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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-12-08 · Heft 49 (8.12.1911) · p. Seite 583

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 49 (8.12.1911)
Date
1911-12-08
Page
Seite 583 (sequence 7)
Language
German
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583 an Lehrern und geeigneten Schullokalen gelang es dem unermüdlichen und energischen Eingreifen des Dr. M. Friedländer im kurzen Zeitraum von 10 Jahren 50 Schulen in Galizien zu organisieren, das entsprechende Lehrmaterial förmlich aus dem Boden zu stampfen, gegen 30 eigene Schulhäuser zu erbauen und für die übrigen Schulen geeignete Räumlichkeiten mietweise zu sichern. Tausende ' jüdischer Absolventen dieser Schulen wurden durch seine Initiative dem Handwerk und dem Ackerbau zu geführt, und wie keiner^ verstand er es, das ursprüngliche Mißtrauen gegen diese Institutionen zu bekämpfen und zu zerstreuen. . . Daß ihm die allezeit offene Hand des Baron Hirsch und nach dessen Tode seiner in Menschenliebe und Wohlwollen unübertrefflichen Gemahlin, deren leider allzu frühes Hinscheiden nicht genug beklagt werden kann, seine Aufgabe bedeutend erleichterte, darf nicht unerwähnt bleiben. Besaß er doch das uneingeschränkte Vertrauen des Barons und der Baronin Hirsch und wurde er bei allen großen allgemeinen und speziellen philantropischeu Aktionen zu Rate gezogen und mit vielen philantro- Pischen Spezialmissionen betraut. Bei aller Inanspruchnahme aber durch sein Amt und seine Stellung als. Vertrauensmann der Hirschschen Wohltütigkeitswerke fand Dr. Friedländer noch Zeit zu einer wissenschaftlich literarischen Betätigung auf religionswissenschaftlichem Gebiete, welche selbstverständlich nach seinem Rücktritt vom Amte an Intensität unb Ergiebigkeit zunahm. In feinen Schriften, für deren eingehende Besprechung hier der Raum mangelt, wies Dr. Friedländer bereits im vorchristlichen Judentum das Vorhandensein einer radikalen gesetzesfreien Bewegung nach und findet dieselbe im alexandrinischen Judentum. Darüber handelt seine Schrift „Zur Entstehungsgeschichte des Christentums". In seinen späteren Werken „Der vorchristliche jüdische Gnostizismus" und „Der Antichrist" weist er sogar eine gesetzesseindliche, antimonistische gnostische Richtung im vorchristlichen Judentum nach. In der letztgenannten Schrift versucht er den Nachweis, daß die Gestalt des Antichrist viel, weiter zurückreicht, als man gewöhnlich annimmt. Sein nächstes Werk „Geschichte der jüdischen Apologetik" schildert die allmähliche Entwicklung der jüdischen Neligionsvorstellungen bis zur Höhe einer universalen Weltanschauung. Das frühe Hineinspielen hellenischer Motive ins jüdische Schrifttum, das für die Entstehung des Christentums von größter Bedeutung ist, behandelt dessen Schrift „Griechische Philosophie im alten Testament", die bisher, unbeachtete Zusammenhänge zwischen beiden Kulturen aufdeckt. Die Schrift „Die religiösen Bewegungen im Zeitalter Jesu" gibt einen umfassenden Ueberblick über die verschiedenen Parteien und die außerordentlich fein nuancierten Strömungen des damaligen jüdischen Volkstums. Den Uebergang von der religiösen Anschauung zur festgefügten hierarchischen Organisation stellt die Schrift „Synagoge und Kirche^ dar', die auch in dieser Entwicklung weitgehende Beziehungen zwischen jüdischer und christlicher Geschichte nachweist. Seine Schriften haben nicht allein einen historischen, sondern auch einen philosophischen, kulturellen Zweck, den, die Idee der moralischen Wiedergeburt der Menschheit in ihrer höchsten Entfaltung zu beleuchten. Nicht unerwähnt will ich es lassen, daß Dr. Friedländer sich auch belletristisch betätigte. Er schrieb unter anderem einen Roman „Apion", eine Jugendschrift „Die drei Velfer", in welcher der Werdegang dreier gälizischer Chedergehilsen und ihr Emporstreben aus dem dumpfen chassidistischen Milieu mit drastischer Lebendigkeit geschildert wird. Wien, im November 1911. - Tierschutz im Judentum. Ein Beitrag zur jüdischen Volkskunde von Prof. Dr. Berthold Kohlbach- (Fortsetzung.) > ' Jahrhunderte verändertendie wirtschaftliche Lage der :v M. Frie-länöer. Inden; sie wurden Handwerker' und Kaufleute; jede direkte Verbindung mit der Tierwelt' hörte aus; sie war bloß zum Kaufgegenstande geworden, mit Ausnähme des Hühnerhofes kannte er bloß den Ertrags- und Nährwert des Rindes und Kleinviehs. Die theoretische rabbinische Literatur zeigt auch einen auffälligen' Rückschritt aus dem Gebiete der Schonung der Tierseele. Die biblischen Verordnungen' blieben noch eine Zeitlang beachtet; der palästinensische Tal-' mud ist noch konsequent und verbietet selbst das Reiten a'Uf einem Maultiere. Der babylonische Talmud hält sich strikte an den Text der Schrifd und verbietet bloß die Paarung, erlaubt hingegen; daß man Individuen verschiedener Gattung (zur Paarung) in einen Stall sperre;*) dies akzeptiert auch das spätere jüdische Gesetz. (Lebulebau-^rueb, Jöre dea § 297.) Die Schonung der Mutterliebe bei den 'Tieren bezeugen drei Institutionen des Judentums. Die eine Institution nimmt Rücksicht auf das Muttergesühl des Tieres. „So ein Rind, ein Schaf oder eine.Ziege geworfen wird, bleibe es sieben Tage bei der Mutter!" . . . (Leviticus 22, .27) und diese Verordnung, ist so wichtig, daß^ sie selbst bei Gott geweihten Tieren: der Erstgeburt der ') Die Mischna nimmt das Verbot nicht so genau, weil schon ' die Schrift das Maultier im Gebrauche der Inden kannte und züließ ' (II. Samuel 13, 19 „peied“ unb I. Könige' 1, 33), Es ist'naiv/ dochnichtsdestoweniger erwähnenswert, daß man das' Maultier für ein ' Urgeschöpf betrachtete. Vergleiche Hmburger, ReallEnzYklopädre dtz^s " Judentums (Leipzig 1896), 1. Band, Seite 736. ' - r^ ' - :'^. r,-:.r.r::;.:: zi-s lwin

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