Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 48 (1.12.1911)
- Date
- 1911-12-01
- Page
- Seite 573 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Falkenberg: „Die deutschen Juden vor Moses Mendelssohn". Einen Vortragszyklus:.? „Die logischen. und ethischen Grundlagen des liberalen Judentums" hält Dr. Kellermann. Außerdem werden Vorträge halten die Rabbiner^Dr. Hochfeld, Dr. Galliner. Professor Dr. Blaschke und Benas.Levy. Arn besonderen Abenden soll über aktuelle Themen diskutiert werden. . Fortbildungskurse in Religion, biblischer Und jüdischer ° Geschichte, Hebräisch sind in Aussicht genommen'würden; und damit neben der ernsten Arbeit , auch das heitere Spiel nicht fehle, sollen Vergnügungen veranstaltet Werdern - - Fürwahr ein reiches Arbeitsprogrämm! Eine Fülle von Anregungen werden die Mitglieder und Gäste — die Vorträge sind jedem zugänglich. — mit hinaus ins Leben nehmen, sie werden dadurch in ihrem-Judentum gestärkt werden und energisch dazu beitragen,' daß der Austritt aus der Gemeinde und der Religionsgemeinschaft gehemmt werde und schließlich ganz schwinde. t -jb.y Mit ‘ unserer- Jugend wollen wir gehen!:| Kommt, Ihr Eltern, im den Jüdisch-Liberalen Jugendverein' und bringt Eure Söhne und Töchter mit. Laßt siediese Zeilen lesen!. ' ' Einladungen, Statuten, Programme erhaltet Ihr vpm Schriftführer. Rechtsanwalt. Dr. Abraham, W; 8, Jägerstraße. 10. - - Mer die Jugend hat,' hat die. Zukunft.- Liegt Euch die ZuEunMder jüdisch-liberalen Sache am Herzen, dann laßt. Eure Kinder teilnehmen . an den Bestrebungen des Jüdisch- Liberalen Jugendvereins. Die liberalen Juden überwiegen in Berlin, das. haben die letzten Repräsentantenwahlen bewiesen; darum muß auch der Jüdisch-Liberale Jugendverein von allen, jüdischen Jugendvereinen die größte Mitgliederzahl haben. Und wie die jüdisch-liberale Sache erst eine Macht geworden ist, seitdem - sie sich in .ganz Deutschland zu einem grüßen Bunde zusammengetan .hat, dem Tausende von Mitgliedern angehören, so kann der Jugendverein erst zu voller Kraft erstarken, wenn alles, was. an , „Jung Israel" liberal ist, in den Jüdisch-Liberalem Jugendverein kommt. Geschichte der jüdilch-dkUllchenLiterstur.'' Besprochen von Ludwig Geiger. ^^rofeffor Andlerder auch in Deutschland durch seine Studien über Heine und andere Schriftsteller wohlbekannte französische Gelehrte, hat den Grundfehler des Werkes seines Schülers'in der kurzen, gehaltvollen Vorrede sehr wohl hervorgehoben. Er bemerkt mit Recht, daß das Buch hauptsächlich, eine Schilderung der neueren und neuesten, spezifisch in Rußland, überhaupt im Osten Europas heimischen jüdischdeutschen Literatur ist. Das ist schon an und für sich ein Mangel, weil der Verfasser, der selbst aus Rußland stammt, bei der Schilderung dieser Literatur vielleicht nicht ganz die nötige Objektivität bewahrt; der. Hauptmangel aber besteht darindaß sich, der Inhalt des Buches mit dem Titel keineswegs deckt. Dieser nämlich würde erwarten lassen, daß es sich' in dem Werke um die Darstellung einer jahrhundertelangen Entwicklung handelt, daß also die Entstehung der jüdisch-deutschen Literatur, ihr Aufblühen vom 15. zum 18. Jahrhundert gezeigt wird. Eine solche. Geschichte, die wir h.Hiswire 6s lä^LUtdratüre ju&eo-allemande par M. Pin£s, Docteur de l’universitö de Paris.1; Avec une-prdface , de Charles Andler,: Prof, ä la Sorbonne. Paris, Jouye Co.; Editeurs. 1911; 578 pag. Preis 8 Frcs. . Ähnlichst erwarten und' die auch nach den Vorarbeiten Gosches, Steinschneiders, Wieners und vieler anderer ein ^höchst mühevolles Werk sein würdet wird von unserem Verfasser nicht oder so dürftig nnd flüchtig gegeben, daß man es kaum eine Behandlung nennenkann: DieWielen in den Sammlungen svon Wagenseil und 'anderen .christlichen ' Gelehrten des? 18. Jahrhunderts abgedruckten Werke in jüdisch-deutscher Sprache werden kaum erwähnt. '' > - . In einer solchen großzügigen Darstellung eines merkwürdigen .kulturhistorischen Themas wäre zu zeigen, daß die jüdisch-deutsche Literatur zwei wesentlich' verschiedene Ausgaben verfolgt.- die eine, Frauen und Kinder und auch diejenigen Männer, die ihres Gewerbes wegen das Hebräische vernachlässigen mußten, mit den hebräisch geschriebenen Werken Bibel, Erbauungsbücher, Unterhaltungsliteratur, bekannt zu machen, die andere, die großen deutschen Werke, Liebesgedichte, Volkslieder, besonders über die großen Epen des Mittelalters und der späteren Zeit, in jüdische Kreise einzusühren. Diese letztere Tätigkeit ist von einer ganz eminenten.kulturgeschichtlichen Bedeutung, denn es ist vielleicht in der Weltgeschichte sonst niemals' vorgekommen, daß eine ^gehaßte, unterdrückte, verfolgte Glaübensgemeinschaft, die von den Siegern, in diesem Falle den Deutschen, von jedem- Umgänge ' ausgeschlossen worden ist, doch das dringende Bedürfnis fühlt, sich mit den Literaturwerken dieser ihrer Bedränger bekannt zu machen Ja man könnte in diesen Versuchen nicht nur das gewaltige Bildungsbedürfnis der deutschen Judendes 15. bis 18. Jahrhunderts sehen, sondern etwas wie Liberalismus darin spüren, das Verlängen, das geistige Ghetto zu zerstören, die verfehmte deutsche Literatur sich anzueignen. (Daß bei solchen Unternehmungen . vielleicht . nicht immer die hervorragendsten deutschen Dichtwerke am beliebtesten waren, bleibt ziemlich gleichgültig.) - .V Aber noch aus eine andere kulturhistorische Tat hinzuweisen, wäre die Aufgabe eines solchen Werkes. Durch jene eben aufgezeigten Uebersetzungen haben die Verfaffer im wesentlichen den Juden Dienste geleistet, nur höchst mittelbar dem deutschen Geistesleben. Aber, auch dieses .haben sie 'mächtig gefördert dadurch, daß die nach dem Osten ausgewanderten Juden durch die Übertragung deutscher Bildung, deutscher, wenn auch verderbter Sprache, diesen östlichen Ländern, nicht nur den daselbst wohnenden Juden deutsche Geistesschätze übermittelten, und daß sie ferner, worauf Gosche schon-vor Jahrzehnten hingewiesen hat, durch diese ihre Uebersetzerarbeit eine große Anzahl von Worten, Sprachformen, die seither in Deutschland verloren gegangen waren, gerettet und dadurch manch köstlichen Schatz der deutschen Sprache erhalten haben. Eine. Geschichte der jüdisch-deutschen Literatur in größerem Umfange dürste sich daher nicht scheuen, alle diese Worte, die aus dem Mittelhochdeutschen stammen und in das Jüdisch-deutsche, das sogenannte Jiddisch, übergegangen sind, zusammenzustellen. Eine derartige Arbeit müßte also nicht nur eine literarhistorische, sondern in hohem Grade auch eine philologische sein. Von allen diesen Dingen ist in unserem Buche entweder gar nicht oder nur ganz andeutungsweise die Rede, so daß durch seine Ausführungen der Gegenstand nicht gefördert wird. Doch wir wollen über dem, was der Verfasser nicht bietet, das nicht vergessen, was er uns gewahrt. Er beginnt mit einem flüchtigen und darum höchst ungenügenden Ueberblick über die Sprache und spricht dann über die Anfänge der Literatur.' Wir erhalten hier ein Inhaltsverzeichnis des Werkes Zena-Urena, unbedeutende, nicht ausreichende Bemerkungen über das Maaße und Bovo-Buchwenige Zeilen über Literatur des 17. Jahrhunderts. Ebenso mangelhaft