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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-11-03 · Heft 44 (3.11.1911) · p. Seite 528

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 44 (3.11.1911)
Date
1911-11-03
Page
Seite 528 (sequence 12)
Language
German
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„Fräuleinlegen Sie jeden Kleinmutbeiseite und denken Sie an Gott, der alles zum Guten wendet: Schauen''Sie' hier den Brief. Schauen Sie hier den Sarg. Schauen Sie hier den Toten, der nicht ganz gestorben ist. Schauen Sie hier das Gespenst, Welches dem Sarge entsteigt. Fräulein, mein teurer und'erhabener Freund/ der Stolz der deutschen Wissenschaft^ die zukünftige Säule der jüdischen Bildung, ich sage: mein teurer und erhabener Freund, Herr Liweitzer ..." . Weiter kam er nicht. Esterchen sank bewußtlos auf den Teppich hin. Frau Efchkeles hatte sich wehklagend auf sie geworfen und der Lärm hatte bald das ganze Hausvolk um sie herum versammelt. Die Frauen riebenweinend den Körper des Mädchens, welches nur langsam und schwer das Bewußtsein erlangte. „Ich verstehe nicht," sagte Flesch mit ziemlich gesunkenem Selbstbewußtsein,, „ich verstehe nicht, warum das Fräulein in Ohnmacht gefallen ist, wo ich sie doch so wunderschön, mit so viel Umsicht und so zartem Taktgefühl ans die Sache vorbereitet habe. Wirklich, Herr Eschkeles, ich verstehe es nicht." (Fortsetzung folgt.) Literarische Mitteilungen. 2öic Hilde Simon mit Gott und dem Teufel kämpfte. Roman einer Berlinerin von Arthur Landsberg er. 1910. München, Georg Müller. Dieser merkwürdige Roman, der gewiß schon vielen^ Lesern bekannt, mir aber jetzt erst zugegangen ist, verdient in diesen Blättern eine Erwähnung. Nickt etwa bloß, weil deri Verfasser Jude ist, sondern auch weil die Heldin von Juden stammt und die Geschichte sich wenigstens teilweise in jüdischem Milieu bewegt. Teilweise, denn große Abschnitte des Romans tun dar, wie die Heldin, die Tochter eines trefflichen Vaters, der sein Kind zum Guten zu erziehen sucht, und einer ganz hysterischen verderbten Mutter, die schließlich eine Protistuierte wird, in entgegengesetzter Weise beeinflußt wird. Das Wesentliche des Werkes freilich, das ich, um den guten Geschmack und den Anstand nicht zu verletzen, nur andeuten kann, bleibt uns fern: wie diese hysterische Person— denn das ist auch die Heldin — in Paris in den Satanistenorden eingeweiht, von dem Führer dieses Ordens mißbraucht wird, ein Kind zur Welt bringt, und da sie in diesem die Züge ihres Verführers entdeckt, dieses Kind erwürgt: Schließlich wird sie hingerichtet. Alles das geht uns glücklicherweise nichts an. Aber als Schilderung gewisser Kreise des Berliner Tiergartens, einzelner, sogenannter vornehmer Juden, die ihr Heil darin sehen zu christeln, um in die aristokratischen Kreise zu gelangen, in sinnlosem Prunke ihr Geld vergeuden und schließlich zugrunde gehen, verdient dies Buch auch unsere Beachtung. Das Werk zeugt in einzelnen Partien von unleugbarem Talent. Die Darstellung eines englischen Kammerdieners Henry beweist höchst glücklichen Humor. Von großer Kraft ist die Umwandlung der Heldin aus einer Jüdin/ die von ihrem Glauben nichts weiß, zu einer frommen Katholikin, und sodann ihre Einweihung in den Satanistenorden in Paris. Aber das ganze ist oft so roh, von einer so groben Unwahrscheinlichkeit, es enthält so ungeheure Unsittlichkeiten und so schlimme Perversitäten, daß man die Leser, namentlich die jugendlichen, auf das energischste vor diesem Buch warnen müßte§ Dagegen verdient die Vorführung eines jüdischen Lebemanns, Fritz Crohn, Und die Art, wie dieser in Gemeinschaft mit einem Bischof — einer Prachtfigur — vergeblich für die Befreiung der Heldin kämpft, alles Lob. L. G Festrede zum 25jährigen Amtsjubiläum des Herrn Rabbine.r Dr. Winter am 20. September 1911/ Gehalten vom Gemeindevorsteher Kommerzienrat Max.Elb. Die Rede ist sehr hübsch,- sie ist wichtig, weil sie äußernder trefflichen Charakteristik eines M annes eine -schöne Schilderuygches Verhältnisses ' einer größeren Gemeinde zu ihrem Seelsorger gibt. Außerdem bietet ».sie aber - ein interessantes geschichtliches Material teils über die Rabbiner, die vor Winter in Dresden fungiertenteils - über einzelne- ‘ während seiner Amtszeit verstorbene, besonders tätige Mitglieder der Gemeinde. Auch das -schöne Lob, das Winters Mitarbeiter-in seinen gelehrten Arbeiten, Prof. Wünsche, erteilt wirdsoll nicht verschwiegen werden. Das Ganze, ist ein wichtiger und anmutiger Beitrag, zur Geschichte einer unserer größeren, jüdischen Gemeinden. L. G. Mchereinlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. - ■ La Psalmaro el la biblio. La biblio:-Genezo. La Predikanto. La Sentencoj de Solomono. Libro el la biblio el la original tradukis Do. L. L. Zamenhof. Bibliothek der Romane. Herausgegeben von Paul Ernst. Jvanhoe von Walter Scott. Im Jnsel-Derlag zu Leipzig. Dritter Band. Auf großer Fahrt. Das Reisebuch eines Schiffsoffiziers von Albert Levy. Berlin, E. S. Mittler & Sohn. Die Lehrer-Bildungsanstalt in Peine. Eine Neugründung der Simonfchen Stiftung in Hannover. Verband der Deutschen Juden. Sechster Geschäftsbericht für die Zeit vom 1. Oktober 1909 bis 31. März 1911.- Erstattet vom Generalsekretär. Berlin 1911- D. Feilchenfeld. -; Bericht zum 25jährigen Bestehen des Altenhaüses der Deutschisraelitischen Gemeinde in Hamburg. 1886 bis 1911. Bericht des Vereins »Jüdische Blindenanstalt für Deutschland" (Beth Chinnuch Leiwrim) V. für das Geschäftsjahr 1910/11. Sprechsaal. - ... Einer,•. . , verehrlichen Redaktion der „Allgemeinen Zeitung- . des Judentums", B erlin. uf den in Nr. 41 Ihrer Wochenschrift veröffentlichten Brief,, der sich mit Vorgängen im Jüdischen Jugendbund beschäftigt, erlauben wir uns, folgendes zu erwidern: . " Herr Dr. Apfel hat durchaus zutreffend behauptet, daß Herr Dr. Wertheim und seine Freunde aus persönlichen Gründen aus dem Jugendbunde ausgetreten seien. Es handelte sich darum, wie Herrn Dr. Wertheim für eine ihm von einem anderen Mitgliede zugefügte Beleidigung. Genugtuung, gegeben werden sollte. Infolge der .über diese Frage entstandenen Differenzen ist dep Austritt -der bezeichneten Herren'erfolgt. Wenn Herr Tr. Wertheim erklärt, daß der Vorsitzende des Jugendbundes in der Freiheit seiner Stellungnahme durch die Einwirkung zionistischer Partei-Organisationen gebunden gewesen sei, so muß das als eine mindestens grob leichtfertige Verbreitung unwahrer Tatsachen bezeichnet werden, um so mehr/als ihm auf das bestiMmieste und glaubhafteste persönlich mehrfach das Gegenteil persichert worden ist. ... . ' -** Der gegen Herrn Dr. Apfel erhobene Vorwurf, eine, unwahre Behauptung ausgestellt zu haben, ist soweit völlig ungerechtfertigt; der. durchaus unbestreitbare Sachverhalt ist ihm auch von allen Beteiligten — auch den Nichtzionisten des Vorstandes, außer denen um Herrn Dr. Wertheim — in der obigen Weise dargestellt worden. Auf die beleidigenden Beschimpfungen unseres Vereins und seiner Mitglieder durch Herrn Dr. Wertheim an dieser Stelle 'einzugehen, halten wir nicht für angebracht. In vorzüglicher Hochachtung Jüdischer Jugendbund Berlin E?V. J. A.r Dr. Simon- Vorsitzender. /

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