Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 50 (15.12.1911)
- Date
- 1911-12-15
- Page
- Seite 591 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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die Königliche Negierung, Kammer Des Innern, mit Entschließung vom 5. Oktober laufenden Jahres Nr. 28 312 unter Bezugnahme auf die Regierungsbekanntmachung, vom 4. Dezember 1860 (Kreisamtsblatt S, 1426) und die bisherige -Praxis ablehnend ' Geschieden. Den gleichen Standpunkt will die Regierung auch gegenüber der, die Bitte dex unterfränkischen Rabbinate wiederholenden, Eingabe der freien Konferenz der bayerischen Rabbiner vom 31. Oktober laufenden Jahres einnehmen. Tie das israelitische Religionsschulwesen regelnde Regierungsbekannlmachung vom 4. Dezember 1860 schreibt allerdings die gutachtliche Einvernahme des Distrikts-Rabbinats vor der Bestätigung der von den Kultusgemeinden aufzustellenden israelitischen Religionslehrer nicht ausdrücklich vor; sie schließt aber diese Maßnahme auch nicht aus. Die Erholung eines Rabbinatsgutachtens wird jedenfalls dann geboten sein, wenn der don der Knltusgemeinde vorgeschlagene Bewerber um die Religionslehrerstelle die nach der Ministerialentschließung vom 28. Januar 1828 (Weber, Gesetz- und Verordnungensammlung Band II, S. 397) und der Regierungsbekanntmachung dom 4. Dezember 1860 erforderliche Vorbildung nicht Nachweisen kann. Es wird aber auch in allen anderen Fällen zweckmäßig sein, dem zuständigen Distriktsrabbinate vor der Besetzung der Religionslehrerstellen Gelegenheit zur Aeußerung zu geben, da die israelitischen Religionslehrer bei der Ausübung ihres Berufes nach Ziffer 5 der Ministerialentschließung vom 29. Juni 1863 (M. Bl. f. K. u. Sch. Ang. 1865 S. 218) unter der Aufsicht des Rabbiners stehen. Dieses Verfahren wurde bisher schon in anderen Regierungsbezirken beobachtet. ohne daß daraus Schwierigkeiten bei der Ausstellung der Religionslehrer enstanden wären. Auch die Königliche Regierung, Kammer des Innern, hat in Zukunft hiernach zu verfahren. Dr. von Wehn er." 4t Aus Budapest wird uns geschrieben: Der ungarische Kultusminister hat für die Vorarbeiten der jüdischen Autonomie 120 000 Kronen in das Budget für 1912 eingestellt. Die Autonomie, welche das Kultusministerium auszuarbeiten beabsichtigt, soll den Zweck Haben, den mißlichen Rechtsverhältnissen der Judenschast ein Ende zu machen und die jüdische Rezeption recht eigentlich erst zum Abschluß zu bringen. Zu diesem Behufe wird schon in allernächster Zeit unter Zuziehung der Führer der verschiedenen. Konfessionen eine Enquete einberufen werden. Die Autonomie soll, wie verlautet, die Rechte der Orthodoxen in keiner Weise antasten und die religiösen Fragen ganz unberührt lassen, damit ein Zusammenwirken der fortschrittlichen Judenschaft mit den Orthodoxen ermöglicht werde. , $ Vor kurzem fand in Florenz unter Vorsitz des Präsidentenderdortigen jüdischen Gemeinde Cavaliere Vitta die zweite Versammlung der Delegierten der jüdischen Gemeinden Italiens statt. Von den wichtigeren Beschlüssen seien hier nach der „Oe. W." die folgenden hervorgehoben: - Nach einem Nachruf für den vor einigen Monaten verstorbenen . Oberrabbiner Castiglioni von Rom brachte der Präsident die politische Lage Italiens und dessen tripolitanischen Feldzug zur Sprache. Die Versammlung gab ihrer Entrüstung über die in mehreren italienischen Blättern unausgesetzt erscheinenden Angriffe gegen die Juden von Tripolis und der Chrenaika in einer Resolution Ausdruck und beschloß, den Rabbinern von Tripolis und Benghasi einen ermunternden Aufruf zuzusenden, in welchem die Juden der genannten Gebiete aufgesordert werden, bei der italienischen Sache treu auszuhalten und das freie Italien in seinen Bemühungen zu unterstützen. Der Delegiertentag nimmt mit besonderer Genugtuung die stattgehabte Konferenz der italienischen Jugend und die auf diesem Kongresse laut gewordenen Anregungen zur Kenntnis. Der Präsident wird beauftragt, diese Bewegungen zu unterstützen und mit den Initiatoren des Jugendkongresses zu dem Zwecke in Fühlung zu treten, um sobald als 'möglich eine Föderation aller jüdischen' Kulturvereine in Italien zu schaffen. Mit Rücksicht auf die aufgetauchte Idee eines Rabbinerkongresses in Italien,' desseN iAb- Haltung für die nächste Zeit in Aussicht genommen ist/ beschließt;die .Konferenz, dem Rabbinerkongresse einen motivierten Vorschlag'behufs Vereinigung der beiden bestehenden Rabbinerseminariett ln Italien jju unterbreiten. Es wird hierbei der Wunsch ausgedrückt, daß Diese Fusion auch gleichzeitig mit einer gründlichen Reorganisation des Rabbinerbildungswesens in Italien verbunden werde. Bei diesem Punkte stellten mehrere Redner fest, daß es in Italien eine Anzahl Gemeinden gebe, die so mittellos sind, daß sie nicht in der Lage sind, einen Rabbiner zu besolden. Dieser Umstand führt den allmählichen Verfall dieser Gemeinden herbei, und es wurde daher beschlossen, diese Gemeinden zu veranlassen, sich an den Verband der jüdischen Gemeinden zu wenden, um, eventuell durch die Unterstützung seitens des Verbandes in die Lage versetzt zu werden, einen Rabbiner anzustellen. Hierauf wurden in einer vertraulichen Sitzung sowohl die internen Angelegenheiten einzelner. Gemeinden, als auch politische Fragen, die sich aus dem italienischen Feldzug ergeben haben, besprochen,. Am Abend fand ein Bankett statt, an welchem auch Vertreter politischer ' Behörden teilnahmen und verschiedene patriotische Trinksprüche gehalten wurden. ■4t . ■ ' v. '; Ein Menschenalter lang war einer der herrlichsten Bauten Toledos die einstige „Synagoge des Samuel Ben Meir Halevi", die dann zur Kirche umgewandelt wurde Und „Sa. 'Maria bet Transits" hieß, von einem umfangreicher^ Gerüst 'umgeben. Dies Gerüst ist nun, , wie August L. Mayer im - „Cicerone" mitteilt, gefallen, die Restauration ist im wesentlichen beendigt, und man kann die eigenartige Dekoration dieses 'Raumes endlich wieder in rechter Weise bewundern. Die Arbeiten, die lange geruht hatten, wurden durch das energische Eingreifen des Marques de la Bega wieder ausgenommen, -der hier eine Art jüdisches Museum unterbringen will. Während der Restauration fand man eine sehr gut erhaltene, künstlerisch höchst wertvolle Dekoration, zum Teil in Holz, zum Teil in Stuck ausgeführt. Der wundervolle Raum wird möglichst die Gestalt wieder erhalten, die er als Synagoge besaß, und dann sollen hier alte hebräische Manuskripte und ' Miniaturen sowie Photographien nach alten jüdisch-spanischen ^Codices ausgestellt werden. Die Eröffnung des neuen Museums wird voraussichtlich noch im Dezember in Anwesenheit des Königs stattfinden. Ein in den Annalen der Weltgeschichte vereinzelt dastehendes Ereignis hat New York zu verzeichnen: Am 30. Oktober haben sich über 400 christliche Geistliche aller Sekten unter dem Ehrenvorsitze des Bischofs Courtney in der Asserhbly Hall bet: Metropolitan Life Building versammelt, um in den -schärfsten Ausdrücken und mit flammender Entrüstung gegen .die Vergewaltigung der Juden und die Zurücksetzung der jüdisch-amerikanischen Staatsbürger in Rußland zu protestieren. Bischof James Courtney, ein 80 jähriger Greis, hat' vor Rührung, als er die blutigen Verfolgungen der russischen Juden schilderte, zu schluchzen begonnen und war nicht imstande, seine Rede zu beenden. Diesem Meeting wurde auch Oskar Strauß, der frühere nordamerikanische Botschafter in Konstantinopel, zugezogen, als ein leuchtendes Beispiel jüdischer Nächstensliebe und Toleranz, der mit dem Einsätze seiner ganzen Persönlichkeit die christlichen Missionen Nordamerikas in der Türkei beschützt hat. Der Jude Askar Strauß wurde in dieser Versammlung christlicher Geistlicher stürmisch bejubelt. Seine Rede war . durchaus nicht diplomatisch gedrechselt; dieser-feine Diplomat hat den jüdischen Volksmassen aus der Seele gesprochen. ' - - „Die heutige Versammlung", sagte er, „ist eine Versammlung christlicher Geistlicher, um' gegen die Gewaltakte zu protestieren, die