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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-12-08 · Heft 49 (8.12.1911) · p. Seite 582

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 49 (8.12.1911)
Date
1911-12-08
Page
Seite 582 (sequence 6)
Language
German
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582 31.; Mitglieder beiwohnten: 1. Appel-Karlsruhe, 2.' Bergmann-Verlin. 3.^Ploch-Posen,74. Blumenthal-Berlin. 5. Chone-Konstanz. .6. Elsaß- Landsberg a. W., 7. Freudenthal-Nürnberg, 8. Goldmann-Oppeln, 9. Grünfeld-Augsburg, 10. Heilbronn-Spandau, 11. Hochfeld-Berlin, 12. Jtaliener-Darmstadt, 13. Kaelter-Danzig, 14. Kahlberg-Halle, 15.Lazarus-Frankfurt a.M., 16.Lewkowitz-Schneidemühl,17.Mahbaum-' Berlin, 18. Neumark-Duisburg. 19. Norden-Elberfeld, 20. Porges- Leipzig, 21. Schreiber-Potsdam, 22. Seligmann-Frankfurt a. M,, 23. Silberflein-Schwerin lMecklenburg), 24. Sonderling-Hamburg, 25. Tawrogi-Kreuznach, 26. Vogelstein-Königsberg i. Pr., 27. Walter- Bromberg, 28.. Warschauer-Berlin, 29. Wehl-Konitz, 30. Wilde- Magdeburg, 31. Winter-Dresden. Von den übrigen Mitgliedern hatten die meisten ihre Abwesenheit entschuldigt. Der Sitzung wohnten.als Gäste einige Hörer der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, bei. Die Leitung der Versammlung übernahm der stellvertretende Vorsitzende Bloch-Posen, um alsbald nach ihrer Eröffnung dem entschlafenen langjährigen Vorsitzenden Dr. jHeinemann Vogelstein- Stettin innige Worte des Gedenkens und der Anerkennung nachzurufen. Er pries Vogelstein als einen echten Liberalen, der voll jugendlicher Begeisterung und mannhafter Ueberzeugungstreue den Zielen'des Verbandes gedient habe, aber auch als vornehmen und versöhnlichen Charakter, als treuen Freund und Berater seiner Kollegen. Die Versammlung hörte den warmen und schlichten, tiefempfundenen Nachruf stehend an. Im Verlauf.der Tagesordnung, wobei Goldmann-Oppeln und Lewkowitz-Schneidemühl die Führung des Protokolls übernahmen, wurde zunächst Bloch-Posen zum ersten Vorsitzenden und in die freigewordene Stelle eines Vorstandsmitgliedes Vogelstein-Königsberg gewählt. Dann wandte sich die Versammlung der neuerdings wieder akut gewordenen Frage der Feuerbestattung zu. die wegen der nunmehr gesetzlichen Zulassung der Feuerbestattung in Preußen einer erneuten Besprechung bedurfte. Nach längerer Debatte über den von Blumenthal-Berlin erstatteten Kommissionsbericht einigte man sieh aus folgende Resolution: „Angesichts der zurzeit wieder lebhaft erörterten Frage betreffs der Beteiligung der Geistlichkeit bei Feuerbestattungen hat die Vep.. einigung der liberalen Rabbiner Deutschlands, zurückgreifend aus die Resolution von 1899, beschlossen: Die Feuerbestattung entspricht nicht dem altüberlieferten jüdischen Herkommest. Indessen soll der Rabbiner bei den zur Verbrennung bestimmten Leichen der an ihn ergangenen Aufforderung Folge leisten und die religiöse Mitwirkung durch Beteiligung an der Leichenfeier nicht versagen. Die jüdischen Gemeinden sind verpflichtet, die Aschenreste der durch Feuer Bestatteten auf ihren Friedhöfen beiz u setzen." Den nächsten Punkt der Tagesordnung bildete ein Vortrag von Freudenthal-Nürnberg, der in überaus fesselnden Ausführungen die „'Rabbinerversammlungen und Synoden des letzten Jahrhunderts" behandelte. Der große Wert des Vortrages lag darin, daß der Vortragende sein Thema nicht bloß geschichtlich behandelte, sondern daraüf ausging, die Beziehungen zur Gegenwart herauszugreifen und darzulegen. In eindringlicher Weise führte Freudenthal den Gedanken aus, daß-— entgegen der heute vielfach geäußerten und künstlich, aufrecht erhaltenen Meinung — die Arbeit der Rabbinerversammlungen und. Synoden durchaus keine vergebliche gewesen sei, und daß die liberalen Rabbiner und ihre Vereinigung die Pflicht hätten, die Arbeit des vorigen Jahrhunderts zur Ehre und zum Nutzen des Judentums fortzusetzen. Die lebhaft einsetzeude, sehr angeregte Diskussion hatte dann auch den Erfolg, daß die Versammlung die Ausstellung religiös liberaler Leitsätze für unbedingt erforderlich erklärte und mit deren Vorbereitung eine achtgliedrige Kommission unter dem Vorsitz von Seligmann-Frankfurt a.M, beauftragte. Dieser 'Kommission gehören ferner an die Herren Blumenthal-Verlin, Grünfeld-Augsbnrg, Porges-Ldipzig, Vogelstein- Königsberg./ Walter-Bromberg, Wilde-Magdeburg, Winter-Dresden. An den Vortrag schloß sich eine vorläufige Besprechung desjenigen Teilesdes - Zeremonialgesetzes, der am - dringendsten einer Reform bedarf, der Ehegcsetze. Der gelehrte Vogelstein s. A., der leider sein Werk nicht mehr Persönlich vertreten konnte, hatte über diesen Stoff eine Denkschrift ausgearbeitet, welche in klarer Form mit zwingender, überzeugender Logik die auf diesem Gebiete herrschenden Schwierigkeiten- und drohenden Gefahren aufdeckt und eine Reihe von Vorschlägen enthält, die den Mißständen abhelfen sollen. Da so schwerwiegende Fragen eine gründliche Vorbereitung erheischen, wurden für die nächste Sitzung Vogelstein-Königsberg und Porges- Leipzig zum Referenten und Korreferenten bestellt; sie übernahmen es, die Sachlage allseitig zu beleuchten und durch Umfrage bei den Kollegen das erforderliche Material zu sammeln. Bei der nächsten Versammlung soll in die Spezialerörterung eingetreten und darüber beraten werden, wie weit hier eine Reform möglich und zulässig sei. Die Versammlung war sich dessen wohl bewußt, welche große Verantwortlichkeit sie übernimmt, indem sie sich einer so schwierigen Aufgabe unterzieht. Der Ernst und die Besonnenheit, womit die Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands an diese immer brennender werdende, kaum noch zu umgehende Frage herangeht, berechtigen zu der Erwartung, daß es ihr endlich gelingen werde, die überlieferten ehegesetzlichen Vorschriften in einer dem Geist des Judentums entsprechenden Weise mit den zwingenden Anforderungen der Gegenwart und zumal mit der völlig veränderten Stellung der Frau in: modernen Kulturleben pietätvoll auszugleichen. Nachdem Seligmann-Frankfurt a. M. dem Vorsitzenden den Dank der Versammlung für die Uebernahme des Präsidiums und für die umsichtige Leitung der Verhandlungen ausgesprochen, schloß dieser die.Sitzung mit einem Appell an die Mitglieder zu fernerer treuer Mitarbeit au den Aufgaben der Vereinigung und an der Förderung der Bestrebungen des liberalen Judentums. M. Medländrr. or einiger Zeit feierte der emerierte Sekretär der Israelitischen Allianz zu Wien und der Baron Hirsch- Stiftung, Herr Dr. M. Friedländer, seinen 70. Geburtstag. Die Tätigkeit des Jubilars bewegte sich auf kulturellphilantropischem und wissenschaftlich-literarischem Gebiete. Zu Beginn der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts faßte der verstorbene Baron Hirsch die Idee, das Elend der jüdischen Bevölkerung Galiziens, welches ihm gelegentlich der über die Grenzstation Brodh geführten Aktion der russischen Emigration in seiner krassesten Form bekannt wurde, durch Hebung des kulturellen Niveaus der galizischen Judenheit und der Zuführung derselben zum Handwerk und Ackerbau zu bekämpfen. Es mußte vorerst an die Gründung von Schulen geschritten werden, welche den Bedürfnissen der jüdischen Bevölkerung angepaßt, deren Vorurteile und Schulfeindlichkeit besiegen sollten. Erst die in solchen Schulen vorgebildete Jugend konnte mit Aussicht auf Erfolg zur produktiven Arbeit erzogen werden. Für diese große Aktion fand der verewigte Baron Hirsch in dem damals noch jugendlichen Sekretär der Israelitischen Allianz zu Wien, dessen organisatorisches Talent und enorme Tatkraft bei der Durchführung der russischen Emigration sich so glänzend bewährte, den geeigneten Mann. Unter seiner Aegide wurden auch die ersten Schulen mit den Mitteln des Baron Hirsch unter dem Patronat der Israelitischen Allianz zuWien trotz aller entgegenstehenden Schwierigkeiten gegründet. Als endlichem Jahre 1891 nach Ueberwindung der größten Hindernisse die Baron Hirsch-Stiftung ins Leben trat, wurde Dr. M. Friedländer Sekretär dieser Stiftung und die ganze Schulaktion überging auf diese. Jetzt erst konnte eine durchgreifende Tätigkeit auf dem Gebiet des Schulwesens beginnen. Ungeachtet verschiedener zutage tretender Strömungen und Gegenströmungen und ungeachtet des herrschenden Mangels

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