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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-12-15 · Heft 50 (15.12.1911) · p. Seite 595

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 50 (15.12.1911)
Date
1911-12-15
Page
Seite 595 (sequence 7)
Language
German
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Jene Stadtältesten sollen das Kalb hinausführen in ein Brachland, das noch nicht, bearbeitet und noch nicht besäet worden war, und sie sollen dort im Tal dem Kalb das Genick brechen ... Und' die Aeltesten jener , dem Ermordeten am nächsten liegenden Stadt sollen ihre Hände waschen über dem im Tal erdrosselten Kalb und sollen bekennen und sprechen: Unsere Hände haben dies Blut nicht vergossen, unsere Augen haben den Mord nicht gesehen. Entsühne dein Volk Israel, das du, Jahwe, erlöst hast, und lasse nicht (lasten) unschuldig vergossenes Blut inmitten deines Volkes Israel . . (Deuteron. 21,1—9). Das Kalb übernahm die Strafe des unbekannten Missetäters, aber die Tierseele?ward geschont, selbst Blut nicht vergossen?) III. Schonung der Tierseele. „Fleisch mit seiner Seele, dem Blute, esset nicht!" Genesis 9, 4. Wir sind zur letzten Gruppe der Tierschutzmaßregeln , gelangt, zu jener, die eine .moderne Gesellschaft .kaum verstehen kann. Tierschutzmaßregeln, wenn das zu schützende Tier schon tot ist? Die europäische Gesellschaft kann es auch nicht fassen, denn ' diese Institutionen ragen tief ins Uraltertum bei den Juden, sind bei anderen Völkern eng verknüpft mit der ältesten Epoche der Tieranbetung. Umsonst ruft das Judentum zum Schutz des ritualen Schächtens Autorität um Autorität auf; für den glaubenstreuen, am Ritus hängenden Juden ist eine wichtige biblische Institution das Entbluten, richtiger vom Blut gereinigte Tier (und später das Fleisch), das nur das Schachten ermöglicht. Der moderne Tierschutz kann dies nicht begreifen, weil er noch schmerzlosere Formen der Tötung der Tiere kennt als das Durchschneiden des Halses., Das Schächten hat das Verbot des Blutgenusses zum Grunde; um überflüssiges Quälen des Schlachtviehes zu verhindern, muß jede jüdische Gemeinde besonders geschulte Schächter anstellen und die Schächter müssen dem Ritual entsprechende Schlachtmesser (szakkin oder challof) haben, und zwar je eins für Rinder, für Kleinvieh und Geflügel. In Genesis 9,4 lesen wir: „Doch Fleisch mit seiner Seele, dem Blute genießet nicht!" und dieses Verbot erneuert gar oft der Pentateuch (Leviticus 7, 26-27; 17,10-14; 19, 25-26; Deuteron. 12, 16, 23—25; 15, 23); darauf weist auch I. Samuel 14, 32 und vorwurfsvoll der Prophet Lzechiel 33, 25 hin. Die wichtigste Stelle ist Leviticus 17,10—12; sie lautet: „So irgendjemand aus dem Hause Israel oder der Fremde, der sich bei ihnen aufhält, was für Blut auch immer genießt, werde ich jene Person, die Blut genießt, heimsuchen und ausrotten aus dem Volk. Denn des Leibes Seele ist im Blut. Ich aber erlaubte es euch bloß für den Altar, damit es für euch sühne (euch vertretend), denn das Blutvergießen könnte sonst bloß durch die Seele (-- das Blut) gesühnt werden. Darum verordnete ich den Söhnen Israels: Keiner unter euch genieße Blut, selbst der Fremde, der sich unter euch aufhält, genieße kein Blut!" Halten wir nun vor Augen, warum denn die Schrift den Blutgenuß so sehr verpönt. Nach der naturwissenschaftlichen Erkenntnis der Bibel Ist Blut Seele; die aber, selbst die Tierseele, ist unsterblich „Die Stimme des vergossenen Blutes deines-Bruders schreit (um Rache) zu mir aus dem Boden", lautet es Genesis 4, 10. i) Die Mifchna fordert dieses Sühnopfer bloß, wenn man die Leiche des Erschlagenen auf dem Boden, findet, also z. B. für'einen Erhängten nicht; wieder einmal-ein Zeichen der starren Buchstabengläubigkeit. (Süta, Kap. 9. § 2.) . Die Fetischanbeter kennen gar keinen Unterschied zwisch^ Menschen- und Tierseele; auch die Seele des getöteten Tieres kann Rache fordern oder kann durch stammverwandte Individuen gerächt werden. a Die Rache fernzuhalten ist bloß auf eine Art möglich; wenn wir — wie schon erwähnt — . das von uns getötete Tier um Entschuldigung gebeten haben, sein Fleisch genießen, verschonen wir wenigstens seine Seele. Lassen wir sie frei, damit sie sich einen neuen Körper suche, oder wenn das betreffende Volk an die Seelenwanderung nicht glaubt, dann gehe es mit der Tierseele pietätvoll und würdig um. Die Anhänger Zarathustras schonen das Leben der Tiere auch schon darum, weil sie hie Rache der Tierseele fürchten... Nach einem alten griechischen Sprichworts haben auch die Hunde ihre Erynnien.... „Das Tierblut ist darum verboten, weil angeblich darin das Leben oder die Seele ist; diese Sitte finden wir auch — erklärt E. Westermarck *) — bei mehreren Naturvölkern Nordamerikas .... Schon in der Benediktion, die bei den Juden vor dem Schlachten des Tieres gesagt wird, finde ich eine Spur von Entschuldigung; die alten Hebräer offerierten die Seele --- das Blut des Tieres der Gottheit selbst, und zwar fing der Priester das aus der Halswunde rinnende Blut (killüach) aufsprengte es aus den Altar, auf den Vorhang, der Bundeslade, oft sogar auf die Bundeslade selbst. Erst nach diesem Weiheritus, also nach der Versöhnung der Tierseele, begann man das Opfertier zu zerstückeln. (Leviticus 1, 5—6; 8, 19—20.) ~ (Fortsetzung folgt.) Lim Mskkabskrtzrne. Von Rudolf Adami?) Ein freier Platz in Modim. In der Mitte ein Altar mi* Herkulesbild, erhöht. Lysias, ein königlicher Abgesandter, kommt mit zwei Kriegern und einem Trommler, von einer großen Schar Volks begleitet. . .. . Lysias (tritt auf die Altarstüfen): ' Ihr Männer von Mödim, merkt auf und hört Die Worte, die mein König euch verkündet! ' Antiochus, der Herrscher weiter Lande, Will ein Gesetz und eine Religion Für alle Staaten, alle Untertanen. Der Griechen Götter sind die mächtigsten. - Kein andrer kann bestehen neben ihnen. Und ihnen dient des Königs Majestät. Drum will er, daß auch ihr sie all verehret Und ihnen opfert so wie eurem Gott.. Der Herkules, den ihr hier vor euch seht, Er ist der Schutzgott eures kleinen . Landes. , 7 Ihm zeiget Ehrfurcht, werft euch in den Staub ' (Murren und Bewegung im Volke.) ■ ■: Und beugt das Knie vor ihm und eurem König! Einige aus dem Volke: Herunter mit dem Hund, dem Gotteslästrer! ' (Mathati.as kommt mit seinen Söhnen.) : y 1. c. 23b. II. pag. 393, 401 u. 403. Er beruft ^sich zumeist auf Frazers Angaben im The golden bough, second edition, London 1900. — Vergleich auch Girard de Rialle, 1. e. psg. 61. 2) Nachdruck ünd Aufführung nur mit Erlaubnis des Autors: gestattet. ■ ’ - v-‘ -■'»

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