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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-12-01 · Heft 48 (1.12.1911) · p. Seite 571

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 48 (1.12.1911)
Date
1911-12-01
Page
Seite 571 (sequence 7)
Language
German
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&71 schmücken. Besonders berühmt darunter ist. die „Huldigung bei der Hochzeit des Alexander". . Dazu kommt eine Anzahl von Nebenbildern, unter denen „Platos Gastmahl" das bekannteste ist. Doch können diese und ähnliche Werke, da sie das Interesse dieses Blattes zu wenig berühren, hier nicht näher gewürdigt werden. . - 1859 wurde Bendemann Leiter der Düsseldorfer Kunstakademie. Als solcher schuf er eine Reihe hervorragender Gemälde,, unter denen „Kain und Abel" (im Schwurgerichtssaal zw Naumburg) besondere Hervorhebung verdient. . . Noch einmal kehrte er zu der Liebe seiner künstlerischen Jugend zurück. Noch 1872 schuf er sein großes monumentales Werk „Die Wegführung der Kinder Israels in die babylonische Gefangenschaft" (Nationalgalerie zu Berlin). Hier zeigt sich der Meister auch als Dramatiker und bekundet seine hohe Begabung für einen wuchtigen und mächtigen Stoff. Mit großem Geschick schlägt er den dramatischen Ton an. Niemand wird das große Historienbild betrachten, ohne aufs tiefste von dessen Wirkung erschüttert zu werden. So malen und darstellen konnte nur ein Sohn Israels, der in seiner innersten Seele fühlte und empfand, was er hier aus die Leinwand geworfen. Der späteren Zeit entstammen keine weiteren Bilder aus der jüdischen Geschichte. Der Künstler wendete sich insbesondere den griechischen Stoffen zu; diesem Kreise gehört ein Bild „Penelope" an, das das Museum von Antwerpen schmückt. Aus der Reihe der letzten Bilder des.Meisters schildert eiuerder ihm nahestand, die großen Kartons, die sich in seinem Atelier befanden. Diese riesigen Kartons, in drei Abteilungen gegliedert, erzählen das Schicksal einer Karawane in der Wüste. Das erste Bild führt uns mitten in die Situation. In unheimlicher Endlosigkeit ohne Horizont dehnt sich das weiße Sandmeer, beleuchtet von der tief blauen, nur durch einzelne graue Staubwolken bedeckten Luft, vor unseren Blicken aus. Im vorderen Mittelgründe, gleichsam am Rande des Bildes, kauern zwei muskulöse Krummsäbel und Pfeilköcher tragende, braune Araber, die mit angstverzerrten Mienen verzweifelnd streitend sich bemühen, aus den im Sande gefundenen Knochen und Stiletten die verlorene Wagenspur wieder aufzufinden. Hinter ihnen, den traurigen Kopf nachdenklich in die Linke gestützt, steht neben zwei entladenen Kamelen ein dritter Wüstenpilger. Zur Linken der beiden streitenden Männer beugt. sich eine zahnlose Greisin vor, die auf ihrem alten und gebogenen Rücken ein halbverschmachtetes Kind trägt und mit verzerrtem Gesicht an der Debatte teilnimmt. Hinter ihr im Turban und im roten Mantel die Gestalt eines alten ehrwürdigen Juden, der mit eingeschlagenen Armen, ein Bild der absoluten Ratlosigkeit, traurig zu Boden blickt. Ein liebliches Mädchen, wohl seine Tochter, dringt Aufschluß flehend auf den Alten ein, in ihrer Nähe eine Warenbündelträgerin, an deren Kleider, sich ein scheu umhersehendes Kind klammert und eine händeringende. halb erwachsene Araberin mit fliegenden Zöpfen. Das zweite Bild führt uns in eine bäum- und wasserlose, aber diesmal sandhügel- und felsblockbedeckte Einöde. Zur Linken traben zwei erschöpfte Kamele langsam eine Sandhöhe hinunter. Auf einem der Tiere sitzt ein Weib, den Säugling an der Brust, kreuzende Adler und Geier, die ein kräftiger Mann durch Steinwürfe zu verscheuchen sucht, durchflattern aufgeregt die Luft, als freuten sie sich des Anblicks, der sich da unten ihnen bietet. Ein trauriger, herzbeklemmender, rührender Anblick! Zwei Lanzen tragende Männer und ein nackter Jüngling, offenbar die Führer der kleinen Karawane, drängen sich im Vordergrund nach einem Punkte hin. Einer der Männer hat einen Wust gestreifter Decken vom Boden emporgehoben und enthüllt uns ein schönes, totes junges Weib, das mit dem Rücken auf einem dunkelgrauen Felsstück und mit dem herrlichen, von langem aufgelösten Haar umwallten Kopf auf dem Oberkörper eines allen Mannes, des im ersten Bilde erschienenen alten Juden liegt, dessen Haupt schon halb vom Saude begraben ist. Der Unterkörper ist mit einem grünen Gewände bekleidet. Ihren nackten Busen, die versiegte Lebensquelle, umklammert krampfhaft der verschmachtete Säugling. Mit entsetzten Augen und Gebärden starren die Lebenden, den schrecklichen Fund an, im bangen Herzen vielleicht die Sorge um ein gleiches Schicksal erwägend. Im Schlußbild erblicken wir dann die langersehnte Oase, das schmerzlich vermißte, verzweifelnd gesuchte, nährende und lebenspendende Wasser. Die halbverschmachtete Karawane hat den rettenden Hafen, ein kleines schattiges Palmenwäldchen mit ummauertem offenem Brunnen, erreicht. Die großartige, markige Konzeption, die glänzende Durchführung uyd die wahrhaft meisterhafte Harmonie des Ganzen, der Reichtum der aus dem Stoffe gewonnenen Darstellungen, die Klarheit, Schärfe, Macht und Pracht und Schönheit, die malerische Versinnlichung und die dämonisch wirkende erschütternde Charakteristik der physischen Zweifel und Leidenschaften, der Verzweiflung, der Furcht, der Hoffnungslosigkeit, der Hoffnung, des Zornes und Hasses, der Körper- und' Seelenerschöpsung, des Hungers und Durstes, des Entsetzens und der. Freude, des Jubels und Dankes über die erlangte Rettung — all das übt eine tiefe Wirkung aus und gibt dem Beschauer den Beweis, daß er hier eine Komposition vor sich hat, die den Vergleich mit den erhabensten Farbendramen nicht zu scheuen braucht. : Sehr Interessantes teilte Eduard Bendemann über seine Beziehungen zu namhaften Zeitgenossen, wie z. B- Ferdinand Hiller, einem Interviewer, Namens Josef Schrattenholz mit. Der Maler war mit Hiller ebenso wie mit Felix Mendelssohn-Bartholdy,. Robert Schumann und Joses Joachim freundschaftlich verbunden, aber er war auch musikalisch feingebildet und besaß in bezug auf die Tonkunst ein gar gesundes Urteil. Als ihn Schrattenholz über seine Ansichten betreffs des genannten Ferdinand Hiller <£. Beudemanu.

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