Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 47 (24.11.1911)
- Date
- 1911-11-24
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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der Frankfurt-Loge die Versammlung begrüßt hatte,, des feit der . letzten Tagung verstorbenen Kommerzienrat Lapgenbach- Darmstadt und insbesondere Eduard Cohens. Dem vom Vc> - sitzenden des Vorstandes, Herrn R. Rheinhold erstatteten Bericht ist unter anderem zu entnehmen, daß die Knabenanstalt stets, voll besetzt war, viele Anmeldungen zürückgewiesen werden mußten und daß statt der 100 Zöglinge 200 hätten ausgenommen werden können, wenn Raum und. Mittel zur Verfügung ständen. Die entlassenen Lehrlinge der verschiedenen Betriebe kamen gut unter, zum Teil in leitenden Stellungen. Etwa 20 Prozent der Entlassenen sind selbständig. Im neuorganisierten Mädchenhaus sind von 60 verfügbaren Plätzen 54 besetzt. Die Gesamtzahl der. bislang ausgebildeten jungen Leute beträgt 162. Davon ist.ein,überaus großer Teilen Deutschland, geblieben. Von den im Ausland beschäftigten sei ein Farmverwalter in Deutsch-Neuguinea und ferner sieben Gärtnereibesttzer bzw. Gärtnereipächter au Amerika erwähnt. Die Gärtnerei hat trotz der ungünstigen Sommerwitt.erung^ dank der neu angelegten Be-, Wässerungsanlage gute Ergebnisse gebracht. Die Bäckerei und die. Schneiderei decken den ganzen Bedarf der Anstalt, erstere besitzt auch Privatkundschaft. Die Finanzlage der Anstalt läßt nach dem weiter erstatteten Bericht des Herrn Direktor Berliner zu wünschen übrig. Er sagt in seinem Bericht; Wir haben im Jahre 1910 etwa 5000 Mark mehr ausgegeben als wir eingenommen haben; in diesem Jahre ist es ähnlich; die Mehrausgabe beträgt etwa 14OOO Mark. Mit solchen Ausgaben sind natürlich unsere Betriebsmittel erschöpft, ja wir mußten sogar Schulden machen. Wenn nicht durch Legate unsere Finanzen aufgebessert worden wären, dann müßten wir eine Anleihe machen. Im Etat finden Sie, daß wir auch für. das nächste Jahr mit einer Mindereinnahme von. 5800 Mark rechnen müssen. Ein großer Teil der Zuwendungen besteht in Legaten. Wir dürftet! das Geld nicht erst dann bekommen, wenn die Leute tot sind, sondern die Freunde Ahlems müßten es bei Lebzeiten stiften. Redner appelliert an die Mitarbeit der Anwesenden und weist aus die dringende Notwendigkeit der Errichtung eines neuen Knabenhauses an Stelle des in , schlechtem Zustande befindlichen alten hin. Auch eine richtige Turnhalle für den Winter sei erforderlich. Herr Strauß, ein Mitglied des Frankfurter LokMouMees,. berichtet über die erfreuliche. Entwicklung. der hiesigen Ortsgruppe. Die MikMederzHhl und Beiträge — letztere zurzeit 3649 Mark — sind auch im Jahre 1911 wieder gewachsen, wenn auch eine Anzahl zum Teil namhafter Beträge durch Tod bzp,. Wegzug in Wegfall gekommen ist. Direktor Silberb.erg, der Leiter der Ahlemer. Anstalt, rveist auf die Ausstellung hin,, die bekalWt'l.ich in der Frankfurt-Loge stattfindet. Im einzelnen berichtet er üb.cH die innere Entwicklung der verschiedenen Betriebe. Von den Schulpflichtigen widmen sich 60 bis 70 Prozent der Bodenkultur als Beruß, die übrigen fast alle dem, Handwerk. Hoher Wert wird auf eine allseitige körperliche- -AuMildung. gelegt. In dem weiteren Verlang d^ Verhandlungen begründet Rechtsanwalt Dr.Guggenheim- Offenbach, die Anregung, eine ähnliche Anstalt wie Ahl.em auch in Süddeutschland zu errichten, Rechtsanwalt Dp, Paerwahtz weist daraust hin, daß. Ahlern einen Etat vonzirka 120.000 Mark jährlich habe Unddaß. — so dankenswert auch die Anregung sei -—zunächst Ahlem gestärkt werden müsse. Rabbiner Dr. Munk berichtet, daß im Schülerun d Lehrlings heim Marburg zirka 90 Zöglinge regelmäßig im Garten-, bau, beschäftigt sind» Stadtverordneter Fromm.gibt eine beachtenswerte Anregung in der Richtung, daß Wanderlehrer in die kleinen jüdischen Gemeinden, zur Ausbildung in Gartenbau und Handfertigkeit, gesandt werden. L. Ni ckeleb erg-Offenbach gibt anheim, die Mädchenanstalt, die sich. wohl nicht recht bewährt habe, in eine Knabenanstalt umzuwandeln, An der Diskussion beteiligen sich noch dieHerrenR o senth a l- Würzburg, Direktor Carl H erz b erg, L. Pi c ard- Frankfurt und Justizrat Dr. Wol-fers-Hannover. Herr Rh ein hold dankt für die Anregungen von Dr. Guggenheim und Fromm, die von der Simonschen Stiftung (die nebenbei bemerkt bereits 70 jüdische Gemeinden für Schulgärten unterstützt) später vielleicht verwirklicht werden könne. Außerdem wixd die Stiftung, in Peine eine Anstalt errichten zux Aus bi l düng jüdischer Lehrer in Handfertigkeit und verwandten Stoffen. Bemerkenswert war dabei noch die weitere Mitteilung des Redners, daß der preußische Fiskus hierfür ein größeres Territorium der Stiftung zu besonders günstigen Bedingungen überwiesen hat. Oesterreich-Ungarn» . K. Wien, 19. November. Bor einigen Tagen fand im Foyer des Burgtheaters die Enthüllung der Büste Adolf Ritter v. Sonnenthals statt, an der Direktor Alfred Freiherr v. Berger, alle Hosburgschauspieler und Schauspielerinnen, die Familie Sonnenthals und ein auserlesener Kreis von Verehrern des unvergeßlichen Künstlers teilnahmen. Die Büste ist nach einem Modell Tilgners in Bronze gegossen und steht auf einer Marmorplattedie mit schönen Ornamenten verziert ist. Sie stellt den jungen Sonnenthal in stilisiertem Gewände dar; der Sockel der Büste trägt die Inschrift in Goldbuchstaben: „Adolf Ritter v. Sonnenthal 1834 bis 1909. Gestiftet von seinen Freunden und Verehrern." Burgtheaterdireltor Alfred Freiherr v. Berger hielt die Festrede, in der er die Bedeutung Sonnenthals für das Burgtheater schilderte. Nach Enthüllung der Büste hielt Regisseur Thimig eine Gedächtnisrede auf Sonnenthal. Zu den Stifterinnen der Büste gehört in erster Reihe die Fürstin Pauline v. Metternich-Sandor, die ebenfalls an der Feier teilnahm. — Wie berichtethatte die Bezirksvertretung von Döbling zweimal gegen die Errichtung der Rothschildschen Nervenheilanstalt aus den Gründen des ehemaligen Maria Theresien-Schlößchens Stellung genommen. Die Bandeputation hat aber trotzdem , dem Kuratorium der Rothschildschen Stiftung die Bewilligung für die Erbauung der Nervenheilanstalt auf dem genannten Platze erteilt. Der Wiener Magistrat hat aber gegen diese Entscheidung der Baudeputation den Rekurs an das Ministerium für öffentliche Arbeiten ergriffen. Das Ministerium hat vor einigen Tagen diesen Rekurs abgewiesen und die Entscheidung der Baudeputation genehmigt. Es könnte somit mit dem Bau der Nervenheilanstalt endlich begonnen werden, aber wer weiß, ob nicht dem Kuratorium dieser überaus humanen Stiftung wieder neue Schwierigkeiten seitens des — Wiener Magistrates entstehen werden. Wahrlich, noch selten hat ein Werk wahrer Menschenliebe einen solchen Leidensweg zurückgelegt wie die vom seligen Baron Rothschild geplante Errichtung einer allgemein zugänglichen Nervenheilanstalt für unbemittelte Nervenleidende. Und dies alles nur deshalb, weil der Stifter ein Jude war. — Am letzten Donnerstag verschied hier der bekannte Wiener Arzt Dr. Bernhard Beck im 71. Lebensjahre. Dr. Beck, der auch zu den ärztlichen Beratern des verstorbenen Erzherzogs Otto zählte, war einer der erfolgreichsten Pioniere des Modernen Sanitätswesens in der asiatischen Türkei, wo er durch ein Jahrzehnt als Stabsarzt im ottomanischen Heere, als Garnisonschefarzt von St. Jean d'Arc und Beirut, als Stadtphhsikus von Bagdad und Leibarzt des Generalgouverneurs vom Bassora wirkte. Er verfaßte auch für das österreichische Auswärtige Amt eine Statistik des Außenhandels am Persischen Golfe. Nach seiner. Rückkehr aus dem Orient ließ er sich in Wien nieder und erfreute sich in den vornehmsten Gesellschaftskreisen der größten Beliebtheit. Von MH unü Lern. - ----- Das deutsche Bureau der ^llianve Israelite Universelle teilt uns mit: Eine Anzahl im Ansiedlungsgebiet Rußlands liegender Ortschaften ist in neuester Zeit von furchtbaren Brandkatastrophen heimgesucht worden. Das Zentralkomitee in Paris hat zur Unterstützung der Israeliten dieser Ortschaften, die. dadurch zum größten Teil ihr Hab und. Gut ein gebüßt haben, den Betrag von zusammen 20 000, Frank bewilligt. — Der 70. Geburtstag der Frau Rosalie Mosler, dev verdienten Vorsitzenden des Vereins zur Speisung Armer und Notleidender, wurde am 16. d. M. im Hotel „Der Kaiserhof" durch ein großes Festmahl begangen, an dem über 100, Damen und Herren, teilnahmen. Man sah unter anderen Generalkonsul Schlesinger und Frau, Frau Konsul Frankel, .ZuMrigt- BeHtz• .Sa.nitättzkäte MüsMr-, Stern» Wollheim, Professor Iolles, Stadtverordneter Leopold Jacobi usw. Den Reigen ver TriMprüche erv.ffy.ete Sanitätsvat Stern mit einem Hoch ' aus .das Geburtstagskind. — Der Frau Justizrat Boß in Ostrowo, einer Tochter des greisen Rabbiners Dr. Freund in Görlitz, ist