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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-12-15 · Heft 50 (15.12.1911) · p. Seite 599

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 50 (15.12.1911)
Date
1911-12-15
Page
Seite 599 (sequence 11)
Language
German
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Zwei warn,herzige und gehaltvolle PredigteNi - In der ersten Neve wird an dem Gebetsspruche des Rabbi Safra der Monarch als kraftvoller Lenker' und weiser Führer des Staatsschiffes> gepriesen, während in der zweiten'Rede der sagenhafte Königsthron Salomos symbolisch ausgedeutet wird, der Löwe Sinnbild des Mutes, der Adler Bild des idealen. Hochfluges, der Priester zur Rechten Repräsentant der Gottesfurcht und der Prophet Vertreter der weisen Voraussicht.: Die vaterländische Begeisterung, die des Redners Worte durchglüht, dürfte in den Herzen der Hörer kräftigen Widerhall gefunden haben, sind doch-die Reden „von Verehrern des Verfassers" veröffentlicht. Rezensent weicht freilich in Prinzipienfragen der Predigtkunst - wesentlich vom Autor ab, sowohl bezüglich des Aufbaues als der sprachlichen Formgebung. Doch ist eine kurze Buchanzeige nicht der Ort für grundlegende.Erörterungen. . ''•-:8Vetmann-3nfiei;bucg. ♦ .= Zur Geschichte der Wormser jüdischen Gemeinde, ihrer Friedhöfe und ihres Begräbniswesens. Gedenkschrist zur Eröffnung des neuen Friedhofes. Worms, in November 1911. In. Kommission bei der H.Ureuterschen Buchhandlung (Julius Stern). Die sehr hübsch ausgestattete, mit manchen Kunstbeilagen geschmückte Schrist enthält drei Abhandlungen: Zur Geschichte der Wormser jüdischen Gemsinde von ihren Anfängen bis zum neunzehnten Jahrhundert von Max Levy; Der alte jüdische Friedhof und das Begräbniswesen im 19. Jahrhundert. S)er neue Friedhof von S. Rothschild; Die neue Friedhofsanlage von. Gg. Metzler, Großh. Beigeordneter. Mich Haben, naturgemäß die beiden ersten mehr als die letzte interessiert. Besonders wichtig ist die überdie Grabsteine und deren Wegnahme. im Jahre 1519. (Daß unrugig — .anrüchig ist, glaube ich nicht.). Ob die hier mitgeteilten Urkunden bereits, einmal gedruckt waren oder hier zuerst veröffentlicht werden, wird nicht gesagt. Den Anfang der ersten Abhandlung hätte ich anders gewünscht; da der älteste erhaltene Grabstein aus dem Jahre 1044 stammt, so kann man das Bestehen der Gemeinde schwerlich über das Jahr 1000 hinaussetzen. Es scheint mir nicht, ganz historischdas Gerücht von einer vorchristlichen Ansiedlung der Juden in Worms, anzunehmen. L. G. - .* ■■ -.?= Juden und Judentum in der Darstellung Werner Sombarts. Von Rabbiner' Dr. Taglicht-Wien. Verlag von Waizner und Sohn. Wien 1911. Das Buch Sombarts „Die Juden und das Wirtschaftsleben" hat mit Recht in jüdischen Kreisen vielfach Beachtung gesunden. Taglicht bietet eine gründliche Prüfung zumal der religionspsychologischen Behauptungen Sombarts, der die Religion Israels als Mutterboden deskapitalistischen Geistes hinstellt.- Taglicht zeigt, wie Sombart die Tatsachen seinem Vorurteile zuliebe vergewaltigtwie er nur sieht, was seine Vermutung stützt und schlechthin blind ist für die Fülle der Erscheinungen, die seiner Annahme schnurstracks widersprechen- ■- Ein reiches Quellen- und Stellenmaterial, darunter oft recht zwingende - Zitate führt Taglicht gegen Sombart ins Feld' in volkstümlicher Darstellung, die an Faßlichkeit gewonnen hätte, wenn , der Verfasser den darzubietenden Stoff schärfer gegliedert und alle unwesentlichen Momente bei seiner Ei örterung rücksichtslos ausgeschieden hätte. Ich habe im November-Heft der Zeitschrift „im Deutschen Reiche" versucht, die wesentlichen Punkte gegen Sombart klar hcrauszustellem V " Beermann-Insterburg. . * — Ben Jehuda Elieser, 1tie8aurus totlus 8ebraitati8 et veteris et recentioris. -?l^2^N ^1^7/2 Bd. II. 2^2 bis NVLN S. 581—1160, Berlin/Längenscheidt. Für den Sprachschatz der Bibel, des Talmud und der Midraschim besitzen wir Wörterbücherdie wertvolle Hilfsmittel für das Verständnis der Literatur sind. Wer je in der späteren jüdischen ~ Literatur gearbeitet hat, wird das Fehlen dieser Unterstützung schmerzlich" empfunden haben, besondersdie'technischen Ausdrücke in den religionsphilosophischen, mathematischen und Naturwissenschaftlichen Schriften, die neuen Worte und Wortbildungen in den Werken der Dichter können den Forscher oft zur Verzweiflung bringen^ Darum ist das Erscheinen dieses Thesaurus mit Freuden zu begrüßen. Er enthält ein alphabethisches Verzeichnis aller hebräischen Ausdrücke der Bibel, der hebräischen und hebraisierten Worte des Talmud und des Midrasch, ferner, aller Ausdrücke der späteren 'Hebräischen Literatur aller Fächer bis auf den heutigen Tagendlich neue Worte, die in der Gegenwart erst in der Bildung begriffen, Bezeichnungen von Gegenständen oder Begriffen, die bisher in hebräischer Sprache noch nicht ausgedrückt worden sind. Für jedes Wort wird die Bedeutung in deutscher, französischer und englischer Sprache angegeben, ferner sind Belegstellen aus der ganzen Literatur für die Worte und Wortformen angeführt. Ob der Verfasser sämtliche. vorkommettde Wortformen ansührt, kann nur der langjährige Gebrauch des Wörterbuches im einzelnen ergeben. Aber sicher sind die gebotenen Belegstellen sehr reichhaltig; es wird schwerlich jemand etwas im Thesaurus suchen, ohne es zu finden. Wieweit der Verfasser die Quellenangaben vollständig gestaltet hat, läßt sich nicht erkennen. Auch das Prinzip, nach dem die Belege aus der Literatur angeführt sind, ist nicht durchsichtig. Mancher Leser würde vielleicht geringere Ausführlichkeit bei den Anführungen aus der Bibel, die er auch anderweitig finden kann, und dafür größere Vollständigkeit in der nachbiblischen Literatur wünschen. Ferner müßte streng darauf gehalten werden, daß immer nur die erste Quelle, in der sich ein Wor öder eine Wortform findet, angeführt wird. Das ist, soweit ich sehen kann, im Thesaurus nicht immer der Fall. Einige Beispiele: S. 677 b. ri'h'DJ begegnet bereits in der Mischna Rosch-Ha-Schana IV, .5; S. 608 a N1L2 "72 findet sich ^bereits im S. 910 a das Wort JVipVH kommt bereits in den gaonäischen Responsen und im Kommentar des Rabbi Chananel vor; S. 719 a bei 'iz wären die Textänderungen durch die Zensur zu berücksichtigen Mitunter dürften auch Ungenauigkeiten in der Angabe der Quellen sich eingeschlkchen haben, so z. B. weiß ich mit ri"D?N2^N, '21^^2 S. 623 a nichts anzufangen, da dieses Werk nirgends gedruckt ist?) Einen besonderen Hinweis verdienen die Fußnoten, welche ausführliche wissenschaftliche Exkurse mit etymologischen Angaben und sehr interessanten sprachwissenschaftlichen Forschungen bringen. Dadurch gewinnt das Werk neben seiner ausgezeichneten Praktischen Verwendbarkeit auch wissenschaftliche Bedeutung. Es ist erfreulich,, daß das Werk so rasch fortschreitet, und nur;u wünschen, daß das Erscheinen durch eine möglichst große Zahl .von Subskribenten gefördert wird. Daß die Ausstattung eine' tadellose ist, dafür bürgt der Name des Verlages Langenscheidt. Einen Wunsch möchte ich noch aussprechen, daß nämlich jedem Bande eine Tafel mit sämtlichen Abkürzungen beigefügt wird; man kann unmöglich vom Leser verlangen, daß er sich mit der Entzifferung der. Unzahl der an sich berechtigten Abkürzungen abquält. I. El bogen. £ > — H aldane über Heine. Der englische Kriegsminister, der zugleich Rektor der Universität in Edinburg ist, hat am 3. August bei Eröffnung der Ferienkurse der Universität Oxford eine Rede über „Deutschland und Großbritannien" gehalten, die jetzt in deutscher Uebersetzung (bei R. Eisler) erschienen ist. Dort gibt er zum Teil an der Hand der Schrift Heines „Zur Geschichte der Religion und. Philosophie" eine Uebersicht der geistigen Entwicklung Deutschlands, berichtigt -die Darstellung des geistreichen, aber nicht immer sehr gründlichen Historikers in manchem Punkte, hebt den Gegensatz Zwischen Deutschlands und Englands geistiger Art hervor, redet von der Schwierigkeit der deutschen Sprache für die Engländer und gibt zum Schluffe folgende Würdigung Heines, die zwar in manchen Einzelheiten falsch ist, weil sie die Stimmung der wirklich tonangebenden Kreise' in Deutschland nicht ordentlich erkennt, die aber um so bemerkenswerter ist, als sie von einem auch geistig bedeutenden Fremden, zumal von .einem Engländer, ausgesprochen wird. Denn man muß immer bedenken, daß gerade die Engländer, die von Heine oft genug' leidenschaftlich angegriffen, niemals ganz gerecht beurteilt -1) Collie damit das von E. N. Adler in Jeu-. Quart. Rev. IX, 681 iT veröffentliche Fragment gemeint sein, so wäre voraus zu verweisen, daß Al-Barzeloni's Aütorschäst das X. 166 und 382 mit sehr guten Gründen bestritten worden ist.

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