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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-11-24 · Heft 47 (24.11.1911) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 47 (24.11.1911)
Date
1911-11-24
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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■ m ' — 2 sollen und werden hoffentlich alle edlen JudLn, ohne Unterschied bifc* religiösen Richtung, an dem Tage, an dem der Leichenstein über dem Grabe eines der vortrefflichsten Männer unserer Zeit aufgerichtet wird, nur von einem Gefühl beseelt sein, durch ein Scherflein den Mann zu ehren, der es reichlich verdient hat. . ET. Berlin, 21. November. Die WohltätigkeitsVereinigung jüdischer Frauen und Mädchen „Judas Töchter", die sich zur Aufgabe gemacht, bedürftige Kranke zu unterstützen, veranstaltete am Sonnabend, in dem Oberlichtsaal der Philharmonie ein Wintervergnügen, das sich eines zahlreichen Besuches zu erfreuen hatte, Besonders die Kaffeetafel mit ihrem.reichen humoristischen Programm fand lebhaften Beifall. Der Tanz hielt alle Teilnehmer bis in die frühe Morgenstunde in heiterster Stimmung zusammen. . L2 Berlin, 21. November. Im Anschluß an die Tagung der IV.Hauptversamnilung des Verbandes der Deutschen Juden in Berlin hielt der jüdische Frauenbund, eine Vorstandssitzung ab. In eifrigster Arbeit wurden folgende Hauptpunkte der Tagesordnung der Vo.rstandssitzung erledigt: Die angeschloffenen Ortsgruppen gaben ihre Berichte, woraus zu entnehmen ist, daß sich Frankfurt a. M. hauptsächlich mit der Bahnhofsmission, Stargardt i. P., mit den Vorarbeiten für eine im Anschluß an die bestehenden Berufsberatungen von konfessionellem Gesichtspunkte aus zu gründende Beratungsstelle und aus den gleichen Motiven mit gemeinnütziger Stellenvermittlung beschäftigt, Die Münchener Ortsgruppe wird neben lokalen hauptsächlich statistische Arbeiten für den Bund liefern, während! Breslau mit der Zentralisation aller Breslauer konfessionellen Wohlfahrtspflege beschäftigt ist und in seinen Arbeiten auch von den städtischen Behörden und der Wohlfahrtspflege der anderen Konfessionen herangezogen wird. Leipzig ist durch den Tod seiner Vorsitzenden im Sommer in seinen Arbeiten gehemmt gewesen, wird aber unter seiner neuen Vorsitzenden im Winter die Arbeiten, neu aufnehmen, und die neu geschaffene Ortsgruppe Karlsruhe hat sich, die Aufgabe des F. B. Stellenvermittlung, Bahnhofsm.issio.n, Dienstbotenfürsorge usw. .zu eigen gemacht. Einen erfreulichen Fortschritt der Bundesarbeit zeigt das gemeinsam von dem Verband der. evangelischen Jungfrauenvereine, dem deutschen Nationalverband der - katholischen Mädchen.- schutzvereine und der Abteilung Mädchens.chutz des jüdischen Frauen Hundes, herausgegebene Plakat mit Schutzadressey für alleinre.isende Frauen und Mädchen, das in allen deutschen Eisenbahnen, in der III. bis IV. Wagenklasse ausgehängt worden ist. Andere Aufgaben wie die Herausgabe eines. Almanachs wurden erörtert und auf dte in . Aussicht stehende staatliche Versicherung der Privatbeamten im Interesse auch der Angestellten des jüdischen Frauenbundes und der angeschlosfeneu Vereine aufmerksam gemacht. Mit. dem Bericht über die erneuten Vorarbeiten für . die Gründung eines Internationalen Jüdischen Frauenbundes schloß die Tagung. Aus der bisher geleisteten Arbeit des Frauenbundes.ist als wichtigster Faktor das Heim des Bundes in Neu-Isenburg bei Frankfurt a. M. für gefährdete und schütz bedürftige Jugendliche .hervorgegangen, ein Heim, welches als ein Krankenhaus für Moralkranke zu betrachten ist, in dem sich gegenwärtig 11 Erwachsene und 5 Kinder befinden. Da das Heim aber große pekuniäre Kosten erfordert, so spricht der Bund die herzliche Bitte aus, überall für das Heim Propaganda zu machen und Beiträge zu schaffen. Das Heim stellt nicht eine Belastung, sondern Entlastung der Vereine und Gemeinden dar, da sich in jeder Stadt' moralisch Schutzbedürftige finden, für die eine Zufluchtsstätte fehlt. : W. Wreschen, 19. Novembkf. Die hiesige israelitische Gemeinde ist reich an Wohltätigkeitsinstituten. Ganz besonders verdient der fast 30 Jahre bestehende Frauenverein, welcher unter bewährter Leitung von Frau Justizrat Emma Peyser eine rühmenswerte Tätigkeit entwickelt, erwähnt zu werden. Der Zweck des Vereinsdem ein großer Teil der verheirateten Damen angehört, ist bei Krankheitsfällen unter den Mitgliedern, oder deren Töchtern, vom 10.-Lebensjahre an füt: eine ausreichende Pflege der erkrankten^ Person zu sorgen, bei Sterbefällen unter den Mitgliedern oder, deren Töchtern alle Vorbereitungen, zur Bestattung der verstorbenen Person in die Hand zu nehmen; ferner bedürftige kranke Frauen, die dem" Vereine nicht angehören, zu unterstützen, endlich, bei etwaigen. lieberfchüffen in. der Vereinskasse Schulkinder armer Eltern mit- Winterkleidung zu versorgen. * Sfi- Nentomlschel, 20. November. Unsere Gemeinde beging ‘ gestern das Fest des 50 jährigen Bestehens ihres Gottes-" Hauses. Aus diesem Anlaß fand am Nachmittag im festlich geschmückten Gotteshaus unter großer Teilnahme eine eindrucksvolle Feier statt, der weite Kreise'beiwohnten. Den liturgischen Teil der Feier führte Herr Kantor W. Wärschawskr Hierselbst aus.' Die Festpredigt, hielt Herr Rabbiner Dr. Salomonsky aus Frankfurt a. O., der vor kurzer Zeit in Wollstein die neurenovierte Synagoge eingeweiht hatte. Besondere Weihe erhielt der eindrucksvolle Gottesdienst durch die Anwesenheit des Königlichen Landrats Herrn v. Daniels, des Herrn Superintendenten. Reisel und des Herrn Bürgermeisters Franke, Die überaus, gehaltvolle Predigt machte auf alle. Anwesenden einen tiefen Eindruck. Am Abend vereinte ein Festmahl die Gemeinde und die obengenannten Spitzen der Bshörden, bei welchem der Herr Landrat das Hoch auf unseren allverehrten Kaiser äusbrachte, und alle übrigen erwähnten Persönlichkeiten ihre Befriedigung über die schöne Feier und das gute Einvernehmen unter den Konfessionen. Ausdruck gaben. ’ Dresden, 19. November. Im Vortragssaale der Hygiene- Ausstellung hielt kürzlich Herr vr. meä. Kallner-Spandan einen Vortrag über: „Fleisch- Hygiene der Juden". Der Vortragende führte in anschaulicher und formgewandter Weise aus, welch großen Wert man bereits im alten Judentum auf die strikte Durchführung der die Fleisch - Hygiene betreffenden Religionsgesetze legte. Staunend stehen die modernen Hygieniker vor diesen Geboten, welche vor Tausenden von Jahren lediglich makroskopischen Untersuchungen, also Beobachtungen mit dem bloßen Auge, ihr Dasein verdanken, die aber heute noch als richtig angesehen werden müssen, nachdem uns. das Mikroskop das Studium der geheimsten biologischen und Physiologischen Vorgänge im Tierorganismus erschlossen hat. An zahlreichen. Beispielen führte der Vortragende aus, wie die geringstem sichtbaren Veränderungen an Organen des Tieres nach den jüdischen Speisegesetzen das Fleisch zum Genuß unbrauchbar machen und wie damit Infektionen vermieden werden sollen. Fleisch, dessen Genuß eine Schädigung der Gesundheit zur Folge haben kann, ist auch, religionsgesetzlich zum Genuß verböten. Erklärt der Tierarzt das Fleisch eines Tieres für ungenießbar, so ist der Genuß religionsgesetzlich auch dann verboten, wenn, der Fall von keinem der besonderen Religionsgesetze betroffen wird. — Besonders interessant waren, die Ausführungen des Redners bezüglich der Schächtmethode, da er selbst an der Universität Würzburg eingehende Untersuchungen ausgeführt hat. Durch das Religionsgesetz ist dem Schächtakt die Weihe einer religiöse^ Handlung gegeben. Der Schächter muß im Religionsgesetze erfahren, in seiner Lebensführung fromm und ehrbar sein. Vor der Schächtung, die nur mit. einem haarscharfen Messer vorgenommen werden darf, spricht er einen Segensspruch: „Gelobt seist du, Herr, unser Gott. König der Welt, der uns durch, seine Gebote geheiligt und uns das Schächten zur Pflicht, gemacht hat." Den Behauptungen der Schächtgegner stellte der. Vortragende die der Schächtfreunde gegenüber. Daß> das Bewußtsein nach dem Schächtschnitt noch längere Zeit anhalte, wurde von dem Vortragenden im Einklang mit änderen Vertretern der heutigen Physiologie, wie Hoppe-Sehler-Straßburg, Marchand-Leipzig Hering'Prag, von Voit-München usw^, als unrichtig hingestellt. Daß das. Tier nach dem .Schächtschnitt Bewegungen mache, sei nur nach Laienansicht ein. Zeichen für die Fortdauer des Bewußtseins. Die durch das Schächten bewirkte Dürchschneidung der Hauptblutstämme des tierischen Körpers erzeugt sofort Blutleere des Gehirns, wodurch fast momentamBewußtlosigkeit eintritt. — Reicher Beifall lohnte, dem Vortragenden., für seine interessanten, gehaltvollen Ausführungen. L2 Elberfelds 19. November. Vorigen Dienstag fanden die E r g-än zu n gs.- b.z w. E rs a.tz w a h len zur Reprasentäntenversammlung statt. Die Wahlbeteiligung, war eine außerordentlich lebhafte, da: sich, Liberale und. eine aus sog enannten Konservativen nud Zionisten gruppierte. Partei gegenüberstanden. Die liberale Liste siegte mit großer Majorität, - ■ £££; Frankfurt M., 17. November. Die Zahl der Teilnehmer an. der auf den 12. November nach Frankfurt, berufenen erweiterten Kuratoriumssitzung war überaus groß. Der zum Vorsitzenden gewählte Herr Jos, Wi.sloch. gedachte, nachdem er namens i.iin t - - '

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