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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-12-15 · Heft 50 (15.12.1911) · p. Seite 596

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 50 (15.12.1911)
Date
1911-12-15
Page
Seite 596 (sequence 8)
Language
German
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596 L y s iä s: Ich seh^ ihr zaudert. Nun, so wisset denn: Wer sich nicht fügt und heut sich widersetzt. Kühn trotzend dem Befehl des Königs selbst. Der wird vertrieben werden morgen schon — Denn unsere Truppen stehen in der Näh" — Von Haus und Hof. Er selber wird geächtet. Sein Leben muß er lasten, jener Tor. Denn Ungehorsam strafet nur der Tod. Drum — wer ein liebend Weib nicht misten mag Und zarter Kinder Jugend muß bewachen. Wen die Geliebte an den Hochzeitstag Gemahnt, wem reiche Schätze lachen. Der tret" heran und bring" auf dem Altar Dem neuen Gotte jetzt ein Opfer dar! (Starke Bewegung im Volke.) Einer: Was ist zu tun? Sagt! Folg" ich dem Gebot? J Anderer: Äch, Gott, errette uns aus dieser Not! Dritter: Sag, Nathan! Opferst du dem fremden Gott? Vierter: Nein. Lieber sterbe ich auf dem Schaffot. Denkst du etwa von mir, daß ich mich nah", Hinknie und opsre jenem Popanz da? Juda Makkabi (laut): Reißt doch das Bild herab und tragt es weg! Denn seht, es ist ja schon ganz blaß vor Schreck! . . (Höhnendes Gelächter.) Lysias: Anstatt voll Scheu zu huldigen diesem Gott, Dient er euch noch zum Hohn und frechen Spott. . Es trifft euch alle, was ich angedroht. Gehorcht ihr nicht — der martervollste Tod. (Starker Tumult. Ruse: „Herunter!", „Fort mit euch!") Fünfter: Du marterst uns mit deiner Rede schon. Sechster: Herab, du Skorpion, von deinem Thron! Mathatias: Vernehmt, ihr Freunde all, ein ernstes Wort! Reißt nieder den Altar! Jagt jene fort! Mit hoher Freude hat es mich erfüllt, Daß keiner sich geneigt dem Götzenbild. Denn wer auch folgte jenem Schandgebot — Ich schlüge ihn mit meinem Schwerte tot. Lysias: Hört ihn nicht, der euch zum Verderben spricht! Ihn trifft zuerst das grause Strafgericht, Den alten Prahlhans ... Juda: Halt! Du syr"scher Schuft! Ein Wort noch — und du liegst in feuchter Gruft. Jonathan: Den Vater sollst du schmähen nimmer mir! Simon: Verlaß den Ort nur bald! Das rat" ich dir. Lysias: Gut! Rennt denn ins Verderben blind hinein! Noch heute Nacht soll"s euch beschieden sein. Die syr"schen Krieger rücken zahlreich an Und morden ohn" Erbarmen Mann für Mann. Drum jetzt zum letzten Male: Beugt das Knie Und rettet Weib und Kind und euch wie sie! (Ein einziger tritt hinzu und kniet nieder.) Mathatias (bricht sich wild durch den Volkshäufen Bahn; während dieser erschreckt zurückweicht, mit gewaltig erhobener Stimme):. Abtrünniger, du Jakobs falscher Sohn, Hier hast du den verdienten Schurkenlohn! (Ersticht ihn.) Lysias: Greift ihn, Soldaten! Schlagt ihm ab das Haupt! Er hat den Gott beleidigt und beraubt. Juda: Weh" dem, der ihn berührt! Mit einem Streiche Ist er wie der Verräter eine Leiche. Mathatias: Laß nur, mein Söhn, und bänd'ge deine Wut! Ich will schon zähmen diese Schakalsbrut. (Wendet sich zum Volk, indes seine Söhne sich schützend um ihn stellen.) Ihr lieben Freunde, Hab" ich recht getan. Daß ich erschlagen den verruchten Mann? Was keiner von euch allen hat gewagt — Ach, e r hat Gott die Treue aufgesagt, Der Welten unerforschlichem Gebieter Und unser aller Vater und Behüter. Das Knie, das nur dem Einen darf sich beugen, Nur Ehrfurcht darf dem Ewigen bezeugen. Er beugte es vor diesem kalten Steine, Der keine Arme hat und keine Beine, Der Ohren hat und doch nicht hören kann. Der trotz der Augen, ach, ein blinder Mann, Ein eitles Menschenwerk, das, kaum errichtet. Im Augenblick von Menschen ist vernichtet. (Er stürzt das Bild herab. Das Volk ruft: „Hoch, Mathatias, hoch!" Lysias und die Soldaten dringen auf Mathatias ein. Die Söhne wenden sich gegen die Soldaten und erschlagen sie. Mathatias kämpft inzwischen mit Lysias.) Du geißnerischer Fuchs, lockst meine Fische. Hör" auf, du Schlang', mit giftigem Gezische! (Er ersticht ihn und wird selbst schwer verwundet. Sinkt langsam nieder.) Simon: Mein Vater, wie, verwundet? Mathatias: Leider, ja! Ich fühl" es, lieber Sohn, der Tod ist nah! Ruf" deine Brüder! Simon: Weh"! Juda! Jonathan! Kommt schnell herbei! Juda: Was gibt"s, mein Bruder? Welcher Schmerzensschrei? Simon: Schau her! Der Vater ist verwundet schwer. Jonathan: Der Vater? Weh"! Nun noch ein Unglück mehr Juda (zum Volke): So hol" doch einer Eteasar gleich. Den Bruder, der an Aerztekünsten reich! Rahel (kommt herbeigestürzt. Bald darauf Eleasar und Johannes) Was hör' ich, ist es wahr, mein Mann ist tot? (Eleasar bemüht sich um Mathatias, der matt abwinkt.) Mathatias: Sei ruhig, liebe Rahel! Unser Gott Hat"s mir bestimmt, noch heute einzugehn Zu meinen Vätern. Gern bin ich bereit. Zu.folgen seinem Ruf zu jeder Zeit. Doch sei getrost, mein Weib! Laß lautes Klagen! Fünf wack"re Söhne bleiben dir zur Seite. Belebe sie in diesen schweren Tagen Mit feur"gem Mut zum heil"gen Glaubensstreite! Ihr, teure Söhne, zeiget euer Herz Und nehmt euch treulich eurer Mutter an. Daß sie ob eurer Lieb" und Treu" den Schmerz Um Mathatias bald vergessen kann! (Rahel bricht in Schluchzen aus.) Und auch die andre Mutter hütet mir, Die Religion, die euer höchstes Gut, Und eh" ich scheide, kommt und schwöret mir. Für sie zu opfern alles, Gut und Blut, Zu kämpfen, bis die hehre, heil"ge Stadt Jerusalem vom Feinde ist befreit. Der Tempel, den er frech entheiligt hat, Aufs neue ist gereinigt und geweiht! Dies schwört bei Gott im Himmel alle mir! Die Söhne: Bei Gott im Himmel, Vater, schwören wir.

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