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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-11-17 · Heft 46 (17.11.1911) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 46 (17.11.1911)
Date
1911-11-17
Page
– (sequence 13)
Language
German
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75. Jahrgang Nr. 46 Berlin, 17. November 1911 Beilage zur „Allgemeinen Leitung des Judentums“. SorrekMnven?rn und Mschrichtrn. Dettschlsnd. *** Berlin, 14. November. Die letzte Nummer, des amtlichen Organs unseres Genieindevorstandes bringt einen ausführlichen Bericht über die anläßlich der Grundsteinlegung zum Neubau des jüdischen Krankenhauses an der Exerzierstraße am 5. v. M. stattgefundene Feier. Neben der Festrede des Herrn Sanitätsrats Dr. W. Feil chenfeld, die von kulturhistorischem Interesse ist, fesselt zunächst unsere Aufmerksamkeit die Ansprache des Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung und des Krankenhausvorstandes Herrn Louis Sachs, der in seinen Ausführungen einen „Blick aus der Gegenwart auf die Zukunft" wirft und ein lebhaftes Bild auS der Geschichte des seit 1861 in der.Auguststraße bestehenden Krankenhauses entrollt. Nicht minder erwähnenswert sind die Sprüche, welche die üblichen Hammerschläge begleiteten. Die ersten Hammerschläge vollzog Rabbiner Dr. Nosenzweig mit einer längeren Ansprache, aus der folgender Passus hier wiedergegcben sei: „Wir legen den Grundstein zu dem Hause, das allezeit unsere Huldigung unserem Kaiser und König und unserem deutschen Vaterlande künde, das allezeit sei eine Stätte, in der deutsches Wissen und das höchste Wissen der Menschheit, reine Menschenliebe, die Hände sich reichen, Kranke zu heilen und Verzagenden neuen Lebensmut einzuhauchen — ein Haus soll es werden zur Zierde unserer an Ehren reichen Vaterstadt, zum Stolze unserer stets opferfreudigen jüdischen Gemeinde, der Muttergemeinde der deutschen Judenheit!" Der Spruch des Herrn Carl Leopold Netter, der an Stelle des am Erscheinen verhinderten Vorsitzenden des Vorstandes, des Herrn Julius Jacoby, die drei Hammerschläge vollzog, lautete: „Dies Haus werde eine Stätte wahrer Nächstenliebe, echter Wissenschaft und treuer. Arbeit." Herr Louis Sachs vollzog die Hammerschläge mit dem Spruche: „Heil dem, der sich der Leidenden annimmt. Der Lohn der Krankenpflege ist unbegrenzt. Auf den Werken der Menschenliebe steht die Welt." Herr Professor Dr. H. S trauß begleitete die Hammerschläge mit dem Satze: , 8alus aegroti suprema lex!“ Herr B adt, namens der bauleitenden Kommission, sprach vor dem Hammerschlag die folgenden Worte: „Auf drei Dingen ruht die Welt, auf Lehre, Gottesdienst.und Wohltätigkeit." Herr Moritz Manheimer begleitete die Hammerschläge mit einem hebräischen Spruche, der wörtlich lautete: 1)128 NN N->2N 'b^rb ..Höbt» N81L1 nbrc- „Mögen alle, welche in diesem Hause Gesundung suchen, vollständige Genesung und Heilung finden! Das walte Gott! Amen!" Berlin, 14. November. Am 6. d. M., gleichzeitig mit dem Älliancetag und dem Deutsch-Israelitischen Verbandstag wie einer Reihe anderer jüdischer Tagungen, hielt auch der Verband jüdischer Krankenpflegerinnenvereine, wie schon kurz mitgeteilt, im zweiten Verwaltungsgebäude der Gemeinde seinen Verbandstag ab. Er war von insgesamt 4! Delegierten aus allen Teilen des Reiches beschickt worden und faßte in länger als fünfstündigen Beratungen eine ganze Reihe von Beschlüssen, deren wichtigster wohl derjenige über die Pensionierung der im Dienste der Krankenpflege arbeitsunfähigen Schwesternist. Die unter dem Vorsitz des Herrn Louis Sachs tagende Versammlung beschäftigte sich zunächst nach Erstattung des Geschäftsberichtes mit einer kleinen Mißhelligkeit, die durch eine inzwischen zurückgenommene Aeußerung des Herrn Dr. Feldmann-Stuttgart entstanden war. Herr Dr. Feldmann hatte einen Protest eingereicht gegen die Protokollierung jener Aeußerung und der Debatte darüber in der vorgehenden Delegiertenversammlung. Da Herr Dr. Feldmann persönlich aber nicht erschienen war, so wurde in dieser Angelegenheit der folgende Antrag angenommen: „Die Delegiertenversammlung bedauert die in der Sache Dr. Feldmann vorgekommenen Mißverständnisse sowie seine Abwesenheit in der heutigen Versammlung, sieht sich daher nicht in der Lage, über die Sache zu entscheiden und geht deshalb über seinen Protest zur Tagesordnung über." Zum Geschäftsbericht sprach sodann Herr'Stadtrat Kirch heim-Frankfurt a. M. sein lebhaftes Bedauern darüber aus, daß man davon abgesehen habe, auch seitens der jüdischen Krankenpflegerinnenorganisation die Dresdener Internationale Hygiene-Ausstellung zu beschicken. Der Vorsitzende Herr Louis S ach s teilte darauf mit, oaß die große Anzahl aller übrigen Vereine sich in. der Angelegenheit ablehnend verhalten habe und zu einer Beteiligung an der Dresdener Ausstellung nichts zu veranlassen war. Die ausgedehnteste Debatte rief dann die Beratung des dritten Punktes der Tagesordnung hervor, nämlich die Beschlußfassung betreffend die Festsetzung eines Pensionsreglements. Nach eingehenden Erörterungen gelangte folgender Antrag zur Annahme: „Zur Beratung des Entwurfes der Pensionsbestimmungen und eventuell anderer Bestimmungen zu den Leitsätzen soll eine von dem Vorstand festzusetzende außeror dentliche oder ordentliche Delegiertenversammlung einberusen werden. Den einzelnen Vereinen sollen vorher die Pensionsbestimmungen sämtlicher Vereine zugeschickt werden." Aus den' Debatten darf hervorgehoben werden, daß sich das weitestgehende Wohlwollen der beteiligten Kreise kundgab und eine ausreichende Pensionsversorgung der jüdischen Krankenschwestern überall sicher zu erwarten steht, wie sie ja schon jetzt besteht. Die Erörterung dieser ersten drei Punkte der Tagesordnung hatte fast den ganzen Vormittag ausgefüllt. Die Nachmittagssitzung, die nach einstündiger Frühstückspause einsetzte, brachte zunächst die Zurückziehung eines Antrages der Großloge, der eine gleichmäßige Ausbildung der Pflegerinnen bezüglich des Lehrstoffes, praktischer Arbeit und Zeit verlangte. Dieser Großlogenantrag wird aber in der folgenden Formulierung einstimmig angenommen': „Die Verbandsschwestern sind verpflichtet, in einer Station, in welcher Schwestern aus anderen Mutterhäusern arbeiten, gemeinschaftlich zu wirken, ohne Rücksicht darauf, wo sie ausgebildet sind." Der weitere Antrag der Großloge, daß eine einheitliche gleiche Tracht für alle Krankenschwestern eingeführt werden solle, wird zurückgezogen. Auf Antrag Breslau soll dem § 15 der Statuten ein neuer Absatz, der die Annahme von Zuwendungen betrifft, zugesügt werden. Der Antrag wird nach einer kurzen Diskussion in der folgenden Form angenommen: „Dem § 15 der Leitsätze ist folgender Absatz hinzuzüfügen:' Ueber die Gestattung der Annahme von Zuwendungen oder in einer verbürgten mündlichen Form gemachten Verfügungen entscheidet der Vereinsvorstand." — Von Berlin war des weiteren' ein Antrag gestellt, daß die Lehrzeit in der Regel 1^2 Juhr betragen soll. Dieser Antrag wird aber, da sich dagegen begründete Bedenken erheben, von der Antragstellerin selbst zurückgezogen. Daß das jüdische Krankenpflegerinnenwesen auf der Höhe der Zeit steht und nicht etwa Zweifel daran die Ursache der Nichtbeteiligung auf der Internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden gewesen sind, bekundet folgender Antrag, der einstimmig angenommen wurde: „Der Vorstand möge sich an der Anfang des nächsten Jahres (1912) in Berlin stattfindenden Ausstellung „Die Frau in'Haus und Berus" beteiligen". Man wird also in allernächster Zeit hier in der Reichshauptstadt Gelegenheit haben, den Stand und die Leistungen des jüdischen Krankenpflegedienstes, der ja immer schon seit altersgrauen Zeiten der Stolz des Judentums gewesen' ist, in der breitesten, auch nichtjüdischen Oeffentlichkeit kennen und schätzen zu lernen. Nachdem noch der Rechnungsabschluß dechargiert und die bisherigen Kasfenrevisoren wiedergewählt waren, wurde als Ort der nächsten Delegiertenversammlung wiederum Berlin bestimmt und dann nach den herzlichen Dankesworten aus der Mitte der Versammlung an Vorstand und Versammlungsleitung die Tagung geschlossen. Berlin, 14. November. Einer Einladung der israelitischen Gemeinde zu Magdeburg folgend, traten hier am 6. d. M. mehrere Berliner und auswärtige Herren zusammen, um über die bevorstehende Philiptzson-Sä külarseier und die aüs diesem Anlaß zu

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