes Interesse. besonders bei den bevorstehenden. Wahlen einzusetzen. Von einer einheitlichen Stellungnahme in der positiven Richtung bestimmter Parteiforderungen kann selbstverständlich bei uns, Staatsbürgern jüdischen Glaubens absolut nicht die Rede sein. Wir unterscheiden uns von unseren andersgläubigen Mitbürgern in der politischen Differenzierung absolut nicht und müssen daher auch für die Deutschen jüdischen.Glaubens prinzipiell das Recht und die Freiheit beanspruchen, uns individuell für die eine oder andere, der bestehenden politischen Parteien zu entscheiden. Eine Beschränkung dieses, Rechtes und dieser Freiheit besteht ohne unser Zutun nach der einen Richtung, daß Ehre und Selbstwürde es auch.dem konservativ gerichteten Juden verbieten, sich der ihm gesinnungsverwandten Partei anzuschließen. Es wäre zugleich ein Akt des Willens der Selbstv.ernichtung, wollte. ein Deutscher jüdischen Glaubens seine Mitarbeit und seine Stimme einer Partei zuwenden, die die programmatische Forderung anfstellt, die Juden politisch und staatsbürgerlich zu entrechten. Vom' spezifisch-jüdischen Standpunkt aber könnte unter.normalen Verhältnissen, wenn von einer besonderen Wahlparole gesprochen werden darf, diese immer nur läuten: „Gegen Antisemiten und Antisemitengenossen". Auch für die bevorstehenden Reichstagswahlen könnte an sich nur diese negative Parole für die. Deutschen jüdischen Glaubens ausgegeben werden. Aber darüber hinaus, über die Mitarbeit an der . Niederringung der antisemitischen politischen Richtungen, haben wir uns doch bewußt zu sein, daß es sich bei. den nächsten Wahlen tun Größeres noch handelt, um wesentlich Bedeutungsvolleres für uns als Juden und als Deutsche, wie bei allen Wahlen in den letzten drei Dezennien. Die . Quelle . jener Kräfte, die uns die staatsbürgerlühe Gleichberechtigung noch immer .vorenthalten und : die Ich bisher noch immer stärker erwiesen haben, als die klaren , Bestimmungen.^ des . . Grundgesetzes, des