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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-12-08 · Heft 49 (8.12.1911) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 49 (8.12.1911)
Date
1911-12-08
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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I l r einmalig 2430 Markbewilligt Auch der jüdischen'Vereinigung zu - Tempelhof-Mariendorf, die 20 Mitglieder'zählt, wurden zur^ Abhaltung eines Gottesdienstes an den höhen Feiertagen des Jahres' 1911 Nachträglich 400 Mark bewilligt. — Dev Vorlage des Vorstandes,^ dem Jüdischen Frauenbund in Berlin zu den Herstellungskosten der Plakate der Bahnhofsmission, aus denen auch die Schutz-' adressen. für alleinstehende jüdische Frauen und Mädchen angegeben sind, 300 Mark einmalige Beihilfe zu gewähren, stimmte die Versammlung zu. — lieber den Re.chnungsa bschluß der Armen-' kommission referierte in eingehender Weise Herr Lewinski: Der' mustergültige Bericht gewährt mit seinen, interessanten Daten ein ein-" drucksvolles Bild des großen. Umfanges: unserer Armenfürsorge.^ Während im Vorjahr 87 Personen im Ehrendienst der Armen-/ kommission standen, wirkten in diesem Jahr deren 97. Sitzungen/ wurden 214 abgehalten. Die Gesamtausgabe (einschließlich Fonds für verschämte Arme)' belief sich yuf 402 725.03 Mark, von denen zirka vier Prozent, nämlich 24254 Mark.auf V erw alt ungs kosten entfielen. Die Einnahmen betrugen 277 910,03 Mark, so daß ein Gemeindezuschuß in Höhe von 124 815 Mark erforderlich war, Das' Vermögen der Armenkommisston beläuft sich auf 1 341148.10 Mark. Die Zahl der Unterstützungsgesuche belief sich auf 7355. Nicht' weniger als 3111 von'diesen erforderten Recherchen. Unterstützt wurden 2027 Personen, davon waren. 1758 Deutsche und 769 Aus--/ länder, aus dem Fonds für verschämte Arme 319 Personen, von/ denen 274 Deutsche, der Rest, 45, aus dem Ausland war. Diese Feststellung sei wichtig, weil sie geeignet ist, die vielfach herrschende falsche Meinung, daß vorzugsweise Ausländer zu den Unterstützten zählen, zu zerstören. Die Versammlung nahm den Bericht zur Kenntnis und erteilte die beantragte Decharge. Es wurden ferner die Rechnungsabschlüsse der Neuen Synagoge und der Synagoge Rykenstraße wie der Waisenkömmission debättelos genehmigt und die Entlastung' erteilt. Von der Abrechnung der Bäükpmmission über die Beschaffung - des Inventars für den Erweiterungsbau des 1. Verwaltungsgebäudes, die 74 443.86 Mark erforderte, während 74 468.65 Mark dafür bewilligt worden waren, wurde Kenntnis genommen^ — Zum Schluß gelangten' noch drei Vorlagen des Vorstandes' 'zur. Verhandlung,./die / aUf* dringlich bezeichnet wurden. Es handelte sich dabei um Bewilligung von AusLaben für den Bäu der Synagoge Fasanenstraße, um'/ Gewährung von Teuerungszulagen für die Beamten der Gemeinde und^ um Ausgaben für Vorarbeiten zum Neubau des II. Waisenhauses. Für den letztgenannten Zweck wurden 5OO0 Mark bewilligt. — Für die Synagoge Fäsanenstraße würden die folgenden Beträge nachgesordert und bewilligt: 3241.90 Mark für die Ausführung des Gestühls, 1873.50 Mark für die. Verwendung von Werkstein an Stelle des Putzes in der Vorhalle der Frauenempore/ 16 060 Mark für die Ausführung des Allerheiligften^ Ein weiterer Betrag von4OOO Mark / für die-Anfertigung künstlerischer Entwürfe zu den Mosaikarbeiten soll in der geheimen Sitzung der Beschlußfassung /unterzogen werden. Zur Gewährung von T e u e r u n g s z u l a g e n würden dann schließlich insgesamt 20150 Mark bewilligt. In Betracht kommen nach der Vorlage des Vorstandes 162 verheiratete, 96 ledige Beamte und 6 Reviergärtner. Die Kommission hat die' Gewährung der Zulage noch einigen weiteren Beamten zugebilligt; die offenbar nur versehentlich übergangen waren, so daß der erforderliche Gesamtbetrag sich über die Anforderung des Vorstandes von 19 8O0 Mark auf 2015O Mark erhöht. Die Versammlung gab dieser Vorlage einmütig ihre Zustimmung. — Der öffentlichen Sitzung folgte dann noch eine kurze geheime, in der eine Anzahl Personalien verhandelt wurden. y. Berlin, 5. Dezember. Im Beisein oer meisten Mitglieder des Vorstandes und der Repräsentantenversammlung sowie einer Anzahl geladener Gaste erfolgte am 30; v. M. der feierliche Akt der Versenkung der Grundsteinürkunde in der neuen Synagoge Fasanenstraße. Nach dem Chorvortrag einer Motette nach Psalm 20 hielt der Vorsitzende der bauleitenden Kommission Herr Geheimer Baurat Professor Ländsberg eine Ansprache, in der er darauf hinwies, daß dies die erste Synagoge sei, die ihren Platz außerhalb der Stadt Berlin habe. Daß die sechs Gemeindesynagogen alle in Berlin selbst ihren Platz hätten, läge in der geschichtlichen Entwicklung des Berliner Gemeindewesens. Es' entspreche nur lange geäußerten -Wünschem und"/einem Bedürfnis, < dieses Gotteshaus in. Charlottenburg zul'errichten: - Er schloß mit einem warmen Segensspruch für das neue Gotteshaus. Hierauf erfolgte die Verlesung der Urkunde durch Herrn Karl Leopold Net te r, worauf unterChorgesang die Verlötung des Kastens mit der Urkunde und einer Reihe weiterer Schriftstücke erfolgte. Dann eröffnete Herr Rabbiner Dr. Weiße mit einer Ansprache - die Reihe der Hammerschläge:''' »Späten Geschlechtern soll die nun versenkte Grundsteinurkunde künden," so leitete Herr Rabbiner Dr;/Weiße'.die Ansprache ein, „daß unsere Gemeinde einst ein in den Himmel ragendes Heiligtums aus frommem Herzen dem einzigen Gotte errichtet hat. Wie der siebente Tag, der Sabbat, stets Weihe unpRuhe bringt, so möge dieses siebente Gotteshaus, das die Berliner Gemeinde errichtet,, eine Stätte werden, die dem Sabbat gleich allen Suchenden und Ringenden inneren Säbbatfrieden und Erhebung bringe," Die Ansprache schloß mit den Worten: „Mögen nicht Laute der Trauer und der Klagen sondern der. Freude Und des Dankes erklingen aus all den Herzen; die einst. -in diesem Hause schlagen werden. Das walte Gott." Namens des Vorstandes der Gemeinde begleitete Santtätsrat Dr..Stern die Hämmerschläge mit folgendem Spruch : „Möge dies Gotteshaus dazu beitragen;, in uns und den kommenden Geschlechtern allezeit wachzuhalten und zu befestigen die Treue zu unserem Glauben, Treue zu unserem . Väterlande, Treue gegen uns selbst." -Der Vorsitzende der Repräsentantenversammlung, Herr Lo u i s S a ch s, begleitete die Hammerschläge mit dem folgenden Verse: „Möge, dies Haus für alle Zeiten — Echten Glaubens Hort bedeuten, — Mög's in. Liebe uns verbinden, — Eintracht säen, Frieden künden." Herr Geheimer Vaurat Landsberg sprach die Worte: „Festgegründet — Himmelan strebe — Stein mit Eisen verbündet. — Stürmen trotze, — Engeln künde — Der Ahnen Tun." Hammerschläge vollzogen-alsdann noch mit kurzen Sprüchen die Herren Gemeindebaumeister Hoeniger und Architekt Ehrenfried Hessel. Ein Schlußgesang des Chors der Lützöwsynagoge unter Leitung des Chordirigenten Weinbaum beendete, die Feier. 2L Berlin, 5. Dezember. -In der letzten Sitzung-des geschäftsführenden Ausschusses des Hilfsvereins der Deutschen Juden gedachte der Vorsitzende Herr Dr. James Simon zunächst in warmen Worten der seit der vorigen Tagung dahingeschiedenen Mitglieder des Zentralkomitees des Hilfsvereins, der Herren Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Senator, Rabbiner- D r.: V 0 g el st ei n - Ste t t i n und Em il W as ser m a nn- B ä mb er g. Die Organisation des Hilfsvereins erfuhr, durch Zuwahl' hervorragender, speziell für soziale Fürsorge sich interessierender Persönlichkeiten eine wertvolle Stärkung. Herr Ludwig Schiff-Frankfurt a. Main und - Frau Direktor May-Berlin? als erste Dame wurden in das Zentralkomitee kooptiert. Herr Rabbiner Dr. Nobel-Frankfurt a. M. wurde in die Schulkommission gewählt. Die Beratung galt im wesentlichen den Budgets für das Schulwerk,: die eme erhebliche Steigerung, gegen das Vorjahr, erfahren haben. Die Mehrkosten erwuchsen insbesondere durch den weiteren Aus bau einer Anzahl Institute des Hilfsvereins in Jerusalem, Jaffa. Haifa und Saloniki,, umfassende organisatorische;; Verbesserungen, Heranziehung neuer tüchtiger Lehrkräfte, Einführung' des Handsertig- Mtsunterrichts in Palästina usw. Das Gesamtbudget für das Schulwerk beläuft;sich für das Schuljahr 1911/12 auf rund 200000 Mark, wovon zirka 155 000 Mark auf Palästina und zirka 45.000 Mark auf die., europäische Türkei, Bulgarien,. .Rumänien, Galizien entfallen. - Schließlich wurde noch über .das H il fHwe rk zugunsten der Opfer der Brandkatastrophe in Konstantinope.l und die weitere Gestaltung des russischen HilfsWerks, .speziell der Äuswandererfürsorge beraten. L2 Berlin, 5. Dezember.- Die vom XII. Deutsch-Israelitischen Gemeindetage eingesetzte gemischte Kommission zur Beratung der Satzungsänderung hat in. ihrer zweiten Sitzung vom 3. Dezember ihre Aufgabe im wesentlichen. beendet.. Nur für - die Delegiertensrage wurde noch eine SubkomMission von fünf.Berliner Herren, von denen zwei der Opposition angehören, eingesetzt. . Die Verhandlung war von einen! friedlichen Geist, beseelt, und die Beschlüsse, die nach Abschluß der Arbeit der Redakjionskommissioix bekanntgegeben werden sollen, dürften.: den. berechtigten Ansprüchen aller Teile genügen. - -

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