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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-11-24 · Heft 47 (24.11.1911) · p. Seite 560

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 47 (24.11.1911)
Date
1911-11-24
Page
Seite 560 (sequence 8)
Language
German
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trifft vor allem die ersten Geschichten der Sammlung: i,Das blaue Fenster": In diesen Darstellungen einer unglücklichen Liehe und eines entwaffneten Racheverlangens geht es allzu ätherisch und doch wohl auch.etwas weichlich zu.. Um so derb-lustiger wird die grausame Heilung eines ideologische verschwärmten- Jünglings in der ausgelassenen Novelle „Das Meerweib-',, chen" berichtet, nur daß der'Schwank etwas breit^geraten ist. Eine, wirkliche Freude? aber wird man an der fröhlichen. „Spiegellegende" haben, die aufs anmutigste mit mittelalterlichem Himmels- und Höllenrequistt spielt und frische Natürlich-., keit und kräftige . Lebenslust zum Siege führt. Aus diese ' Legende Und auf ein einziges. Stück seines, jüngsten Novellen-, buches, der „Schwachen Helden", kann man die Hoffnung? stützen, daß Hugo Salus auch auf dem Novellengebiet noch reichlich ernten wird, eine Hoffnung, die ohne : den „Spiegel" und ohne „die entstellte Dryade", das sehr erotisch und doch. sehr rein gezeichnete Abfchiednehmen zweier Menschen von ihrer Jugend, durch eben diesen letzten Novellenband starke Beeinträchtigung erleiden könnte. Denn hier scheint mir Salus mehrfach auf bösen Wegen in die Irre gegangen zu . sein,- ins verschwommene Unnatürliche („Das gewanderte. Kreuz"), ins belanglos Breite („Eichauer Tanznovelle") und gar ins völlig Unwesentliche und Abgeschmackte („Der Uebersetzer"). ' Ganz ähnlich wie mit dem. Novellisten Salus verhält, esH sich bisher mitdem Dramatiker. Sein Einakter „Susanna im I Bade" hat es.wohl zu einem.Bühnenerfolge. gebracht, aber I das sollte den Dichter doch nicht über die rein lyrischen Qua- ] litäten des Stückes täuschen. Für den Dramatiker wäre es ' darauf angekommen, die Psychischen Entwicklungen dar-> zu stellen, wie die Richter durch Susannas Schönheit zur: Sünde gedrängt, und wie die Tartüffe dann zu Bekennern werden, und weiter, wie der „fremde Jüngling" Daniel seinj eigenes Begehren nach Susanna niederkämpst und zum reinen Anwalt -der Wahrheit und des Mitleids wird. Der Lyriker^ Salus .gab statt dessen ein lyrisches Stimmungsbild, in dem mancherlei biblisch gefärbte Schönheit erotischer und religiöser Artaber nichts Dramatisches zu finden ist. Und als es Salus ' in seiner dreiaktigen „Römischen Komödie" das erstemal mit,, den Aufgaben des Dramatikers ernster nahm, da versagte er noch. Die Jntriguenhandlüng ist. allzu schmächtig für drei lange Akte ein junges zur Schauspielerin geborenes Mädchen gibt sich tagsüber als Mann, um im päpstlichen Rom, des 18. Jahrhunderts, wo Frauen nicht auf die. 'Bühne durften, abends ihr eigenes Geschlecht darstellen zu können -^-,- die meisten Charaktere vermögen nicht zu fesseln, denn bis auf. die Heldin sind es bekannte Typen, wie die Reine, die Schwärmerin, der Draufgänger, der Toggenburg, und im, Wesen der Heldin findet sich ein peinlicher Bruch, der aus der Kunstbegeisterten ein eitel verliebtes (nicht etwa leidenschaftlich liebendes) Geschöpf macht . Doch wäre nichts verkehrter, als wenn nun diese Ausführungen mit einem „Schuster bleib bei deinem Leisten", einer Zurückweisung des Dichters also auf sein rein lyrisches Gebiet beschlössen würden. Die lyrische Novelle und die lyrische Szene hat sich Hugo Salus bereits zu seiner schönen Versproduktion; hinzugewonnen, auf dem eigentlichen Novellenfeld sind bei mancher Niederlage mindestens zwei Siege erstritten, und auf dem eigentlich dramatischen ist zum mindesten ein erster regelrechter Waffengang, wenn, auch glücklos, durchgeführt worden. Nimmt mün Hinzu, daß Hugo Salus noch nicht die: Höhe seines Lebens überschritten hat, so kann man seinen?? weiteren äußerlyrischen Bestrebungen mit Interesse- und Zu-., trauen entgegensehen: .? , M-r- .. Tirrlchutz im Judentum. Ein Beitrag zur jüdischen Volkskunde von Prof. Dr. Berthold Kohlbach. (Fortsetzung.)' der Landwirtschaft trage man nicht allein den Eigenschäften der Gattung, sondern auch denen des einzelnen Tieres Rechnung, man spanne daher vor den Pflug nicht Ochs und Esel beisammen. (Deut. 22, 10); das. Rindist bedächtiger, langsamer, der Esel ungestümer, rascher. Die Mischna (Kilaim VIII. Kap.: § 2) verbietet auf Grund dieser Verordnung, vor einen Last- oder. Personen - Wagen ungleiche Tiere zu spannen. In § 4 verbietet die Mischna sogar das Anseilen eines Rosses an die Wagenleiste eines Ochsenwagens, weil das Roß feuriger ist und den Wagen vorwärts zieht oder drängt. (Menschen dürfen mit Tieren zusammen einen Karren ziehen, denn sie können sich allen Verhältnissen anpassen.). Nach dem Schulchan Aruch, Jöre dea 8 297, 10 darf der Jude sich auf einen mit zweierlei Tieren bespannten Wagen selbst dann nicht setzen, wenn der Kutscher ein Nichtjude ist. Im 18. Jahrhundert - ergänzt Sabbatai Kohen dieses Verbot dahin, daß ein-Jude selbst Lasten auf einem solchen Wagen nicht führe, vielleicht wird er vergessen, daß Tiere verschiedener Gattung vorgespannt sind und wird sie zu rascherem Trab anspornen. Eine Maßregel des Mitleids mit den Tieren ist auch das Verbot: „Sperre nicht dem Ochsen das Maul zu, wenn er drischt!" (Deuteron. 25, 4). Dem Menschen erlaubt die Schrift, daß er im Weingarten seines Freundes einige Trauben, auf dem Felde seines Nächsten einige Aehren pflücke, wo doch der Mensch Herr seiner. Wünsche ist. Nicht so das Tier, für; das es eine wahre Pein und Qual ist, mit dem Maulkorbe vor Futter zu stehen. *; . Der Hirt und Landwirt nimmt aber nicht bloß die Arbeit 'des Tieres oder die Rohprodukte: Milch, Butter, Käse, Topfen,, Eier, Wolle und anderes in Anspruch, , sondern nährt sich vom Fleische der Tiere. . In dieser Abhandlung spreche ich nicht von den im Speiseritual reinen und unreinen Tieren, denn diese Unterscheidung war auf den Tierschutz erst in der späteren Gesetzentwicklung von Bedeutung, doch auch hier bloß de iure in den Haarspaltereien der Decisoren, de facto bloß bei den ungebildeten und unreifen, und darum noch rohen Juden. Sonst schützte das Tier das direkte Verbot der. Tierquälerei (Zä'ar bä‘ale chajjim). In der Urzeit war das Töten des Tieres schonungslos, roh und grausam. Es lebte noch, als man schon gierig das Blut schlürfte, noch verendete nicht das zur Strecke gelangte Tier: Wisent, Hirsch, Höhlenbär usw., da schnitt man schon einige Glieder ab, um aus dem Knochen das warme Mark zu saugen. Und diese Unsitte dauerte lange fort; dies beweisen zur Genüge die Knochenfunde selbst aus schon historischer Zeit. Es ist ein langer Weg durch das. neolithische und Bronze Zeitalter hindurch bis auf unsere Tage, bis der Tierschutz das Töten der Tiere wie in. einigen Kantonen der Schweiz möglichst schmerzlos machte. Ein langer Weg führte zu'dem Moralbegriff, den das Judentum auf Noah zurückführt, zum' Verbote dev Verstümmlung des lebenden Tieres (ever min hachäj“) und zum Gebote des Schlichtens (sobeobitab), das es auf Moses zurücksührt. Die Tradition sucht einen Beleg für das Verbot der Tierquälerei im Pentateuch, Genesis 9, 4. Es heißt dort: . „Doch Fleisch mit seiner Seele, dem . Blute sollet ihr

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