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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-11-24 · Heft 47 (24.11.1911) · p. Seite 554

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 47 (24.11.1911)
Date
1911-11-24
Page
Seite 554 (sequence 2)
Language
German
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es unter meiner. Würde, in Kreise zu gelangen, , die W depr- Moment, wo ich den Kops wende, über den zudringliKen Juden witzeln. Und zwar, wie schon erzvähnt, hauptsächlich aus dem G.runde/ sveil sie, sehey, wie er kriecht un)> kahhuckelt, , um zu ihnen zu gelangen; wie er selig ist stber Pas Almosen einer Anrede, die ihre .Gnade ihm zukommen läßt. . Würden die Andersgläubigen sehen, daß wir alle stplz auf unser Judentum sind, uns seiner nicht schämen, uns aM gleichwertig mit den Christen betrachten. sie würden uns mM größerer Achtung, mit mehr Sympathien entgegenkommend Was werfen sie uns denn vor, die Antisemiten? Daß wir „Juden" sind! Wohl dem, dem man nichts Schlechteres nach-- sagen kann wie seine Religion: Lump oder Schuft — ba§ nenne ich eine Veleidigungaber Jude — Jude ist ein Ehrentitel, auf den wir stolz sein können! Haben wir es nicht trotz - jahrhundertelänger, heftigster Anfeindung, wütendster VerfolgÜNgherrlich weit gebracht? Vor 50 Jahren noch wanderten unsere Großväter verachtet und verfemt mit dem Sack aus dem Rücken über die Landstraßen; wir, ihre Enkel, haben uns Positionen, - von.. weittragender Bedeutung errungen! Als Aerzte und Kaufleute, als Gelehrte und Künstler, Beamte und Würdenträger spielen Juden aller Länder führende Rollen; unsere Frauen besitzen eine nicht gewöhnliche Bildung und scharfen Verstand; unsere Jugend zeichnet sich in Schule und Leben durch hohe Begabung und emsiges Streben aus. Und ein solches Volk sollte sichseinerAbstammung, seiner Religion schämen, sollte stolz sein, wenn die Christen es gnädigst als nicht minderwertig betrachten? Nein, meine Liebe, das haben wir nicht nötig! Zeige Deinen neuen Bekannten, daß auch eine Jüdin Selbstachtung und Stolz hat; komme . ihnen, freundlich -und bescheiden, aber um Gottes willen nicht devot entgegen und lasse sie keinen/ Augenblick 'därüh'er im Zweifel, daß Du Jüdin bist und bleibst — trotz christlichen Verkehrs und der Epauletten Deines Mannes! Befolgst Du meine Ratschläge, so wird Dir dadurch manche Situation erspart bleiben, die Dir nur Erniedrigung und Beschämung bringen würde; das Schlimmste, was man dir nachsagen kann, soll sein: Ist sie auch Jüdin — sie hat doch Charakter! Wer sich aus Prinzip an Deinem Glauben stößt, der mag sich ruhig zurückziehen, Du verlierst nicht viel an ihm; wer aber auch im Juden den gleichgestellten Mitmenschen sieht -- und glüAicherweise gibt es ja viele solcher Christen. — der wird Dir mit doppeltem Wohlwollen entgegenkommen. Und damit Gott besohlen und ein herzliches „Glückauf" für die Zukunst! Deine alte Freundin. Die Woche. Berlin- 21. November. yJo(| einer jüngst bekannt gewordenen Nachricht der V/ w „Schlesischen Volkszeitung" scheint sich Licht zu verbreiten über den Könitz er Mord. Es ist nämlich bei der Staatsanwaltschaft in Beuchen eine Anzeige über den bekannten Konitzer Gymnasiastenmord eingegangen. Die geschiedene Ehefrau eines Agenten Bräunlich in Siemianowitz bekundete, ihp Mann habe ,zeitweise die Tat in allen ihren angeblichen Einzel- ' heiten mit grauenerregender Deutlichkeit geschildert und sei. alsdann immer in heftiges Schluchzen ausgebrochen. Der Angeschuldigte war nach dem Konitzer Morde in Siemianowitz zugezogen und hatte hier eine Bäckerei eröffnet. Jetzt befaßt er sich mit Agentur- und Der-, mittlungsgeschäften k Jrizwischyn ist der genannte Agent. verhaftet worden Es wäre sehr, zu wünschen, daß diese traurige Angelegenheit, die so viel Aufregung hervorgerufen und so viele Juden geschädigt hat, und die in' den Kreisen der Unbelehrbaren das Märchen vonjüdischen Ritualmorden wieder aufgefrischt und leider gar manche Gläubige gefunden hat, endlich aufgeklärt würde. ' In der letzten Numuwr der amtlichen statistischen Korrespondenz wird das Religionsbekenntnis der.Beamten in folgender Weise festgestellt: Nach der Berufszählung von 19O7 entfielen von der Gesamtbevölkerung 62,77 Prozent auf die Evangelischen, 35,82 Prozent auf die Katholiken und. 0,99 Prozent auf die Juden. An der erwerbstätigen Bevölkerung waren die Evangelischen mit 63,38,-die Katholiken mit 35,12. uyd die Juden mit 1,06 Prozent beteiligt. Auf die Berufsabteilung E; welche die im Militär-, Hof-, bürgerlichen und kirchlichen Dienste Befindlichen sowiediesogenanntenfreienBerufeuinfaßt, entfallen 69.64 Prozent Evangelische, 28,67 Prozent Katholiken und 1,27 Prozent' Juden. Die Katholiken widmen sich also im allgemeinen dem öffentlichen Dienste und dew freien Berufen viel weniger, als ihrem Anteil an der erwerbsfähigen Bevölkerung zukommt. Noch viel mehr treten sie im eigentlichen Beamtentum zurück. In der Berufsart E 2, welche die Hof-, Reichs», Staats-, Kommunal-, standesherrliche Ver- . waltung, Rechtspflege, Straf- und Gefängnisverwaltung, Verwaltung von Arbeits- und Besserungshäusern und Wohltätigkeitsanstalten umfaßt, waren im Jahre 1907 73,10 Prozent Evangelische,25.36 Prozent Katholikenlund 1,20 Prozent Juden vorhanden. Allerdings hat sich seil 1882 der Anteil der Katholiken um 1,21 und der der Juden um 0,20 Prozent erhöht, während der der Evangelischen entsprechend zurückgegangen ist. In den einzelne» Berufsgruppen ist das Verhältnis der Konfessionen zueinander recht verschieden. Unter den höheren Reichs- und Staatsbeamten befinden sich 77,18 Prozent Evangelische, 18,92 Prozent Katholiken, 0,50 Prozent andere Christen, 2,85 Prozent Juden und 0,55 Prozent Angehörige sonstiger Bekenntnisse. ' Unter den Richtern und Staatsanwälten sind 7l,O5 Prozent Evangelische, dagegen 23,27 ProzentKatholiken und 5,39Prozent Juden. Noch vielmehr treten die Juden .bei den Rechtsanwälten mit 17,78 Prozent hervor; die Katholiken machen hier.24,04 Prozent und die Evangelischen 57,53 Prozent aus. Unter, den höheren Kommunalbeamten sirrd 69.64 Prozent Evangelische, 29.20 ProzentKatholiken und 0,41 Prozent Juden. Unter den mittleren Reichs- und Staatsbeamten sind 76,59 Prozent Evangelische, 22,7.6 Prozent Katholiken und 1,03 Prozent Juden; unter den niederen Reichs- und Staatsbeamten 76,40, 23,06 und 0,21 Prozent. Bei den Hosbeamten überwiegen die Evangelischen stark; Juden gibt es unter ihnen nicht. Die Katholiken sind , verhältnismübig am stärksten vertreten, bei den höheren Beamten der si an desherrlichen Verwaltung mit 47,06 Prozent, demnächst bei den niederen Beamten der Kommunalverwaltung mit 32,62 Prozents Es sind Zahlen, die viel zu denken geben. In keinem der Berufe, soweit es sich um Anstellung seitens des Staates handelt, erreichen die Juden die Zahl, die ihnen nach ihrem Anteil an der Bevölkerung zukommt. Von gar manchen sind sie völlig ausgeschlossen. Werner So mb art hat neuerdings wiederum einen Vortrag gehalten, der den Titel führte: „Ueber die Zukunst der Juden". Er setzte darin folgendes auseinander: Es sei vorerst notwendig,'über vier Punkte Klarheit zu schaffen: 1. Welches ist der heutige Zustand der Judenheit; 2. welches sind die voraussichtlichen Tendenzen, der Entwicklung, wenn die Bedingungen, wie sie heute sind, bestehen bleiben; 3. wie können die auf diese Weise aufgedeckten Verhältnisse' bewertet werden; 4. welches sind die sich daraus ergebenden praktischen Vorschläge. Die ersten beiden Punkte behandelte Sombart, in diesem Vortrag; die beiden anderen behält er sich für einen späteren Vortrag vor. Auch wir wollen, wie

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