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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-12-01 · Heft 48 (1.12.1911) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 48 (1.12.1911)
Date
1911-12-01
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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'aüSgegeven werben könnten. Das Verrechnungs wesen wurde bann j auf die betreffenden Lander ausgedehnt. Ferner wurde beschlösse^ - in kurzer Zeit an Brüssel und Paris heränzutreten, um diese beiden; wichtigen Zentren für unsere Idee zu gewinnen. . B. T. Berlin, 28. November. Herr Tr. James Simon, dem Kunst Und Wissenschaft so vielfache Förderungen verdanken, ist, wie bekannt sein dürfte, auch der glückliche Besitzer eines vom historischen wie namentlich vom künstlerischen Standpunkt überaus wertvollen polychromen altägyptischen Porträtkopses. Die kleine. Holzbildhauerarbeit stellt die Königin Teje, die Gemahlin Königs Amenophis III. (ungefähr von 1410 bis 1375 v. Chr.) dar. Dieses, wichtige Stück ist jetzt im Auftrag der Deutschen Orientgesellschaft in einer von Professor Borchardt besorgten selbständigen Veröffentlichung auch dem größeren kunstverständigen Publikum zugänglich gemacht worden. In vier. Heliogravüren ist der Kopf, der in seiner naturalistischen Ausführung vielleicht das beste aus uns .gekommene Werk ägyptischer Holzbildhauerarbeit darstellt, - in Originalgröße .wiedergegeben. Im begleitenden Text wird das Kunstwerk nach allen Seiten gewürdigt, und — gewiß ein seltener Fall bei einem altägyptischen Denkmal — .mit großer Wahrscheinlichkeit der Name des Künstlers, des Holzbildhauers der Königin, ermittelt. Ein glücklicher Zufall wollte es, daß sogar eine alte Abbildung beigegeben werden konnte, die eben diesen Künstler in seinem Atelier bei der Arbeit zeigt. *** Berlin, 28. November. Unter inniger Teilnahme weiter Kreise fand gestern auf dem Friedhof der Gemeinde Adaß Israel in Weißensee die Aufstellung des Grabsteins für Dr. Hirsch Hildesheimer statt. Voran ging eine von den Dozenten des Rabbinerseminars veranstaltete Gedenkfeier, die Herr Kantor Dubowski mit dem Vorträg des Psalms 16 einleitete. Es sprachen sodann für das .Dozentenkollegium Rabbiner Dr. Eppenstein, für die Zöglinge des Rabbinerseminars Rabbiner Dr. Liebermann und namens der' Familie Rabbiner Dr. Meier Hildes heimer. Die gehaltvollen Reden machten auf die zahlreich Erschienenen einen tiefen Eindruck, und so manche Träne wurde im stillen dem Andenken des Verklärten geweiht. Anläßlich der ersten Wiederkehr des Todestages ist auch ein Gedenkbuch erschienen, das des Verstorbenen Lebensgang sowie die Nachrufe, Trauerreden usw., die ihm gewidmet worden find, enthält. Es soll zugunsten der Dr. Hirsch Hildesheimer-Stiftung verkauft werden, und ist der Mindestpreis auf 3 Mark festgesetzt; jeder höhere Betrag wird die Stiftung vergrößern helfen. 2L Berlin, 28. November. In der letzten Komiteesitzung des Ko Emigration Regulation Departement in London ist auf Antrag der Herren Leopold de Rothschild und Mr. Carl Stettauer folgender Beschluß gefaßt und der Direktion des Norddeutschen Lloyd übermittelt worden: Das Komitee spricht dem. Norddeutschen Lloyd seinen Dank aus für die energischen Schritte, welche er zur Protektion der jüdischen Emigranten nach Galveston unternommen hat. Hierbei wird der vertrauensvollen Zuversicht Ausdruck verliehen, daß der Norddeutsche Lloyd sein Versprechen halten wird, so daß in Zukunft keine Gründe für Beschwerden vorhanden sein werden. Das Komitee dankt dem Norddeutschen Lloyd ausdrücklich für das Versprechen, gesunde Nahrung nach russischer Art zu liefern, was für das Wohlbefinden und die Zufriedenheit der jüdischen Auswanderer von größter Wichtigkeit ist. 2^2 Berlin, 28. November. Am Sonntag den 10. Dezember abends 8 Uhr veranstaltet die Redaktion von »Ost und West" im Festsaale der „Gesellschaft der Freunde", Berlin W, Potsdamer Str. 9, einen jüdischen Volksliederabend. Es wird an diesem .Abend eine größere Anzahl ausgewählter, modern bearbeiteter jüdischer Melodien von hervorragenden Künstlern zum Vortrag gelangen. Mit dieser Veranstaltung soll dem jüdischen Publikum Gelegenheit gegeben werden, diese in den weitesten Kreisen der osteuropäischen Judenheit noch lebende Volkskunst kennen zu lernen. Eintrittskarten zu 5, 3, 2 und 1.50 Mark sind zu haben: in der. Redaktion von „Ost. und West"' (Charlottenburg, Knesebeckstr. 32. Telephon Amt. Ch., 6626),bei A. Wertheim (Leipziger Straße), Bote & Bock und an der Abendkasse. H. Berlin, 27. November. Am Donnerstag voriger Woche der-, anstaltete der Chor der Synagoge Lindenstraße zum Besten eines seiner Mitglieder, das durch Krankheit in bittere Not geraten ^st, in der „Neuen Philharmonie" ein Konzert, das erfreulicherweise einen '.sehr zahlreichen ^Besuch aufzuweisen' hätte. Nebew dem Shnägogenchör,der ^zwei Motetten zum Vortrag brachte^ hatten sich Frau Paula Weinbäum, Herr Gollänin, Herr Professor William Wolf, Geo rg Und Lydia Poetschke und Herr Organist Alfried Mai in den Dienst der güten Sache gestellt. Die Künstler 'wie der Chor boten Vorzüge Leistungen und verdienten.'beit' ko^endenPeifÄh''der' ihsten.riachljoder Piece zuteil wurde. — Ein Tanzkränzchen schloß sich an das. Konzert an. . Aus deä Provinz Pofett, im November. P o s e n. Aus Anlaß der .Einweihung des neuen Diakonissenhäuses ist HerrnAugenarzt Dr. P i n ku s der Charakter'als Sänitätsrät verliehen worden. — Der Rentner Simon Rosen heim ist durch einen Unglücksfall, 80 Jahre alt, verschieden., Der Verstorbene beschäftigte sich vom frühen Morgen bis zum späten Abend mit dem Forschen in der Thora. Dadurch hatte er sich.ein umfangreiches hebräisches Wissen augeeignet und einen Namen erworben. — In Posen und Westpreußen waren 1907 18169 erwerbstätige Juden Vorhänden. Im Jahre 1895 zählte man 23328. Die Zahl der erwerbstätigen Juden in den beiden Provinzen ist durchweg zurückgegangen, während sie im ganzen Reich gestiegen 'ift. Es waren in Deutschland im Jahre 1907 292759 Juden erwerbstätig. gegen 244586 im Jahre 1895. — An Volksschulen bestanden 1867 in Posen zwölf kleine konfessionelle Schulen, und zwar vier evangelische, sieben katholische und eine jüdische. Die jüdische Schule war vierklassig, die übrigen zwei- und dreiklassig. Am 27..April 1871 wurde die erste Simultan-Knabenschule mit vier äufsteigenden Klassen und 124 Schülern ins Leben gerufen. Heute sind 17 solcher Schulen vorhanden. — Bromberg. Dem Sanitätsrat Herrn Dr. Arnold Breslauer ist der Charakter als Geheimer Sanitätsrat verliehen worden. — Schrimm. Unter großer Teilnahme von nah und fern beging Frau Rosalie Abraham ihren 75. Geburtstag. Die Jubilarin ist körperlich und geistig rüstig und zeigt noch großes Interesse au allen Bestrebungen der Gegenwart. Tie vielen verschiedenen Glückwünsche von Juden und Nichtjuden bewiesen, welcher Achtung und Wertschätzung sich Frau Abraham erfreut. Die Gefeierte ist eine jener echt jüdischen Frauen, wie sie in unserer Zeit leider immer seltener werden. — Fordon. Diese durch Bernsteins Mendel Gibor berühmt gewordene und einst zu den größten Synagogengemeinden zählende Stadt.hat nach dem endgültigen Ergebnis der letzten Volkszählung .1529 evangelische, 1116 katholische und 195 jüdische Einwohner-. ---Breslau, 26. November.. Die hiesige Synagogen gern ein de ist, wie bereits kurz mit geteilt, durch Vermächtnis des am 27. April 1901 verstorbenen Kaufmanns Julius Oestreicher, Begründer der hiesigen Chemikalien- und Fettwarengroßhandlung Gebr. Oestreicher, in den Besitz eines Kapitals von 1300000 Mark gelangt, das nach dem anr 26. Oktober d. I, erfolgten Tode der Witwe Martha Oestreicher auf die Gemeinde übergegangen ist. nachdem ihr testamentarisch die Nutznießung der Zinsen bis zu ihrem Tode bestimmt war. Der Erblasser hat den Nachlaß zur Errichtung eines Waisenhauses für jüdische Waisen beiderlei Geschlechts bestimmt, und die Anstalt soll den Namen „Julius und Paul Oestreicher-Stiftung" führen. Zur Nachlaßmasse gehörte auch ein Grundstück in Charlottenburg (Corneliusstr. 9 und Hitzigstr. 4), als dessen Eigentümerin die Witwe des -Erblassers eingetragen war; auch hierauf lastet das Nacherbenrecht per Breslauer Synagogengemeinde. Die Witwe wollte nun, wie das „Jüd. Volksbl." berichtet, die Grundstücke zu unbeschränktem Eigentum übernehmen, und die Testamentsvollstrecker waren bereit und bewilligten ihr das Nachlaßgrundstück zur freien Verfügung zu überlassen, indem sie von der Auffassung ausgingen, daß sie auch zur Wahrnehmung der Rechte der Nacherbin legitimiert seien. Als sie aber die. Löschung de? Grundbuchvermerks betr. das Nacherbenrecht der Gemeinde beim Amtsgericht beantragten, erklärte dasselbe, daß die vorherige Zustimmung der Breslauer Gemeinde erforderlich sei. Nach einer durch vier gerichtlich vereidigte Sachverständige, 'vorgenommenen Abschätzung beträgt der Wert des Grundstücks 422 738.50 Mark. Frau Oestreicher erklärte sich bereit, dasselbe für 475 OOÖ Mark zu alleinigem Eigentum zu erwerben, die. auf ihm lastenden Darlehns - Hypotheken von 300000 Mark zu übernehmen und den Restbetrag von 17.8.000 Mark für Rechnung des Nachlasses zu zahlen, und so ging das Grundstück in das unbeschränkte Eigentum der Witwe über. Leibeserben sind nicht vorhanden, auch keinerlei nähere Verwandte, Eltern oder Geschwister.

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