Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 49 (8.12.1911)
- Date
- 1911-12-08
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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---- Berlin, 4. Dezember. Die Beisetzung der Aschenreste des Ländtagsgbgeordneten Dr. Hugo Gerschel, Mitglieds der Handelskammer Berlin und Mitinhaber der Berliner Luxuspapierwarenfabrik Hägellierg, fand gestern nachmittag 1 Uhr auf dem Friedhof der Jüdischen Gemeinde in Weißensee unter Beteiligung der Handelskammer und zahlreicher kaufmännischer Vereinigungen statt.. Die Fortschrittliche Volkspartei war durch die Abgeordneten Dr. Wiemer. und Rosenow, die Handelskammer Berlin durch Kommerzienrat Bambergs und Bry, der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller durch Geheimen Kommerzienrat Emil Jacob und Direktor Waldschmidt vertreten. Die Halle des Friedhofs war prächtig mit Lorbeerbäumen dekoriert^ und die Kranzspenden der Vereinigungen, welche Dr. Gerschel im Leben nahe gestanden, häuften sich um den Sarg. Nach einleitendem Chorgesang trat Abgeordneter Dr. Wiem er an die Bahre, um namens der Fortschrittlichen Volkspartei dem Entschlafenen eine wirkungsvolle Gedächtnisrede zu halten, in der es hieß: Mit der Familie trauert der große Kreis der Freunde und alle, die die Weichheit seines Gemütes kannten, an der Bahre des Mannes, der, wo er konnte, Gutes tat im stillen. Nach dem Abgeordneten Dr. Wiemer rief noch Direktor Waldschmidt namens des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller und des Zentralausschusses kaufmännischer und gewerblicher Vereinigungen dem Entschlafenen Worte warmen Gedenkens nach. Gebet und Gesang schloß die Trauerfeier. Die Beisetzung erfolgte im neuangekäüsten Erbbegräbnis der Familie. — Tr. Hugo Gerschel war in Liegnitz geboren, besuchte das Joachimsthalsche Gymnasium in Berlin, studierte dann hier und in Leipzig von 1872 bis 1875 die Rechte, wurde 1875 Referendar und 1880 Gerichtsassessor. Seit 1883 war er Mitinhaber der Berliner Luxuspapierwarenfabrik Hagelborg. Er war Mitglied der Handelskammer zu Berlin, des Ausschusses des Deutschen Handelstages, zweiter Vorsitzender der Papierverarbeitungs-Berufsgenossenschaft, Mitglied der Staatsschuldenkommission, Vorstandsmitglied des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller und Mitglied des Zentralausschusses Berliner kaufmännischer, gewerblicher und industrieller Vereine. Ter Verstorbene hinterläßt sechs erwachsene Kinder. — Berlin, 4. Dezember. Die Beisetzung des Stadtelektrikers Professor Dr. Martin Kallmann fand gleichfalls gestern vormittag 11 Uhr auf dem Friedhofe der Jüdischen Gemeinde in Weißensee unter zahlreicher Beteiligung der städtischen Behörden, Vertretern der. Technischen Hochschule und elektrotechnischer Vereinigungen statt. Der Magistrat von Berlin war bei der Trauerfeier durch Bürgermeister Dr. Reiche und die Stadträte Alberti, Jacobi und Hamburger, die Stadtverordneten-Versammlung durch Dr. Levh II,Professor Dr. Lazarus, Leopold Rosenow und Löser vertreten. Kränze hatten niedergelegt: die Stadt Berlin, die Königliche Technische Hochschule, die deutschen Elektrotechniker, 'die Brennabor A.-G., der Mitteleuropäische Motorwagen-Verband, die Allgemeine Elektrizitäts- Gesellschaft, die Auergesellschaft und viele andere Vereinigungen. Nach einleitendem Chorgesang hielt? Rabbiner Dr. Weiße die Gedächtnisrede. Dann erfolgte die Ueberführung zur Gruft und die Beisetzung unter dem üblichen Gebet des Rabbiners. EL Berlin, 2. Dezember. Der „Jüdische Jugendbund" veranstaltet am Sonnabend abend den 16. d. M. in den Eesamträumen der „Philharmonie" sein diesjähriges Winterfest. Es wird durch, ein Konzert eingeleitet werden, für das sich Hofopernsängerin Marie Götze, Hosopernsänger Joseph Mödlinger, Violinvirtuosen Charlotte Rosen, Violinvirtuose Max Modern und Martin Hartwig vom Schillerthoater zur Verfügung gestellt haben. Tann wird ein Ball stattfinden, bei dem die bekannte Translateurkapelle spielen wird, Außerdem finden Lichtspiele, Kabarett, Tombola, Saalpost usw. statt. Der Kartenverkauf erfolgt im Warenhaus Tietz, Kaufhaus des Westens und in der Buchhandlung Louis Lamm, Neue Friedrichstraße 63. L2 Frankfurt a. Oder, 1. Dezember. Am Mittwoch den 22. November 12 Uhr tagte im Sitzungssaal der hiesigen Synagogen- Gemeinde die Generalverfammlung der Provinzialkasse Brandenburg-Bromberg für jüdische Wanderarmenfürsorge, die von zwanzig Gemeinden beschickt war. Vom Deutschen Israelitischen Gemeinde-Bund war Herr Dr. Neu mann erschienen. Herr Rabbiner Dr. Salomonski-Frankfurt erteilte den Kassenbericht und wies eingehend den großen Segen nach, den die Kasse hier, an dem Schnittpunkt der großen Bahnlinien des Ostens schon nach einjährigem Bestehen geschaffen hat, nicht zum wenigsten durch die von ihm herbeigeführte indirekte Mitarbeit der königlichen Eisenbahnverwaltung. Herr.Dr. Elsaß referierte über die Arbeit der Zweigkasse in Landsberg. Herr Dr. Neumann gab verschiedene Anregungen und wertvolle Auskunft über den Stand der Organisation. Nachdem fast alle Erschienen über ihre Erfahrungen in den Heimatgemeinden berichtet hatten, wurden vertrauliche Beschlüsse über die Propaganda bei den noch nicht angeschlossenen Ostbahngemeinden gefaßt. Nach der Erteilung der Entlastung folgten die Wählen. Den Vorstand bilden wie bisher die Herren: Dr. Salomonski, Raphael und Dr. Kahnemann in Frankfurt, Tr./Elsaß-Landsberg, außerdem Dr. Bamberger-Schönlanke, Dr. Posner-Kottbus und Tr. Schreiber-Potsdam. Die Sitzung, welche durch ein gemeinsames Mahl unterbrochen wurde, währte bis sechs Uhr und verbürgt den Erfolg, den der Vorsitzende Herr Dr. Salomonski in einen Schlußworten anssprach: edelste Früchte zu gewinnen in stiller Arbeit durch die sittliche Hebung der Armen in Israel. Als eine erfreuliche Begleiterscheinung der Tagung läßt sich noch berichten, daß die anwesenden Rabbiner beschlossen haben, die zu einem von ihnen geplanten Verband notwendigen Vorbereitungen zu treffen. — Die Ortskasse Frankfurt, die bisher wesentlich zum Gelingen der Wanderarmenfürsorge beigetragen hat und auch die weitere Hebung der Finanzen sich angelegen sein läßt, wird geleitet von den Herren : Rabbiner Tr. Salomonski, L. Struck und L. Broh, von denen der letztgenannte auch "der Tagung beiwohnte. - Hannover, 4. Dezember. Das. Seminar für Schulgärten, Handfertigkeits-Unterricht und Förderung des. Arbeits-Unterrichts, welches die Simonsche Stiftung zu Hannover gründet, ist bereits im Bau, Das 50 Morgen große Grundstück, auf dem die Anstalt errichtet wird, ist der Stiftung bekanntlich von der Negierung überlassen worden. Der großzügigen Anlage der Anstalt liegen Entwürfe unserer besten Architekten und Gartensachvapständigen zugrunde. Auch ausländische Schulbehörden, welche das. Zeitgemäße dieser Art von Lehrerausbildung erkannt haben, werden regelmäßig Lehrer nach der Gründung der Simonschen Stiftung entsenden. Zum Direktor wurde Herr Emil Alexander, bisher in Marburg, gewählt, der für das hier zu beackernde Gebiet besonders gründliche Vorkenntnisse besitzt. Direktor Alexander wird zum Herbst 1912 in seinen neuen.Wirkungskreis übersiedeln; die Eröffnung des Seminars soll zum Frühjahr 1913 erfolgen. ---Offerrbach a. M., 1. Dezember. Die israelitische Gemeinde Offenbach beabsichtigt eine neue Synagoge zu erbauen. Der 2600 gm umfassende Bauplatz, der für den Preis von 135 000 Mark bereits in den Besitz der Gemeinde übergegangen ist, liegt an der Ecke der Kaiser- und Goethestraße, Zugunsten dieses Projektes hat Fabrikant Louis Feist mann, wie bereits gemeldet, 50 000 Mark gestiftet, wovon 10 000 Mark zur sofortigen Auszahlung bereitgestellt worden sind, während restliche 40 000 Mark erst nach dem Ableben der Eheleute Feistmann zur Auszahlung gelangen sollen. Falls die Gemeinde das Geld benötigt, kann ihr auch die ganze Summe unter gewissen Bedingungen zur Verfügung gestellt werden. Die Feistmannsche Stiftung stellt die Bedingung, daß für den Vau ein freier Wettbewerb sämtlicher. Offenbacher Architekten ausgeschrieben wird. LuszlÄNtr. L. A. T. ^etct^tnu'ö, 1. Dezember. Das Mitglied der Reichsduma Ne kr a so w wendete sich vor kurzem an den Direktor des Departements der allgemeinen Angelegenheiten Arbuzow mit der Bitte, die Ausweisung eines Juden aus der Stadt Marinsk, TomskerGouvernement der viele Jahre in dieser Stadt lebt, einznstellen. Inder Unter Haltung mit dem Deputierten teilte der Direktor mit, daß bezüglich der Frage des Wohnrechtes der Juden in Sibirien das Ministerium des Innern, beschlossen habe, sich an folgende Praxis zu halten: Ein Jude, der sich in Sibirien vor dem 9. Dezember 1909 ansiedelte und sich dort dauerhaft einrichtete, darf das Wohnrecht in Sibirien auch in der Zukunft genießen. -Die Ansiedlung der Juden in Sibirien aber nach dem 9. Dezember 1909 ist gesetzwidrig.