Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 50 (15.12.1911)
- Date
- 1911-12-15
- Page
- Seite 597 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Math alias: Laßt nun die Hände auf das Haupt euch legen, . Daß ihr empfanget meinen Vatersegen! 7 I (Sie knien nieder. Er segnet sie einzeln, die Segens» formet murmelnd. Dann erheben sie sich.) So lebt denn Wohl! ÜDlögeuch der Himmet geben Ein langes, glücklich, freudenreiches Leben! In eurem Kampfe führe Juda an, ' Im Rate gehe Simon euch voran! - Lebt wohl und tuet immer eure Pflicht Und (er streckt die Hände nach Nahet aus, die auf-ihn zueilt und ihn umschlingt.) und vergeht die gute Mutter nicht! (Seine Stimme wird schwächer.) Ich spüre schnell jetzt meine Kräfte schwinden. (Betend): Herr Gott, vergib mir alle meine Sünden! Vor deinem Richterstuhl erscheint dein Knecht. - Doch zagt , er nicht; er weiß, du bist gerecht. O gieße deine Milde gnädig aus : k - Und führ' mich im der Frommen sel'ges Haus! — (Verzückt) Der Himmel öffnet sich in hellem Glanze, Und Engel tragen mich auf gold'ner Bahn In frohem, feierlichem Reigentänze Zum Vater, zu des Himmels Höh'n hinan. (Erstirbt.) Simon: Er ist dahin, und es ist dargebracht . Ein neues Opfer der Tyrannenmacht. Jonathan: Und sie zu brechen, sei mein Lebensziel, Sind auch der grimmen Feinde noch so viel! Juda (finster und drohend): Ich Hab' geschworen. Und vor dieser Leiche Noch einmal wiederhol' ich's, Freunde, hört: Sofern ich lebe, soll im ganzen Reiche, Wenn dieser Tag im Jahre wiederkehrt, Kein Feind sich finden mehr, und frei und rein Soll auch der heil'ge Tempel Gottes sein. Noch heute geht es in den Kampf hinein. Mein Vater soll mit mir zufrieden sein. (Vorhang fällt.) Leim Lämpchen. Roman von Peter UjvLri. . Berechtigte Uebersetzung von Rosa Trencssni. XLV. Dhre Lebhaftigkeit war nicht ganz aufrichtig und natürlich. Dahinter steckte die größte Befangenheit, denn die brave Frau hatte das Gefühl, daß diese feierliche Gelegenheit an sie außerordentliche Anforderungen stelle, sozusagen eine. Erklärung von ihr erheische> die alles das ausdrücken sollte, was sie empfinde und auch das, was Esterchen empfinde, welche die mädchenhafte Scheu und ' Schamhaftigkeit im Nebenzimmer zurückhielt. Sie ging auch zu wiederholten Malen auf Liweitzer zu, um ihn herzlich, zu begrüßen, doch so oft sie ihren Blick zu dem auch in seinem Ernste lächelnden, schönen Mannesantlitze erhob, wurde sie verlegendas Wort blieb ihr in der Kehle stecken, und sie, konnte ihm nur eben zulächeln. Das dauerte ja kaum einige Minuten, doch schien es Frau Eschkeles eine ganze Ewigkeit zu sein, und sie schämte sich ihrer Einfalt. - Er wird noch glauben, daß sch, seitdem er, mich .nicht gesehen hat, schwachsinnig geworden bin — dachte sie verzweifelt bei sich und wandte sich wieder mit dem. festen Entschlüsse Liweitzer zu, daß, was es sie much immer koste,. sie ihn jetzt mit :paffenden Worten begrüßen müsse. ^Liweitzerstandin stilles 'Schauen versunken jetzt ebenso neben der Tür wie ehemals, als er allsamstäglich zum Mittagessen gekommen war. Damals freilich hatte er keinen so feinen Anzug angehabt, aber Frau Eschkeles sah auch jetzt nicht sein Gewand, sondern sein Benehmen, seine bescheidene Zurückhaltung, welche an die Anspruchslosigkeit seiner Jeschiwa-Zeiten gemahnte, und unter dem Einflüsse dieser Erinnerungen entrang sich ihren Lippen die frühere, freundliche Ermunterung: „Bocher, setzen Sie sich!" Eschkeles brach in dröhnendes Gelächter aus. Flesch stieß einen schmerzlichen Ruf aus. Dieser Mißgriff schnitt ihm in die Seele, und er verurteilte ihn ebenso, als wenn der Borbeter beim sabbatlichen Vorlesen der Thora ein Wort oder einen Satz des Wochenabschnittes fehlerhaft liest und deswegen das Ganze von vorne beginnen muß. Wenn es nach ihm gegangen wäre, so hätte man die ganze Empfangszeremonie von neuem anfangen sollen. Liweitzer hingegen dachte ganz anders. Keinerlei schöne Rede hätte ihn derart tief bewegen können, als eben diese liebe Vergeßlichkeit. Er eilte zur Frau Eschkeles hin, neigte sich auf ihre Hand und küßte dieselbe. „Sie hätten mir nichts Lieberes sagen können", beruhigte er sie, die wegen ihres Versehens sichtlich erschrocken war. »Ich fühle mich glücklich darüber, in Ihren Augen kein anderer geworden zu sein." Frau Eschkeles fühlte sich' auch durch diese herzlichen Worte nicht getröstet, und Gott weiß, wie sie sich aus der Verlegenheit gezogen'hätte, wenn nicht ganz plötzlich Maxerl die Tür aufgerissen hätte und über alles hinüberschreitend zu Liweitzer hingesprungen wäre: ~ „Onkel, Onkel Liweitzer!" begrüßte er ihn'jubelnd. Liweitzer riß das Kind an sich und küßte es innig. Maxerl klammerte sich an seinem Halse fest. „Bleibst Du bei uns? fragte der Knabe. „Ja, bei Euch". Maxerl befreite sich mit einem raschen Schwünge aus Liweitzers Armen, sprang zur Tür hin und rief triumphierend in das zweite Zimmer hinein: „Er bleibt hier! Esterchen, er-bleibt hier! So weine doch nicht mehr." Dann lies er wieder zu Liweitzer hin. „Ich kann auch schon Geographie. Und das vorjährige Buch," setzte er-, .seine. Stimme, geheimnisvoll dämpfend hinzu, „werde ich Dir geben,"; Gitl tat im stillen das Gelöbnis, 4 den Knaben wegen. seiner Esterchen kompromittierenden Naseweisheit durchzuprügeln. Aber auch Esterchen wird sie den Kopf , waschen. Warum ist sie so. dumnj und Plärrt inr Nebenzimmer, anstatt hereinzukommen. . Was wird sich denn dieser Liweitzer denken?; „Sieh mal an," sagte Frau Eschkeles, „das Mädchen weiß vielleicht gar nicht, daß ihr Vater an gelangt ist." Sir wollte. Esterchen damit entschuldigen. . u > >; „So komm doch schon", ermunterte sie - dieselbe, die Tür vor ihr weit öffnend. ' Esterchen kam hereiru Ihr Gesicht glühte,, wie: einrPfingstrose. Wortlos warf sie sich dem Vater an die Brust, ob sie weinte. oder lachte, das konnte man nicht sehen. Dann ging sie langsam auf Liweitzer zu, reichte ihm die. Hand, und leise, kaum vernehmbar stammeltesie: .. - „Grüß Sie Gott!" . .