Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 46 (17.11.1911)
- Date
- 1911-11-17
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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errichtende PHilippson-Stiftung zu^ beraten. Herr Hmüem ann- Magdeburg eröffnete die Besprechung und berichtete über das bisher vorliegende Material. Es sollten in der Hauptsache Bestimmungen über den Zweck bzw. Verwendung der Einkünfte aus der neu zu errichtenden Stiftung getroffen'werden. Auf Wunsch wurde aus dem Statut der bereits bestehenden, vom Teutsch-Jsraelitischen,,Gemeindebund verwalteten Philippson-Stistung der Verwendungszweck verlesen, wonach der Ertrag für, Unterstützung jüdischer Lehrer zu ^4. für Unterstützung jüdischer Beamten zu ®/4 Verwendung findet. Die meisten der anwesenden Herren gaben der Ansicht Ausdruck, daß die Verwendung der neuen Stiftungserträge nicht gleichen Zwecken'dienen sollen. Es wurde darum folgender Beschlutz gefaßt: Der Betrag der Philippson-Stistung soll^zur Verwaltung in die Hände der „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" gegeben werden. Die Einkünfte sollen dazu verivendet werden, gediegene, allgemeinverständliche Schriften, die zur Aufklärung über Juden und Judentum dienen, unentgeltlich oder zu mäßigen Preisen zu verbreiten. In erster Reihe sollen hierbei kleine bedürftige Gemeinden, deren Schulen und Beamte sowie Vereine- und Institute zur Erziehung oder Förderung der jüdischen Jugend berücksichtigt werden. Die Stiftung soll den Namen'erhalten: Ludwig-Philippson-Ekdächtnis-Stistung. Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums soll sogleich gefragt werden, ob. sie bereit sei. die Stiftung nnzunehmeu und in beschlossener Art zu verwalten. — Es mag bei diese.r Gelegenheit daran erinnert werden, daß Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in den 40er Jahren eine Zeitlang Vorsitzender des allgemeinen Lehrervereins in der Provinz Sachsen war, obgleich in dieser Provinz nur eine jüdische Volksschule bestand und noch besteht (Halberstadt). Es ist dies ein Beweis toleranten Denkens einerseits und wiederum ein Zeugnis der hohen Achtung, deren sich Ludwig Philippson in christlichen Lehrerkreisen zu erfreuen hatte. £2 Berlin, 14. November. Das Kuratorium der Witwen- und Waisenkasse der Rabbiner Deutschlands hatte die Mitglieder und den Aufsichtsrat für den 6. d. M. in das Verwaltungsgebäude der jüdischen Gemeinde zusammenbernfen, um zum Versicherungsgesetz für Angestellte Stellung zu nehmen. Das Gesetz.erklärt zwar die Geistlichen der als öffentlich rechtliche Korporationen anerkannten Religionsgemeinschaften für versicherungsfrei; immerhin erscheint es zweifelhaft, ob diese Freiheit auch den Rabbinern, wenigstens in Preußen, zugute kommt. Die Meinungen in der. Versammlung gingen auch darüber auseinander, ob es überhaupt wünschenswert erscheine, die Rabbiner in das für ganz andere Kreise.von Angestellten berechnete Gesetz einbeziehen zu lassen. Die Mehrheit der Anwesenden hielt die Einführung eines gesetzlichen Versicherungszwanges im Interesse der Rabbiner, die nicht in Großgemeinden wirken, für durchaus erwünscht. Einmütig sprach jedoch die Versammlung ihre Sympathie für. die Schaffung einer Sonderkasse für die. jüdischen Gemeindebeamten, aus und :gab -dem Wunsche Ausdruck, daß die Rabbiner das Zustandekommen eines solchen Kassenverbandes mit allen Kräften fördern möchten. . *** Berlin, 14. November. Ter Verein „Freunde der Taubstummen — Jedide Ilmim“ (Erziehungs-Anstalt Berlin-Weißensee) versendet .soeben folgenden beherzigenswerten Ausruf,: Den im vorigen Jahr geäußerten Wunsch, es möchte anläßlich der herannahenden.Chanukkatage -die Jugend uns helfen, das Los der von der Natur vernachlässigten jüdischen .taubstummen Kinder zu mildern, müssen wir wiederum erneuern. Der zur Vergrößerung unserer Anstalt notwendig gewordene Anbau hat uns ungemein,-belastet und, unseren Vermögensbestand fast ganz' absorbiert. Die Zahl unserer, aus allen Teilen des Reichs stammenden Zöglinge beträgt 50. Dadurch, daß wir diesen Kindern. die Fähigkeit geben) sich mit ihren hörenden Mitmenschen in der Lautsprache zu unterhalten, erziehen wir sie zu werktätigen und fchaffenssreudigen Menschen. Der größere Teil der Kinder ist bei uns in; Freistellen. Die Mittel hierzu müssen uns durch jährliche Beiträge, Spenden, Stiftungen oder Sammlungen gewährt werden. Bitten aus Kindermund werden-leicht erhört, und deshalb mögen auch unsere Kleinen für uns eintreten und für uns sammeln. An die Herren Ra b b ine r, V 0 rft än de und Leh r er richten wir-die dringende Bittedieses ,zu veranlassen .und gleichzeitig dafür zu sorgen, daß in den ihnen unterstellten Gemeinden allgemein -zur Kenntnis gebracht nnrd,, daß 'jüdische taubstumme Kinder nur in "unserer, nun wesentlich vergrößerten Anstalt unterrichtet und zu sittlich religiösen- Menschen-erzogen werden, da sie die einzige 'jüdische Ta'ubstummen-Anstalt in Deutschland ist. Postsendungen gütigst an Herrn Adolph Salomon. Charlottenburg 2, Knesebeckstr. -35/36. . Postscheck-Konto: Berlin 6222. > £2 Berlin, -14. November. Die Gesellschaft zur■■ 3?öe= , derung der Wissenschaftdes Judentums versendet ein Zirkular, dem wir.; folgendes entnehmen: Von' dem Grundriß der Gesamtwissenschaft des Judentums ist soeben erschienen: Neueste Geschichte des jüdisclen Volkes.von Professor Dr. M. Philippson, Band III. Dieser Band behandelt die Geschichte der Juden in Rußland und Polen von 1830 bis 1910 unter den vier Herrschern Nikolaus '!., Alexander II., Alexander III. und Nikolaus II. Es ist die erste umfassende Darstellung der neueren Geschichte der russischen Juden in deutscher Sprache. Ein alphabetisches Personenregister für alle drei Bände macht das Werk insbesondere für diejenigen unentbehrlich, welche die ersten beiden Bände der Neuesten Geschichte des jüdischen Volkes bereits besitzen. Das Werk ist. zum Preise von 6 und 7 Mark, für' Mitglieder der Gesellschaft zum Preise von 4 und 5 Mark, ausschließlich 0.30 Mark Porto, von der Buchhandlung Gustav Fock Gm. b. H., Leipzig, Postscheck-Konto Leipzig 1243, zu beziehen. Die Familie Ludwig Philippsons hat a".s Anlaß der; hundertsten Wiederkehr seines Geburtstags am 28. Dezember d. I. eine Sammlung ausgewählter Abhandlungen aus seiner Feder der Gesellschaft in ein.r größeren Anzahl von Exemplaren zur Verteilung an ihre Mitglieder zur Verfügung gestellt. Diejenigen Mitglieder, welche das zweibändige Werk in vornehmem Einband zu erhalten wünschen, werden gebeten, für diesen Einband 2 Mark an Herrn Dr. N. M. Nathan, Berlin ll. 24, Postscheck-Konto 11776, umgehend einzusenden; .der Ladenpreis beträgt 12, gebunden 15 Mark. Neu hinzutretende Mitglieder erhalten, das Werk ebenfalls zu gleichen Bedingungen zugesandt. Gleichfalls aus Anlaß der Zentenarfeier Ludwig Philippsons erscheint demnächst eine Biographie Philippsons von Rektor Feiner-Hamburg; ferner auch demnächst der erweiterte Vortrag über die jüdischen Katakomben vor der Porta Portese in Rom von Professor Dr. Müller-Berlin. Die Gesellschaft besitzt noch * eine Anzahl Exemplare des zweiten Bandes der Gesammelten Schriften von D. Kaufniann und des Werkes: Aus Lion Gomperz' nachgelassenen Schriften. Elfterer Band ist gegen Einsendung von O. 50 Mark von Herrn Dr. N. M. Nathan, letzteres kostenlos von Herrn Ad. Alkalay L Sohn in Preßburg zu beziehen. Die Gesellschaft bittet endlich ihre Mitglieder um Einsendung der noch rückständigen Beiträge sowie um etwa notwendig gewordene Berichtigung ihrer Adressen. H. Berlin, 14. November. Der. „Verein zur Bekleidung armer jüdischer Kinder E. V." veranstaltete am letzten Sonnabend in den-Gesamträumen der Philharmonie sein diesjähriges Wohltätigkeilsfest, das von fast 2000 Personen besucht war. Es wurde von einem Künstlerkonzert ein geleitet, für das sich eine ) Anzahl hervorragender Kräfte zur Verfügung gestellt hatte. An das Konzert, das stürmischen Beifall fand, schloß sich ein Ball, der bis zur frühen Morgenstunde dauerte. Außerdem war auch für allerlei Abwechslungen trefflich gesorgt. Besonders wurde die Tombola viel in Anspruch genommen. Hoffentlich hat das Fest seinen Zweck erfüllt und der Vereinskasse, recht viel Mittel für sein Wohltätigkeitswerk zugeführt. H. Berlin, 14. November. Die „Jüdische Tohnbeehalle" der Berliner Logen U. O. B. B. versendet soeben ihren. Geschäfts-' bericht über das siebente Betriebsjahr (1. November 1910 bis 31. März 1911). Wir entnehmen ihm, daß 126 Vorträge aus allen Gebieten der Wissenschaft und Kunst gehalten wurden, während'beim musikalisch-deklamatorischen Teile sich 485 Personen betätigten. Die - Einnahmen betrugen 18726 Mark, denen 16560 Mark Ausgaben gegenüberstehen. Außerdem besitzt der Verein einen Effektenbesitz in Höhe von 11800 Mark. Die Zahl der Mitglieder beträgt insgesamt 757. ' . - V. 2. Berlin, 14. November, lieber den Anteil der Juden an der wissen sch östlichen Arbeit von Babylon bis Nürnberg sprach Gehennrat Wilhelm Förster am letzten Dienstag im