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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-11-10 · Heft 45 (10.11.1911) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 45 (10.11.1911)
Date
1911-11-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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75v Jahrgang Nr. 45. Berlin, 10. November 1911 Hei läge zur „Allgemeinen Leitung de§ Judentums^. KorktlpsnyMM und Kachrichtm. .Deutschland. ----- Berlin, 7. November. Wenn man bedenkt, daß die ^Alliance Israelite Universelle" in Deutschland 13 000 Mitglieder zählt, so ..müßte man eigentlich sagen, daß der Besuch des am gestrigen Tage im Saale der Gesellschaft .der Freunde abgchaltenen Alliancetag nicht die Scharen herbeigeführt hat, die man sich bei diesem Anlaß wohl dachte oder, wünschte. Trotzdem waren zirka 400 Personen der Einladung der D. C. G. gefolgt. Erösinet wurde die Versammlung durch den Vorsitzenden der Konferenzgemeinschaft Herrn Justizrat Dr. Fuchs. Er skizzierte die geschichtliche Entwicklung der Unstimmigkeiten zwischen Paris und Berlin bis zum heutigen Tage - und'fand ziemlich scharfe, wenn auch, selbstverständlich immer , sachlich gehaltene Worte der Kritik des gegenwärtigen Vorhabens des Zentralkomitees, die Wahlen abzuschaffen. In ausführlicherer Weise tat dies auch Herr Geheimrat Landau, der die Schuld an den unerquicklichen Verhältnissen dem autokratischen selbstherrlichen Gebühren der Pariser Herren zuschrieb. In der hierauf folgenden Debatte übte. Herr Direktor Dr. Adler-Frankfurt ct. M. scharfe Kritik an angebliche Unterlassungen und unrichtigen Handlungen der Deutschen Konferenzgemeinschaft, die nach seiner Auffassung nicht auf der Höhe der Situation gestanden. Er bemängelte die früheren großen Ausgaben für das deutsche Bureau und konnte auch der Propaganda ^urch die Zeitschrift „Ost und West" keine sonderlich gute Seite abgewinnen. Dabei sei diese-.Zeitschrift ein Organ, das in jenem Fahrwasser segele, in dem zu folgen die Mehrzahl der. deutschen Juden ablehnt. (Die meisten Vorwürfe konnte der Präsident der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft teilweise unter Vorlegung dokumentarischer Belege als unbegründet zurückweisen) Das Vorgehen des Pariser Zentralkomitees aber, die Mahl abzuschaffen, hält er für so verhängnisvoll, daß auch er den schärfsten Protest als berechtigt anerkennt.. Der deutsche Einfluß sei nicht nur zu wahren, sondern auch zu stärken. Würde der Antrag, der Pariser zur Annahme gelangen, so würden wir uns ernstlich fragen müssen, ob-wir weiter mitznarbeiten bereit sind. Allerdings seien solche Erwägungen erst dann nötig, wenn man sich in Paris nicht doch noch eines Besseren besinnt. Der Protest müßte ein einmütiger, sein - Hier müssen wir alle zusammenstehen. Dazu aber bedürfe.es noch der Ausschaltung alles Nebensächlichen aus dem Inhalt der Resolution. Es; folgten dann noch einige Herren, die dem Frieden .das Wort redeten- Herr Rabbiner Dr. .Gronemann-Hannover erklärt, daß er für die Resolution stimmen würde, auch Herr .Rabbiner.Tr. Rosenthal- Breslaü äst für einen energischen Protest, bittet jedoch um eine andere Formulierung der Resolution. Herr J'ustizrat B l a u - Frankfurt a. M. findet schließlich die Formel, auf .der sich die. ganze Versammlung einigte. Herr Kommerzienrat Gallinger-Nürnberg versuchte seinen nur ein klein wenig abweichenden Standpunkt' sestzulegey. Die alsdann mit allen gegen eine Stimme angenommene Resolution hat folgenden Wortlaut.: „Der am 6. November 1911 in Berlin versammelte Alliancetag erklärt hiermit seinen schärfsten Protest gegen den Versuch, das allgemeine Wahlrecht zu beseitigen und an seiner Stelle die Kooptation zu setzen.. Die , deutschen Mitglied der „Alliance Israölite .Universelle" Derlfliigien behufs Sicherung eines wirksamen Einflusses auf die Leitung der Geschäfte, die Vornahme entsprechender Maßnahmen. Der Alliancetag; er.hebt warnend seine Stimme gegen das Vorgehen von Paris, das eine Vernichtung des Gedankens der ,,Alliance Israelile .Universelle^ bedeutet und eine .Vernichtung der Alliance..in Deutschland." / >1.-. Berlin)?. November. Zurfreien Aussprache über .die beabsichtigte Statutenänderung des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes.hatten sich gestern auf.Einladung des letzteren etwa ISO bis .200 Herren aus allen Teilen...des Reiches .in den Festsälen des Brüdervereins zusammengefunden. Außer den Gemeindeverbanden war eine Einladung an eine Reihe von hervorragenden Glaubensgenossen ergangen. Nach einer längeren. Einführungsrede .des Vorsitzenden des Gemeindebundes, Herrn Professor Philippson, der ein lichtvolles, klares Bild von der gegenwärtigen Sachlage gab, sprach sich eine große Anzahl der Herren unter der ausdrücklich bekundeten Zustimmung der großen Majorität der Versammlung dahin aus, daß eine Statutenänderung durchaus eine der dringendsten . Aufgaben ist, damit sich Szenen, wie sie auf den beiden letzten Gemeindetagen leider zu verzeichnen waren, nicht wiederholen. Herr Professor Philippson gab ziemlich klar zu verstehen, daß, wenn die Politik prinzipieller Opposition, deren Moliv das Parteiinteresse ist,' nicht zu beschwichtigen sein sollte, sich kaum jemand finden dürste, der sich der mühevollen und wirklich nicht leichten Tätigkeit im Ehrenamts des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes unterziehen würde. Es wird auf die Einzelheiten der interessanten Debatte, in der hauptsächlich das oppositionelle Element durch Herrn Bankier L o ewy° Rawitsch vertreten war, noch zurückzukommen sein. Man. darf nach dieser Versammlung die Hoffnung hegen, daß beide Gegner sich auf der-mittleren Linie des Antrages Dr. Apfel zusammenfinden werden. y. Berlin, 7. November. Sonntag und Montag waren die Tage der Kongresse jüdischer Vereinigungen und Organisationen. Neben den . beiden im Brennpunkt des öffentlichen Interesses stehenden Tagungen des Verbandes der Deutschen Juden und der Alliance gab es noch .ein halbes Dutzend anderer .Tagungen jüdischen Gharakte.rs, -/deren bedeutungsvollste neben den Beratungen, des. Dentsch- ,:Jsraelitischen Gemeindebundes und denen des liberalen Rabbiner- - verbandes, die Tagung des „DKutschen Verbandes jüdischer Krankenpflegerinnenvereine" war, der. unter dem Vorsitz des Herrn Lo.uis Sachs im zweiten Verwaltungsgebäude.der jüdischen. Gemeinde tagte. Die reichhaltige Tagesordnung , umfaßte nicht weniger als zehn -Punkte. Den weitaus größten Teil der Zeit der fast fünfstündigen Beratungen nqhgr die Frage der Pensionierung, der Schwestern ein. Leider wurde ein definitives Resultat noch nicht,.erzielt. : An den Debatten,/nahmen unter anderen teil: Stadtrat K i r ch h e i m - Frankfurt a. M.; E d u ar d Sachs - Breslau,. Dr-, Ä u e r - bach-Köln, Dr. Simon-München, Geheimrat, Wollstein»Breslau und Geheimer Sanitätsrat Maretzki-Berlin. Eingehendere Mitteilungen über den Gang der Verhandlungen sollen demnächst erfolgen. 22 Berlin, . 7. November. Der Verein für Arbeitsnachweis (begründet von den Berliner Logen U. O. B, B.) schreibt uns: Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage auf dem Berliner Arbeitsmarkt läßt im Berichtsmonat darauf schließen, daß die relativ günstige Konjunktur der Vormonate auch in der vorgerückten Saison anzuhalten scheint, Von 353 Stell-ungslosen, welche die Dienste unseres Vereins in Anspruch nahmen, konnte 328 Personen, und zwar 75 Kaufleute, 104 Handlungsgehilfinnen und:149 gewerblichen Arbeitskräften, die geeignete Arbeitsgelegenheit nachgewiesen werden. Die Jnkassoabteilung und die Schreibstube des Vereins waren gleichfalls ausreichend beschäftigt, wenngleich eine noch erheblichere Inanspruchnahme letzteren sehr wünschenswert wäre; auch die Arbeiten zu den bevorstehenden Wahlen dürften hierzu in großem Maße Gelegenheit geben. Gerade die Einrichtung unserer Schreibstube.macht es möglich, Bewerber, die sich in trauriger Lage befinden, durch Uebertragung leichterer Arbeiten.bei sofortiger Auszahlung des Verdienstes vor dringendster Not zu schützen. - , 7. November. Am 14. November abends 9 Uhr - veranstaltet der Jüdis che Jugendbund E. V. eine große öffentliche Versammlung im großen Saale des „Tiergartenhofs", über das Thema: „Die Aufgaben der jüdischen Jugend". Es werden.sprechen . .Dr,' Theodor Zlo cisti: „Ein Appell an die jüdische Jugend", Dr. P run o Is a a.c: „Erziehung zum. jüdischen. Selbstbewubtseiu", .. und Rabbiner Dr. W.arsch au er wird einen Vortrag über .„Die .jüdischen Probleme. der.-Gegenwart und die jüdische Jugend" halten. Es wird .um zahlreichen Besuch gebeten. ,r . , t /

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