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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-11-17 · Heft 46 (17.11.1911) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 46 (17.11.1911)
Date
1911-11-17
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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akademischen Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Während die jüdische Arbeit auf historischem und ethischem Gebiet auch für die Vergangenheit längst gewürdigt wird, ist ihr Anteil an der kosmischen Wissenschaft in früheren Jahrhunderten noch immer so gut wie unbekannt. Und doch war ihre Tätigkeit in Mathematik und Astronomie von großer Bedeutung. Bis Babylon zurück lassen sich^diese Spuren verfolgen. Die Mitarbeit der Juden auf diesem Gebiet ist dann zum letztenmal in den Tagen des Regiomontanus in Nürnberg wirksam, dann hört -sie auf und beginnt, erst wieder,im 19. iJahrhundert. Die Juden sind in jenen Tagen die Träger der griechisch-arabischen Tradition. Sie lehren an den islamitischen Hochschulen in Spanien , und Nordafrika, zum Beispiel in Karthago. Um 1480 lehrte ein Jude in Konstantinopel Astronomie. Die wissenschaftliche Bedeutungdes Maimonides wird gewürdigt, ebenso die des Levy ben Gerson (1288: bis 1344). Im fünften bis achten Jahrhundert wurde ihre Arbeit wie die astronomische Wissenschaft im Abendlande durch die christliche Kirche unterbrochen und bekämpft, weil die Kugelgestalt der Erde die Existenz von Antipoden wahrscheinlich machte, diese aber der christlichen Bekehrung unzugänglich sein mußten. Ueberwunden wurde dieser Standpunkt-zur Zeit Karls des Großen. In Syrien und Mesopotamien sind die Juden die Uebersetzer des Ptolemäus. Von Byzanz, aus dem sie im siebenten Jahrhundert vertrieben wurden, trugen sie die Wissenschaft in das Land zwischen Kaspischem und Schwarzem Meer, wo das indobulgarische Reich der Chasaren erblühte. Ein Teil der russischen Juden stammt von diesen. Bedeutsam ist auch das jüdische Wirken zur Zeit Alexander des Großen und Ptolemäus Soter, vor allem in Alexandria. Hier waren sie Träger der griechisch'- babylonischen Kultur. So groß war ihr Ruf, - daß Aristoteles seinen Schüler Kallisthenes zu ihnen entsandte. Auch die Mythe, die Abraham als Forscher auf diesem Gebiete bezeichnet, dürfte ein Nachklang früherer Wirksamkeit von Juden• sein. Die Sage vom Turm zu Babel ist eine Reaktion auf dieses himmelstürmende Streben, für das Jesajas wieder begeistert eintritt.- Zum Schluß wendet sich Geheimrat Förster gegen Gobineau und Chamberlain, die nur arische Arbeit anerkennen. - LL Königsberg i. Pr., 13. November. In der gestern stattgefundenen' Generalbersammlung der Pensionskasse, für > die. jüdischen Religions.lehrer und Kultus beamten in Ostpreußen wurden folgende Beschlüsse gefaßt: „Die. Generalversammlung bevollmächtigt den. Vorstand, selbständig alle Maßnahmen zu treffen, welche notwendig sind, um die Zulassung der Pensionskasse für jüdische Religionslehrer und Kultusbeamte in Ostpreußen als Ersatzkasse im Sinne der §§ 367 bis 377 des Entwurfes eines Versicherungsgesetzes für Angestellte zu erreichen. — Die Generalversammlung erklärt ihre Zustimmung zum Anschluß der Pensionskasse, für jüdische Religionslehrer und Kultusbeamte in Ostpreußen an den vom Deutsch-Israelischen Gemeindebund geplanten Kassenverband.(Rückversicherungsverband) jüdischerBeamten- Pensions-Hilfs- und Unterstützungskassen in Deutschland, Vorbehalt? lich, daß die ostpreußische Pensionskasse, auch durch den -Anschluß an die Rückversicheruygskaffe dieses Kassenverbandes, als Ersatzkasse im vorgenannten Sinne zugelassen wird." ■—: Zum Vertreter der Kasse aus dem vom,. Deutsch-Israelitischen Gemeindebund beabsichtigten Kassentage wurde Waisenhaus-Direktor Peritz bestimmt. — Breslau, 12. November. Der jüdische Turnverein, Breslau (im Verbände der jüdischen Turnerschaft), welcher die körperliche Ausbildung der Juden Breslaus durch Turnen und Sport sowie die Stärkung des jüdischen Selbstbewußtseins unter seinen Mitgliedern bezweckt, hielt, kürzlich seine dritte Generalversammlung ab. Der Verein hatte auch im verflossenen Jahre eine weitere Zunahme zu verzeichnen, so daß er -jetzt 116 Mitglieder zählt'. Im Winterhalbjahre veranstaltete der Verein eine Reihe von Vorträgen, an welche sich ein geselliger Teil anschloß, Ein Winterfest in Form eines Purimballes zeigte den zahlreichen Gästen, was der Verein im Laufe der Zeit geleistet hat. Der Turnboden hatte eine regere Beteiligung wie im Vorjahre, so daß der Verein an die Einrichtung einer zweiten.- Turnstunde schreiten' könnte. . Dem aus . Breslau scheidenden Vorsitzenden, Drv Hofstein,- und dem verdienten Kassierer,^Herrn Franz Weiß, wurde der Dank der Versammlung | ausgesprochen, und ersterer durch Ueberreichung. einer Adresse geehrt. Der neue Vorstand setzt sich aus Herrn Max Walk als 1. Vorsitzenden, Herrn Franz Weiß als 2. Vorsitzenden und Kassierer, Herrn Stud. Jacobh, Fräulein Hilde Stein itz als Schriftführern, Herrn Otto Böhm, Herrn Max Ehrlich, Fräulein Biram, Fräulein Martha Freund als Turnwarten zusammen. W. Posen, 12. November,; Wie alljährlich fand auch in. diesem Jahre die gottesdienstliche Vorbereitung für die Rekruten- Vereidigung der jüdischen Mannschaften am 7. d. M. abends 5 Uhr in der Neuen Synagoge statt. Der militärische Akt wurde durch die Anwesenheit Sr. Exzellenz des Stadtkommandanten Freiherrn v. Steinäcker erhöht. Das Gotteshaus war hell erleuchtet und stark gefüllt. Außerdem wohnten noch mehrere. Offiziere von hiesigen Truppenteilen dieser Feier bei. Die Mannschaften waren in Reihe und Glied nach ihren Truppengattungen vor dem Altar aufgestellt. Eingeleitet wurde die Feier durch Chorgesang „Der Herr regiert." Hierauf rezitierte Herr Oberkantor Leibowitz den Königspsalm 21. Herr Gemeinderabbiner Dr. W. Feilchenselb.hielt die Ansprache .an - die Rekruten. Er behandelte in. wohldurchdachter Rede die große Bedeutung des Eides im Judentum, betonte namentlich im weiteren, daß Pünktlichkeit, Treue und Gehorsam beim Soldaten nie fehlen dürften, und der einzelne als Glied des Ganzen sich zu bewähren habe. Zudem ermahnte der Seelsorger die Mannschaften, eingedenk des Schwurs für König und Vaterland auch des angestammten Väterglaubens sich würdig zu zeigen. Mit einem tiefempfundenen Gebete für das erlauchte Oberhaupt, das Kaiserhaus und das Heer war die Ansprache beendet. Herr Oberkantor Leibowitz trug noch den Psalm 61 vor, woran sich der Chor mit dem „Hallelujah"- gesang anschloß... An der Rekrutenvereidigung. nahmen 35 Mannschaften öer. verschiedenen Truppenteile hiesiger Garnison teil. Die Gesamtfeier übte einen äußerst tiefen Eindruck aus die Ver? sammelten aus. ££•> Nürnberg, 12. November. Der „Fränkische Kurier" brachte kürzlich folgende Notiz: Man schreibt uns: „Anläßlich des Namensfestes des Prinzregenten sind aus den Zinsen der Luitpold-Jubiläumsspende etwa 11700 Mark und vom Kapital derselben 170000 Mark verteilt worden. Während katholische und protestantische Institutionen mit diesem Geld weichlich bedacht wurden, vergaßen die verantwortlichen Ratgeber des Regenten, auch nur eine jüdische Einrichtung, wie Landesverein,. Waisenhaus, Mädchenheim usw. zur Zuwendung eines Beitrages in Vorschlag zu bringen, trotzdem sich die israelitischen bayrischen Bürger doch in hervorragender Weise an der - Spende beteiligt haben. Das hat verletzt! Damit ist, wenn auch: in sehr vorsichtiger Weise der Stimmung weiter Kreise Ausdruck verliehen worden. Während man bei den seinerzeitigen Sammlungen wohl nicht ohne Bedacht darauf gesehen hat, in die verschiedenen Komitees, die zu diesem Zwecke gebildet wurden, auch Juden als Mitglieder aüfzunehmen, so hat man jetzt bei der Verteilung der Spenden die Juden „vergessen". Die Juden in Nürnberg stehen in dieser Beziehung leider nicht vereinzelt da. LZ Köln a. Rh.,-12. November. Aus dem soeben erschienenen 6. Rechenschaftsbericht des Jugendvereins Gabriel Rieß er in Köln entnehmen wir folgendes: Das verflossene Jahr bildet insofern einen Markstein in der Geschichte des Vereins, als es in ihm gelungen ist, die Zahl der Mitglieder so beträchtlich zu erhöhen, daß nunmehr das erste Tausend weit überschritten ist, ein Resultat, welches selbst hohe Erwartungen noch bedeutend übertroffen hat. Dieser Erfolg wurde vor allem erreicht durch den kerngesunden Gedanken, der in der Bewegung steckt, nämlich durch das Jnnehalten strengster Neutralität jeglicher politischer oder religiöser Strömung gegenüber, unter Wahrung eines ifreien und ungehinderten Gedankenaustausches. Ein reicher Stoff zu regem Gedankenaustausch bot sich an den Vorträgen, die auf speziell jüdischen wie allgemein kulturellen Gebieten wichtige Probleme behandelten. Andere Faktoren, die dem Verein seinewerbende Kraft geben, waren die Einrichtung der Freitagabende, gesellschaftliche -Veranstaltungen/ Kunst- und literarische Abende, sodann seine Sprach? und wissenschaftlichen Kurse. Für Bewegung und Kräftigung des Körpers sorgte die Wandergruppe und ein Tennisklub. — Auf Initiative des Vereins wurde am 18. Dezember 1910 der „Bezirksverband der jüdischen Jugendvereine Westdeutschlands" gegründet.

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