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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-12-08 · Heft 49 (8.12.1911) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 49 (8.12.1911)
Date
1911-12-08
Page
– (sequence 13)
Language
German
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*' 'i ’ * * 75. Jahrgang Nr. 49 Berlin, 8. Dezember 1911 Beilage zur „Allgemeinen Leitung deF Judentums lkorrelponden?en und Mschrichtrn. Deutschland. y. Berttrr, 4. Dezember. In der gestrigen Sitzung der Repräsentantenversammlung nahm der Vorsitzende Herr Louis Sachs vor Eintritt in die Tagesordnung Veranlassung, Herrn Professor Blaschke, der an diesem Tage seinen 60. Geburtstag feierte, die herzlichsten Glückwünsche des Repräsentantenkollegiums auszusprechen und zugleich der Hoffnung Ausdruck zu leihen, daß es Herrn Blaschke vergönnt fein möge, noch recht lange im Ehrendienste der Gemeinde tätig zu sein. Herr Professor Blaschke dankte für die Gratulation und insbesondere auch für die duftigen Grüße, die die Repräsentantenversammlung ihm in Gestalt eines prächtigen Blumenbuketts gespendet hatte. Dann trat man in die Verhandlungen ein. Der Gemeindevorstand teilt der Versammlung mit, daß er anläßlich des hundertsten Geburtstages der Kaiserin Augusta an deren Grabe namens der jüdischen Gemeinde Berlin einen Kranz habe niederlegen lassen. — Hierauf wurde eine Reihe von Zuwendungen debattelos genehmigt. — Herr Hermann Aron-Charlottenburg hat der Armenkommission anläßlich seiner Silberhochzeit ein Kapital von 3000 Mark zur Begründung einer »Herr-und-Frau-Hermann-Aron- Stiftung" überwiesen. Die Kinder der Eheleute Robert Kuttner und Ernestine Kuttner geborene Leichtentritt haben der Gemeinde zur Begründung einer Stiftung für die Altersversorgungsanstalt auf den Namen ihrer Eltern Wertpapiere im Nominalbetrags von 2000 Mark zugewandt. Herr Ernst Friedländer hat der Gemeinde zu Graberhaltungszwecken 1840 Mark zugewandt. Ebenso debattelos angenommen wurde die Erbschaft der Frau Julie Landsberg geborene Blumenreich unter den von der Erblasserin auferlegten Bedingungen. An vier Verwandte sollen aus der letztwilligen Zuwendung der Frau Rosalie Jackwitz geborene Peritz in Höhe von 12 000 Mark Abfindungssummen gezahlt werden. Die Versammlung stimmte der entsprechenden Vorlage des Vorstandes zu. — Die Herausgabe eines Schulberichtes, die bereits einmal bis Ostern 1912 verschoben worden ist, soll einem Anträge des Schul- und Talmud - Thora - Vorstandes entsprechend bis Ostern 1913 hinausgeschoben werden. Der Grund liegt in der bevorstehenden Neu-Organisation der Knaben- und Mädchenschule und in dem Wechsel des Schulleiters, der sich erst in sein neues Amt einarbeiten muß. Die Vorlage wurde debattelos zur Kenntnis genommen. An den Antrag der Herren Loewenthal, Rosenow, Pincus, Dr. Minden, Dr. Blaschke, Weile, Oscar Tietz, Siegfried Sachs und Dr. Ginsberg, der dahin geht, es möge in den Außenbezirken der Gemeinde, zunächst in der Gegend der neuen Synagoge Fasanenstraße, ein Zweigbureau der Friedhofskommission, eine Steuer-Auskunsts- und Einnahmestelle, sowie eine Zweigstelle für die Sch echita eingerichtet werden, knüpfte sich eine ausgedehnte Debatte. Herr Justizrat Dr. Cohn sieht in diesem Anträge eine weite Konzession an das von ihm seit langem schon für notwendig erachtete Parochialsystem. Er erblickt darin einen weiteren Schritt auf dem Wege der Dezentralisation der inneren Verwaltung der Gemeinde. Dem widersprach als, Antragsteller Herr Willibald Loewenthal sowie der Vorsitzende des Vorstandes Herr Julius Ja c o by. Der Antrag sei lediglich zur Bequemlichkeit des Publikums gedacht und habe mit dem Parochialsystem nicht nur nichts gemeinsam, sondern stehe zu diesem im diametralen Gegensatz. Herr Jacoby meinte, daß das, was Herr Justizrat Cohn verlange, teilweise überhaupt nicht ausführbar sei, aber manches könne geschehen, und er hoffe, daß sich auch die gegnerische Seite mit dem Erreichbaren zufriedengeben werde. Auch Herr Professor Kalischer ist der Meinung, daß die'Absicht des Antrages lediglich in Gründen der geschäftlichen Bequemlichkeit zu suchen sei. Man habe mit dem Anträge keinen Schritt zum Parochialsystem getan. Einer Zerstücklung der Gemeinde werde man niemals zustimmen. Inzwischen war ein Antrag eingegangen, den Antrag Loewenthal und Genossen ein er gemischten Kommission zur Beratung zu überweisen. Herr Profess or Blaschke bezeichnete als die ^Aufgabe dieser^gemischten Kommission, die materiellen Folgen des Antrages zu erwägen und dabei immer darauf zu achten, daß die Einheitlichkeit der Gemeinde oberstes Prinzip bleibe. Herr Netter gab die Erklärung ab, daß der Vorstand der Einsetzung einer gemischten Kommission zustimme und ihr auch das erforderliche Material, das gesammelt vorliege, zur Verfügung stellen werde. Herr Justizrat Dr. Cohn verwahrte sich dagegen, daß es sich bei dem Parochialsystem, wie er es auffaßt, um eine Zerstückelung der Gemeinde handle. Der Antrag wurde schließlich einer gemischten Kommission zur weiteren Beratung überwiesen. — Namens der Kommission zur Vorberatung der Vorlage betreffend Anschaffung von Postamenten für die im Repräsentantensaal vorhandenen Büsten stellte Herr Kuznitzky den Antrag, die Büsten auf Konsolen zu stellen und diese an den Pfeilern des Saales anzubringen. Dem Anträge der Kommission wird zugestimmt. — Zur Errichtung einer Blumenhalle auf dem Friedhof in Weißensee wurde ein Betrag von 35000 Mark verlangt. Die Kommission befürwortete den entsprechenden Antrag des Vorstandes, wobei sie von der Voraussetzung ausging, daß die neue Blumenhalle auch zugleich eine Unterkunfts- oder Wartehalle für diejenigen Leidtragenden enthalten werde, deren Angehörige von der zweiten Kapelle aus beigesetzt werden. Diese zweite Gebethalle wird nämlich immer erst eine halbe Stunde vor dem Leichenbegängnis geöffnet, und es ist vielfach vorgekommen, daß die Leidtragenden sich bereis früher dort ein fanden, aber vor verschlossenen Türen im Freien stehen mußten. Nachdem noch nach längerer Debatte die Herren Emil Pincus und Willibald Loewenthal sich für die Bewilligung der 35 000 Mark ausgesprochen hatten, wurde der Antrag angenommen. — Es folgten sodann die Wahlen von Mitgliedern der Repräsentantenversammlung in die Verwaltungskommissionen. Die bisher den 28 Kommissionen zugehörigen Mitglieder der Repräsentantenversammlung wurden zum weitaus überwiegenden Teile wiedergewählt. Es wurden nur in die Stiftungskommissibn an Stelle der Herren Dr. Ginsberg und Aron Hirsch die Herren Siegfried Sachs und Oscar Löwenberg gewählt, in das Hospitalkura torium an Stelle von Aron Hirsch Dr. Weigert, in di Durchreisenden-Kommission an Stelle von Gerson Simon Herr Lewin ski, in die Fürsorgekommission an Stelle von Aron Hirsch Herr Kuznitzky und in die Kommission zur Auswahl von Ehrenbeamten an Stelle des Herrn Gerson Simon Herr Dr. Veit Simon gewählt. In die Armenkommission, die durch 10 Mitglieder verstärkt werden soll, wurden neben dem bereits früher gewählten Herrn Dr. Witkowski jetzt noch dem Anträge des Vorstandes entsprechend für die Zeit bis zum Ende des Jahres 1914 die Herren Adolf Apt, Salo London, Eugen Felix Blumenfeld, Dr. Eli Gumpert, Dr. Kurt Friedmann. Dr. H. Kann, Dr. Daniel Lewinski und Rechtsanwalt Dr. Alfred Eisenstädt gewählt. — Es folgte sodann eine Reihe von Bewilligungen, von denen wir nur folgende erwähnen: Die für die verschiedenen gemeindlichen Veranstaltungen zu Ehren und anläßlich der Hauptversammlung des „Verbandes der deutschen Juden" seinerzeit bewilligten 9000 Mark hüben nicht ausgereicht. Die Ausgaben betrugen insgesamt 10203.05 Mark. Diese Meh rausgabe von 1203.05 Mark wurde debattelos nachbewilligt, desgleichen der Mehrbetrag für die Anschaffung der Auerbachschen Schul- und Hausbibel in Höhe von 1102.50 Mark. — Dem Israelitischen Brüderverein zu Rixdorf wurden für die Zeit vom 1. Oktober dieses Jahres bis zum 1. April 1912 zur Anstellung einer fünften Lehrkraft 150 Mark Subvention, den: Israelitischere Religio ns verein Charlottenburg unter .Ablehnung weitergehender Ansprüche für das Jahr 1911/12 7200 Mark Subvention und außerdem zur Deckung des vorjährigen Defizits

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