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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-12-01 · Heft 48 (1.12.1911) · p. Seite 572

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 48 (1.12.1911)
Date
1911-12-01
Page
Seite 572 (sequence 8)
Language
German
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572 aussragte, sprach er sich über diesen in sehr sympathischer Weise aus. Er habe ihm viel Anregung und Förderung zu danken;" dabei ausführend, daß er dem geschmack- und kenntnisreichen/ künstlerisch Produktiven Freund' die größte Einwirkung auf das; eigene Schaffen zuschreiben müsse, sich dabei über die Ver^ wandtschafts- und Wechselpunkte zwischen Musik und Malerei eingehend, äußernd. ' . ►' Bendemann, mit den hervorragendsten Dichtern; Künstlern und- Gelehrten seiner Zeit befreundet, war ein sein empfindender Zeichner und Maler, dessen Name auch heute noch, trotz des veränderten Geschmacks der Zeit, in unseren Kreisen, denen er entstammte, und denen er manch herrliches Werk widmete, fortzulebeU verdient. Mit linkerer Jugend wollen wir gehen! > Von W. Simson. i^^eit einem Jahre - besteht in - Berlin der Jüdisch-Liberale 1 Jugend verein, und — um es gleich zu sagen — er hat sein' „Einjähr'lge§'' gut bestanden; darum gebührt ihm in aller I Oeffentlichkeit von allenliberalen Juden Gratulation und I Dank. Eine stattliche Anzahl junger Leute, Damen Und ' Herren, gehören ihm an, auch ältere Herren über 35 Jahre sind'ihm als Mitglieder beigetreten. Ich habe mehreren Sitzungen beigewohnt und mich über die Begeisterung gefreut, die^.in unserem Nachwuchs glüht; ergreifend war es, als ein pensionierter Lehrer mit schneeweißen Haaren das Wort nahm-/ und; ein Prophet inmitten der Jugend, ermahnte, auf dem betretenen Wege vorwärts zu gehen, dann werde der jüdisch- " liberalen Sache der Sieg nicht ausbleiben. - ' Ja, fürs liberale Judentum kämpft der Jugendverein. Er will rnithelfen, nicht, wie seine Gegner sagen, das Judentum zu zerstören, sondern dastehen soll unsere Religion in ihrer: reinen, strahlenden Schönheit, die ihr die Propheten gegeben ' haben, nicht eingezäunt und verdunkelt durch Mauern, die die Ueberlieferung versunkener Tage um das hehre Gotteswort aufgerichtet hat. Auf diesem alten, unvergänglichen Fundamente bauen wir' liberale Juden unser Judentum auf und bringen'es in Einklang mit den Forderungen unserer Tage; denn die Gesetze der Entwicklung, denen alles Sinnliche und" Geistige unterworfen ist, machen vor der Religion keinen Halt- Nicht bloß durch Geburt, mit Bewußtsein Wollen wir Juden sein und mit vollem Verständnis dein Gdttesdienste folgen. Das heißt jüdisch-liberal. Wir feiern im Dtärz kommenden Jahres die Wiederkehr » des hundertsten Jahres seit der Judenemanzipation; und gerade dieser Tag erfüllt nns^ liberale Juden mit Stolz; denn was in dieser Zeit für die Gleichberechtigung der Juden erreicht worden ist — und es ist viel, wenn auch nicht' alles erreicht worden —, kommt aufs Konto der liberalen Juden Zunz, B. Auerbach, Lazarus, A. Geiger. Rießer, Loewe, Lehmann, Laster, Philippson u. a. Gleich diesen wollen wir Deutsche, und Juden sein und uns weiter bemühen, die edlen Güter, die in der deutschen Sprache und Kultur liegen, zu assimilieren mit dem unveränderlichen, ewigen Wahrheiten des Judentums. Darum, . müssen wir liberale Juden allen Bestrebungen entgegentreten, durch welche die Mauern zwischen uns und" den nichtjüdischen Deutschen verstärkt 'öder von neuem gebaut werden. Sol che Schranken errichten die Zionisten; d a rum k a n n ein liberaler Jude kein Zionist sein. In den Turn- und Spörtvereinigungen, in Frauen- und Jugendvereinen haben sie vorzügliche Stätten ihrer Propaganda,v und da «lehren sie, daß . die Juden eine Rasse, ein Volk seien. Das Endspiel vieler; „Einen Judenstaat in Palästina^zu gründen" — diese „Idee ist ein Phantom". So schrieb Professor Marburg (S. 77 des Stenographischen Protokolls des 9. Zionlsleukongresses in Hamburg)/ diese Zionisten find also nach'''dem Worte ihres Führers Phantasten! Ihnen ist die Religion Privatsache, uns die Hauptsache, ihnen ist die Religion nur - Mittel zum Zweck, für uns ist das Judentum um seiner'selbst willen da. Wir und die kommenden Geschlechter betätigen die Religion, damit einst alle Völker der Erde sich zu ihr bekennen; denn von Ziou, d. h. von Israel geht die Lehre aus; Das ist unser Zionismus. Aus politischen und taktischen Gründen schließt sich der Zionismus der orthodoxen Partei an, weil er im Liberalismus seinen Gegner sieht, nnd weil er selber zu schwach ist, sich eine /öffentliche Stellung in der jüdischen Gemeinde zu erobern; -'vie7.Örthodoxen^leisten^ihm also Handlangerdienste. Wie der Liberalismus überhaupt steht der liberale Jugend- Verein ' im besonderen dem Judentum weit näher als der jüdische Jrmendbund: denn die führenden Jugendbunde Ber/lns srnoztonistisch, und die Verbändsleitung unternimmt nichts dagegen. Das führende Blatt der Zionisten, die jüdische Rundschau, sagt (1910, S. 318), daß sich die Zionistisierung (ein schönes Wort!) des'Verbandes auf die Dauer gar nicht wird vermeiden lassendergestalt zu- J mindest, daß alle, die nur ein negatives, frisiert gesprochendie nur ein liberales Interesse am Judentum haben, hinaus- - gedrängt werden, und S. 298 a. a. St. heißt es: „Wir wollen unsere Mitglieder der - Jugendvereine« für' den Zionis-/ 'muserziehen, die Verbreitung des Zionismus unter der jüdischen Jugend ermöglichen und intensiv fördern." Nun, Ihr Leser dieses Blattes, die Ihr doch auch liberal seid, nun wißt Jhr^s: Ihr habt nur ein negatives Interesse am Judentum, d. h. „unfrisiert gesprochen" : Ihr seid keine Juden! Der Berliner jüdische Jugendbund aber pflegt in? positiver Weise die Religion, indem er einen Abgeordneten, einen früheren Antisemiten, zu jungen Damen und Herren, vielleicht gar zu Euren Söhnen und Töchtern, sprechen läßt. Kümmert Euch Ihr liberale Juden, ob Eure Kinder einem zionistischen Verein angehören und fordert sie zum Austritt auf! ' ■ -'' . ©mb doch mehrere Herren, die dem Vorstände des Berliner jüdischen Jugendbundes angehört haben, ausgetreten, weil liberale,'nichtzionistische Wünsche und Anregungen überhaupt nicht gehört wurden. Von einer Parität aller religiösen Parteien innerhalb des jüdischen Ingendbundes kann gar keine Rede sein. Im innersten getroffen durch die Gründung des Liberalen Jugendvereins, glaubte der Jügendbund, die neue Vereinigung tot zu reden und veranstaltete zwei große Versammlungen, aber Worte töten nicht, und der Jüdisch-Liberale Jugendverein ging Mit Stolz Und neuem Mut aus dieser Feuerprobe hervor/ Nun beginnt der ,-Jüdisch-Liberale Jugendvereiu" ein neues, sein zweites Arbeitsjähr. Aus dem Programm hebe ich besonders diese Vorträge hervor: Professor Dr. Stein: „Der Optimismus im Judentum", Rabbiner Dr.Taenzer: „Die Po sitiven Ausgaben des liberalen Judentums", Rabbiner Dr. Salomonski: „Die Lebenskraft des modernen Judentums", Friedländer: „Die Juden in Bosnien", Asseffor Dr.Sämolewsk: ^Zionismus und Judenkültur"; Dr. Wertheim: „Moderne Judenpolitik", Stadträt Giemkiewicz: „Die Rechtsverhältnisse der Juden in Preußen", Rabbiner Dr. Elsaß: ,-Der Prozeß Jesu", Lehrer

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