Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 50 (15.12.1911)
- Date
- 1911-12-15
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Herrn Rechtsanwalt Klee darauf aufmerksam machend, daß mit schönen Neben die Arbeiten der Gemeindeverwaltung, wo nur wenige Herren mit Aufbietung allerKräfte unermüdlich tätig sind,niemals geführt werden können. Der weiterhin von Herrn Pinkus vertretene Grundsatz,' bei Submissionen ohne weiteres den Zuschlag an den Mindest^ fordernden zu erteilen, fand starken Widerspruch in der Versammlung'. An die vordem seitens des Herrn Geheimrat Landsberg gegebene Erklärung knüpfte im weiteren Verlaufe der Diskussion der anwesende Repräsentant Dr: Max Ginsberg an, indem er frei und offen bekannte, daß speziell bei der Baubehörde mancherlei Dinge seinen ungeteilten Beifall nicht gefunden hätten, und daß auch er eine intensivere Berücksichtigung von Wünschen und Ansprüchen unserer jüdischen Unternehmer und Handwerker bei' dem Gemeindevorstande glaubt zu vermissen'. Er nahm auch keinen Anstand zu erklären, daß so eine kleineBummelei des Bureaus, wie stein der Nichtbeantwortung der betreffenden Eingaben gefunden werden könnte, nicht Vorkommen dürfte, indessen sei die Sache nicht so sehr tragisch zu nehmen. Herrn Dr. Klee müsse aber erwidert werden, daß. nicht die Wahlagitation einer bestimmten Partei die zurzeit schwebende Bearbeitung der Vorlage veranlaßt habe, sondern'daß bereits vor drei Jahren von ihm selbst mit Unterstützung seiner liberalen Freunde Interpellationen in der Frage des jüdischen Handwerkerstandes ^eingebracht worden seien.' Zu den Bemerkungen verschiedener Redner müsse er erklären,, daß von einer Animosität seitens der Vertrer der Gemeindebehörden' gar keine Rede sein könne, die Nettesten müßten ja sonst geradezu Antisemiten sein, und das anzunehmen sei doch absurd. Herr Dr. Ginsberg erwartet von dem' Zusammenwirken von Gemeindevertretern mit' den aus den Handwerkerkreisen zu kooptierenden Gemeindemitgliedern besonders fruchtbare Ergebnis^. Es wird auf diese Weise der beste Weg betreten,^ etwa bestehend^Unzuträglichkeiten oder Mißverständnisse zu beseitigen. Er billige ’6ie Forderung einer grundsätzlichen Aenderung des Verwaltungssystems, weil die bestehende, auf teils veraltete und' weit weniger entwickelte Verhältnisse berechnete Methode den' heutigen Aufgaben der > jüdischen Gemeinde mit ihrem gewaltig gewachsenen Etat nicht mehr entspreche. Ter Redner betonte, daß die Gemeindeverwaltung nach vielen Richtungen hin den Beweis eines lebhaften Interesses an der Entwicklung eines kräftigen jüdischen Handwerkerstandes erbracht habe, und es sei zu hoffen, daß diese neuerdings angebahnten Resormierungsbestrebungen allen Wünschen und Erwartungen unserer Glaubensgenossen Rechnung tragen und reiche Früchte zeitigen werden. Die vorgerückte Stunde, es war inzwischen Mitternacht geworden, drängte zum Schluß. Bevor der Versammlungsleiter Herr Silberberg das Schlußwort sprach, hattsn die verschiedensten Redner in persönlichen Bemerkungen Gelegenheit genommen, sich gegenseitig zu versichern, daß sie untereinander ' durchaus einig seien, und so konnte alsdann der erste Referent Herr Wolfs mit Freude und Genugtuung feststellen/ daß der Abend sehr harmonisch verlaufen sei-und hoffentlich dem Handwerkerverein recht viele Freunde und Gönner zuführen werde. -<■, Berlin, 12. Dezember. Die bei der Großloge für Deutsch- lanv VIII U. O. B. B. bestehende Timendorfer-Stiftung hat ( von den angesammelten Zinsen 1000 Mark zu vergeben. ^Tie Timeni dorser-Stiftung bezweckt die Förderung wissenschaftlicher Fortbildung, begabter Akademiker, vornehmlich solcher, die die Wissenschaft des ' Judentums in einer Universitätsstadt zu lehren bereit sind. Ge-. eignete Bewerber wollen ihre Anträge, mit Referenzen versehen, an das Bureau der Großloge, Berlin W. 62, Kleiftstraße 12, : richten. ' ~ 22 Berlin- 10. Dezember. Die Jüdische Arbeiterkolonie in Weißensee besteht nun ungefähr zehn Jahre und hat bis heute zirka 5000 armen jüdischen Männern, die bisher Almosen suchend - das Land durchstreiften, Obdach, Nahrung, Arbeit und Gelegenheit : zu Ersparnissen aus Ueberverdienst gewährt. Zurzeit beträgt die? Frequenz 88 Mann. Wie es nicht anders sein kann, treffen die Schützlinge meistens in reduzierter Kleidung ein. Da im Laufe eines. Jahres mehr als 700 Personen durch die Arbeiterkolonie hindurch- .i passieren, so besitzt diese nicht die Mittel, den Ankömmlingen passende? Kleidung zu verschaffen. Es ergeht daher beim Herannahen der, kühlen Jahreszeit an alle Wohltäter die herzliche und dringende^ Bitte, gebrauchte Kleidungsstücke nach Weißensee, Wörthstr. 20, zu senden oder durch eine Postkarte, bzw. telephonischen Anruf: Amt Weißensee 192 die Abholung zu veranlassen. < 22 Berlin- 12. Dezember. Der Verein für Arbeits- . Nachweis (begründet von den Berliner Logen U. O. B.'B., Monbijouplah 10) schreibt uns: Die Krisen auf dem hauptstädtischen Arbeitsmarkte, die.in Gestalt von Streiks', und Aussperrungen die verschiedensten Berufe in Mitleidenschaft zogen, scheinen auch auf die allgemeine Konjunktur eine durchaus ungünstige Wirkung hervorgerufen zu Haben. Die Folge davon ist, daß die Hoffnungen, welche die Lage des Arbeitsmarktes in den Vormonaten erweckte, in der vorschreitenden Saison nicht voll in die Erscheinung getreten sind. Der Stellenvermittlung unseres Vereins gelang es dennoch, im Berichtsmonat November 265 Petenten, und zwar 66 Kaufleute, 104 Handlungsgehilfinnen und 95 gewerbliche Angestellte, in zumeist dauernde Stellung unterzubringen. Neu eingeschrieben wurden 258 Arbeitslose, so daß noch einem kleineren Teil der Bewerber des Vormonats Stellung nächgewiesen werden konnte. Die anderen Abteilungen unseres Vereins, wie die Schreibstube und die Jnkasso- . abteilung, waren gleichfalls durch Ueberweisung umfangreicher Aufträge beschäftigt. Berlin, 12. Dezember. In der „Jüdischen Arbeiter- . kolonFe Weißensee" vollzog sich am vergangenen Sonntag anläßlich des zehnjährigen Bestehens'dieser jüdisch-sozialen Institution zugleich ein Festakt internen Charakters, zu Ehren des zehnjährigen Dienstjubiläums des verdienten Inspektors der Kolonie Jos. Behrendt und seiner Gattin» die ihm in seinem schweren Amt während der ganzen Zeit' treu zur Seite stand. Eingeleitet wurde die Feier, die sich in der Änstaltssynagoge im. Beisein der sämtlichen 90 Insassen der Kolonie vollzog, durch den. Vortrag eines Gebets seitens eines stimmbegabten Kolonisten. Dann verlas der Vorsitzende des Vorstands Herr M. Rosenow eine Adresse, die dem Jubelpaar vom Vorstand, dem Wohlfahrtsausschuß und dem Kollegium der Ehrendamen überreicht wurde. Dem gehaltvollen, die Verdienste des Inspektors hervorhebenden Text der Adresse fügte Herr Rosenow noch einige Worte hinzu uNd überreichte dem Jubilar eine Ehrengabe zu einer Badereise..,. Nachdem Herr und Frau Behrendt, ihren Dank ausgesprochen, faßte einer der Insassen der Kolonie in wohlgeordneter Rede die Glückwünsche der sämtlichen Kolonisten zusammen, worauf Herr Sigm. Bergel in längerer Rede den Segen der Anstalt schilderte, der dahingeschiedenen Begründer der Anstalt gedachte und das El mole raclunim und Kaddischgebet für sie sprach, worauf die Feier schloß. An der Frühstückstafel, die'die ansehnliche Schar der Gratulanten noch ein Stündchen vereinigte, sprach dann noch Frau Professor Schäfer uNd gedachte, in warmen Worten der verstorbenen Frau Adler, zu deren Ehren man sich von den Sitzen erhob. Inzwischen war auch der Tisch für die 90. Kolonisten gedeckt, die ihrerseits gleichfalls ein Hoch auf das Jnspektorpaar und Herrn Rosenow ansbrachten. 22 Chartottenburg, 12. Dezember. Der 'Jüdische Jugendverein Charlotten bürg veranstaltet am 24. d. M. im Johann- Georg-Haus.Halensee, Johann-Georg-Str. 19, sein Chanuka-Vergnügen, bestehend aus künstlerischem Konzert und Ball. Aus dem reichhaltigen Programm ist besonders die jüdische Oper „Bar Kochba" hervor? zuheben, zu der erste Kräfte (Opernsängerin Fräulein Ha n n a Conti aus Dessau) ihre Mitwirkung -zugesagt haben. Außerdem singt Konzertsängerin Fräulein Berta Goetz einige Lieder. Während des Balles sorgen Saalpost, Tombola und dergleichen für Abwechslung und Belustigung. Eintrittskarten ä 1 Mark und Familienkarten a 3 Mark sind in der Buchhandlung I. Singer-Charlotten- ' bürg, Kantstr. 124, . und bei Herrn Gg. Hoch - Charlottettburg, Schillerstr. 51, zu haben. — Dirschan, 10, Dezember. Der Verein j üdischer Religion slehrer Westpreußens hielt vor kurzem in der Hiesigen Stadthalle seine Hauptversammlung ab, die aus allen Teilen der Provinz gut besucht war. Der Vorsitzende. Lehrer G e is en b e r g - Marienwerder, begrüßte die Versammlung; namens des'Vorstandes der Synagogen- Gemeinde Dirschau sprach Herr Lippfeld Worte der Begrüßung. Lehrer Mannheim-Graudenz sprach darauf über das Privatbeamten-Versicherungsgesetz. Der Vortragende führte aus, daß die