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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-11-24 · Heft 47 (24.11.1911) · p. Seite 556

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 47 (24.11.1911)
Date
1911-11-24
Page
Seite 556 (sequence 4)
Language
German
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556 M Ks.' U .besser als bei uns. .Der König hing treu und mit aller. Entschiedenheit an seiner Kirche, aber er hat auch der evangelischen Kirche mit landesväterlicher Huld kräftigen Schutz und Schirm geschenkt und sich unsere Kirche zu innigstem Danke, der, solange ein: Odem - in . uns: ist,. nicht verstummen soll, derpflichtet." ' ■ ♦ In der Tat hat Maximilian II. immer das Wahre, Edle, Gute und Hohe angestrebt, ist stets für Recht und Gerechtigkeit in. die Schranken getreten und hat sein Volk ohne Unterschied der Konfession über alles, geliebt, Von ihm rührt das schöne Wort her: „Ich will Frieden haben , mit meinem Volk." Hier hat er seine innersten Gedanken kundgegeben, denn er war ein Friedensfürst, nicht bloß in Politischer, sondern auch in religiöser Beziehung. . Anläßlich des bevorstehenden 100. Geburtstages des Monarchen dürfte es daher für die Leser dieser geschätzten Zeitschrift von besonderem Interesse sein, etwas näheres über die Beziehungen Maximilians II. zu den bayrischen Israeliten zu erfahren. Infolge der politischen Wirren und der revolutionären Vorgänge von 1848 mußte, wie manweiß, König Ludwig I. von Bayern am 30. März 1848 abdanken. Ihm folgte sein Sohn Maximilian ll. auf den Thron. Dieser umgab sich mit freisinnigen Räten und war bemüht, die Sünden der Vergangenheit, soviel es an ihm lag, nach Kräften zu sühnen: Alsogleich Har auch sein Entschluß gefaßt, die Juden in Bayern, die damals noch unter Ausnahmegesetzen standenzu emanzipieren. Bevor er dies tat, wandte er sich an seinen vertrauten Ratgeber und Lehrer in der Philosophie, den berühmten Denker Professor v. Schelli n g in Berlin, ihn um sein Gutachten bittend. Der hochinteressante Brief würde erst im Jahre.1890,' und. zwar im dem Werke „König Maximilian ll. von Bayern und . Schelling. Bries- Y -. Um, Maximilian H., ALnig von Baxerm Wechsel." Herausgegeben von Dr. Ludwig Trost und Dr. Friedrich Leiste veröffentlicht und lautet wörtlich also: ' „Nymphenburgden 13. November 1848. ' Lieber Geheimrat! ..: Ich benutze ein paar freie Augenblicke, Ihnen diese Zeilen zu schreiben und Ihnen beiliegenden Entwurf zu einem Gesetze, die Emanzipation der Juden betreffend, zu übersenden.. Recht dankbar wäre .Jch, wollten Sie Mir, sobald als nur immer möglich, Ihre Ansicht über diese so wichtige und folgenreiche Frage mitteilen. Nicht, mehr ganz deutlich erinnere Ich Mich einer von Ihnen getanenen Aeußerung über, das Los, das Schicksal des jüdischen Volkes.Der Minister Lerchenseld glaubt, daß dies Gesetz -ein.. Postulat der'Zeit und zugleich d a s b est e und, sicherste Mittel sei, die. Israeliten zu ruhigen Staatsbürgern zu machen. Ich bin Mir nicht-klar über diesen Punkts Auch. vom welthistorischen, philosophischen Standpunkt- : wünschte. Ich diese Frage von Ihnen, verehrter Lehrer; beurteilt zu hören. — .. Gedenken Sie in Ihrer besten, heiligsten Stün de Meiner, beten Sie für Mich, daß der Herr Mir sein Licht, seinen Geist sende, sowie Liebe und Kraft, seinen Willen zü erkennen und zu vollbringen! Leben Sie wohl, schreiben Sie bald Ihrem treuen Schüler und Freunde Max. Obige Sache hat so große Eile, weil die Minister wünschen, während der jetzt beginnenden Wahlen die Gesetzesvorschläge öffentlich in der Presse zu besprechen." In der Tat erhob der bayrische Landestag den von der Regierung Maximilians II. eingebrachten Entwurf einer Juden-'Emanzipation zum Gesetz, und sind seitdem die Israeliten in Bayern durchaus gleichberechtigt. Diesen Gefühlen der Israeliten hat nach dem Ableben des Monarchen der damals in München amtierende Rabbiner Dr. Aub in der Predigt, die er in der Synagoge zu München am 24. März 1864 anläßlich des Trauergottesdienstes hielt, Ausdruck gegeben. - Mag aus dieser nur wenig bekannten Predigt, die am besten die Stellung, des Königs von Bayern zu seinen israelitischen Untertanen kennzeichnet, hier einiges auszugsweise wiedergegeben werden: „Wie ein Blitz aus heiterem Himmel", so führte Rabbiner Dr. Äub unter anderem aus, „hat der unerwartete Schlag, nämlich der am 10. März 1864 erfolgte Tod des Königs, das bayrische Volk im allgemeinen und die Israeliten insbesondere getroffen. Allgemein, wie nun die Trauerist vor wenigen Wochen noch die Hoffnung gewesen, daß Bayern noch viele Jahrzehnte von dem milden Szepter seines Monarchen beglückt werden würde.." Nachdem der Prediger der herrlichen, geistigen, seelischen und Gemütseigenschaften des Verblichenen gedacht, bemerkte Aub, daß Maximilian II. ein gütiger und liebevoller Vater gegen alle' seine Stuttgart -1890, Seite' 160. Landeskinder ohne Unterschied des Standes'und des, Glaubens gewesen sei. Viele Beweise seiner Güte seien in die Oeffentlichkeit gedrungen, noch mehr aber seien im stillen geübt worden. Er sagte dann wörtlich: „Ich kann mir^s nicht versagen, nebenbei zu erwähnen, mit welcher Liebenswürdigkeit und Herablassung der Hochselige persönlich gegen mich sich benahm; wie Höchstderselbe zweimal (am 14. Februar 1856 und am 20. November 1857) mich aus der Straße ansprach und huldvollst sich erkundigte nach meiner Wenigkeit Wohl und nach dem Wohle meiner Kirchengemeinde! — Besonders hervorheben aber muß ich, daß mir das Glück zuteil'wurde, in einer mir bewilligten Audienz (am 11. Dezember 1854) von dem gütigen Monarchen.— bezüglich einer damals vom Handelsministerium ergangenen für Israeliten günstigen Anordnung, von welcher der König in seiner Herzensgute gesprochen — in der sanftmütigsten Weise folgende Königliche Worte zu vernehmen: '„Ich will nicht, daß einer Meiner Untertanen g edrückt werde, sie sind Mir alle: gleich!" — Das sind goldene Worte,die uns schon zu ewigem- Danke gegen den verblichenen König verpflichten l"

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