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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-11-17 · Heft 46 (17.11.1911) · p. Seite 545

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 46 (17.11.1911)
Date
1911-11-17
Page
Seite 545 (sequence 5)
Language
German
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Die Grenze zwischen den Oktobristen und der ^Rechten" ist offenbar ganz.geschwunden. . . Das offene, antisemitische Bekenntnis Gutschkows> hat in weiten Kreisen Verwunderung hervorgerufen. Jedenfalls liegt in dieser wetterwendischen Haltung der Pseudo-konstitutionellen Partei ein hochbedeutsames Symptom für - die in maßgebenden Kreisen herrschende Stimmung. v-' Von dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund erhalten wir folgende Zuschrift: Zum Angestellten-Versicheru'ngsaesetz. Die Kommissionsberatung des Reichstages über^das Angestellten' Versicherungsgesetz hat bezüglich der Frage der ^rsatzkäffen das Ergebnis gehabt, daß die Schaffung einer neuen Kasse durch Zusammenschluß der Gemeinden untunlich ist. Dagegen erscheint es nicht auSgeschloffen, auf dem Wege eines Verbandes der bereits bestehenden Kaffen zur Schaffung einer gesetzlich anerkannten Ersatzkasse zu gelangen. Den betreffenden Kaffen fällt die Aufgabe zu, die Versorgungsversicherung der Mitglieder ihres Bezirkes mindestens in gesetzlichem Umfange zu übernehmen. Sie sollen nicht mehr Hilfskassen, sondern eigentliche Pensionskassen sein. Durch Anschluß an die zu errichtende staatlich genehmigte Rückversicherungskasse würden sie aber Vorteile bieten, die die Reichsversicherungskasse nicht aufweisen wird. Diese Vorteile werden sein neben der Garantie der reichsgesetzlichen Leistungen: 1. Gewährung des Ruhegeldes bei Arbeitsunfähigkeit im eigenen Berufe; 2. Entscheidung über Pensionsbewilligung durch Berufsgenoffen (nicht durch fremde, den Verhältnissen des Berufes unserer jüdischenGemeindebeamten fernstehende Personen; 3. Ermäßigung des gesetzlichen Beitrages oder Erhöhung der Pension aus Ueberschiissen und freien Mitteln der Versicherungskasse (Stiftungen, Zuwendungen); 4. Gewährung des Heilverfahrens in einer für jüdische Beamten geeigneten Weise; 5. Möglichkeit einer erhöhten Versicherung im unbeschränkten Umfange gegen entsprechend höhere Beiträge; 6. Möglichkeit einer Abkürzung der Wartezeit und der Versicherung früherer Dienstjahre durch. Beitragszuschlag; 7. Rückvergütung der Eigenbeiträge an Beamte und deren Hinterbliebene bei Eintritt eines Versorgungsfalles schon nach dreijähriger Mitgliedshauer; 8. Aufrechterhaltung der erworbenen Ansprüche in voller Höhe bei vorzeitigem Ausscheiden des Beamten aus der versicherungspflichtigen Tätigkeit. Die Verbandskassen (jetzigen Hilfskassen) können diese Leistungen dev Rückversicherungskasse' für ihre Mitglieder dann noch aus ihren eigenen ganz unverkürzt bleibenden Mitteln erhöhen, ihnen noch ihrerseits Beihilfen zu den gesetzlichen Beträgen gewähren oder sonstige Vorteile nach ihrem Belieben und nach ihren Kräften bieten. Solche Versorgungsleistung ist für dieselben (gesetzlichen) Beiträge sonst nirgends zu beschaffen; solch günstige Versorgungsweise ist nur . durch eigene Rückversicherungskasse für die jüdischen Gemeindebeamten zu ermöglichen. Solche Vorteile für die eigenen Mitglieder der zeitigen Hilfskasse sind nur bei Zusammenschluß aller .unserer Versorgungshilfskassen zu einem Kassenverbande zu erreichen. Keine unserer bestehenden Kassen hat Aussicht/ für sich allein als „Ersatzkaffe" anerkannt zu werden, weil dafür eine größere Anzahl von Mitgliedern Vorbedingung ist. Keine vermöchte auch als Ersatzkasse für sich allein die Vorteile eines gemeinsamen großen Kassenverbandes zu bieten. Um zu diesem Ziele zu gelangen, hat der Deutsch-Israelitische Gemeindebund^ an alle bestehenden Beamtenkassen .ein eingehendes Rundschreiben gerichtet und deren Einberufung zu .einer konstituierenden Versammlung für den 22.'November angekündigt. Er hat ferner die Beamtenvereine, die Provinzial- Gemeindeverbände sowie alle großen Vereinigungen, die sich irgendwie für die Frage der Beamtenversorgung interessieren, durch besondere Zirkulare zur Unterstützung.dieses Planes, aüfgefordert. Vor allem aber hat sich der Bund unverzüglich an sämtliche Gemeinden und Institute, an denen Beamte beschäftigt sind, mit der Aufforderung gewandt, um» gehend die Anmeldung zu vollziehen. Die sofortige Beitrittserklärung kann keinesfalls schaden, denn auch in den Fällen, wo es zweifelhaft erscheint, ob einer oder der andere Beamte unter die Bestimmungen des Angestellten-Versicherungsgesetzes fällt, ob er infolge ausreichender Fürsorge persönlich davon befreit ist, ja auch; wenn alle gegenwärtigen Beamten befreit sein' sollten oder Vakanz horliegt, ist der Beitritt izu empfehlen; die Beitragszahlungen ruhendann eben, bis ein versicherungspflichtiger Beamter angestellt ist. Dagegen ist nach Ablauf des gesetzlichen Termins ein Beitritt nicht mehr möglich, die später angestellten Beamten fallen unterdas Gesetz und gehen der vorstehend aufgeführten Vorteile verlustig. '' Das Oreuhje von Schlüchtern. 1B15. as hier veröffentlichte- Bild entnehmen wir einem, eben erschienenen Büche?) Es ist keineswegs eine bloße Karikatur, obgleich ein bißchen Ironie den Griffel des Zeichners geführt hat. Ludwig Grimm hat selbst über dem von ihm Dargestellten folgendes in feinem Briefe an feinen Bruder Ferdinand berichtet: „Auf dem Heimweg (von Schlüchtern) begegneten uns der Jochil und das Preußje! - Das letztere ist jetzt 72 Jahre, läuft aber noch die Woche, jahrein, jahraus, zweimal nach Steinau, pocht bei. Wilhelm an die Tür und sagt weiter nichts als: „Nix ze bestelle nach Schlichtern? Kee Haasebälkche, nix vo Woor?", wenn auch gar niemand im Zimmer ist. Das „Preußje" ist ein wahres Bedürfnis -für Steinau, weil es Zitronen und dergleichen Sachen dahinschleppt, alle Leute haben es gern, und ich habe es gezeichnet und sehr ähnlich." Und an einer anderen Stelle erzählt Ludwig über das Preußje folgendes: „Es war ein kleines Männchen, immer munter, witzig und vergnügt und ließ sich durch nichts abschrecken. Wenn er elsmal kam und abgewiesen ward, kam er das zwölfte Mal doch wieder. Er ist wenigstens 90 Jahre, alt geworden. In seinem echten Schacherjudengesicht, mit dem weißen, spitzigen Bärtchen am Kinn, lag so viel Verstand, Witz, Schlauheit und doch auch Gutmütigkeit, und er hatte . ein so verschlagenes Lächeln, daß es eine, Freude war, dieses Original anzusehen. Die Leute betrachteten ihn als einen braven Juden, bei alt und jung war er bekannt, war bis l) Ludwig Emil Grimm, Erinnerungen aus meinem Leben. Herausgegeben und ergänzt von Prof. Adolf Stoll. Leipzig, Hesse und Becker, Verlag 1911. Der Herausgeber hat ausgezeichnete.^ Ertlärungen und Anmerkungen dem Texte beigesügt. Das jpmiftje von Schlüchtern. 1815. WM

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