Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 44 (3.11.1911)
- Date
- 1911-11-03
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Zunz am Haufe Auguststraße 60 wird ein Betrag von 200 Mark bewilligt. Die Tafel enthält die Inschrift: „Hier wohnte und wirkte Dr. Leopold Zunz 1858 bis. 1886. Semem Andenken die . jüdische Gemeinde Berlin 1911". — Der Israelitischen Religionsgemeinde Groß-Lichterfelde-Lankwitz werden nachträglich zur Deckung des vorjährigen Defizits.und als Beitrag für den diesjährigen FestgotteSdienst 600 Mark, für den jüdischen Religionsunterricht an der Brüh l schen h ö h er en T ö'ch t er schule auch für die Zeit vom 1. OKdber 1911 bis 30. September 1912 ^wieder 6OO Mark und der David Herzogschen Freitischstiftung ein einmaliger Zuschuß von 800 Mark bewilligt. Schließlich gibt die Versammlung noch ihre Zustimmung zur Anstellung einer Klage auf Rückzahlung einer, für die jüdische Gemeinde eingetragenen Hypothek von 100 000 Mark auf dem Grundstücke Böckhstraße 53. — Die übrigen Gegenstände werden in geheimer Sitzung erledigt. L2 Berlin, 31. Oktober. Die .Versicherungskommission des D.I. G.B. hat am Sonntag den 29.Oktober ihre zweite Sitzung im Bureau des Gemeindebundes abgehalten. Wegen der besonders bedeutsamen Fragen, die für diese Sitzung zur Entscheidung standen, wurden auch noch Vertreter der Rabbiner und der Kultusbeamten und ein hervorragender Versicherungsmathematiker zur Beratung zugezogen. Die Kommission stellte zunächst den Wortlaut der vom D.I. G. B. an den Reichstag abzusendenden Petition in Sachen des Angestellten-Versicherungsgesetzes fest. Es wurde beschlossen, für die Rabbiner, Religionslehrer und Kultusbeamten die Einbeziehung in das Gesetz zu erbitten. Die Petition soll sofort durch den Verband-'der deutschen Juden dem Reichstage eingereicht werden. Außerdemwerden einflußreiche Mitglieder der Versicherungskommission des Reichstages persönlich für die Sache interessiert werden. — Es wurde danach in die Beratung der wichtigen Frage betreffend Gründung einer Ersatzkasse für die jüdischen Gemeindebeamten eingetreten. Die Kommission beschloß einstimmig, den Plan der Gründung einer solchen Kasse, die für die jüdischen Beamten und Gemeinden bedeutende Vorteile gegenüber der Reichs-Versicherungskasse verspricht, mit Eifer und Möglichster Beschleunigung zu betreiben. Da nach Auskunft von kompetenter Stelle die Schaffung einer Ersatzkasse nur auf dem Wege^W Zusammenschlusses aller bestehenden Hilfs- und Pensionskassen, Stiftungen usw. zu einem Kassenverbande möglich erscheint, soll der Plan in dieser Art zur Ausführung gebracht werden. Ein Entwurf der Kassenverbandsorganisation, die den Hilfskassen ihre volle Selbständigkeit wahren soll, wird demnächst veröffentlicht und zur allgemeinen Diskussion gestellt und über den ganzen Plan dann von einer Vertreterversammlung der Hilfskassen, Stiftungen und der großen jüdischen Verbände entschieden werden. Zur weiteren Förderung der Vorarbeiten wurde ein engerer Ausschuß aus einem Vertreter des D.I G.B., dem Versicherungsmathematiker und einem Vertreter der jüdischen Beamten eingesetzt. Der Arbeitsausschuß hat seine Tätigkeit sofort begonnen. Es wird von der prompten Erledigung der von den jüdischen Gemeinden und Beamten geforderten Auskünfte und Erklärungen abhängen, ob das höchbedeutsame Werk noch rechtzeitig zustande kommt. 8. Berlin, 31. Oktober. Ter Berliner »Verein für jüdische Geschichte und Literatur" eröffnete seine diesjährige Vortragssais^n am Dienstag voriger Woche mit einem Vortrage von Professor Dr. Ludwig Stein über „Die logischen Grundlagen des Golt esglaubens". Der Redner ging nach einigen einleitenden Worten von der Fragestellung: Warum und zu welchem Zwecke sind wir nuch Juden? aus. Vor drei Dezennien etwa gab es keine Judenfrage. Es gab für alle Juden nur eines: Die Assimilation. Zweierlei aber hat die Juden aufgeweckt. Die antisemitische Sturzwelle und die sogenannten jüdischen Antisemiten als natürliche Reaktion; hierauf entstand das „Trotzjudentum", das mehr durch Affekt als durch logische Selbstzucht sich .charakterisierte. Doch jetzt, wo auch der Antisemitismus stiller, infernalischer, logischer geworden, müssen auch wir logischer werden. Jetzt gilt, Argument gegen Argument zu bieten. Sombart stellt als des Juden Charakteristikum die Zweckbedachtheit hin. Sind wir Juden wirklich' zweckbedacht, stellen wir unsere eigene Person höher als das Interesse der Allgemeinheit? Wer heute noch Jude bleibt aber, der lebt nicht dem Augenblick, sondern der unsterblichen Idee des Judentums. Innerhalb der Uebevzeugungsjuden gibt es Gefühls- und Verstandesjuden. Der ersteren Art sind die Chasfidim, die Schwärmer sind. Der Mensch des realen Lebens braucht jedoch eine logische Begründung, die ihm nur die Philosophie geben kann. Diese Begründung gibt der Redner in dem Satze: Was mit einer Intelligenz geschaffen wurde, muß auch aus einer Intelligenz kommen.- Professor Stein zeigt dann an Beispielen, wie auch > alle neueren Philosophen die Existenz eines göttlichen Wesens an-u nehmen. Denn die Naturwissenschaft ist zusammenhanglos. Jn^ offener Form gibt sie uns das, was uns vor 3000 Jahren bereits die Religion gegeben hat. Und erkennen wir, daß die Welt kein Chaos ist, so müssen wir einen Sinn haben; dieser Weltsinn ist eben Gott. Aber auch darüber hinaus müssen wir einen Sinn in der Geschichte finden, den nämlich, daß es in der Geschichte einen Aufstieg und nie einen Abstieg gibt. Dieser offenbart sich vor allem in der Ausbreitung der Messiasidee. Diese noch weiter auszubreiten, ist die Mission Israels. Aus diesem Grunde sind wir Juden und erziehen unsere Kinder zu Juden. — Das sehr zahlreiche Publikum spendete den interessanten Ausführungen lebhaften Beifall. — Aus den auswärtigen Literaturoereinen: In Köln sprach Dr. Cohn-Wiener- Charlottenburg über jüdische Künstler des 19. Jahrhunderts (mit Lichtbildern); in Wollstein i. P. Albert Katz-Pankow über Christen und Juden als Förderer der hebräischen Literatur; in Frankfurt a. M. Landrabbiner Dr. Doctor: Aus. Kana ans Urzeit; in Hamborn Kantor Rosen baum-Barmen: Morris Rosenfeld, sein Leben und seine. Werke; in Lauenburg i. P. Rabbiner Dr. Kaetter-Danzig über den „Talmud". *** Berlin, 31. Oktober. Die „Deutsche Conserenz- Gemein schuft" der Alliance Israölite Universelle veranstaltet am Montag den 6. November 12 Uhr vormittags im Saal der Gesellschaft der Freunde, Potsdamer Straße 9, eine öffentliche Versammlung, zu der jedes Mitglied der Alliance Zutritt und Stimme hat. Auf der Tagesordnung stehen folgende Punkte: 1. Protest gegen die Beschlüsse der Pariser Sitzung am 18. Oktober. 2. Antrag wegen Begründung eines Deutschen Landes-Komitees. 3. Verschiedenes. Die Mitglieder der Allianee Isra61ite Universelle werden dringend ersucht, so zahlreich wie möglich zu erscheinen. £2 Berlin, 31. Oktober. Die Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands veranstaltet am Montag den 6. November vormittags 10 Uhr im Repräsentantensaal der jüdischen Gemeinde (Oranienburger Straße 30) eine Mitgliederversammlung mit folgender Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes (Bloch-Posen). 2. Wahl des Vorsitzenden und des Schatzmeisters. 3. Resolution zur Feuerbestattung (Blumenthal-Berlin). 4. Vortrag über „Rabbinerversammlungen und Synoden des vorigen Jahrhunderts" (Freudenthal-Nürnberg). 5, Antrag auf Wahl einer Friedenskommission (Bloch-Posen). 6. Besprechung ehegesetzlicher Fragen (Vogelstein-Königsberg). 7. Eventuelle Anträge. Ein zahlreiches Erscheinen ist wünschenswert und geboten. Die Tagung beginnt pünktlich um 10 Uhr. 22 Berlin, 31. Oktober. An der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. N. Ärtilleriestraße 14, wird Herr Dozent Dr. Pahuda vom 14. November ab jeden Dienstag, 7—8 Uhr abends über „Die Propheten in Israel" und Herr Dr. Freund vom 7. November ab jeden Dienstag von 6—7 Uhr abends über „Die Emanzipation der Juden in Preußen" vortragen. Der Zutritt ist für jedermann, auch für Nichtmitglieder unentgeltlich. Diejenigen, welche den Vorlesungen beizuwohnen beabsichtigen, wollen sich zur Empfangnahme einer Eintrittskarte im Bureau der Lehranstalt am 7. bezw. 11. November zwischen 5 und 6 Uhr nachmittags melden. 6. T. Berlin, 30. Oktober. Der Königsberger Pharmakologe Geh'eimrat Professor M. Ja ff 6, der vor einigen Tagen plötzlich in Berlin starb, ist heute vormittag unter großer Beteiligung zur letzten Ruhe bestattet worden. Die Universität Königsberg hatte ihren Rektor, Professor Kranske, die medizinische Fakultät ihren Dekan, Professor Krückmann, entsandt. Zahlreiche Schüler und Kollegen waren erschienen, von her Berliner Universität die Professoren Gabriel, Hefft er, von der Landwirtschaftlichen Hochschule die Professoren Zuntz und N e u b er g, vom Reichsgesundheitsamt Geheimrat R o st, die Deutsche chemische Gesellschaft war durch ihren Generalsekretär vertreten. Am